Studie über limitierende Rollenklischees

Global Early Adolescent Study

Eine internationale Studie, deren erste Ergebnisse gerade veröffentlich wurden, hat festgestellt, dass überall auf der Welt Kinder schon ganz früh den Mythos verinnerlichen, Mädchen seien verletzlich und müssten vor allem schön sein, Jungen dagegen seien stark und unabhängig.

„Diese Botschaft wird ständig untermauert – von Geschwistern, Mitschülern, Lehrern, Eltern, Verwandten, Geistlichen, Trainern“,

sagt Robert Blum von der Johns Hopkins University, der die Studie leitet.

Es ist also im Grunde eine Studie, die belegt, dass die Rosa-Hellblau-Falle überall auf der Welt in unterschiedlichem Ausmaß im Alltag von Kindern präsent ist und ihr Heranwachsen mitbestimmt.

Das Forscher*innen-Team hat Ergebnisse aus 15 Ländern zusammengetragen. Rund 450 Heranwachsende sowie je ein*e Erziehungsberechtigte*e oder Elternteil wurden befragt, sie leben in Ägypten, Belgien, Bolivien, Burkina Faso, China, der Demokratischen Republik Kongo, Ecuador, Indien, Kenia, Malawi, Nigeria, Schottland, Südafrika, den USA und Vietnam.

The researchers found that gender-based restrictions rationalized as “protecting” girls actually made them more vulnerable by emphasizing subservience and implicitly sanctioning even physical abuse as punishment for violating norms. They observed that “in many parts of the world” these stereotypes leave girls at greater risk of dropping out of school or suffering physical and sexual violence, child marriage, early pregnancy, HIV and other sexually transmitted infections.

http://www.geastudy.org/

Rollenklischees schaden Mädchen genauso wie Jungen:

They point out that the stereotypes they learn in early adolescence—the emphasis on physical strength and independence—make them more likely to be the victims of physical violence and more prone to tobacco and other substance abuse, as well as homicide. Also, when researchers examined attitudes about gender roles among young adolescents in China, India, Belgium and the United States, they found a growing acceptance for girls pushing against certain gender boundaries, but almost zero tolerance for boys who do.

Die Wissenschaftler*innen warnen vor weiteren möglichen negativen Folgen der verinnerlichten Stereotype, schreibt der Spiegel, und zieht den folgenden falschen Schluss: „nachgewiesen haben sie diese Zusammenhänge in der Studie nicht, weil sie bisher lediglich die erste Befragung durchgeführt habe“. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Studien, die belegen, dass verinnerlichte Stereotype Kindern (und Erwachsenen) Grenzen auferlegen und sie damit in ihrer Wahlfreiheit und Entfaltung ihrer Persönlichkeit einschränken. Stichwörter dazu sind „Minimalgruppenparadigma„, „Stereotype Threat“ oder „Kognitive Dissonanz“, um nur ein paar zu nennen.

Die Tatsache, dass Stereotype an Kinder weitergereicht werden, ist bekannt, aber wie früh das geschieht, hat die Forscher*innen dann doch überrascht. Uns nicht. Leider. Denn dank euch, den vielen (werdenden) Eltern und Großeltern, Erzieher*innen, Lehrkräften, Onkel und Tanten, Pädagog*innen … die uns täglich Fotos schicken, Szenen erzählen, Dialoge wiedergeben und von den kleinen und großen rosa-hellblauen Momenten ihres Alltags berichten, ist uns sehr bewusst, dass die Reproduktion einengender Rollenbilder in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat und weiter zunimmt.

Jetzt hat also eine internationale Studie, diese subjektive Sammlung bestätigt. Ein Blick ins Forum (zum Artikel von Spiegel Online) zeigt einmal mehr, dass sich die Gegner*innen auch von wissenschaftlichen Studien nicht beeindrucken lassen. Das passiert schnell, weil die Ergebnisse abstrakt sind. Umso wichtiger sind unsere und eure Geschichten, die anschaulich zeigen, wie Kinder eingeschränkt werden und verborgen oder offensichtlich darunter leiden. Wir freuen uns über Eure anhaltende Unterstützung!

viele Grüße

von Sascha und Almut

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