Buchtipps ohne RosaHellblauFalle

Unsere Buchempfehlungen für Kleine und Große


1. Für Kinder

1.1. Limitierende Rollenbilder im Fokus

 

 

Puppen sind doch nichts für Jungen

Flamant, Ludovic; Engelbert, Jean-Luc, Picus Verlag, Wien 2017

Nico bekommt eine Puppe zum Geburtstag geschenkt, und ist begeistert – im Gegensatz zu Nicos Vater, der findet nämlich, sein Junge bräuchte ein normales Geschenk, und so geht die Familie einkaufen. Der Vater hat „ ein echtes Jungenspielzeug“ im Fokus, aber Nico ist ganz anderer Meinung. Er zieht seine neue Puppe an, teilt sein Frühstück mit ihr und möchte sie natürlich auch mit in die Schule nehmen. Nicos ältere Schwester erzählt die Erlebnisse in Ich-Form und ist ihrem Bruder eine echte Hilfe! An der sturen Haltung des Vaters dagegen und der eher passiven Mutter ändert sich bis zum Schluss nichts, weshalb das Buch zwar ein wichtiges Thema aufgreift und zum Gespräch darüber einlädt, das Ende aber ganz schön dünn ist.


Good Night Stories for Rebel Girls. 100 außergewöhnliche Frauen

Elena Favilli, Francesca Cavallo, Carl Hanser Verlag, München 2017

Auf jeder Doppelseite wird eine Frau vorgestellt, links der Text und rechts ein Bildportrait, alle von unterschiedlichen Illustratorinnen. Sie leben oder lebten in aller Welt, geboren sind sie zwischen 69 v.Chr. (Kleopatra) und 2007 (Coy Mathis). Mancher vielleicht erwartbare Name ist darunter: Malala, Frida Kahlo oder Sophie Scholl, und darüberhinaus viele mehr. Alle sind es wert, gekannt zu werden: Die Kriegerin Lozen oder die Schriftstellerin Maya Angelou, die Rapperin Sonita Alizadeh, die Meeresbiologin Sylvia Earle oder die Dirigentin Xian Zhang.

Jede von ihnen ist einen ungewöhnlichen Weg gegangen, so manche musste viel Kraft und Mut aufbringen, sich gegen das Frauenbild ihrer Umgebung durchzusetzen, um in Freiheit leben oder in die Schule gehen zu können, um den Menschen zu lieben oder den Beruf zu wählen, den sie wollte.


 

Jonas wird Prinzessin

Seggewiß, Swana; Menke, Ulrike; Goossens, Anja. Don Bosco Verlag, München 2015

„Ich will aber auch ein Prinzessinnenkleid haben!“

„Dann lachen Dich im Kindergarten alle aus“

In der Geschichte um die Zwillinge Jonas und Mara geht es ums Verkleiden an Karneval und Jonas, der gar keine Lust auf ein Cowboy oder Piratenkostüm hat, und lieber Prinzessin werden möchte. Damit stößt er erstmal auf die üblichen Widerstände, aber an der Karnevalsfeier im Kindergarten tauschen die Zwillinge kurzerhand ihre Kostüme und auch Basti („Er macht ein Praktikum im Kindergarten“ – schade, aber immerhin …), der als Pippi Langstrumpf verkleidet ist, unterstützt Jonas in seinem Wunsch.


 

Prinzessin Pfiffigunde

Babette Cole. Carlsen Verlag, Hamburg 1987

Eine Buchvorstellung von Kay, 13 Jahre:

„In dem Buch geht es um eine Prinzessin, die heiraten soll, aber nicht will. Mit Hilfe ihrer Tiere stellt sie vielen Prinzen Aufgaben, die sie nicht bewältigen können. Doch der letzte Prinz schafft sie alle, daraufhin verwandelt sie ihn in eine Kröte. Er verlässt schnell das Land, und sie hat endlich ihre Ruhe vor Prinzen.

Wenn ich das Buch den Kindern vorlese, die ich babysitte (4+6Jahre), dann finden die lustig, dass die Prinzen die Aufgaben nicht schaffen und Angst haben, und sie finden die Bilder lustig und die ekligen Tiere. Ich finde es eher langweilig, aber ich bin ja auch schon größer.

Es ist ein Buch ohne RosaHellblauFalle, weil die Prinzen mal nicht die Chefs sind, weil die Prinzessin Motorrad fährt, schlau und stark ist und nicht alles mit sich machen lässt.

Nicht so gut: Ich hätte es nicht rosa gemacht und man sollte keine Prinzessin vorne drauf haben, weil Eltern kaufen das bestimmt nicht für einen Sohn.“


 

Alles rosa

Maurizio Onano. Jaja Verlag, Berlin 2017

In ‚Alles Rosa‘ geht es um David, und mit dem scheint etwas nicht zu stimmen. Er würde nämlich lieber draußen mit den Mädchen spielen, dem Prinz-Sein kann er nichts abgewinnen und wieso unbedingt alles um ihn herum rosa sein muss, versteht er auch nicht. Eine Geschichte mit vielen offenen Fragen, die die verbreitete Überzeugung „Jungen mögen nun mal Rosa“  :-? ins Wanken bringt.

 

 


Typisch Mädchen?

Typisch Jungs?

Elisabeth Brami und Estelle Billon-Spagnol. Gabriel Verlag, Stuttgart 2016

Die Erklärung der Mädchen- und der Jungen-Rechte.

Zwei Bücher, in denen Freiheiten und Rechte von Mädchen in einzelnen Sätzen festgehalten, in jeweils 15 Artikel (= Doppelseiten) untergliedert und mit lustigen Zeichungen und Sprechblasen illustriert werden. Denn „Jedes Mädchen hat das Recht, Detektivromane, Abenteuerbücher oder Gruselgeschichten zu lesen und im Kino Angst zu haben.“ (Artikel 9), „… raspelkurze Haare zu tragen (Artikel 13) und „nicht jeden Tag eine Prinzessin zu sein“ (Artikel 14)

Und jeder Junge hat das Recht, mit Puppen zu spielen oder Vater-Mutter-Kind, Gummitwist, Himmel und Hölle…“ (Artikel 3) und „Jeder Junge hat das Recht, nicht jeden Tag Superheld zu sein“ (Artikel 14)

Jeder einzelne Artikel ist richtig und wichtig, und weil die Bilder zeigen, was das konkret bedeutet, so dass man mit Kindern gut ins Gespräch kommen und die Beispiele mit den eigenen Interessen vergleich kann, empfehlen wir, nicht die kleine Ausgabe zu kaufen, sondern die große zu wählen.


  • Kicker im Kleid. David Walliams, Rowohlt Verlag 2017
  • König & König. Linda de Haan, Stern Nijland. Gerstenberg 2014
  • Die Prinzessin in der Tüte. Robert Munsch, SaBine Büchner. Ravensburger Buchverlag, 2014
  • Prinz_essin. Rabea-Jasmin Usling, chiliverlag 2017
  • Toni. Verena Tschemernjak. 2015

 


1.2. Anderes Thema und trotzdem #klischeefrei

 

Sophie und das weite Meer

Marie-Louise Gay, Carlsen Verlag, Hamburg 2000

Sophie ist ein mutiges Mädchen, das mit ihrem kleinen Bruder die Natur erkundet. Theo ist ängstlich und macht sich Sorgen beim Gedanken an Mondmuscheln, Seepferdchen und Sand und fragt seiner großen Schwester Löcher in den Bauch. Aber sie ist zum Glück mächtig schlau und weiß ihm jedes Mal eine lustige, phantasievolle Erklärung, die ihm Mut macht, so dass sie gemeinsam weiter entdecken können, was es zum Beispiel mit Mondmuscheln und Augenklappen auf sich hat.

 

Von derselben Autorin und Zeichnerin:

– Sophie und der Sternenhimmel

– Sophie und die Waldfee


Nur nicht verwechseln

Hervé Tullet, Carlsen Verlag, Hamburg 2000

Für ganz Kleine, ein Buch voller Gegensatzpaare, durch die Seiten wandert ein kreisrundes Loch. Die Freude ist groß, wenn das Kind bei jedem zweiten Umblättern schon weiß, dass auf „schwarz und weiß“ „bunt“ folgt, auf „drüber“ das „drunter“ auf „oben“ „unten“, „weit weg“ und „nah“. Bei „rechts“ ist Platz für die Kinderhand, das „Ja“ lädt zu Gebrüll ein. Über die Abbildung von eckigen Papas und runden Mamas kann eins streiten, aber der Rest ist #klischeefrei.

 


 

Meine Freunde.

Zum Eintragen mit Pinsel, Stempel und Kleber.

Nele Palmtag, Carlsen Verlag, Hamburg 2014

Ein Freundebuch, das einen angenehmen Kontrast bietet zur grassierenden Geschlechtertrennung, wo Fußballer und Transformer pinken Models oder Prinzessinnen gegenüberstehen. (Bei der Auwahl von Interessen und Lieblingstier reduziert sich das Angebot mitunter ganz auf Ballerina, Reiten, Pferde, Kätzchen und Zuckersüßes.) Im vorliegenden Buch müssen Eltern zwar die Fragen vorlesen, aber die Kinder können selbst mit Bildern antworten. Was Sinn macht, da die Freundebuchzeit ja schon in der Kita beginnt. In diesem Freundebuch ist Reiten, Schwimmen, FußballSpielen, Klettern und Tanzen für alle da und jedes Kind kann in die Tonne malen, was es doof findet.

Mehr #klischeefrei Freundebücher:

 

 

 

 

Mein Kinder Künstler Freundebuch. Von der ‚Labor Ateliergemeinschaft‘, Beltz & Gelberg, Weinheim 2016

 


Und außerdem sind Borsten schön. Nadia Budde. Peter Hammer Verlag 2013


 


2. Für Größere

 

»Typisch Mädchen …« Prägung in den ersten drei Lebensjahren

Marianne Grabrucker, Fischer Verlag Frankfurt, 1985, neu aufgelegt 2017

Marianne Grabrucker führt in den 1980er Jahren Tagebuch über den Alltag mit ihrer dreijährigen Tochter Annelie, und über die eigene Hilflosigkeit gegenüber der Allgegenwart von geschlechtsbezogenen Normen. Sie sammelt Momente und Kommentare, in denen sich Geschlechterstereotype und die Erwartungshaltung an ein ‚richtiges‘ Mädchen im Alltag von Annelie breit machen. „Mann redet – Frau nackig“, stellt Annelie beim Anblick eines Werbeplakates fest und beweist, wie wenig Lebenszeit es braucht, um den wesentlichen Unterschied in der Dartstellung von Männern und Frauen in den Medien zu erfassen. Zusammen mit fast jeder Aufforderung, jedem Kompliment oder Geschenk, bekommt Annelie immer auch ein Klischee aus der Erwachsenenwelt mitgeliefert. Und Annelie lernt…

Für uns DAS Buch, in dem wir unsere eigenen Beobachtungen mit unseren Kindern wiederfanden, bevor der Entschluss wuchs, „Die Rosa-Hellblau-Falle“ zu schreiben, um die Rollenklischees im Alltag sowohl von Mädchen als auch Jungen darin zusammenzufassen.

 

Das Problem mit den Frauen

Fleming, Jacky. Kiwi Verlag Köln, 2017

„Seit vielen Jahrhunderten helfen sich Frauen gegenseitig aus dem Abfalleimer der Geschichte heraus“. Warum das nötig ist, erklärt Jacky Fleming in ihrem kleinen, zynischen historischen Rückblick auf die Frauenrechte und die Schwäche der Frau in allen Bereichen des Lebens: „Kritiker konnten mit einem Blick die schwache Frauenhand ausmachen – sobald sie wussten, von wem das Gemälde stammte.“

In ihrem Büchlein voll kurioser Regeln und hanebüchener Behauptungen, die im Lauf der Jahrhunderte über Frauen verbreitet wurden, erklärt sie in kurzen Sätzen den kausalen Zusammenhang von Reifröcken, Korsetten und fehlenden Geniehaaren einerseits zu übertriebener Emotionalität, frivoler Natur und gefallenen Mädchen andererseits. Und wenn einem beim Lesen das Lachen im Hals stecken bleibt, wird nicht so ganz klar, ob es an der trockenen Art der Beschreibung liegt oder an den aberwitzigen Fakten.


 

Der Ursprung der Welt

Liv Strömquist. Avant-Verlag, Berlin 2017

Ein lustiger, empörter und informativer Comic über die Kulturgeschichte der Vulva. Mit Zitaten aus Bibel, Biounterricht und pseudo-wissenschaftlichen Lehrbüchern. Liv Strömquist erklärt die Unterschiede zwischen Vulva und Vagina und geht gegen ein Tabu vor, indem sie so manche Buchseite der Klitoris oder der Menstruation widmet. Dass sie damit richtig liegt, und das Buch in diese Liste gehört, beweisen die Kommentare unter diversen Rezensionen.

 

 


 

Ja, ich habe meine Tage! So what?

Clara Henry. Beltz Verlag, Weinheim 2016

Auch Clara Henry widmet sich dem Tabu ‚Tante Rosa‘ (Srsly?), hinterfragt es und nennt es bei allen möglichen Namen. Zielgruppe sind Mädchen in der Pubertät, denen die schwedische Autorin und Youtuberin Rückenwind gibt und schlagfertige Antworten vorschlägt auf sexistische Kommentare und Herabsetzungen. Sie erklärt und klärt auf, hat Tipps für die blöden Tage der Tage, lässt auch PMS und Endometriose nicht aus, und schafft es, das Thema komplett entspannt und positiv anzugehen.

 

 

 


 

tbc

 

 

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