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Die Rosa-Hellblau-Falle auf Youtube

Unterwegs mit der Rosa-Hellblau-Falle

Wir haben jetzt unsren eigenen youtube-Kanal und hoffen, dass wir die Ideen dafür bald umsetzen können. Immerhin 4 Videos gibt es schon zu sehen, schaut doch mal vorbei :D

 

 

 

 

Gedankenspiele

Was wohl anders wäre?

– in meinem Leben,

– in meinem Alltag,

– jetzt hier im Moment,

wenn ich ein Mann / eine Frau wäre?

In unseren Fortbildungen zu geschlechtergerechter Bildung stellen wir diese Frage(n) manchmal, um mit den Teilnehmer*innen ins Gespräch zu kommen. Natürlich gibt es keine richtige und keine falsche Antwort darauf, es ist rein hypothetisch, ein Gedankenspiel. Aber wenn alle bei sich bleiben damit, sich an Entscheidungen zurückerinnern, an Kommentare, an Argumente, verläuft das Gespräch danach sehr spannend, nachdenklich, manchmal traurig. Es sind sehr persönliche Antworten, manche sind schwer nachzuvollziehen (- erstaunte Rückfrage aus der Gruppe: „Ja, aber warum machst Du das denn nicht trotzdem?“), andere Geschichten haben alle so ähnlich selbst erlebt.

Wir wollen hier ist einen Ausschnitt aus den Antworten zeigen, denn sie machen spürbar, wie einschneidend die #RosaHellblauFalle für das eigene Leben sein kann. Wieviele sich mit etwas arrangieren mussten, weil wir uns daran gewöhnt haben, dass Verhaltensweisen, Interessen, Eigenschaften, Hobbys… Geschlechtern zugeordnet werden. Die Antworten zeigen, welche Folgen das hat. Und dass wir gut daran tun, bei Kindern nicht auf denselben Regeln zu bestehen, die uns selbst doch so stark in unserer Entwicklung beeinflusst und oft auch eingeschränkt haben.

Besonders berührt uns, wenn Leute erzählen, dass sie eigentlich einen anderen Berufsweg einschlagen wollten:

Eine Hebamme erzählte, sie wollte eigentlich Ingenieurin werden, aber Eltern und Familie hatten so große Zweifel, ob sie das als Frau wohl schaffen würde, bis sie irgendwann selbst nicht mehr an sich glaubte und einen ganz anderen Weg ging.

Ein Erzieher, Mitte 30, sagte, er wusste eigentlich schon als Schüler, dass er mal mit Kindern arbeiten möchte, und trotzdem sei er erst seit 2 Jahren in diesem Beruf, davor sei der Gegenwind aus seinem Umfeld zu stark gewesen.

Eine andere erzählte, sie würde so gerne Motorrad fahren, ihr Mann hätte auch eins, aber ein Elternteil müsse ja bei den Kindern bleiben, es sei ja ein gefährliches Hobby, und falls etwas passiert…

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Was wohl anders wäre, wenn ich ein Mann/eine Frau wäre?

Dieses Gedankenspiel ist nicht nur in der Gruppe interessant, sondern auch alleine oder zu zweit.

Wer möchte, kann hier nachlesen, was andere in ausführlicher Form darauf geantwortet haben oder auch selbst mit dem Hashtag #Wasanderswäre mitmachen. Dann freuen wir uns über einen Hinweis und Link darauf.

 

Die Rosa-Hellblau-Falle unterwegs

In die Sommerpause verabschieden wir uns mit einem Rückblick in Bildern auf unsre letzten Veranstaltungen und wünschen allen eine schöne Sommerzeit mit möglichst wenig rosa-hellblauen Zuweisungen!  :) Im Herbst geht es weiter, alle kommenden Termine sind > hier < versammelt.

 

Letzte Woche waren wir mit einem Vortrag über Gendermarketing bei einem Treffen der deutschen Spielwarenindustrie in Altenburg. „Sozusagen in der Höhle des Löwen“ meinte einer der Teilnehmer, bevor wir dran waren :)


 

Die Agnesbuchhandlung in Köln, wo wir im Juni mit der Rosa-Hellblau-Falle einen Auftritt hatten, hat eins ihrer Schaufenster gestaltet -Toll, oder? Mit vielen Büchern zum Thema und mit Kinderbüchern in Sachen #rausausderfalle   –  Danke für den netten Abend!


Noch ein herzliches Danke, dieses Mal nach Iserlohn. Es war ein schöner Abend mit nettem, interessiertem Publikum! Almut Schnerring war dort für einen Vortrag mit anschließender Diskussion zu Gast im Lila Salon in der Städtischen Galerie.


 

Ein Rückblick auf die Fortbildung in Lüdenscheid: „Glitzer-Prinzessin & Monster-Fighter“, Geschlechtergerechte Bildung für Fachkräfte in Kitas und Grundschulen:

 


Und zuletzt waren wir mit einem Vortrag in Bonn. Angesprochen waren v.a. Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch Eltern und andere Interessierte. Im Anschluss gab es in vier Gruppen Diskussionen nach der Methode „World Café“. D.h. an vier Tischen wurde zu vier verschiedenen Fragestellungen diskutiert und die Ergebnisse auf einem Plakat festgehalten, bevor die Teilnehmenden wechselten und sich an einem anderen Tisch zu einem neuen Thema weiter austauschen konnten.

 


Wenn Sie uns für einen Diskussionsabend, einen Vortrag, eine Lesung oder eine Fortbildung (> Details dazu…) einladen möchten, können Sie uns über unsere Homepage >hier< erreichen.

Sascha Verlan & Almut Schnerring

 

 

„In der Höhle des Löwen“

Rückblick auf unseren Vortrag beim Verband der Deutschen Spielwarenindustrie

Wir haben uns ehrlich gefreut über diesen Auftrag! Sind wir doch unterwegs in Sachen Rosa-Hellblau-Falle, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir freuen uns über den Kontakt zu Unternehmen, die sich mit dem Thema Gendermarketing kritisch auseinandersetzen. „Jetzt sind sie sozusagen in der Höhle des Löwen“, meint einer der Spielwarenhersteller, bevor wir dran waren mit unserem Vortrag :)

 

In Altenburg, beim Spielkartenverlag ASS

Was sofort auffällt: Auch wenn die Betreuung von Kindern, das Spielen mit ihnen, Geschenke auswählen für so viele Menschen weiblich konnotiert ist: wenn’s ums Geschäft geht, sind Frauen doch wieder in der Minderheit. Spielwarenfirmen holen sich auch nicht mehr Frauen ins Boot als andere Vorstände, zumindest beim Treffen der Geschäftsführer und Marketingleiter gab es viel mehr weiße und hellblaue Hemden als bunte Blusen.

Aber schon am ersten Tag zeigte sich: auch unter jenen, die mit Spielzeug zu tun haben, gibt es so einige, die ihre Bedenken haben bei den sich so sehr ausbreitenden Botschaften über süße Prinzessinnen und wilde Abenteurer.

Es waren interessante Gespräche, auch über den Hype und das ausgelaufene Patent des Fidget Spinners. Über den zunehmenden Online-Einkauf und seine Gefahr für niedergelassene Spielwarenanbieter. Über Konstruktionsspielzeug, das weiterhin überwiegend für Jungen gekauft wird, auch die pinke Variante würde kaum etwas an den Zahlen ändern. Ein Hersteller von komplizierten Bausätzen, Zielgruppe 14+ sagt, sie hätten nur männliche Kunden. Die gesellschafliche Prägung sei so stark, sie hätten da keine Chance, was auch immer sie probiert hätten, ihre Produkte würden nicht für Mädchen gekauft.

In unserem Vortrag dann am zweiten Tag haben wir über das Minimalgruppen-Paradigma gesprochen, darüber, dass die Trennung einer Gruppe dazu führt, dass sich die Mitglieder der jeweiligen neu entstandenen Gruppen in ihren Entscheidungen und Ansichten an den Gruppenkonsens der eigenen „Wir-Gruppe“ anpassen.

> Dass das Farblabel Pink Mädchen einlädt, mit einem Gegenstand zu spielen, den sie vorher nicht kannten, und Jungen dagegen davon ausschließt (> zur Studie).

> Dass das Label „Für Mädchen“ bzw. „Für Jungs“ zur Folge hat, das Kinder länger mit dem für sie gedachten Spielzeug spielen und sich auch länger daran erinnern (> zur Studie).

Unser Schwerpunkt lag also auf Studien zu den Folgen des Gendermarketing und der eingeschränkten Wahlfreiheit, die diese Strategie für Kinder bedeutet. Und was der Verzicht auf die Trennung in zwei Welten, die geschlechtliche Zuweisung von Farben, Verhalten und Interessen bringen würde: mehr Toleranz und Wahlfreiheit, mehr Vielfalt und ja, mehr Demokratie.

(Schwedische Studie zum Thema geschlechtersensible Pädagogik, Spielzeug und Spielanweisungen ohne geschlechtliche Zuweisung: „Children at the gender-neutral school were more willing to play with unfamiliar other-gender children.“)

Es wurde unruhig, als wir Bilder von Puppen und Internetseiten von Puppenherstellern zeigten. Unsere These: ‚Puppen haben keine Väter’ und Gendermarketing erschwere Jungen den Zugang zu einem Bereich, für den wir aus gesamtgesellschaftlicher und politischer Sicht gerne mehr Männer gewinnen würden: Pflege, Erziehung, CareArbeit.

Wie erwartet kam auch das Argument: „Aber schon bei Affen sieht man Unterschiede…“, und Füßescharren und Kopfschütteln ließen vermuten, dass mancher bei sich dachte: „Aber Jungs mögen nun mal lieber…“. (Wir verweisen an dieser Stelle lieber auf unsere Antworten zum Bullshitbingo des Gendermarketing ;)

Rätselhaft bleibt für uns eine häufige Reaktion zur Kritik an der zweigeteilten Spielwarenwelt (z.B. bei Lego): Es würde doch sowieso zusammengeworfen und gemeinsam bespielt, in den Kinderzimmern würden die Kinder doch mit Phantasie beide Angebote verbinden. Und wir verstehn einfach die Logik dahinter nicht: Warum setzen denn dann alle auf getrennte Welten, wenn das Gemeinsame so ein beliebtes Argument gegen unsere Kritik daran ist?

Dass unser Anliegen manche Menschen emotional berührt, war ganz offensichtlich. Besonders als einer meinte, mal eben Saschas Pudelschuhe herabsetzen zu müssen: „Die sind ja auch hässlich!“ :-0  Dabei ziehen wir die oft bei Vorträgen zur Rosa-Hellblau-Falle an, um zu verdeutlichen, dass wir nichts gegen Rosa haben, sondern nur einfach finden, die Farbe sollte für alle da sein.

Klar haben wir uns gefreut, dass die Mehrzahl der Rückmeldungen im Anschluss  positiv waren, auch vom Vorstand eines Puppenherstellers. Er könne ja nur gewinnen, wenn er sich unserem Anliegen anschließt, denn er würde natürlich gerne Jungen für Puppen gewinnen. Auch er beobachtet den massiven Druck, der auf Jungs lastet, die gern mit Puppen spielen. Sobald sie in die Kita kommen, müssen sie viel aushalten bzw. die Eltern müssten sehr tough sein. Ob vor 10, 20 oder 30 Jahren, er sähe keine Anzeichen dafür, dass mehr oder weniger Puppen für Jungs gekauft werden, nach wie vor würden sie zu 99%  für Mädchen gekauft.

Es zeigt sich also wieder, dass weder Eltern alleine die Verantwortung tragen, es aber auch zu kurz gedacht wäre, nur den Herstellern die Verbreitung von einengenden Rollenbildern anzulasten. Es ist ein Zusammenspiel, das im Moment einfach zu gut funktioniert. Zu gut im Hinblick auf Kinder, deren Spielverhalten und Interessen dadurch beeinflusst und eingeschränkt werden. Wir hoffen jedenfalls, dass wir einige aus dem Publikum mit unseren Argumenten „erwischt“ haben, so dass sie sich noch lange gedanklich damit beschäftigen.

 

Jetzt ohne „Stereotyp Bedrohung“

Bei ZEIT LEO gibt es eine neue Rubrik

Vor 2 Jahren um diese Zeit hatten wir einen offenen Brief an die Zeit Leo Redaktion geschrieben, weil uns das Heft so gut gefällt, wir aber die Seite „Ist … Jungssache oder Mädchensache?“ keine gute Idee fanden. Unsere Kritik daran: „Allein durch Ihre Fragestellung verstärken Sie die vermeintlichen Gegensätze zwischen Mädchen und Jungen und nehmen den Kindern jede Möglichkeit, wirklich unvoreingenommen und individuell zu antworten.“ Im Grunde war das ein klassisches Beispiel für das Phänomen der sog. „Stereotyp Bedrohung“ (stereotype threat): steht ein Vorurteil im Raum, können die davon Betroffenen nicht mehr unbefangen agieren.

 

In ihrer Antwort schrieb Inge Kutter, Chefredakteurin ZEIT LEO, sie sei sicher, Kinder könnten ihre eigenen Schlüsse aus den Antworten ziehen, ohne Bevormundung. Das fanden wir schade, ging es für uns am Kritikpunkt vorbei. Umso mehr freut uns jetzt, dass die Rubrik aus der Kinder-Zeitschrift verschwunden ist. Neu ist dafür eine kleine Umfrage, eine Doppelseite unter der Überschrift „JA!“ und „Nein!“, und das finden wir SUPER! 👍😃 Die Klischeekiste ist entsorgt und an ihrer Stelle finden die jungen Leserinnen und Leser Antworten anderer Kinder auf eine Frage, die jedes Mal einlädt, sich über ein Thema Gedanken zu machen: „Soll man für Noten belohnt werden?“, „Soll man an Silverster böllern?“, „Magst Du Wettbewerbe?“

Kinder können überlegen, wie sie selbst zur gefragten Sache stehen und dann mit den Antworten anderer Kinder vergleichen, vielleicht von ihnen neue Argumente erfahren. Wo es vorher um rosa-hellblaue Zuordnungen ging, geht es jetzt um die eigene, individuelle Meinung.

Danke dafür! :D

 

 

Studien zur Wirkung von Gendermarketing

Die beiden am häufigsten gelesenen Artikel hier sind zur Zeit unsere „Antworten auf das Bullshitbingo des Gendermarketing“ und die Zusammenfassung „Warum Gendermarketing einen Negativpreis verdient„. Darin sind eine ganze Reihe von Studien versammelt.

Es gibt ja gar keine Belege dafür, dass Gendermarketing (Kinder) einengt, nur ihr habt da ein Problem mit.

Naja… 🤔

Manche hätten unsere Antworten gern mal eben in 140 Zeichen, und wenn wir die nicht liefern, fehlten uns offenbar die Argumente. Ja, da müssen wir passen und tun es gern ;-)

Die meisten finden sich ja in unserem Buch: „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees“ (Kunstmann 2014), und wer weiterlesen und mehr erfahren möchte, hier haben wir weitere Untersuchungen zum Thema verlinkt:

Aber meiner Tochter / meinem Sohn hat mein (gegendertes) Geschenk gefallen, also ist Gendermarketing gut

Da steht doch gar nicht drauf, dass es nur für Mädchen oder Jungen ist!

 

  • Pink gives girls permission: Exploring the roles of explicit gender labels and gender-typed colors on preschool children’s toy preferences. Erica S. Weisgram, Megan Fulcher, Lisa M. Dinella.:
  • Children engage in gender-typed toy play to a greater extent than in non-gender-typed toy play leading to different developmental trajectories for boys and girls. The present studies examine the characteristics of toys and how they differentially affect boys‘ and girls‘ interests, stereotypes, and judgments of the toys.

Pretty in Pink: The early development of gender-stereotyped colour preferences. Vanessa LoBue and Judy DeLoache. Eine Studie mit Kindern zwischen 7 Monaten und 5 Jahren:

Each child was tasked with choosing between two similar objects, one of which was pink, the other blue. It was around the age of two that girls began to select the pink toy more often than the blue one; at two and a half, the preference for pink became even more pronounced. Boys developed an aversion to the pink toy along the same timeline. (Alice Robb in der NY Times: How gender-specific toys can negatively impact a child’s development )

 

  • Are gendered toys harming childhood development? Research has found that dividing children’s toys based on gender can have lasting developmental implications“, Artikel von Olga Oksman im Guardian zu Untersuchungen von Christia Spears Brown.
  • For example, in one experiment, researchers took toys that kids had not seen before and put them in stereotypical girl boxes or stereotypical boy boxes and gave them to a group of children. Girls played with the toys in the girl boxes and boys gravitated to the toys in the boy boxes. Both genders focused on the toys in the boxes meant for their gender and did not pay much attention to toys marked for the opposite gender.

 

to be continued…

Der Goldene Zaunpfahl in den Medien

Die Verleihung des Goldenen Zaunpfahls, Negativpreis für absurdes Gendermarketing, fand am 3.März 2017 in Berlin statt

(>> mehr zu den Hintergründen)

 

 

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Der Goldene Zaunpfahl geht an…

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan auf der Bühne vor Leinwand mit GoldenerZaunpfahl-Logo

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan (Foto: @monoxyd)

Wir sind überrascht, glücklich und dankbar, dass der Goldene Zaunpfahl auf ein so großes Interesse gestoßen ist, unsere Idee, die negativen Auswirkungen des Gendermarketing einmal in einem größeren Rahmen zu thematisieren (>> Linkliste Medienecho). Vor allem deshalb ist es ja ein Negativpreis, weil das Bewusstsein über den nachweisbar negativen Einfluss, über das Ausmaß und die Allgegenwart von einengenden Rollenklischees leider nicht sehr verbreitet ist. Sonst würde es zur Routine von Medienmenschen, ErzieherInnen und LehrerInnen, in Verlagsredaktionen oder Marketingabteilungen gehören, darüber zu sprechen, sich fortzubilden und im Arbeitsalltag darauf zu achten, sie zu vermeiden.

Wir verstehen, dass manche in einem Negativpreis zuerst die Anprangerung sehen. Das ist bedauerlich, denn unser eigentliches Anliegen ist es, einen gesellschaftlichen Dialog zu initiieren über die gemeinsame Verantwortung von Unternehmen und Konsument*innen, Kindern eine freie Entfaltung zu ermöglichen ohne einengende Rollenvorgaben.

Natürlich hätten wir lieber einen Positivpreis verliehen, aber Werbekampagnen auszuzeichen, die auf Diskriminierung verzichten, das schien uns leider (noch) wenig hilfreich. Solange so viele Menschen davon überzeugt sind, dass Gendermarketing Kindern die freie Wahl ließe, wird der Goldene Zaunpfahl ein Negativpreis bleiben müssen. Aber mancher Spot ist genau deshalb eine Erwähnung wert, weil er das Problem der Diskriminierung thematisiert und das bewusst macht, auf was wir auch mit den Goldenen Zaunpfahl hinaus wollen. (Drei Beispiele hat Tarik gestern Abend vorgestellt: H&Ms Schönheits-Vielfalt, Telekoms Familienbild und Audi Spaniens Spielzeugkombination)

Wir wollen uns also herzlich für eine bunte Veranstaltung gestern Abend bedanken, die ohne die viele Unterstützung und euren Zuspruch eine kleine Online-Aktion geblieben wäre.

Deshalb ein dickes Dankeschön an alle Beteiligten!

Vorneweg an alle, die seit Dezember 2016 unserem Aufruf gefolgt sind, und Beispiele für absurdes Gendermarkting eingesandt haben (Hier ist das weiterhin möglich, denn wie’s aussieht, ist nach der Preisverleihung vor der Preisverleihung ;-) ).

Vielen Dank an unsere tolle Jury, Nora, Ferda, Petra, Tarik, Margarete, Anke und Daniel!

An die musikalische Unterstützung durch Suli Puschban, Yansn & Torkel T. und Form.

Und an das nette Team des HAU, das hinter den Kulissen und mit der Bereitstellung seiner schönen Räume ganz wesentlich zum Gelingen des Abends beigetragen hat.

An Maurizio, der das Motiv und den Goldener-Zaunpfahl-Aufkleber für uns entworfen hat.

Und nicht zuletzt an alle, die gestern vor Ort dabei waren und mit uns gefeiert haben!

 

Reaktionen der Hersteller

(zur Vorstellung der 5 Nominierten)

Der Preis ging in diesem Jahr an die Pons GmbH / Klett Lerntraining für die beiden Leserlern Bücher für Mädchen bzw. Jungs:

Aus der Laudatio von Ferda Ataman:

Die Bücher, die als Leselernhilfe daherkommen, sind also nicht nur rosa-hellblau gelabelt. Sie vermitteln klischeehafte Inhalte und schließen Mädchen aus dem Abenteuer-Weltall-Bereich aus. Und sie geben Jungs keine Chance, sich für Tiere und Back-Partys zu interessieren. Auf die wirklich peinlichen – übrigens zeitlos peinlichen Illustrationen – will ich mal nicht weiter eingehen. Aber seien Sie sich sicher, Sie unterstützen die transportierten Rollenklischees konsequent.

Um es noch mal klarzustellen: Nirgends in diesen Büchern werden die gängigen Klischees auch nur ansatzweise gebrochen oder hinterfragt. Sie werden einfach nur bedient.

Okay, vielleicht bis auf die rosa Auspuffwolken…

[…] Dabei gab es Zeiten, da waren quietschrosane Prinzessinnen-Köder und alle-jungs-sind-tapfere-Helden-Botschaften in der Kinderliteratur verpönt. Wir waren schon weiter und wir möchten dahin zurück.

Das plötzliche und sehr kurzfristige Interesse am Goldenen Zaunpfahl mag dazu geführt haben, dass einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Presseabteilungen der nominierten Unternehmen sich adhoc und möglicherweise unvorbereitet äußern mussten. Um genau das zu vermeiden, hatten wir die Unternehmen lange vor der Preisverleihung angeschrieben und auf die Nominierung hingewiesen, verbunden mit einer Einladung zum Dialog und zur Veranstaltung nach Berlin. Mit der Ausnahme RaethGloben – ist es Zufall, dass das kleinste der nominierten Unternehmen reagiert hat im Gegensatz zu den großen Konzernen? – haben wir keine Rückmeldung bekommen. Schade. Manche Medien wollten für ihren Bericht über die Preisverleihung nicht auf ein Statement der Nominierten verzichten und haben deshalb nachgefragt:

Folgemilch für Ballerinas und Mathematiker:

„Wir können die Kritik nicht nachvollziehen, Aptamil steht für ein modernes Rollen- und Familienverständnis.“ (Milupa auf Spiegel Online)

Geschichten zum Lesenlernen mit Polizisten und Handrührern:

Bei Pons / Klett Lerntraining hat Spiegel online erfahren, dass es sich bei den Preisträger-Büchern explizit nicht um Schulbücher handle, sondern um Bücher für den Nachmittag. (sic!)

„Weder Diskriminierung noch die Vermittlung stereotyper Lebensweisen spiegelt die Absicht des Verlags wider. Sollten diese beiden Bücher den Anschein erweckt haben, so ist dies überaus bedauerlich.“

Bei Raethgloben wurde auf der Seite des pinken Globus ergänzt:

Aus aktuellen Gründen: Gern dürfen Sie diese Farbvariante auch für Ihren Sohn erwerben oder die blaue Variante für Ihre Tochter.

Sie kocht, er telefoniert:

„Das nominierte Bild ist nicht repräsentativ für das bewusst genderneutrale Marketing von jako-o.“ Jako-o erklärt Spiegel online außerdem, das Problem läge wohl weniger in der Darstellung sondern im Auge des Betrachters.

 

Auf die jeweils klischeehafte Darstellung gehen weder jako-o, Pons/Klett noch Milupa ein. Stattdessen verweisen sie auf andere, weniger klischeehafte Artikel im eigenen Angebot, was uns ratlos macht, was genau ändert das an der Botschaft der Ausgewählten?

 

Antje Schrupp fasst auf zeit.de unser Anliegen prima zusammen: „Gegen den Geschlechterblödsinn„, alles gesagt. Zum Nachlesen auch für jene, die uns grade lange Mails und unfreundliche Kommentare schreiben und uns erklären wollen, wie Werbung und Kapitalismus funktionieren – ganz offensichtlich ohne gestern Abend dabei gewesen zu sein oder erstmal nachgelesen zu haben, worin genau unsere Kritik liegt.

Gleichgültigkeit ist unangebracht. Wer so argumentiert, überschätzt nämlich grandios die Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins, sich gegen ständige subtile Beeinflussung abzuschotten. Gendermarketing wirkt. Zum Beispiel, indem es uns dauernd daran erinnert, dass wir ein Geschlecht haben. Menschen sind ja vielerlei, sie gehören zu allen möglichen Kategorien und Gruppierungen, sie haben Haut- und Haarfarben, Körpergrößen, Berufe, Interessen, Sprachen, Nationalitäten, Herkunftsregionen und so weiter. Aber die meisten davon haben wir nicht ständig im Kopf. Wir würden etwa nicht auf die Idee kommen, Kugelschreiber für Leute über 1,70 Meter Körpergröße und solche für Leute unter 1,70 zu bewerben. Oder unterschiedliche Buggys je nachdem, ob das Kind braune oder rote Haare hat.

 

 

 

 

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan

 

 

Warum Gendermarketing einen Negativpreis verdient

„Es sind doch nur Farben!?“

von Almut Schnerring & Sascha Verlan

Ladies-Chips und Marzipan für echte Kerle. Herrenschokolade und Kekse für Mädels, Scheibenreiniger, Mineralwasser, Kalender und Papiertaschentücher … längst hat das Gendermarketing alle Lebensbereiche durchdrungen und verbreitet munter seine fragwürdige Botschaft, Frauen und Männer hätten allein aufgrund ihres Geschlechts ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Deshalb brauchen sie angeblich auch eine unterschiedliche Ansprache, selbst wenn es um Bonbons, Bastelkleber oder Bratwürstchen geht. Im April 2006 fand dazu in Berlin der erste internationale Gendermarketing Kongress statt unter dem Motto: „Was Frauen wollen“. Und seitdem breitet sich die Zweiteilung der Welt in coole Abenteurer und schlanke Prinzessinnen aus bis in die Kinderzimmer von Neugeborenen hinein, mal subtil, mal brachial.

„Guten Morgen Blaue, guten Morgen Rote!“

Ebenfalls 2006 veröffentlichten Meagan Patterson und Rebecca Bigler von der University of Texas die Ergebnisse ihrer Studie mit Vorschulkindern, in der sie nachweisen konnten, dass bereits die willkürliche Einteilung in zwei Gruppen Einfluss hat auf Interessen und Verhalten der Betroffenen. Die Kinder wurden dafür in eine blaue und eine rote Gruppe eingeteilt. Drei Wochen lang trugen die einen ein rotes T-Shirt, die anderen ein blaues. Blaue und Rote wurden gleichmäßig auf zwei Räume verteilt, sodass sich in beiden Räumen Kinder in roten und in blauen Shirts aufhielten. Im einen Raum wurden die Farben nicht weiter erwähnt, im anderen dagegen sprachen die ErzieherInnen die beiden Kategorien immer wieder an: „Guten Morgen Blaue, guten Morgen Rote.“ Sie verteilten blaue und rote Schildchen, die Kinder sollten sich morgens in zwei Reihen nach Rot und Blau getrennt aufstellen und so weiter. Als die Kinder beider Räume danach zu mehreren Themen befragt wurden, zeigte sich, dass sie lieber mit Kindern derselben Farbgruppe spielen wollten und auch Spielsachen lieber mochten, die die Kinder der eigenen Gruppe bevorzugten. Und bei den Kindern aus dem Raum, in dem die ErzieherInnen die Farbunterschiede regelmäßig betont hatten, waren diese neuen Vorlieben noch sehr viel stärker ausgeprägt.

Diese Gruppeneinteilung, wie sie für die Studie extra initiiert wurde, lässt sich seit ein paar Jahren in vielen Kindertagesstätten beobachten. Besonders anschaulich in jenen, in denen der Förderverein rote und blaue T-Shirts mit dem Namen der Kita drucken lässt, um sie beim Sommerfest an die Eltern zu verkaufen.


Ersetzt man nun rote und blaue Shirts gegen rosa und schwarze Spielzeugschachteln, gegen pinke und blaue Müsliverpackungen, dann zeigt sich, dass Kinder (und auch Erwachsene) jeden Tag aufs Neue zu Teilnehmenden der oben genannten Studie werden, allerdings ohne zeitliche Begrenzung und Auflösung.

Wir und die Anderen: Eigengruppe – Fremdgruppe

Welche Auswirkungen es auf ein einzelnes Individuum hat, wenn er oder sie in eine Gruppe eingeordnet wird, ist in unterschiedlichsten Studien und Settings nachgewiesen worden, seit Henri Tajfel und John Turner in den 1970er Jahren ihre ‚Theorie der sozialen Identität‘ entwickelt haben. Selbst wenn Gruppen willkürlich gebildet werden, aufgrund von T-Shirt-Farben oder Münzwurf: die Trennung in Zwei sorgt zuverlässig dafür, dass sich innerhalb der eigenen Gruppe ein Wir-Gefühl entwickelt, und das Bedürfnis entsteht, sich von den Anderen, der ‚Fremdgruppe‘, abzugrenzen. Die eigene Gruppe wird bevorzugt, Nichtmitglieder werden benachteiligt, und noch weitreichender: die eigene Meinung, die eigenen Vorlieben und Interessen werden dem Gruppenkonsens angepasst. Unser Selbstwertgefühl speist sich eben nicht nur aus dem, was wir selbst leisten, sondern auch aus der Gruppe, mit der wir uns identifizieren. Schwierig nur, wenn sich das Gruppenlabel auf Kopf oder Zahl, rechts- oder linksrheinisch, rosa oder hellblau reduziert, wenn also die Abgrenzung von den Anderen gar nicht in den eigenen Interessen begründet ist.

Bereits in den 1980er Jahren, also lange bevor in den USA Gendermarketing als Werbestrategie entwickelt wurde, haben die PsychologInnen Marilyn Bradford und Richard Endsley belegen können, dass Vorschulkinder dreimal so lange mit einem Ball oder mit einem Xylophon spielen, wenn ihnen zuvor gesagt wurde, es sei ein Spielzeug für ihr eigenes Geschlecht. Und umgekehrt verlieren sie sehr viel schneller das Interesse, wenn sie erfahren, es sei eigentlich für das andere Geschlecht gemacht. Das kann so weit gehen, dass Kinder ein gerade noch interessantes Spielzeug plötzlich ignorierten, sobald ihnen ein Label verraten hatte, dass es für die jeweils andere Gruppe gedacht war, der sogenannte Hot Potato-Effekt. Also nicht das Ding an sich, sondern seine Zuordnung zum einen oder anderen Geschlecht verändert das Spielen, verlagert Interessen und hat damit Einfluss auf die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ein Mensch im Laufe seiner oder ihrer Sozialisation erwirbt. Dabei reicht es schon, wenn an sich neutrale Spielsachen in zwei Kisten verteilt werden mit der Aufschrift „für Jungen“ und „für Mädchen“. Während in der Kontrollgruppe alle Kinder mit allen Spielsachen spielten, interessierten sich in der anderen Gruppe plötzlich die Mädchen für ‚ihre Spielsachen‘, und die Jungen für die Spielsachen aus der „Jungen-Kiste“. Dabei zeigte sich auch, dass Mädchen (beziehungsweise Jungen) beispielweise in Geschicklichkeitsspielen jeweils dann erfolgreicher waren, wenn ihnen zuvor gesagt wurde, das Spiel sei für ihr Geschlecht entwickelt worden.

Gendermarketing und die Theorie der sozialen Identität

Zurück zu Feentrank und Piratenkeksen, Monsterfightern und Glitzerponys: Gendermarketing teilt Kinder in zwei Gruppen und zwingt sie immer wieder, sich zu positionieren: beim Anziehen, beim Essen, beim Schulranzenkauf, beim Lesen oder Rechnen. Es zwingt sie damit auch, sich zu distanzieren von dem, was die jeweils andere Gruppe spielt, isst, mag und denkt. Damit ist in den vergangenen Jahren ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang gesetzt worden: je mehr gegenderte Produkte auf den Markt kamen, desto größer wurde auch das Bedürfnis, sich abzugrenzen und durch ebensolche Produkte die eigene Gruppenzugehörigkeit zu betonen. Das schlägt sich in den Verkaufszahlen gegenderter Produkte nieder, was die Unternehmen wiederum dazu bewegt, noch mehr auf Geschlechtertrennung zu setzen: coole, technikbegeisterte Helden in Blau, niedliche, tierliebende Puppenmuttis in Pink. Von der Chancengleichheit, die in der Erwachsenenwelt angestrebt wird, ist hier nichts mehr zu spüren.

Bildquelle: aus einem Spielwarenkatalog von jako-o, 2016

Ob die Verfechter des Gendermarketing und die Entscheidungsträgerinnen in den Unternehmen die Ergebnisse der Minimalgruppenforschung nun unwissentlich oder bereitwillig in Kauf nehmen, ihr Einfluss auf Kinder, auf ihr Rollenverständnis und ihre Definition von männlich und weiblich ist immens. Wer nun entgegnen möchte, dass es sich bei der Unterscheidung nach Geschlecht im Gegensatz zu Münzwurf und Shirt-Farbe um ein vermeintlich objektives, biologisch begründbares Unterscheidungsmerkmal handele, übersieht, dass das nichts an den sozialpsychologischen Wirkmechanismen ändert, es führt nur dazu, dass sie schwerer zu erkennen und zu belegen sind. Das macht es den Unternehmen so einfach, ihre Verantwortung auf Eltern abzuwälzen und jede Kritik mit dem Argument „Umsatzsteigerung“ als weltfremd abzutun. Damit verhöhnen sie alle, die sich in Gleichstellungsprojekten engagieren wie beispielsweise dem Girls‘ und Boys‘ Day oder die sich für eine gerechtere Aufteilung von Familienarbeit einsetzen. Es überdeckt den wirtschaftspolitischen Wunsch, Mädchen und junge Frauen für die MINT-Berufe zu gewinnen mit einer Ladung rosa Glitzer. Die Leidtragenden sind Mädchen und Jungen, denen die Erwachsenen eine Welt präsentieren, die sie zuvor in rosa und hellblau vorsortiert haben, echte Wahlfreiheit aber sieht anders aus.

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Almut Schnerring und Sascha Verlan haben gemeinsam mit Anke Domscheit-Berg den ‚Goldenen Zaunpfahl‘ initiiert: Negativpreis für absurde Auswüchse des Gendermarketing, der 2017 zum ersten Mal verliehen wird (Zur Einladung). ‚Der Goldene Zaunpfahl‘ will einen Dialog anregen über Vielfalt und Identität, über Zugehörigkeit und Normierung. Er will die Rollenvorgaben und Wirkmechanismen von Werbung und Produktdesign offen legen und die Marketingbranche mit ihrem jährlichen Gesamtumsatz von 30 Milliarden Euro an ihre gesellschaftliche Verantwortung erinnern.

Almut Schnerring und Sascha Verlan bieten

Vorträge und Workshops zum Thema Gendermarketing und über andere Botschaften vom „echten Kerl“ und der „richtigen“ Frau,

über Rollenklischees im Alltag und wie man ihnen entkommt.

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Goldener Zaunpfahl – Die Nominierten

Die Jury hat getagt …

… und hier stellen wir die Nominierten für den Goldenen Zaunpfahl im Jahr 2017 vor. Die Entscheidung für den ersten Platz fällt am 3.März (> Einladung zur Preisverleihung)

Spielküche

Jako-o, Katalog 2016 (Quelle: Katalog-Screenshot, inzwischen offline)

Ohne Worte.

Aus einer „Fuck you Gendergerechtigkeits“-Perspektive ist diese Werbung echt der Knaller. Hannelore kümmert sich liebevoll um den Nachwuchs aka Teddy und zaubert währenddessen ein üppiges und gleichzeitig gesundes Mahl für die ganze Familie. Alles nach dem Motto: Das bisschen Haushalt kann doch nicht so schwer sein, sagt mein Mann. Und was treibt Papa-Dieter? Gemüse schnippeln? Abwaschen? Oder vielleicht einfach mal mitkochen? Pustekuchen: Vater sitzt gechillt im Eck und telefoniert mit den Homies. War ja auch ein langer Tag auf der Arbeit, stimmts Diddi? Ob er heute wohl endlich mal wieder den Müll runterbringt? Wohl eher nicht …  –  Tarik Tesfu

 

Folgemilch – Werbespot

aptamil (Quelle)

„Als Mutter wissen sie, dass sie vom ersten Tag an die Zukunft ihres Babys mitgestalten.“

Das Video macht deutlich, wie unterschiedlich die Erwartungen der Gesellschaft (bzw. Werbefilmmacher) an Mädchen und Jungs sind – und das bereits ab dem Säuglingsalter. Die Macher wollen den Eltern suggerieren, dass sie ihren Kindern mit Aptamil-Folgemilch das Beste ermöglichen: Jungs körperlichen und beruflichen Erfolg, Mädchen Schönheit und graziles Ballettanzen. Unfassbar 50er Jahre–mäßig! Was absolut nicht nachvollziehbar ist: Da es den Absatz nicht steigert, wäre es bei Babynahrung überhaupt nicht notwendig, mit Genderklischees zu arbeiten. – Ferda Ataman

 

Pinker Globus

Räth-Globen (Quelle)

„Sozusagen die pinkfarbene Version und stellt die gleichen Informationen über Tiere und Bauwerke dar.“

Eine Pinke Welt für „furchtlose Prinzessinnen“. Während die Jungs auf ein altbewährtes Weltmodel schauen, kann die pinke Variante ja höchstens als anziehende Nachtleuchte taugen. Dieses Ding steht nun in Zimmern von zukünftigen weiblichen CEOs und macht den noch schlummernden Mädchen die Welt wie-de-wie-de-wie sie den Eltern, den Machern, den Mädchen, ja wem eigentlich? gefällt. So eine Verzärtlichung, Verniedlichung, Banalisierung unserer Welt ist schwer auszuhalten. An diesem Beispiel sieht man: Auch eine rosa Welt verheißt keine rosigen Zeiten.  – Nora Gomringer

 

 

Das rosa Überraschungs-Ei, „nur für Mädchen“

Ferrero (Quelle)

„Erkenntnisse der Markforschung besagen, dass sich Mädchen heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken lassen. Pink und Ponyhof ist ihnen genau so wichtig, wie Fußball und Frauenpower.“

Mir ist, glaube ich, ganz lange nicht aufgefallen, dass ich ein Mädchen bin. Auch als ausgewachsene Frau denke ich manchmal noch an den Satz meiner Freundin, die bis zu ihrem siebten Lebensjahr noch Krokodil werden wollte. Wer wollen wir sein, wie können wir leben, was steckt in uns? Drei spannende Fragen UND was zum Spielen. So rollen die Ü-Eier doch durch die Werbelandschaft und wer eins fängt, dachte früher immer: hey, mal sehen, was drin ist. Komplette Figuren waren dabei am coolsten, dann kamen die zusammenzubauenden und dann…ach, der Rest und zum Glück die fettige, wunderbare Schokolade. Jetzt ist klar: Kauf ich ein pinkes Ei ist pinker Quatsch drin. Etwas, das einem Mädchen gefallen könnte oder vielleicht sogar …sollte? Ich mag den didaktischen Fingerzeig ganz und gar nicht, der in der Zweifarbigkeit liegt. Mag ihn ganz und gar nicht.  –  Nora Gomringer

 

 

Geschichten für Mädchen / für Jungs zum Lesenlernen

Pons GmbH, Klett Lerntraining (Quelle)

Kämpfende Piraten, ein cleverer Polizist, der Entführungen aufklären muss, und ein Außerirdischer, der durchs Weltall irrt – diese Geschichten treffen den Geschmack von Jungs.

Bildungsmaterialien sollen einen Unterricht in der Schule befördern, der frei von Diskriminierungen ist. Schulbücher mit diesen Covern und Inhalten werden diesem Grundsatz nicht gerecht. Für Jungen wird eine abenteuerliche Welt des Erwachsenseins (Polizist, Weltraum und Piraten) entworfen. Natur und Gesellschaft müssen und können einerseits erobert werden. Andererseits sorgt ein Polizist für Ordnung.

Auf dem Cover des Lesebuchs „für Mädchen“ wird eine verniedlichte Umwelt entworfen, erwachsene Frauen sind nicht zu sehen. Das abgebildete Mädchen könnte zumindest ebenfalls in abenteuerlicher Szenerie oder im Wettkampf dargestellt werden. Beide Cover bilden zudem keine pluralistische Gesellschaft ab. Stattdessen werden Kinder und Erwachsene in jeweils stereotypen Lebenswelten gezeigt.  –  Petra Lucht

 

Einladung zur Preisverleihung

am 3.März, 18 Uhr im HAU Hebbel am Ufer

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Zur Vorstellung unserer Jury für den Goldenen Zaunpfahl 2017