Das rosa Monster-Ü-Ei. Cool aber zu spät!

Voila, Sascha hat mir ein „Mädchen-Ü-Ei“ mitgebracht! 😀 Es hat eine rosa Spitze, auf der, anders als erwartet, keine Blümchen drauf sind, sondern eine Art rosa Frosch-Monster mit Glubschaugen. Und das gefällt mir gut, es kommt nur zu spät!

„Ooch, nee, jetzt nörgelt die schon wieder! Und da steht doch auch gar nicht drauf, dass das nur für Mädchen ist!“

Auf den Einwand „Sie können das pinke Glitzer-Pony aus dem Mädchenregal doch auch für ihren Sohn kaufen, verbietet doch niemand“ sind wir schon in unseren Antworten auf das Bullshitbingo des Gendermarketing eingegangen.

Also, warum zu spät?

Hätte doch Ferrero mal den Anfang damit gemacht, mit rosa Monstern anstatt Magerfigürchen! Anstatt Halskettchen ins rosa Ei zu stecken und „Extra für Mädchen“ auf die Pappaufsteller daneben zu drucken. DAS wäre eine Aktion in unserem Sinne gewesen.

Genauso die „HeroGirls“. Ja, es ist toll und wichtig, dass neben den vielen, überall präsenten Helden-Piraten-Abenteurern, die überwiegend für Jungs angeboten werden, jetzt auch mal ein paar weibliche Heldinnen in die „Ich-weiß-nicht-wohin-mit-dem-Kleinkram“-Kiste des Kinderzimmers wandern. Aber jetzt dicke Komplimente an Ferrero verteilen? „Besser spät als nie“ sagen die Optimistischeren und klatschen. Aber nach dem Kino-Erfolg von Wonderwoman, wo Heldinnen überall aufgedruckt und angepriesen werden, ist das nicht wirklich der mutige Marketing-Act. Erst jahrelang Klischees bedienen, abwarten und dann, wenn andere eine Welle machen, schnell mit aufspringen und nicht mehr zurückschauen? Erst Prinzessinnen als DAS Mädchen-Ding vermarkten, so lange und hartnäckig, bis Kinder an der Kasse schon zurechtgewiesen werden, wenn sie „das falsche“ Ei wählen. Hallo?!

Seit 5 Jahren lernen Jungs am Beispiel Ü-Ei, dass alles, was rosa ist, Tabuzone bedeutet. Rechts gehts zum rosa „Mädchen-Ei“, zum Anderen, es liegt abseits der Norm. Denn links gehts zum „Classic-Ei“, dem normalen, das angeblich für alle da sei und doch automatisch zum „Jungs-Ei“ wird.

Jungen ausschließen und alle in die Schublade „Technik-Freaks“ packen, gleichzeitig Mädchen auf niedlich trimmen, auf Schönheitsthemen reduzieren und mit Plastiktierchen zuwerfen, also erst mal was kaputtmachen und dann Beifall ernten, weil man bei den Aufräumarbeiten hilft? Erst das Gleichstellungsrad zurückdrehen und dann stolz in die Runde gucken, weil man ihm einen Nano-Schubs nach vorn gegeben hat? Nee, sorry!

Bevor ein Unternehmen meint, sich in Sachen Geschlechtergerechtigkeit an die Spitze zu stellen, muss es erst mal aufholen, was es in der Vergangenheit zur Ungerechtigkeit beigetragen hat. Und deshalb, Ferrero, so cool der rosa Monster-Frosch auch ist:

Ihr seid noch im Minus!  ¯\_(ツ)_/¯

 


Nachtrag:

Fast schon wieder versöhnt :)


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P.S. Das Ü-Ei war 2017 für den Goldenen Zaunpfahl – Negativpreis für absurdes Gendermarketing nominiert.

 

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