Briefe an die nächste Generation – Gastbeitrag zum #EqualCareDay

Liebe Tochter,

Letzte Woche hast du aus der Schule ein Arbeitsblatt mit nach Hause bekommen. Du solltest eintragen, wer bei uns die Hausarbeit erledigt, also z.B. wer einkauft oder kocht. Bei den meisten Punkten hast du Mama und Papa eingetragen. Auf meine Nachfrage hast du mir erzählt, dass du die Arbeit bei uns gerecht aufgeteilt siehst. Blumen gießen hattest du übrigens gestrichen – Blumen haben wir nur in der Vase und die muss man nicht gießen, klar :) Und du wünscht dir für später, dass du die Arbeit mit deinem Mann teilst. Das war der Anlass für mich, einmal darüber nachzudenken, was ich dir wünsche. Du bist jetzt 7 Jahre alt. In den nächsten, vielleicht 20 Jahren, kann sich einiges ändern …

Wenn du einmal erwachsen bist, dann wünsche ich mir für Dich, dass du auch einen Partner hast, für den es selbstverständlich ist, dass ihr die Arbeit teilt. Dass ihr beide Zeit für euere Kinder habt und sie natürlich gerne auch mal zu Oma und Opa bringt :) Dass ihr beide Zeit für Hobby und Ehrenamt habt. Und dass ihr beide einen Beruf habt, der euch erfüllt, aber auch Zeit für die anderen Dinge lässt.

 

Ich hoffe aber auch, dass du irgendwann stolz auf mich bist und nicht mehr sauer, weil ich so viele Abende nicht da bin. Diese Abende verbringe ich bei Ausschüssen oder anderen politischen Sitzungen, denn ich möchte die Weichen stellen, damit es für euch später einfacher wird:

* Kostenlose, gute Kinderbetreuung, damit du dir keine Sorgen machen musst, ob die Kinder gut betreut sind oder ihre Hausaufgaben machen, während du arbeitest
* Einen Beruf, der dir Spaß macht und gut bezahlt ist, gleiche Bezahlung für Männer und Frauen und die richtigen Vorgesetzten. Damit es egal ist, wer wie lange in Elternzeit geht. (Ich weiß aus Erfahrung, dass es schön für alle Beteiligten ist, sich die Elternzeit zu teilen)
* Ausreichende Rente, damit man sich keine Sorgen um die spätere Zukunft machen muss und die Großeltern auch Zeit haben für ihre Enkelkinder
* Abschaffung des Ehegattensplittings. Weg mit den falschen Anreizen, stattdessen Entlastung für Kinder und nicht den Ehepartner
* Tatsächlich auch technische Neuerungen, die das Leben erleichtern. Ohne gemeinsamen Kalender und Einkaufsliste auf den Smartphone wäre es noch komplizierter :)

Liebe Grüße aus dem Jahr 2018

Deine Mama

(Gastbeitrag von Katrin)


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Anlässlich des Equal Care Day haben wir eine Briefaktion initiiert und freuen uns über Eure Unterstützung: Wir sammeln Briefe in Sachen Care- und Fürsorgearbeit! Bitte gerne teilen (Facebook-Veranstaltung), den Aushang ausdrucken (pdf-Datei zur Briefaktion), Leuten weitersagen, die das Anliegen evtl. mit einem eigenen Brief unterstützen – oder Du schreibst selbst einen? :D

 

Was sind Deine Kritikpunkte zur aktuellen Situation von Pflege-, Erziehung-, Fürsorgearbeit? Greife z.B. einen Punkt heraus, der Dich persönlich betrifft. Was wünschst Du Dir für die nächste Generation? Was muss sich ändern?

Alle Details zur Briefaktion unter:

www.equalcareday.de

Jede*r zehnte Beschäftigte arbeitet mittlerweile in einem Pflege- oder Gesundheitsberuf, der Frauenanteil ist in diesem Bereich mit durchschnittlich 86% extrem hoch: Es gibt nur 5% männliche Erzieher, und 10% männliche Grundschullehrer, in der Kranken- und Altenpflege beträgt der Männeranteil nur 15%. Zusammengefasst werden rund 80% der Care-Arbeit in Deutschland von Frauen geleistet – im professionellen, ehrenamtlichen und privaten Bereich. Umgerechnet in Zeit bedeutet das, dass Männer vier Jahre brauchen für die Care-Arbeit, die Frauen in einem Jahr leisten. Deshalb gibt es den Equal Care Day streng genommen nur in den Schaltjahren, jeweils am 29. Februar. In diesem Jahr fällt der Aktionstag also, wie in allen Zwischenjahren, auf den 1. März.

 

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