Goldener Zaunpfahl – Die Nominierten

Die Jury hat getagt …

… und hier stellen wir die Nominierten für den Goldenen Zaunpfahl im Jahr 2017 vor. Die Entscheidung für den ersten Platz fällt am 3.März (> Einladung zur Preisverleihung)

Spielküche

Jako-o, Katalog 2016 (Quelle: Katalog-Screenshot, inzwischen offline)

Ohne Worte.

Aus einer „Fuck you Gendergerechtigkeits“-Perspektive ist diese Werbung echt der Knaller. Hannelore kümmert sich liebevoll um den Nachwuchs aka Teddy und zaubert währenddessen ein üppiges und gleichzeitig gesundes Mahl für die ganze Familie. Alles nach dem Motto: Das bisschen Haushalt kann doch nicht so schwer sein, sagt mein Mann. Und was treibt Papa-Dieter? Gemüse schnippeln? Abwaschen? Oder vielleicht einfach mal mitkochen? Pustekuchen: Vater sitzt gechillt im Eck und telefoniert mit den Homies. War ja auch ein langer Tag auf der Arbeit, stimmts Diddi? Ob er heute wohl endlich mal wieder den Müll runterbringt? Wohl eher nicht …  –  Tarik Tesfu

 

Folgemilch – Werbespot

aptamil (Quelle)

„Als Mutter wissen sie, dass sie vom ersten Tag an die Zukunft ihres Babys mitgestalten.“

Das Video macht deutlich, wie unterschiedlich die Erwartungen der Gesellschaft (bzw. Werbefilmmacher) an Mädchen und Jungs sind – und das bereits ab dem Säuglingsalter. Die Macher wollen den Eltern suggerieren, dass sie ihren Kindern mit Aptamil-Folgemilch das Beste ermöglichen: Jungs körperlichen und beruflichen Erfolg, Mädchen Schönheit und graziles Ballettanzen. Unfassbar 50er Jahre–mäßig! Was absolut nicht nachvollziehbar ist: Da es den Absatz nicht steigert, wäre es bei Babynahrung überhaupt nicht notwendig, mit Genderklischees zu arbeiten. – Ferda Ataman

 

Pinker Globus

Räth-Globen (Quelle)

„Sozusagen die pinkfarbene Version und stellt die gleichen Informationen über Tiere und Bauwerke dar.“

Eine Pinke Welt für „furchtlose Prinzessinnen“. Während die Jungs auf ein altbewährtes Weltmodel schauen, kann die pinke Variante ja höchstens als anziehende Nachtleuchte taugen. Dieses Ding steht nun in Zimmern von zukünftigen weiblichen CEOs und macht den noch schlummernden Mädchen die Welt wie-de-wie-de-wie sie den Eltern, den Machern, den Mädchen, ja wem eigentlich? gefällt. So eine Verzärtlichung, Verniedlichung, Banalisierung unserer Welt ist schwer auszuhalten. An diesem Beispiel sieht man: Auch eine rosa Welt verheißt keine rosigen Zeiten.  – Nora Gomringer

 

 

Das rosa Überraschungs-Ei, „nur für Mädchen“

Ferrero (Quelle)

„Erkenntnisse der Markforschung besagen, dass sich Mädchen heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken lassen. Pink und Ponyhof ist ihnen genau so wichtig, wie Fußball und Frauenpower.“

Mir ist, glaube ich, ganz lange nicht aufgefallen, dass ich ein Mädchen bin. Auch als ausgewachsene Frau denke ich manchmal noch an den Satz meiner Freundin, die bis zu ihrem siebten Lebensjahr noch Krokodil werden wollte. Wer wollen wir sein, wie können wir leben, was steckt in uns? Drei spannende Fragen UND was zum Spielen. So rollen die Ü-Eier doch durch die Werbelandschaft und wer eins fängt, dachte früher immer: hey, mal sehen, was drin ist. Komplette Figuren waren dabei am coolsten, dann kamen die zusammenzubauenden und dann…ach, der Rest und zum Glück die fettige, wunderbare Schokolade. Jetzt ist klar: Kauf ich ein pinkes Ei ist pinker Quatsch drin. Etwas, das einem Mädchen gefallen könnte oder vielleicht sogar …sollte? Ich mag den didaktischen Fingerzeig ganz und gar nicht, der in der Zweifarbigkeit liegt. Mag ihn ganz und gar nicht.  –  Nora Gomringer

 

 

Geschichten für Mädchen / für Jungs zum Lesenlernen

Pons GmbH, Klett Lerntraining (Quelle)

Kämpfende Piraten, ein cleverer Polizist, der Entführungen aufklären muss, und ein Außerirdischer, der durchs Weltall irrt – diese Geschichten treffen den Geschmack von Jungs.

Bildungsmaterialien sollen einen Unterricht in der Schule befördern, der frei von Diskriminierungen ist. Schulbücher mit diesen Covern und Inhalten werden diesem Grundsatz nicht gerecht. Für Jungen wird eine abenteuerliche Welt des Erwachsenseins (Polizist, Weltraum und Piraten) entworfen. Natur und Gesellschaft müssen und können einerseits erobert werden. Andererseits sorgt ein Polizist für Ordnung.

Auf dem Cover des Lesebuchs „für Mädchen“ wird eine verniedlichte Umwelt entworfen, erwachsene Frauen sind nicht zu sehen. Das abgebildete Mädchen könnte zumindest ebenfalls in abenteuerlicher Szenerie oder im Wettkampf dargestellt werden. Beide Cover bilden zudem keine pluralistische Gesellschaft ab. Stattdessen werden Kinder und Erwachsene in jeweils stereotypen Lebenswelten gezeigt.  –  Petra Lucht

 

Einladung zur Preisverleihung

am 3.März, 18 Uhr im HAU Hebbel am Ufer

>>  zur Programmankündigung

 

Zur Vorstellung unserer Jury für den Goldenen Zaunpfahl 2017

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8 Kommentare zu “Goldener Zaunpfahl – Die Nominierten”

  1. faedenziehend 10. Februar 2017 am 11:34 # Antworten

    Puh, die sind ja alle unsäglich… Da bekommt die Rede von der Qual der Wahl noch einmal eine ganz neue Bedeutung.

    Über aptamil hab ich mich auch schon ausgelassen:
    https://filigranesgeflecht.wordpress.com/2015/08/12/sexistische-kackwerbung-teil-1-aptamil/

  2. Thomas Härtel 20. Februar 2017 am 11:58 # Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    es wäre ja schön gewesen, vor Veröffentlichung mal nach einem Statement des Verlages zu fragen, aber nun gut.

    Ganz richtig ist der durch das Bild gezeigt Gegensatz blau-pink nicht, denn das komplett blaue Modell haben wir so nicht im Programm (siehe Link: http://www.raethgloben.de/kollektionen/raethgloben-made-italy/kinder-leuchtglobus-kr-25-62) Zur Beachtung vielleicht: neben dieser blauen Kugel ist ein Mädchen zu sehen.
    Wohl weißlich ist auf der Produktseite des pinkfarbenen Globus mit keiner Silbe erwähnt, dass sich dieser Globus nur an Mädchen richtet. Das schlafende Kind auf dem Foto dazu könnte auch ein Junge sein, ich weiß es nicht.

    Falls Sie noch an weiteren Argumenten und Erklärungen zum Produkt interessiert sind, können Sie mich gern unter der angegebenen E-Mail-Adresse erreichen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Härtel

  3. Anna Hamann 3. März 2017 am 10:51 # Antworten

    Für mich sind ganz klar die beiden Produkte, die eher für die Bildung stehen – Globen und Bücher zum Lesenlernen – eindeutig die schlimmsten Beispiele des übelsten Gendermarketings. Da werden Klischees in einen Bereich getragen, wo sie am allerwenigsten hingehören. Mich hätte interessiert, ob der Klett Verlag eine Stellungnahme abgegeben hat, denn allein die Covergestaltung ist nur zum Weglaufen. Ich weiß zumindest, von welchem Verlag ich keine Bücher mehr kaufen werde. Und ein rosa Globus dient scheinbar nur der Beleuchtung, denn Informationen wie z.B. Meere oder klimatische Bedingungen, wie auf dem blauen Globus eindeutig erkennbar, sind hier Fehlanzeige. Da retten die Tiere und Bauwerke nichts mehr, denn ob Wasser oder Land – alles ist in rosa-pink… Aber hier geht es auch nicht um Wissensvermittlung… Glücklicherweise gibt es auch da andere Anbieter. Ich denke, man kann nur als Verbraucher mit konsequentem Nicht-Einkaufen bei solchen Herstellern ein wirkliches Zeichen setzen. Trotzdem finde ich es GROSSARTIG, dass Sie den Negativ-Preis vergeben und die Menschen auf diesen Schwachsinn bzw. diese Masche der Industrie hinweisen, die logischerweise zur Gewinnmaximierung dient, aber negative Folgen auf die Entwicklung der Kinder haben.

    • S. Heldt 6. März 2017 am 14:31 # Antworten

      Auch wenn ich die Aufregung verstehen kann, ist es unfair, nur den Klett-Verlag an den Pranger zu stellen. Es ist inzwischen bei den meisten Verlagen mit Erstlesebüchern üblich, Sammelbände mit Mädchengeschichten bzw. Jungsgeschichten anzubieten (z.B. Ravensburger, cbj). Teils in klischeehafter Farb- und Themengestaltung, teils aber auch sehr aufgeschlossen, was die Themen angeht. Vielen (leider eher unkritischen) Eltern erleichtert es die Buchauswahl, wenn z.B. nach einem Geschenk gesucht wird für ein Kind, das man nicht gut genug kennt, um dessen Vorlieben richtig einzuschätzen (oder auch für die eigenen Kinder). Ich finde es besser, dass dann trotzdem nach einem Buch gegriffen wird, statt das nächste nutzlose Einwegspielzeug zu kaufen. So erleichtert man Eltern mit vielleicht eher niedrigem Bildungsstand dennoch den Zugang zum Medium Buch, was mich als Buchhändlerin natürlich freut.

      • almut 14. März 2017 am 0:20 # Antworten

        Ich weiß nicht, ob das Wort „Pranger“ wirklich angebracht ist. Wir sind drei Autor*innen, Aktivist*innen, Menschen, die diesen Preis ins Leben gerufen haben. Und auch wenn die Medienresonanz sehr groß war, im Vergleich zu den publizistischen und werberischen Möglichkeiten der Klett-Gruppe, ist unser „Pranger“ doch recht klein, finden wir.
        Aber Sie haben Recht, dass auch andere Verlage bei Leselernbüchern gerne auf Geschlechtertrennung setzen, es gibt viele Beispiele dafür. Nun wurden dieses Jahr eben die Klett-Lesetraining-Bücher eingereicht und anschließend von der Jury prämiert. Doch wir freuen uns, wenn Sie uns mit Ihrer Expertise Beispiele für absurdes Gendermarketing für den Goldenen Zaunpfahl 2018 einreichen :) >zum Formular< Und hier die bisherige Sammlung

        • S. Heldt 16. März 2017 am 16:04 # Antworten

          Die Bezeichnung „Pranger“ bezog sich gar nicht auf dieses Forum oder diesen Preis (die Grundidee finde ich klasse), sondern auf den Beitrag meiner Vorrednerin Frau Hamann, die die Schlussfolgerung zieht, nun vom Klett-Verlag keine Bücher mehr kaufen zu wollen, was ich als grundsätzliche Konsequenz für verkehrt halte. Somit stellt sie den Verlag mit seiner Geschäftspraktik (obwohl die eben inzwischen verlagsübergreifend weit verbreitet ist) „an den Pranger“. Richtig geschlussfolgert wäre wohl eher die Konsequenz, allgemein nicht zu so geschlechterbezogenen Büchern zu greifen, egal von welchem Verlag, oder? Und das kann ich nur unterstützen ;-)

          • almut 16. März 2017 am 16:21 #

            ah, verstehe, sehr einig, das hatte ich dann nur falsch verstanden.

  4. Siggi Haustein 20. März 2017 am 16:00 # Antworten

    Es sind ja nicht nur die Lesebücher, den Quatsch gibt es ebenso als Textaufgaben in Mathe schön getrennt in Themen für Jungs und Mädchen.

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