Monster hier – Models dort

Ich habe mal die Titel der Reihe der ‚Drei Fragezeichen‘ mit denen der ‚Drei Ausrufezeichen‘ verglichen.

Das gibt so in etwa das Bild wieder, das sich Werbemenschen von „DEN Mädchen“ im allgemeinen und von „DEN Jungen“ so als Ganzes machen. Die einen mögen Spannung, Abenteuer, Monster und Diebe. Die anderen interessieren sich für Mode, Pferde und Jungs. Und das war’s im Groben auch schon. Bisschen wenig? Bisschen heftig in seiner Zuordnung? Ach was!

In unseren Interviews mit Marketingmenschen haben wir mehrfach gehört: Gendermarketing verstärke keine Stereotype. Nein, bestimmt nicht, I wo denn, wo kämen wir denn da hin! Wir? Wir greifen ja nur auf, was sowieso da ist. Soll also heißen: Wir waschen unsere Hände in Unschuld, wir haben keinerlei Einfluss auf die Welt. Das schlichte Fazit also, um sich das Leben einfach zu machen: So sind sie eben! „Boys will be boys“…

Kosmos Presse

Foto: Kosmos Presse

Geht’s mal um Fußball, dann schlüpfen die drei Ausrufezeichen in die Rolle von? …. Cheerleederinnen natürlich! Mit Fußball an sich haben sie selbst nichts zu tun, sondern retten einen Spieler: ‚Fußballstar in Gefahr‘. Die Krönung ist die Häufung der Buchtitel rund um Schönheit & Co: Nicht nur das ‚Duell der Topmodels‘, ‚Betrug beim Casting‘, ‚Skandal auf dem Laufsteg‘, nein auch noch ‚Stylist in Gefahr‘. Das ist natürlich eine der Berufbezeichungen, die Kinder früh kennenlernen sollten. Und es genügt nicht, dass Achjährige wissen, was ein Catwalk ist, dass schon Grundschülerinnen für Heidi durchs Kinderzimmer staksten, um den richtigen Gang zu üben. Wenn die Kleine mal Pause macht und ein Buch zur Hand nehmen sollte, dann geht’s auch hier um Styling! YEAH!

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Nachtrag:

Ich bin noch nicht lange bei Twitter, aber diese Cover-Gegenüberstellung hat einen ganzen Haufen Retweets und Kommentare ausgelöst, deren *Link* ich einfach mal hier einbaue:

 

geschrieben von: sascha + almut

sascha + almut

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8 Kommentare zu “Monster hier – Models dort”

  1. Mellando 24. September 2014 am 20:09 #

    Das mit den Buchtiteln ist mir auch schon auf gefallen, selbst wenn man die drei !!! mit de drei ??? Kids vergleicht (beide scheinen die slbe Altersgruppe anzusprechen) wir es nicht besser.

    Der Klappen Text setzt dem ganzen dann noch die Krohne auf wenn da Sinngemäß steht „Nicht nur lösen die Mädchen spannende Kriminal Fälle sie erleben auch immer wieder das Abenteur Freundschaft und die Aufs und Abs die diese so mit sich bringt auf neue“ oder um es plakativ aus zudrücken „Mädchen, Drama Zickenkrieg“

    Nicht schön garnicht schön

  2. Lauren 25. September 2014 am 14:50 #

    bis vor 5 minuten wusste ich noch nicht mal, dass die drei ausrufezeichen existieren. meine mutter hat mir (ebenfalls weiblich), ich glaube als ich 9 oder 10 war, ihre alten drei fragezeichen buecher ueberlassen, die ich damals verschlungen habe.
    wenn ich die titel dieser „maedchenbuecher“ lese, kommt mir schon dezent die galle hoch. ich moechte mich gar nicht darueber auslassen, was daran alles schlimm ist, ich glaube, dass wissen die meisten selbst.
    ich bin mir sicher, dass es viele maedchen (und wahrscheinlich auch einige jungen) gibt, die gerne auch in jungen jahren schon ueber mode etc. lesen wollen, allerdings finde ich es unmoeglich, dass diese strikte geschlechtertrennung herrscht, die mit pastellfarben auf dem cover noch unterstuetzt wird.
    ich wuerde mir jungencliquen auf dem reiterhof, und maedels auf den spuren eines verfluchten hauses wuenschen. oder wie waer’s mal, mit einer gemischten clique? meine generation hatte die tkkg (wobei auch hier die rollenverteilung klar war, haupt“mann“ war stark und regelte alles, haupt“frau“ liess sich gerne retten), harry potter (1a charaktere, ginny weasly war/ist meine heldin), oder so sachen wie die pfefferkoerner.
    ich habe nichts dagegen, wenn maedchen pink moegen, und sich lieber um ihre naegel kuemmern, als abenteuer zu bestehen. aber bitte, bitte ermoeglicht der jungen generation doch, sich ihre rollen selbst auszusuchen!
    (uebrigens bin ich grade sehr aufgebracht, und wollte eigentlich gar nicht so viel schreiben, ich hoffe, es ergibt trotzdem sinn.)

    • almut 25. September 2014 am 20:01 #

      ich habe nichts dagegen, wenn maedchen pink moegen, und sich lieber um ihre naegel kuemmern, als abenteuer zu bestehen. aber bitte, bitte ermoeglicht der jungen generation doch, sich ihre rollen selbst auszusuchen!

      Ja, so sehe ich das auch. Für die Kinder bzw. auch für Erwachsene wäre das besser, aber für den Umsatz scheints nicht… :(

      uebrigens bin ich grade sehr aufgebracht, und wollte eigentlich gar nicht so viel schreiben,

      Das kann ich gut verstehen, geht mir auch jedes Mal so, wenn ich wieder über so einen gegenderten Quatsch stolpere.

  3. Chris 5. Oktober 2014 am 14:24 #

    Das Ding ist: „Die drei ???“ richtet sich NICHT primär an Jungs. Die Gegenüberstellung ist also unzulässig. „Die drei ???“ ist für beide Geschlechter gedacht und wird auch von beiden gelesen.
    Mädchen müssen also in der Kosmos-Denke nicht à la „Die drei !!!“ sein, sondern dürfen auch die düsteren ???-Bücher mögen. Dass die !!! überhaupt den Anschein erwecken, in Zusammenhang zu stehen, ist ein Fehler – sie richten sich eben an Pony-Model-Zicken (die es ja sehr wohl gibt).

    • almut 5. Oktober 2014 am 17:04 #

      Ja, das bestätigt ja der Verlag auch, dass auch Mädchen weiterhin die ??? lesen. Immerhin. Mich stört nur die Mauer, die durch das !!!-Angebot extra „für Mädchen“ hochgezogen wird: Hier die Mädchenwelt, dort die der Jungs? Warum wird das Geschlecht in der Werbung, in den Abbildungen betont, warum nicht die Interessen? Dann müssten man sich nicht „falsch“ fühlen, wenn man sich als Mädchen für die düstere Variante entscheidet oder als Junge für die Pferde-Clique.

  4. Anja 12. November 2014 am 11:36 #

    Da ist viel Wahres dran, danke für diesen Artikel!
    Doch warum sorgen wir uns so um unsere Kinder? Weil sie glauben könnten, Rosa sei nur für Mädchen und Jungs wollten/sollten nichts über Reitställe wissen? Wie wäre es denn, wenn es Eltern völlig egal wäre, ob sie ihren Söhnen ein pinkfarbenes Buch zum Thema „Models“ kaufen? Haben wir nicht alle vorher schon längst festgelegt, was wir einem Jungen oder einem Mädchen schenken würden, was wir jeweils für angemessen halten? In der U-Bahn saß mir heute ein Mädchen mit Glitzerhaarreif gegenüber. Sie las „Gregs Tagebuch“ (ein blaues). Ich nehme an (ohne sie gefragt zu haben), sie hatte sich beides so ausgesucht. Umgekehrt habe ich schon Mütter erlebt, die sich geweigert haben, ihrem Sohn ein rosa Shirt zu kaufen, obwohl er nichts anderes wollte. Wir können nicht anfangen, alle Bücher in neutralem Gelb oder Grün zu drucken, aber wir können unseren Kindern beibringen, dass Jungs rosa toll finden und sich für Puppen und Casting und so weiter interessieren dürfen. Und dass Mädchen ihren eigenen Detektivclub gründen können, anstatt die Jungs weiterhin konkurrenzlos ermitteln zu lassen :)
    Rosa und Schwarz haben eine solche Macht, weil wir sie ihnen zusprechen und sie den Mädchen und Jungen zuordnen, anstatt die Kinder selbst entscheiden zu lassen. Das erlebe ich immer wieder in meinem Umfeld.
    Pink ist nur eine Farbe, eine großartige wohlgemerkt, und wir machen sie zu etwas, das unsere Kinder verdirbt, die Jungen wie die Mädchen.

    • almut 12. November 2014 am 21:37 #

      anstatt die Kinder selbst entscheiden zu lassen.

      Sehr einig, das sollte Ziel sein. Doch wie sollen sie frei entscheiden, wachsen sie doch in eine Welt hinein, die nun mal voll ist von Regeln, Vorgaben, Erwartungen und (medialen) Infos darüber, wie das Leben hier angeblich „richtig“ funktioniert. Und da sie Teil dieser Welt sind und sein wollen, werden sie sie mehr oder weniger übernehmen. Ich verstehe nur nicht, warum wir genau die engen Geschlechterrollen besonders in der Spielwaren- und Kinderzimmerwelt reproduzieren, die uns doch selbst in der Erwachsenenwelt sehr zu schaffen machen.

      • Anja 14. November 2014 am 9:48 #

        „Ich verstehe nur nicht, warum wir genau die engen Geschlechterrollen besonders in der Spielwaren- und Kinderzimmerwelt reproduzieren, die uns doch selbst in der Erwachsenenwelt sehr zu schaffen machen.“

        Das verstehe ich tatsächlich auch nicht. Mir ist auch klar, dass der oben beschriebene Zustand ein Ideal ist, an dem viele Leute mitarbeiten müssen. Vielfalt muss sein. Klar, Kinder wachsen nicht im luftleeren Raum auf, sondern orientieren sich an Freunden, Werbung, und je nach Alter vor allem an ihren Eltern. Ich glaube halt, wenn man Kindern Mut macht, das zu leben, was ihnen Spaß macht (und es ihnen im besten Fall auch noch vorlebt), egal, welche Farbe drumherumgewickelt wurde, und egal, ob das Label Ballett, Pferd, Ringer oder Monsterjäger drauf steht, dann ist schon ein erster Schritt getan. Gleichermaßen müssen sich Produzenten auch immer kritisch selbst hinterfragen, das sehe ich absolut auch so.