Wie weit gehen?

servustv2Sascha bei ServusTV in Salzburg

Wir haben schon überlegt, ob ich das überhaupt machen soll, schließlich gehört Servus TV zur Red Bull Media House GmbH, und die stehen nicht gerade für ein modernes, fortschrittliches Männer- und Frauenbild. Aber gut, da ist eine Redaktion, die sich für unser Thema interessiert und uns unterstützen kann. Also bin ich nach Salzburg gefahren und habe mich zu Thomas Ohrner und Andrea Schlager an den Frühstückstisch gesetzt und über unser Buch gesprochen.

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Unter den anderen Themen, um die es in der Sendung ging, waren zwei, die nun nicht gerade den passenden Rahmen bildeten für unser Thema: das Erzbergrodeo, „das härteste Motorrad-Offroad-Einzelrennen der Welt“, und ein Geburtstag: 100 Jahre BH … das hab ich am Rande mitbekommen, war aber zu aufgeregt und habe nicht realisiert, dass diese Kombination nicht wirklich gut ist, um über Rollenklischees zu sprechen. Was ich nicht wusste: Thomas Ohrner und Andrea Schlager haben vor meinem letzten Interviewabschnitt heiteres Dekolleté-Raten gespielt. Die drängenden Fragen waren Körbchengröße und Besitzerin.

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Jetzt freuen wir uns ja wirklich über jede Gelegenheit, unser Thema und Buch vorzustellen und damit auf all die Einschränkungen aufmerksam machen zu können, mit denen unsere Kinder konfrontiert sind. Aber war das wirklich eine gute Idee? Erst Fremdschämen mit Thomas Ohrner und dann locker-lustig über Rollenklischees plaudern? Gehört das zum Geschäft? Oder sollten wir beim nächsten Mal nach einem Ablaufplan fragen und in so einem Fall dann kurzfristig absagen? Oder trotzdem hingehen und das Ganze dann zum Thema machen? Keine gute Miene mehr zum bösen Spiel? Wieviel Medientraining braucht es, um in einem Live-Interview die Situation zu erfassen, die Rollenverteilung der Moderatoren zu thematisieren: sie hat Dekolleté-Fotos für ihn vorbereitet und freut sich, immer freundlich lachend, über seine männliche Unwissenheit in Sachen BH-Größen. Er tippt auf Brüste und kommentiert deren Größe. Um dann im Anschluss im Gespräch mit mir zu fragen, warum wir die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau denn in Frage stellten, die Rollen seien schließlich schon in der Steinzeit verteilt gewesen.

Da wäre es passend gewesen, klar zu machen (höflich-freundlich, versteht sich, immer auf Unterhaltung bedacht, um nicht als Spaßverderber und Mießmacher ungehört zu bleiben), dass ich es bezweifle, dass Männer schon damals derart despektierlich und abschätzig über das Aussehen von Frauen gesprochen und geurteilt haben, wie es heute für manche Menschen normaler Alltag beziehungsweise Teil des lustig- („Komm, war doch nur ironisch gemeint“) geschlechtshierarchischen Medienprogramms zu sein scheint. Mir jedenfalls war das in diesem Moment nicht möglich. Schade eigentlich!

 

 

 

 

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