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Schnauze voll von Rosa? – Suli Puschban

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Interview mit Suli Puschban

Mit dem Refrain von „Ich hab die Schnauze voll von rosa“ laufen unsere Kinder schon eine ganze Weile durch die Gegend, der Ohrwurm wird immer mal wieder aktualisiert, und es genügt, dass eins das Wort „Schnauze“ in den Mund nimmt, garantiert greift es das nächste auf und schon schreien wieder alle drei im Chor durchs Haus: „Ich mach jetzt was ich will!“. Und weil der Text so gut zu unserem Anliegen rund um Rollenklischees und zur rosa-Hellblau-Falle passt, haben wir Suli ein paar Fragen dazu gestellt.

Suli Puschban ist…

…“Wienerin in Berlin, Liedermacherin, Kinderliedermacherin und Kabarettistin, sie schreibt und performt ihre Lieder, spielt solo und mit ihrer ‚Kapelle der guten Hoffnung‘, liebt die Berge, verehrt das Meer, ist Poetin, Feministin und feinsinnig rockenende Rotzgöre.“

Gab es einen konkreten Anlass für den Songtext?

>> Angesichts des derzeitigen Rollbacks, dass die Geschlechterrollen wieder vermehrt in rosa und hellblau und allem, was sonst noch dazu gehört, zementiert werden und der Tatsache, dass Lilifee und andere Figuren von Merchandise-Imperien flankiert werden, unter denen Eltern stöhnend leiden, musste ich irgendwann einfach mal einen Anti-rosa-Songschreiben. Der erhobene Zeigefinger interessiert mich nun herzlich wenig, und es geht mir auch nicht um die Farbe, sondern die Haltung dahinter. Mädchen und Frauen müssen sich nicht den stereotypen Bildern beugen, sondern können sein und werden, was sie wollen: Astronautinnen, Musikerinnen, Wissenschaftlerinnen. Der Song enthält also auch noch etwas Kapitalismuskritik als Subtext. Wenn man bedenkt, was Frauen teilweise an Geld ausgeben (müssen), um den vermeintlichen Anforderungen der Rolle als Frau gerecht zu werden!

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Wieso hast Du die Schnauze voll von rosa?

>> Vielleicht sollte ich vorweg sagen, dasss Mädchen und Frauen, die ROSA heißen, sich bitte nicht auf den Schlips getreten fühlen sollen. Manche schreiben ‚rosa‘ im Song auch vorne mit Großbuchstaben, was die Vermutung nahe legt, dass es sich um einen Namen handeln könnte. Aber nein, es ist die Farbe! Und dieses ‚rosa‘ steht für Einschränkung: Frauen, die auf hohen Schuhen balancieren, zugekleistert mit Make-Up, eingelullt in der heteronormativen Überzeugung, dass der sie rettende Prinz bestimmt auftauchen wird, rufen sie mit hoher Stimme: „Hilfe! Hilfe“

Hast Du ein bestimmtes Erlebnis in dem Zusammenhang , das dich genervt hat?

>> Mein ganz Leben ist ein solcher Moment: ich war ein burschikoses Mädchen, ich bin aufgewachsen mit dem Satz: „Was willst du denn, Junge?“, und mit Kommentaren und abblocken, wenn ich eine Toilette aufsuche. Ich hatte immer kurze Haare, trug Turnschuhe, Jeans und entzog mich der Norm. Das wurde stets kommentiert. Heute noch fragen mich Kinder oft: „Bist du ein Junge oder ein Mädchen?“ Kurze Haare und mein non-konformes Verhalten stiften da manchmal Verwirrung. Macht nix! Ich war schon als Kind ein Lausbub!

Wo trittst Du auf, wann singst Du den Song?

>> Ich spiele den Song auf allen meinen Konzerten, die ich solo oder mit meiner Kapelle der guten Hoffnung spiele. Aber auch bei Workshops in Schulen oder Fortbildungen für Lehrerinnen und Erzieherinnen. Alle lieben dieses Lied.

 

Auch vor Leuten, die sehr auf Rosa stehen? Oder laden die Dich erst gar nicht ein?

>> Ich hatte noch nie negative Reaktionen auf das Lied. Es gibt auch Mädchen, die komplett rosa tragen und singend und tanzend ausrasten zu dem Song. Einmal standen zwei Freundinnnen vor der Bühne, die waren so 10 Jahre und die eine sagte: „Ich hasse rosa!“, und die andere rief ganz stolz: „Ich nicht!“

Mir geht es darum, den Kindern zu vermitteln, dass alles geht, dass sie sein dürfen, wie sie wollen, dass in dieser Welt „Platz für uns alle“ ist, so wie es mein anderer Song ROSA PARKS BIST DU einfordert. Wenn andere kommen, Fremde, Flüchtlinge, Menschen, die anders sind als wir, dann sollten wir keine Zäune bauen, sondern zusammenrutschen.

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Gab’s eine konkreten Moment, von dem Du erzählen magst?

>> Also ich liebe diesen Moment, wenn der Refrain einsetzt. Die Blicke, die Überraschung ist einfach zum Schreien schön. Manchmal sitzen Jungs im Publikum und ich sage meist vor dem Song: „Neulich hab ich Lilifee getroffen …“ Dann kommt schonmal ein: „Och nee …“ Aber dann gebe ich den Rat, erst abzuwarten bis zum Liedende und dann zu urteilen. Danach ist die Begeisterung immer groß, und auch Jungs singen begeistert mit.

Manchmal klopfen mir junge Mütter auf die Schulter und sagen: „Endlich, danke!!!“ Sie sind oft genervt von der rosa Klamottenfront, die ihnen beim Einkaufen gegenübersteht. Mädchen- und Jungs- Kleidung, ist doch Quatsch eigentlich. Manche Väter kaufen eins der T-Shirts mit dem „Ich hab die Schnauze voll von rosa“-Aufdruck für sich selbst.

Neulich kam ein kleines Mädchen und wollte wissen, ob ich Lilifee wirklich getroffen hätte. „So wirklich, wie es sie gibt!“, habe ich geantwortet, und sie hat wissend gelächelt.

 

Ist ‚Ich hab die Schnauze voll von rosa‘ überhaupt ein Kinderlied?

>> Eine gute Frage. Was ist ein Kinderlied? Was macht ein Lied zum Kinderlied? Ich glaube, dass es Kindern gefällt, dass sie sich damit identifizieren können oder dass es einfach nur witzig ist und zum Mitsingen einlädt. Das schafft meine Lilifee!

 

Vielen Dank an Suli Puschban mit Grüßen aus der Rosa-Hellblau-Falle :)

 

 

Ist die Debatte um den EqualPayDay überholt?

Der PayGap sei eine Mär, die Debatte rund um den Equal Pay Day sei überholt, es sei doch eigentlich (wenn überhaupt) ein Kinder-Gap, eine Benachteiligung derer, die der Familie wegen zurücktreten, egal ob Mann oder Frau. (Quelle Fokus; Quelle DieZeit; Quelle fischundfleisch)

Doch erst gestern noch habe ich einen Tweet meiner Timeline weiterverbreitet, über eine Studie mit dem Fazit: Steigt der Frauenanteil, sinkt der Lohn, „Wo viele Frauen beschäftigt sind, meinen Arbeitgeber offenbar, weniger zahlen zu müssen.“ (>zum Artikel)

Auffällig auch: Wer den PayGap als verlogenen Rechenfehler outen möchte, lässt Studien zu Gender Status Beliefs völlig außer acht (z.B. das Heidi Roizen-Experiment). Und sollte es tatsächlich keine glaubwürdige Gegenstudie geben zur Aussage, Frauen ohne Kinder spürten so gut wie keinen #PayGap (0-2% Lohnlücke), so ist doch die Aggression zwischen den Zeilen erstaunlich: Lüge, feministische Rechentricks, können nicht logisch denken, Ideologie…

Sagen wir also, es gibt gar keine ungleiche Bezahlung zwischen Mann und Frau, ignorieren wir also den Renten-PayGap von 60%, der sei eben verursacht durch Teilzeit und Ehegattensplitting und hätte nichts mit ungleicher Bezahlung zu tun. Lassen wir auch mal außen vor, dass Männer früher und in größerer Zahl in Führungspositionen landen, selbst in Bereichen, in denen mehr Frauen arbeiten (z.B. Kita), dass Auszeiten wegen Kindern bestraft werden, dass (unsichtbare) CareArbeit (zu 80% von Frauen ausgeführt) in unserem Lohnsystem nur wenig zählt. Was bleibt: der Verdienst in MINT-Berufen ist höher als in Berufen mit geisteswissenschaftlichem Studium, und wer Steine hebt bekommt eine Zulage, wer dagegen Menschen hebt, der_m ist das in die Wiege gelegt. Und so werden mit kräftiger finanzieller Unterstützung des Gendermarketing Puppen wieder verstärkt als Mädchenspielzeug und Technikbaukästen als „Jungsinteressen“ verkauft – und die Mehrheit der Erwachsenen stimmt dem zu.

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In der Debatte um den PayGap heißt es dann:

Wenn all das trotzdem kein Anlass sein soll, an einem EqualPayDay auf einen PayGap aufmerksam zu machen, weil doch die Ursache – nur? – in den Rollenbildern liegt, es ein FamilienGap ist, ein Sich-um andere-KümmernGap, beruflich wie privat. Dann bleibt doch trotzdem: das Gap. Das Weniger-Rente-Gap, das weniger Geld-zur-Verfügung-Gap, das Weniger-Mitspracherecht-durch-weniger-gut-dotierte-Stelle-Gap. Warum also die Gegenwehr? Warum nicht Vorschläge, wie die Misere so formuliert und thematisiert werden könnte, dass es keine Missverständnisse darum gibt? Dass wir uns gemeinsam dran machen könnten, diese Lücken, wie auch immer eins sie benennen möchte, zu verkleinern?

Und nur mal so nebenbei: Bloß weil es eine stichhaltige Erklärung für einen Missstand gibt, bedeutet das schließlich nicht, dass die Ungerechtigkeit damit aus der Welt sei, sie ist immer noch vorhanden.

Die gute Nachricht: Wer sich also an der Berechnung des EqualPayDay, dem Vergleich des bloßen Bruttoeinkommens stört und lieber über Rollenbilder sprechen möchte, kann sich ja gerne in Zukunft auf den –> equalcareday.de konzentrieren.

Die schlechte Nachricht: auch beim GenderCareGap liegt die Ursache an der ungleichen Verteilung von Last und Lohn.

 

 

 

Gender Status Beliefs – #equalpayday

Gender Status Beliefs

Beitrag zum Equal Pay Day 2016, #EPD2016

Mit der Zweiteilung der Welt in männlich und weiblich, mit der Zweiteilung der Menschen in Männer und Frauen ist eine Hierarchisierung verknüpft, die Männern mehr Macht, mehr Status und mehr Autorität zugesteht. Sie ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft und hält sich hartnäckig, obwohl die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die aktuellen Lebensumstände das in keiner Weise rechtfertigen.

Laut der Soziologin Cecilia Ridgeway wird Männern ein grundsätzlich größeres Grundvertrauen in ihre berufliche Leistungsfähigkeit entgegengebracht als Frauen. Entsprechend werden die Leistungen von Männern auch anders wahrgenommen als die von Frauen. Ihnen wird weniger Leistungsbereitschaft und -fähigkeit zugetraut, weshalb sie diese immer wieder neu beweisen müssen. Auch werden Leistungen von Männern stärker beachtet als jene von Frauen. Experimente haben zum Beispiel ergeben: Anonyme Texte werden von der Mehrheit männlicher Professoren höher bewertet, wenn behauptet wird, der Autor sei ein Mann, während Arbeiten von Frauen bessere Bewertungen erhalten, wenn das Geschlecht unbekannt ist. Ein ähnliches Phänomen hat Auswirkungen auf die Besetzung politischer Ämter. Müssen sich Wähler_innen zwischen einem Mann und einer Frau entscheiden, tendieren sie eher zu einem vertrauenerweckenden Mann: »Wählerinnen bestätigten die kulturelle Erwartungshaltung, dass nur Frauen einen hohen Status verdienen, die gleichzeitig attraktiv und kompetent sind«, so Joan Y. Chiao, Professorin für Psychologie an der Northwestern University. (Vgl. auch das Heidi/Howard Roizen-Experiment).

Birgit Sauer, Politologin an der Universität Wien, die sich mit dem Thema Frauen in der Politik auseinandersetzt, ist auf ähnliche Ergeb- nisse gestoßen. »Wenn Personen mehr oder weniger direkt gewählt werden, werden immer Männer bevorzugt und Frauen benachteiligt«, so ihre Zusammenfassung mehrerer international vergleichender Studien. »Sowohl Frauen als auch Männer wählen lieber Männer in die Politik, schlicht deswegen, weil sie glauben, dass es Männer besser können. Politik wird als Männergeschäft verstanden, Frauen und Männer glauben, dass männliche Politiker besser mit Macht umgehen können. Ausnahmen gibt es vor allem in Krisenzeiten, dann werden häufig Frauen an die Macht gewählt«, sagt Birgit Sauer. So habe Angela Merkel es leichter gehabt, eine von Korruptionsfällen gebeutelte CDU zu übernehmen, denn eine Frau sei sauber und könne damit nichts zu tun haben. Doch genauso wenig wie Barack Obamas Wahl zum Präsidenten ein Zeichen für einen grundlegenden Wandel im alltäglichen Rassismus in den USA war, läutete die Tatsache, dass Deutschland in Angela Merkel zum ersten Mal eine Bundeskanzlerin hat, den Beginn der Gleichstellung in den Vorstandsetagen oder gar in Kindertagesstätten ein. Der ›Gender Status Belief‹ hat zur Folge, dass mehr Männer als Frauen politische Ämter besetzen. Männer sind die »Bestimmer«, wie Kinder sagen, denn wir als Bevölkerung wählen sie häufiger in Positionen, in Rollen und Funktionen, in denen Entscheidungen getroffen und die Regeln festgelegt werden, die unser Miteinander beeinflussen. Die Situations- und Trendanalyse der EU »Frauen und Männer in Entscheidungspositionen 2007« vergleicht in den drei Hauptbereichen Politik, Wirtschaft und öffentlicher Dienst das Verhältnis von Frauen und Männern beim Zustandekommen von Beschlüssen. Ob in nationalen Parlamenten, Regionalversammlungen, Regierungen, EU-Zentralbanken, obersten Gerichtshöfen oder wirtschaftlichen Führungspositionen, alle Gremien bestanden mehrheitlich oder ausschließlich aus Männern. Es sind dann also auch mehrheitlich Männer, die beschließen, dass Kindergartenkinder ihre Tage in Gruppen von über 25 Kindern verbringen, betont Melitta Walter. Diese männlich dominierten Gremien sind es, die »bestimmen, ob Väter Probleme am Arbeitsplatz bekommen, wenn sie den Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen wollen. Männer entscheiden überwiegend, wo unsere Steuergelder hinfließen, sie bestimmen, wie Städte und Siedlungsräume entwickelt werden, ob Kinderbetreuungseinrichtungen gebaut werden.«

Trotzdem würden auf dem Weg zu mehr Frauen in Entscheidungspositionen nur langsam Fortschritte erzielt, so die Zusammenfassung der Situationsanalyse der EU: Eine gesetzliche Geschlechterquote könnte zu einem schnelleren Wandel beitragen, »auch wenn der Einsatz derartiger positiver Aktionen nach wie vor umstritten ist«. Die Sprecherin des Deutschen Frauenrats, Ulrike Helwerth, ist überzeugt, viele Männer befürchteten bloß, bei einer tatsächlichen Gleichberechtigung Privilegien zu verlieren. Natürlich sieht, wer von Privilegien pro- fitiert, in aller Regel keinen Anlass, sie infrage zu stellen: Fast zwei Drittel aller Männer (64 %) sind einer Allensbach-Studie zufolge der Meinung, dass es mit der Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland mittlerweile reicht. 28 Prozent finden sogar, dass damit übertrie- ben wird. In der Sinus-Studie der Bundesregierung von 2007 über die Einstellungen 20-jähriger Frauen und Männer drückten junge Männer zwar ihre Sympathie für die Gleichberechtigung aus, doch sie kritisieren, dass Gleichstellung Frauenpolitik geblieben sei. Walter Hollstein, Soziologe und Gutachter des Europarats für Männerfragen, kritisiert, es gebe immer neue Fördermaßnahmen für Mädchen und Frauen, doch kaum welche für Jungen und Männer.

Männerpolitik wird überwiegend aus einer vermeintlichen Verlierersicht diskutiert. Die Jungen gelten als Bildungsverlierer, Männer seien beim Sorgerecht benachteiligt etc. Dabei ist es gerade männliches Festhalten an Privilegien beziehungsweise deren hartnäckige Leug- nung, die dazu führt, dass sie die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Aushandlungsprozess verlieren. Sie schwächen die Argumentation und Überzeugungskraft der Männer, wenn sie für ihre Söhne etwas erreichen wollen, gar Forderungen stellen. Wenn Männer mehrheitlich auf der gewohnten Machtverteilung beharren, fehlt ihnen schlicht die moralische Legitimation, Forderungen zu stellen, insbesondere an Frauen im Erziehungs-, Bildungs- und Pflegebereich.

Der Text ist ein Auszug aus Schnerring/Verlan. Die Rosa-Hellblau-Falle. Kunstmann, München 2014, S. 220 – 223

Fragen zum Equal-Care-Day

Wer springt ein, wenn „Not am Mann“ ist?

Fragen zum Equal Care Day am 29.Februar

 

Ein Kind kommt auf die Welt.

Foto: StarMama

Foto: StarMama

Wer begleitet die Schwangere? Wer übernimmt die Erstversorgung des Neugeborenen? Wer kümmert sich um die junge Mutter? Wer hat die ersten Kleider besorgt? Wer achtet darauf, dass mit dem Stillen / Trinken alles klappt? Wer ruft zuerst an, wird angerufen? Wer kommt zu Besuch? Wer bietet Unterstützung an? Wer kocht in den ersten Tagen und später? Wer wäscht und putzt und kauft ein, wer sorgt dafür, dass die Mutter sich im Wochenbett erholen, um sich selbst kümmern kann? Auf wen kann sich die neue Familie in dieser Situation wirklich verlassen? Und wenn schon Geschwisterkinder da sind, wer hat sich um die gekümmert während der Geburt und in den Stunden, Tagen danach? Wo waren sie untergebracht? Und wenn nicht alles gut ging? Das Kind krank ist, vielleicht beHindert, die Mutter noch länger medizinisch versorgt werden muss? Wer wäscht, wer badet, wer wickelt? Wer kennt die aktuelle Windelgröße und weiß, wann neue gekauft werden müssen? Wer bringt das Kind ins Bett? Wer singt, wer liest vor? Wer wacht auf und wer steht nachts auf, wenn es weint? Wer bleibt zuhause, wenn das Kind krank ist? Wer weiß, wann die nächste Vorsorgeuntersuchung ansteht? Wer hat die Karten der Krankenversicherung im Geldbeutel, und wer geht zum Kinderarzt, zur Kinderärztin, ins Krankenhaus? Wer übernachtet dort auf der Liege? Wer weiß, wo das Nasenspray steht und welches Zäpfchen das richtige ist? Wer tröstet das Kind, wenn es sich weh getan hat, wenn es traurig ist? Wie wird getröstet, wenn es ein Junge, wenn es ein Mädchen ist? Wer wird liebevoll getröstet, und wem wird gesagt, er soll sich mal nicht so haben? Wer wird ermahnt, gut auf sich aufzupassen?

 

Babyschwimmen und Kinderturnen, Pekip und musikalische Früherziehung, Tageseltern, Kita, Baby-Sitter*in? Wer wählt aus, wer geht mit? Wer führt die Gespräche, macht Termine? Wer übernimmt die Eingewöhnung? Wer hat den Kinderanhänger am Fahrrad – und dann auch beim Familienausflug am Wochenende? Wer kümmert sich um die Verabredungen des Kindes? Wer telefoniert und vereinbart die Treffen? Wer bringt und holt ab? Wer geht mit auf den Spielplatz? Wer weiß, welcher Geburtstag ansteht, bereitet vor, bastelt Einladungen, besorgt die Geschenke? Wer weiß, welche Kleidergröße die Kinder haben? Breiter Fuß oder eher schmal? Wer kauft neue Hosen, und wer verkauft die alten auf dem Flohmarkt? Wer hat rechtzeitig neue Handschuhe gekauft, wenn es kalt wird? Wer packt für den Urlaub? Wer kümmert sich um die Haustiere, wenn es die Kinder vergessen? Wer geht mit zum Tierarzt? Wer geht mit zur Zahnärztin? Wer hat sich über die nächste Impfung informiert, wer weiß, wann sie ansteht? Wer weiß, wer noch kein Taschengeld bekommen hat? Wer kennt sich aus mit der Lineatur von Schulheften? Wer streicht die Schulbrote? Wer spült die Wasserflasche, die nach dem Wochenende noch in der Schultasche liegt? Wer weiß, wo der Turnbeutel liegt? Wer fragt Vokabeln ab? Wer erinnert ans Klavier Üben und schaut mit über die Schulter? Wer macht sich Gedanken übers Essen? Über die (eigene) Ernährung? Wer hält sich zurück, wer langt kräftig zu? Wer kocht? Wer sortiert die Wäsche? Und weiß, wann die Bettwäsche wieder gewechselt werden muss? Wer ist verantwortlich für welchen Bereich und wer muss mithelfen? Wie viel, bei welchen Tätigkeiten, mit welcher Selbstverständlichkeit? Wer kümmert sich um kleinere Geschwister? Von wem wird das ausdrücklich verlangt? Wer lernt, sich in andere hinein zu versetzen? Wer lernt, auf die Wünsche anderer zu achten? Wer lernt, seine eigenen Wünsche auch mal hinten anzustellen? Wessen Wünsche werden eher mal ignoriert?

 

Wer erklärt dem Kind die Welt, antwortet auf seine Fragen? Mit wem spricht es, wenn es Sorgen hat, wen fragt es, wenn es Rat braucht? Wie wird reagiert, wenn der Sohn Liebeskummer hat, und bei der Tochter? Und wenn die Eltern selbst Probleme haben, die auch die Kinder betreffen? Wie reden sie mit einer Tochter, wie mit einem Sohn? Wem fühlen Sie sich näher? Wie ist es bei Krankheit, Problemen in der Schule, Ärger, Sorgen in der Pubertät? Wer kennt die Freundinnen und Freunde? Wer fühlt sich verantwortlich? Wer ist ansprechbar, auch wenn der Zeitrahmen kaum Luft lässt? Wer redet mit den Lehrer*innen? Und zu welchen Anlässen? Wer geht auf die Elternabende? Wer lässt sich als Vertreter*in wählen? Und in den Gremien, wer übernimmt den Vorsitz? Und die Handy-Notfallnummer? Von der Mutter, vom Vater? Wer lässt alles stehen und liegen im Fall der Fälle?

Wer erlaubt sich, krank zu sein? Wer achtet auf sich selbst, auf genügend Schlaf, auf Ausgleich und Ruhephasen? Wer geht zur Vorsorge? Wer macht weiter, obwohl es weh tut? Wer redet über seine*ihre Bedürfnisse? Wer hält Monologe? Wer fragt, was die anderen brauchen? Was ihnen fehlt? Wer bestimmt in letzter Konsequenz? Auf welcher Grundlage?

 

Wer fährt zu den Großeltern? Wer sieht, was Opa fehlt? Wem vertraut er? Wer organisiert seinen runden Geburtstag? Wer begleitet Oma zum Arzt? Wen ruft sie an, wenn sie Hilfe braucht? Wer organisiert eine Pflegekraft und das Essen auf Rädern? Wer weiß, wie die Pflegekraft heißt? Ist es ein Mann oder eine Frau? Woher kommt sie? Wer stellt Fragen? Wer hört zu? Wer bleibt auf dem neusten Stand? Wer macht sich nachts Sorgen und kann nicht schlafen? Wer weiß, welches Medikament fehlt? Wer hilft beim Einzug ins Pflegeheim? Wer redet mit dem Pflegepersonal? Wer besucht, wer bringt was mit, sieht, was im Zimmer fehlt? Wer macht ein Spiel mit, wer singt, wer puzzelt, wer liest was vor? Wer füttert, wer wischt auf, wer wischt ab. Wer hilft beim an- und ausziehen? Wer bekommt die Vollmacht? Wer erbt? Wer bekommt die Unzufriedenheit zu spüren? Wer macht immer alles falsch? Wer steht über allem? Wer zahlt drauf? Und wenn jemand gestorben ist? Aus der Familie oder im Bekanntenkreis? Wer findet die passenden Worte? Wer druckst rum? Wer sucht den Kontakt zu den Hinterbliebenen? Wer zieht sich zurück?

Wer spricht ein Machtwort? Wer hält den Rücken frei?

 

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Was ist der Equal-Care-Day?

www.equalcareday.de

29.2. ist Equal-Care-Day

Happy Equal-Care-Day!

Alle Infos, Statements,… dazu unter

www.equalcareday.de

(Evtl. den Cache des eigenen Browsers löschen,

kann sein, dass die Umleitung dort noch gespeichert ist und wieder hierher zurückführt.)

 

Equal-Care-Day: er sieht den Dreck nicht, sie ist pingelig?

Bitte kein Heute-putzt-mal-der-Mann-Gedenktag!

Wir setzen uns dafür ein, den 29. Februar als Equal-Care-Day einzuführen, um an diesem zusätzlichen Tag im Schaltjahr auf die mangelnde Wertschätzung und ungerechte Verteilung von Care-Arbeit nicht nur, aber gerade auch in Deutschland aufmerksam zu machen. Die ungleich verteilte Hausarbeit, die ZEIT ONLINE anlässlich unserer Equal-Care-Day-Idee in den Fokus nimmt,  ist zwar Teil dieses Themenkomplexes, doch wir wünschen uns vor allem mehr Aufmerksamkeit für Care-Arbeit im Sinne von Fürsorge, beruflich wie privat, also Kinderbetreuung, Pflege von Alten, BeHinderten, Kranken und auch dem eigenen Körper, sich selbst gegenüber. Denn leider hat sich unsere Gesellschaft dahin entwickelt, dass die Arbeit mit und an Maschinen mehr Lohn und mehr Wertschätzung verdient, als jene, bei der Menschen im Mittelpunkt stehen. 

 Doch offensichtlich regt der Text von Tina Groll viele dazu an, sich übers Putzen, Waschen, Kühlschrank Füllen Gedanken zu machen. Und weil sich in den Kommentaren die #rosahellblaufalle öffnet, sich ein „Ihr Frauen“ vs. „Wir Männer“ und andersherum ausbreitet, wollen wir auch zu diesem Aspekt ein paar Zeilen schreiben. 


Geschlechterkampf ??

Wieso lassen sich so viele in der Diskussion um Zuständigkeiten und Rollenbilder auf ein Gegeneinander ein und unterstützen damit jene, die in unterschiedlichen Kontexten von „Geschlechterkampf“ schreiben? Wir leben in einer Zeit, in der jede dritte Ehe geschieden wird, homosexuellen Paaren die Fähigkeit abgesprochen wird, Kinder großzuziehen, und viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Eine Zeit, in der gleichzeitig Fernsehshows „Jungen gegen Mädchen. Der Kampf der Geschlechter“ konzipiert werden und der Kinofilm, der Star Wars von Platz eins der Kinocharts verdrängt hat, den Untertitel „Jungs gegen Mädchen“ trägt. Nicht zu sprechen vom Konzept des Gendermarketing, das seit gut 10 Jahren darauf setzt, uns weiszumachen, Frauen und Männer hätten von Grund auf unterschiedliche Interessen, bräuchten verschiedene Versionen von Chips, Bratwürstchen und Socken, von Fahrrädern, Armbanduhren und Nassrasierern. Eine Werbestrategie, die auf ein geschlechtergetrenntes Angebot setzt, als lebten Frauen und Männer in zwei grundsätzlich getrennten Welten. Welchen Nutzen haben wir dadurch? „Ist doch schön, dass es Unterschiede gibt“, argumentieren die Gegner*innen geschlechtergerechter Pädagogik und kaufen Bücher mit Mars und Venus oder Einparken und Zuhören im Titel. Comediens machen Witze über Seine Einsilbigkeit und Ihre Geschwätzigkeit und wir helfen mit, dass sie damit Turnhallen füllen. Welchen Nutzen sehen wir darin, in einen „Geschlechterkampf“ einzusteigen und dabei zu behaupten, alles wäre nur lustig gemeint, und sowieso gäbe es biologische Gründe für diese Unterschiede? Biologische Gründe für geschlechtergetrennte Deo- und Shampoo-Regale? Und worin bitte liegt der Nutzen bei rosa-geblümten und hellblauen Alternativen bei Putzmitteln für die Scheibenwischanlage? Womit wir zurück wären beim Streit ums Putzen. Nein, bei der Frage, ob das Putzen einen Streit wert ist. Denn die Frage „Wie könnten wir es gemeinsam besser hinbekommen?“, würde dem Thema gut tun. Stattdessen entscheidet sich die Mehrheit für Schuldzuweisungen, Herabsetzungen und Rechthabereien, dies und jenseits des Grabens, der tiefer wird, wenn wir uns nicht endlich unserer Gemeinsamkeiten bewusst werden.

„Frauen sind eben einfach pingeliger!“ ?

Die Entbrannten argumentieren vor allem um zwei Aspekte herum:

1) DIE Männer sähen den Dreck nicht vs. Frauen wären pingelig und bräuchten unnötig Zeit für etwas, das sich schneller erledigen ließe.

2) Frauen übernehmen zwar mehr, dafür arbeiten Männer an anderen Stellen mehr, die da wären: Rasenmähen, Ernährerrolle und Überstunden, Tagebau, Krieg und andere körperliche und seelische Lasten, für die Frau sich zu fein sei (inklusive Plädoyer für eine Quote bei der Müllabfuhr), weshalb Männer im Durchschnitt auch 5 Jahre kürzer leben als Frauen.

„Männer sterben überwiegend aus sozioökonomischen und psychosozialen Gründen 5 Jahre früher als Frauen. Wann wird endlich mal auf diese Ungleichheit hingewiesen?“

Und genau DAS ist der Punkt, deshalb wollen wir einen Equal-Care-Day einführen: Denn SIE ist nicht Schuld, dass sie den Dreck sieht, bevor ER darauf achtet. Es ist auch nicht SEINE Schuld, wenn er es wichtiger findet, die richtigen Getränke im Haus zu haben, wenn Freunde sich angekündigt haben. Sie ist nicht „selbst Schuld“, wenn sie länger braucht, kleinlich ist beim Aufräumen, noch schnell durchsaugt, bevor der Besuch kommt, während er keinen Anlass, keinen Fussel sieht. Auch ER ist nicht Schuld, wenn er der Ansicht ist, sie übertreibe, das Wohnzimmer sei aufgeräumt genug.

„Auch in meiner Ehe macht meine Frau einen Großteil der Hausarbeit – nicht, weil ich sie faschistoid unterdrücke oder heteronormativ-patriarchalisch in die soziokulturelle Schublade „Ehefrau“ einsortiere, sondern weil ich schlicht und einfach zu schlampig bin“ – Kommentar unter o.g. Zeitonline-Artikel

„Natürlich habe ich es viel leichter, das zu sagen, denn das Ergebnis meiner Haltung ist ja: ich muss nichts tun. Das ist ja wunderbar und gemütlich und bequem. Aber wieviel innere Freiheit kann ich mir gegen diese Gewohnheit erkämpfen, muss ich kämpfen oder geht’s nicht auch anders? Und in welchem Maße sollte die andere Seite, dass ich z.B. sage: >Hey, fege doch lieber, wenn die Gäste weg sind, dann lohnt es sich wenigsten, ne!< Ist das jetzt meine Schlampigkeit? Die mit mir als Person zu tun hat? Unabhängig von Geschlecht? Oder ist das auch so eine Nummer, die entsteht durch: >Naja, die Jungs räumen halt nicht auf, machen nicht sauber, die bringen halt Dreck<. Das ist schwer zu trennen. Wieso finde ich es nicht schlimm, dass es dreckig ist, wenn Besuch kommt? Ist das, weil ich es gelernt habe, dass ich das nicht schlimm finden muss, oder ist das, weil ich das aus welchen Gründen auch immer nicht … so wie ich das Bett auch nicht immer mache, wenn ich aufstehe …?“ Marcus im Interview für die Lange Nacht der Geschlechterrollen, Deutschlandfunk

Sie hat gelernt, sich zuständig zu fühlen. Sie hat gelernt, dass sie als Frau verantwortlich sei, sich um ein gemütliches, sauberes Wohnen zu kümmern. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie schon als Kind ihrer Mutter mehr helfen musste, als ihr Bruder. Und selbst wenn ihre Eltern ihr andere Rollenbilder vorgelebt haben, so hat sie im Lauf ihres Lebens hunderte Werbebotschaften über ihre Rolle als Frau gesehen. Darunter viele Werbespots und Anzeigen, die klar machen: Beim Staubsaugerkauf entscheidet er vielleicht noch mit (klar, erstens geht’s um Technik und zweitens ist es sein Geld?!), aber Putzen ist Frauensache …

…wohingegen es bei ihm auf ein paar Krümel nicht ankommt. Der Geizmarkt behauptet noch im Jahr 2015, Staubsauger seien ein passendes Geschenk zum Muttertag. Werbespots für Küchen oder Putzkram, in denen ein Mann auftritt machen klar: ihn fasziniert nicht das Essen in der Pfanne, sondern die Ultra-Laser-Herdtechnik: Platte heiß von 0 auf 100 in 30 Sekunden. Ein richtiger Mann braucht es unkompliziert und schnell, Salat ist nur Deko und auf Besteck würde er am Liebsten verzichten. Deshalb muss er in Spots auch häufig als Haushaltstrottel herhalten, dem sie aus der Putz-Pfütze hilft. Trotzdem entlassen wir sowohl Werbung als auch Väter aus der Verantwortung. Schuld sind die Mütter, schließlich sind sie es, die die nächste Generation Machos aufziehen.

Ungleiche Erwartungshaltung an Töchter und Söhne

Dabei werden bis heute Töchter mehr als Söhne dazu aufgefordert, mit anzufassen, wenn es darum geht, den Tisch abzuräumen, das Wohnzimmer zu saugen, dem kleinen Geschwister die Schuhe zu schnüren. Bis heute bekommen Söhne mehr Taschengeld als Töchter, das sie zudem noch aufbessern können, indem sie Rasenmähen, Straßen kehren oder Schnee schippen – Aufgaben, für die es extra Geld gibt und die Mädchen seltener zugetraut werden, obwohl sich unterschiedliche Muskelkraft doch erst ab der Pubertät bemerkbar macht.

Es liegt weder in Seiner noch in Ihrer persönlichen Verantwortung, dass Männer im Durchschnitt fünf Jahre früher sterben als Frauen, und doch wird dieser Missstand unter jedem Artikel wieder erneut aufgeführt, der in irgendeiner Form von einer Benachteiligung von Frauen spricht. Wir alle sind Teil eines Systems, das Kindern von klein auf beibringt, Jungs könnten ruhig etwas kräftiger mit anpacken, für sie sei es wichtig, sich mit anderen in Mutproben zu messen, und wenn sie sich weh tun, appellieren wir an ihren Stolz und ihre Männlichkeit, während Mädchen in vergleichbaren Situationen meist aufgefordert werden, das nächste Mal doch vorsichtiger zu sein, mehr auf den eigenen Körper achtzugeben, auf seine Unversehrtheit. Warum gilt nicht für beide gleichermaßen: Empathie lernen, Rücksicht nehmen auf sich und andere, nicht mehr, sondern weniger arbeiten, wenn ein Kind unterwegs ist, die eigene Ernährerrolle infrage stellen …

Wenn Er also andere Baustellen früher erkennt, und wenn Sie sich im Haushalt eher zuständig fühlt, dann ist das gelernt, es liegt nicht in ihrer „Natur“, sondern wir reproduzieren täglich das Klischee der weiblichen Fürsorge. Bis heute schafft es ein Politiker als Super-Papa in die Schlagzeilen, nur weil er sich fürs kranke Kind mal frei nimmt. Bei einer Politikerin, die Vollzeit arbeitet, wird angezweifelt, ob sie die Balance Job und Familie wohl hinbekommt.

 


Die Botschaft ist klar und wird so auch öffentlich in Worte gefasst: Mutti hat zu funktionieren, sie nimmt sich nicht frei:

Wer jetzt einwenden möchte, das System, die Gesellschaft, das sind doch wir selbst, deshalb sei schließlich jede*r für sich selbst verantwortlich, wieviel sie*er sich anpasst oder eben keine Rücksicht nimmt auf die Meinung der Nachbarn … und der Eltern … und Freund*innen … der Vorgesetzten….

Halbtagsjob für Ihn, damit er mehr Care-Arbeit übernehmen kann? Eine freie Entscheidung? Wohl kaum. Es ist eben nicht so, dass die Mehrheit ein zu geringes Selbstbewusstsein hat, um für sich selbst einzustehen. Und es ist auch nicht so, dass wir alle unzufrieden wären mit der Rollenaufteilung des Biedermeier. Aber wenn uns die jetzige Situation nicht gefällt, weil sie denjenigen, die anderes wünschen, als es die rosa-hellblau-Zuordnung vorsieht, ein überdurchschnittliches Engangement und Selbstbewusstein abverlangt, und wenn wir uns für die nächste Generation mehr Wahlfreiheit wünschen, dann müssen wir die Rahmenbedingungen ändern. Vor allem müssen wir aufhören, uns gegenseitig die Schuld zuzuschieben und es der*m anderen vorzuwerfen, wenn er oder sie Verhaltenweisen oder Entscheidungen an bestehende Rollenbilder angepasst hat.

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Wir sind dankbar für die viele, positive Resonanz auf unseren Vorschlag für dieses Anliegen einen Erinnerungstag einzuführen. Nach wie vor freuen wir uns über UnterstützerInnen, die auf diesen Tag hinweisen, den Hashtag #EqualCareDay teilen und unsere Idee weiterverbreiten.

–> Zur Inspiration hier ein paar Fragen.

Vorbereitungen zum Equal-Care-Day

Der 29. Februar 2016 rückt näher – wir sind dabei, unsere Idee weiterzuverbreiten: wir wollen diesen zusätzlichen Tag im Schaltjahr als Equal-Care-Day einführen (–> mehr zur Idee). Deshalb sind wir in Kontakt mit vielen Gleichgesinnten und freuen uns über die positive Resonanz – viel mehr wird aber noch nicht verraten…

Vorweg ein herzliches Danke an Renate Alf. Sie unterstützt unsere Initiative und stellt diesen Cartoon zur Verfügung:

RenateAlf-Care

P.S. Wir hoffen auf weitere Unterstützung und Aufmerksamkeit für diesen Tag. Wer sich von der Idee angesprochen fühlt und mit einsteigen möchte, bitte gerne mit uns Kontakt aufnehmen, wir freuen uns über MitstreiterInnen.

Twitter-Gewitter (4) ganz in rosa

Wer hat Angst vor Rosa – Lila – Pink?

 

Wir wünschen ein schönes, buntes Jahresende

und alles Gute für 2016!

*ja, auch hier sind wieder total uralte Tweets mit dabei. Sie sind aber schön, passen zum Thema und sind inhaltlich (leider) bisher nicht veraltet. Beschwerden diesbezüglich werden jedoch gerne entgegengenommen und für Sie entsorgt ;)

 

 

 

 

   

 

 

 

Immer wieder staunen wir über den Nachdruck, mit dem die Behauptung „Rosa ist eben eine Mädchenfarbe“ in den Raum gestellt wird. Gerne mit wissenschaftlichem Nachweis: „also die Tochter meiner Nachbarin, die mochte von Anfang an Rosa, die konnte noch nicht mal laufen. Also, was soll da anerzogen sein?“ Dieses logische Gerüst hält auch dann stand, wenn ein Junge ganz offensichtlich Rosa mag – dem haben es die Eltern offenbar aufgezwungen, plötzlich ist „anerzogen“ doch eine Option.

 

Hat ein Kind eine rosa Brotdose und mag sie eines Tages nicht mehr, ist klar, dass die Mutter ihm die Farbe aufgedrängt haben muss. Dass er sie sich vielleicht selbst ausgesucht oder von der Schwester übernommen hat – undenkbar! Dass Jungen und Mädchen ganz unabhängig von ihrem Geschlecht die Farbe Rosa mögen oder eine andere bevorzugen könnten – abwegig! Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Mehr als schade!

 

Doch zum Glück geht es auch anders :)

 

Sohn Monets im rosa Kleid auf seinem Pferde-Dreirad, 1872.

Sohn Monets im rosa Kleid auf seinem Pferde-Dreirad, 1872.

 

 

 

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In diesem Sinne wünschen wir allen gutes Gelingen beim Umschiffen der Rosa-Hellblau-Falle. Unser erster Termin im kommenden Jahr ist in Heilbronn, Anfang Februar sind wir in Salzburg und für April planen wir eine (Süd-)Bayern-Tour. Wer uns empfehlen möchte, findet oben im Menupunkt >Fortbildungen/Infoabend< mehr Informationen.

Mit dabei ab jetzt: Das rosa-hellblau-Team, Geschenk von @leanderbela :)

lego

Zu mädchenhaft? Twittergewitter!

Den Freund*innen des Gendermarketing, v.a. wenn sie selbst Kinder haben, sei diese Sammlung gewidmet. Eltern und ErzieherInnen, die davon überzeugt sind, Kinder „neutral“ zu behandeln, nehmen bestimmt auch die eine oder andere Anregung mit ;-)

Sie sei auch jenen gewidmet, die für eine spezielle, „artgerechte Haltung“ von Jungs plädieren (als wären sie Hühner. Anm d. Verf.) und Glaubenssätze nach dem Motto „Boys will be boys“ vertreten, anstatt unser verallgemeinerndes, einengendes Bild vom „echten Mann“ infrage zu stellen.

Die Häufung dürfte deutlich machen, wie oft Kinder als „falsch“ abstempelt werden, wenn sie sich anders entscheiden, als es die Rosa-Hellblau-Falle der Erwachsenenwelt für sie vorgesehen hat.

Als Ergänzung: vor kurzem gab’s *hier* die Sammlung rund um das rosa Ü-Ei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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In diesem Sinne,

 

mit herzlichen Grüßen aus der #RosaHellblauFalle :-)

 

#EqualCareDay

Wir schlagen vor: Einführung eines Equal Care Day

am 29. Februar 2016 !

Nachtrag am 29.2.2016:

Alles zum Equal-Care-Day findet sich ab jetzt unter

www.equalcareday.de

Um auf die mangelnde Wertschätzung von Fürsorgearbeit aufmerksam zu machen, den geringen Stellenwert, den das Sich-Kümmern um Kinder, das Pflegen von Kranken, Alten, BeHinderten in unserer Gesellschaft hat.

„Eine Gesellschaft, die Geldverdienen höher bewertet als Fürsorge,
ist blind für die Kosten, die durch Vernachlässigung entstehen.“
Anne-Marie Slaughter

Und um ein Bewusstsein zu schaffen für die unfaire Verteilung dieser Arbeit: 80% der Care-Arbeit wird von Frauen geleistet (Quelle: Bundesagentur für Arbeit), sowohl im professionellen Bereich und mehr noch im Privaten: 80%. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den 29.2., diesen zusätzlichen Tag im Schaltjahr als ‚Equal Care Day‘ (analog zum Equal Pay Day, s.u.) einzuführen, als Erinnerung daran, dass Männer in Deutschland über 4 Jahre brauchen, um die Care-Arbeit  zu leisten, die Frauen in einem Jahr, also bereits im Jahr 2012 geleistet haben.

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überarbeitet am 30.1.16

Seit 2008 wird in Deutschland am Equal Pay Day daran erinnert,

dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer – im Jahr 2014 waren das nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 21,6%. Frauen müssen also für den gleichen Jahreslohn 79 Tage länger arbeiten als Männer, eben bis zum 19. März 2016. Angenommen Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden.

Am 3. November 2015 hat Bundesministerin Manuela Schwesig das Motto für den Equal Pay Day am 19. März 2016 der Öffentlichkeit präsentiert: ‚Was ist meine Arbeit wert?‘ Diese Frage gilt eben ganz besonders auch für Care-Ressourcen. Die Antwort darauf darf nicht länger von geschlechtlichen, rassistischen oder klassenbezogenen Strukturen bestimmt werden!

 

Übrigens,

den PayGap und CareGap gibt es bereits im Kinderzimmer:

Jungen bekommen im Durchschnitt mehr Taschengeld als Mädchen (Beispiel aus Frankfurt), und Töchter müssen bis heute mehr im Haushalt helfen und sich um jüngere Geschwister kümmern, mehr als dies von Söhnen verlangt wird (Vorwerk Familienstudie 2010).

andrea-legofriendsAuch die Verknüpfung von Sexismus, Rassismus und Klassismus reichen wir auf ganz subtile Weise an die nächste Generation weiter. Beispiel: LegoFriends. Zu den Baukästen liefert Lego auch gleich die Biografien und Geschichten der fünf Mädchenfiguren mit: Von Lego lizenzierte Hefte über das Leben der Hauptfigur, ein Mädchen namens Olivia. Deren Freundin Andrea, die einzige nicht-weiße Spielfigur, möchte eines Tages Superstar werden. Doch dafür muss sie als Bedienung ihr Geld im ‚City Park Café‘ verdienen, wo sie Cupcakes und Hamburger zubereitet sowie „abwäscht und den Boden wischt“. (Quelle: faz, „In dieser Idylle ist morgen wie gestern“)

 

Wir freuen uns über Austausch und Unterstützung zu unserem Anliegen. Vielleicht können wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen – schickt uns Eure Ideen. Blogger*innen sind herzlich aufgerufen, diesem Tag einen eigenen Post zu widmen. >Hier< finden sich ein paar Fragen zur Inspiration. Als Hashtags schlagen wir vor:

#ECD2016

#EqualCareDay

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Links und Infos zum Thema Care-Gap / Care-Arbeit:

 

  • Winker, Gabriele. Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft, Bielefeld 2015.