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#rausausderfalle

Twittergewitter

Raus aus der Rosa-Hellblau-Falle

Der Austausch über Geschlechterrollenklischees im Alltag von Kindern kann ganz lustig sein, hinterlässt uns aber auch oft sehr ratlos. Zum Beispiel dann, wenn Erwachsene überzeugt sind, Kinder hätten doch die freie Wahl, wir sollten es mal nicht übertreiben mit unserer Arbeit, schließlich gäbe es Wichtigeres… . Twitter ist eine prima Quelle für Kommentare, die diese Haltung, veranschaulichen, und gleichzeitig bekommen wir dort auch sehr viel Rückhalt und Zustimmung von Gleichgesinnten.

So haben wir im letzten Jahr hier auf diesem Blog einige Tweet-Sammlungen veröffentlicht: rosa-hellblaue Twittergewitter. Das letzte liegt einige Monate zurück, höchste Zeit also für ein neues, nur dieses Mal andersherum: Eine optimistische Sammlung in Sachen #rausausderfalle! :) Los geht’s:

 

 


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Wer weiter lesen möchte: Mehr Optimismus sammeln wir auf unsrem Tumblr-Blog

Raus aus der Rosa-Hellblau-Falle

Flaubert, das Spiegelei und die Familienpolitik

Als Schreiberling müsse er kein Spiegelei in der Pfanne sein, um über ein Spiegelei in der Pfanne zu schreiben,

sagte sinngemäß Flaubert.

Und auf meinem Weg in den Journalismus habe ich ihm das geglaubt. Klar kann man über alles gut und anschaulich schreiben, bin ja schließlich empathisch, kann mich einfühlen in andere Lebenslagen und so, durch Recherche die Situation erfassen, von innen heraus, ja ja…

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photo credit: Fried Egg via photopin (license)

Und dann wurde ich Mutter. Und hatte fortan Job und Privat in Einklang zu bringen. Unauffällig bitte, ohne viel drüber zu sprechen, nicht so verkrampft, streng dich ein bisschen an, dann klappt das, wer will, kann auch. Und so kamen Themen wie Mutterrolle, Carearbeit, Familienarbeit, Kinderrechte, Frauenrechte, Gleichstellung … in mein Leben und in mein Schreiben. Und Flaubert? Hat so was von keine Ahnung!

Heute glaube ich ihm kein Wort mehr. Wenn es um unterhaltsame Literatur geht … – geschenkt. Aber Gleichstellungsthemen und die Situation von Frauen zum Beispiel? Man muss kein Spiegelei in der Pfanne sein, um …? Echt jetzt? Von Flaubert ist zum Beispiel auch der folgende Absatz:

Die Frauen haben keine Vorstellung vom Recht. Die Besten haben keine Skrupel, an Türen zu lauschen, Briefe zu öffnen, zu tausend kleinen Betrügereien zu raten und sie zu verüben, etc. All das kommt von ihrem Organ. Wo der Mann etwas Erhabenes hat, haben sie ein Loch! Dieses Erhabene ist die Vernunft, die Ordnung, die Wissenschaft, der Phallus Sonnenplanet, und das Loch, das ist die Nacht, das Feuchte, das Unklare. (Quelle)

So viel also zur Einfühlsamkeit Flauberts. Bei Spiegeleiern mag es ihm ja noch gelungen sein, aber bei Frauen und ihren Rechten? 1880 ist er gestorben. Wie also sieht es heute aus mit dem Spiegelei in der Pfanne? Genügt es, sich seine Situation vorzustellen? Lässt sich das auf die Gleichstellungsthematik übertragen? Ich denke, Sheryl Sandberg wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass man manchmal eben doch ein Spiegelei sein muss, um zu verstehen. Um wirklich beurteilen, um wert- und einschätzen zu können.

Aber was bedeutet diese Erkenntnis für politische Entscheidungen, für Fragen zur Familienpolitik? Wieviel Spiegelei in der Pfanne muss ein Politiker erlebt haben, um die richtigen Forderungen zu stellen, um sich für die für Spiegeleier relevanten Änderungen einsetzen zu können?

Ich jedenfalls kaufe zum Beispiel kein Frauenmagazin, das der Vatikan herausgibt – aus Gründen. Und ich wünschte mir, viel mehr unserer überwiegend männlichen Politikerinnen würden mal mit dem Spiegelei in die Pfanne steigen, um nachzuempfinden, wie das ist: die Auswirkungen der Gleichstellungsdebatte und der Familienpolitik ganz konkret im Alltag von Frauen, von Müttern. Und damit meine ich weder die zwei Vätermonate, noch den einen Tag pro Woche, an dem er seine Tochter von der Kita abholt. Denn um wirklich nachspüren zu können, muss die Pfanne schon ein bisschen heißer sein.

noch mehr Kleinkram…

Ich habe kürzlich über Schweinekeulen, Zickenkäse und Werbebotschaften, also den „unterschätzen Kleinkram“ im Alltag von Kindern geschrieben. In Ergänzung dazu möchte ich jenen, die das Buch noch nicht kennen, „Typisch Mädchen… Prägung in der ersten drei Lebensjahren“ von Marianne Grabrucker empfehlen (leider nur noch gebraucht erhältlich). FullSizeRenderEs ist ein Tagebuch mit vielen kleinen Momenten aus dem Leben von Anneli, beginnt vor ihrer Geburt in der Schwangerschaft im März 1981, und der letzte Eintrag ist im Januar 1985.

Das Buch ist eine Art Vorläufer für unseres. Es illustriert mit jedem Eintrag unser Anliegen, auf die Klischeefallen im Alltag mit Kindern aufmerksam zu machen. Als ich es zum ersten Mal las, war ich schwanger mit meiner jetzt Vierzehnjährigen. Es hat mich getroffen und beschäftigt. Ich weiß nicht, ob wir ohne die Lektüre 14 Jahre später „Die Rosa-Hellblau-Falle“ geschrieben hätten, welchen Weg wir eingeschlagen hätten in Sachen Bewusstsein und Wissen rund um Gender.  Ich habe es ein paar Jahre später verschenkt, aber viele Szenen sind mir in Erinnerung geblieben. Und letzte Woche habe ich es mir wieder gekauft, weil ich nicht genug Beispiele haben kann für den unterschätzen Kleinkram. Marianne Grabrucker liefert ein ganzes Buch voll davon. Es ist Gegenargument für jene, die meinen, Medien und Werbung seien Schuld, hier würden Geschlechterklischees vermittelt, zuhause jedoch nicht.

IMG_1395„Nein, wir reichen keine traditionellen Rollenbilder weiter. Wir lassen unseren Kindern die freie Wahl. Wir haben Puppen und Technikzeug, sie können sich wirklich frei aussuchen, womit sie spielen wollen. Meine Tochter mag nun mal Rosa, aber von mir hat sie das nicht…“ – Wer sich mit geschlechtergerechter Erziehung befasst, kennt diese Gespräche unter Müttern Eltern.

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Manchmal lasse ich mich darauf ein und erzähle von mir. Manchmal mag ich mich nicht schon wieder unbeliebt machen und sage nichts. Aber vielleicht kaufe ich nochmal ein paar Ausgaben von „Typisch Mädchen…“ und verschenke ab und zu eins. Oder auch nur eine Seite daraus. Zwei Tagebucheinträge sollten genügen.

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Dass die Einträge aus den 1980er Jahren sind, schadet dem Ganzen nicht. Im Gegenteil. Ich finde erschreckend, wie wenig sich 30 Jahren verändert hat.

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Geschichten, die Männern nie passieren würden

Ein paar Gedanken zu „Hinten sind Rezepte drin. Geschichten, die Männern nie passieren würden“, Buch von Katrin Bauerfeind

Männer und Bücher…

…überhaupt Männer und Sprache, das sei so eine Sache, obwohl die überwiegende Mehrheit der anerkannten, preisgekrönten und u1_978-3-596-03396-6.41829083erfolgreichen Schriftsteller*innen bis heute Männer sind. Und folgenschwer handeln die meisten Bücher deshalb von Protagonisten, also wirklichen Männern und nicht nur generischen Maskulina. Trotzdem hält sich das Klischee beharrlich, Männer und Sprachen, Kommunikation, Ausdruck von Gefühlen gar … Ich muss mich deshalb gleich schon mal entschuldigen für diesen Text hier, also als Mann meine ich, weil ich ganz deutlich die Stereotypbedrohung im Nacken spüre, und das ist eine denkbar schlechte Muse. Sie kuckt mir über die Schulter, prüft kritisch jeden Buchstaben, jedes Wort, jeden Absatz. Ist das auch alles gut so, korrekt geschrieben und treffend im Ausdruck? Kann er das auch wirklich? Kriegt er das hin? Das setzt mich unter Druck, ich bin im Fehlervermeidungsmodus, und deshalb alles andere als souverän und kreativ schon gleich gar nicht. Weil ich dem Klischee nicht entsprechen will, will beweisen, dass ich das sehr wohl kann, Bücher lesen, mit Sprache umgehen, meinen Gefühlen Ausdruck verleihen, das ist mir wichtig, und so ein Klischee soll mich da nicht zurückhalten. Und trotzdem beeinflusst es mich, unbewusst, es zieht Energie und Aufmerksamkeit ab von der eigentlichen Aufgabe, nämlich hier einen guten Text zu Papier zu bringen, eine Beschreibung, wie es mir als Mann geht, wenn ich Katrin Bauerfeinds Buch lese „Vom Wahnsinn, eine Frau zu sein“, ihre „Geschichten, die Männern nie passieren würden“. Und ganz besonders bei einem Buch, das mich mit diesem Klappentext zum Lesen einlädt: „Kann ich emanzipiert sein und trotzdem ohne Unterwäsche in die Stadt? Bin ich schon eine moderne Frau, nur weil ich nicht kochen kann? […] Wenn Sie solche Fragen mögen, werden Sie mit diesem Buch viel Spaß haben. Wenn nicht, sind Sie vermutlich ein Mann, dann ist es eh wurscht, weil Männer keine Bücher kaufen, geschweige denn lesen.“

Empathie und die sog. Stereotypbedrohung

Wenn Männer vor einem Test, in dem es darum geht, Portraitfotos mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken bestimmte Gefühle zuzuordnen, wenn ihnen vor dem Test gesagt wird, dass es sich um einen Empathie-Test handelt, bei dem Männer in der Regel schlechter abschneiden als Frauen, dann – selffullfilling prophecy – sind ihre Ergebnisse auch deutlich schlechter, schließlich haben sie ja oft genug schon gehört und verinnerlicht: Männer und Gefühle, naja, Sie wissen schon… Und die Werbung packt da gerne noch einen drauf: „Auch Männer haben Gefühle: Durst.“ Lustig, nicht? Erwachsene erkennen die Ironie, im Gegensatz zu Kindern, die solche Sprüche noch sehr lange als Wahrheit mit auf den Weg nehmen. Aber auch Erwachsene beeinflussen diese Botschaften, zu oft werden wir damit konfrontiert in Situationen, die wir gar nicht bewusst wahrnehmen.

Zurück zum Empathie-Test. Fällt der Hinweis aufs Geschlecht weg, wird für jede richtige Antwort gar eine Belohnung in Aussicht gestellt, schneiden Männer genauso gut ab wie Frauen (Klein + Hodges: „When it pays to understand„). Kein Unterschied also in der grundsätzlichen Empathiefähigkeit der Geschlechter. Dasselbe Ergebnis bei Tests, die den Vorurteilen um Frauen und Technik, Informatik und Mathematik nachgingen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden, sobald die Macht der Klischees, sobald der Stereotype Threat ausgeschaltet, ausgetrickst ist. Ach, wie gut könnte dieser Text erst sein, wenn mir die Stereotypbedrohung gerade nicht im Nacken säße?

Katrin Bauerfeind – weiblicher als sie tatsächlich ist?

Katrin Bauerfeind schreibt nun Geschichten, die Männern nie passieren würden. Die sind witzig, das ist pointiert, gut geschrieben, kurzweilig und mit viel Hintersinn. Auf der Oberfläche aber handeln ihre Geschichten von Klischees, von den Männern an sich und wie die Frauen nun mal so sind. Das ist einigermaßen paradox, weil Katrin Bauernfeind am Anfang des Buches ihr kindliches Erleben ganz anders schildert. Sie erinnert sich, dass sie ein untypisches Mädchen war. Wie kam es, dass sie sich heute doch von all diesen weiblichen Klischees beeinträchtigt fühlt? Wann kamen die Klischees in ihr Leben, haben sie verändert? Warum hat sie sich dann ganz anders entwickelt? Wie kam es, dass sie so viel weiblicher wurde, als sie doch angeblich eigentlich ist? Als sie hätte sein müssen? Oder ist sie gar nicht? Bin ich klischeehaft männlicher, als ich es in meinem tiefsten Innern eigentlich bin, wäre? Und was ist das überhaupt, der innere Kern? Gibt es den und wenn ja wo genau?

Am Ende bleiben Klischees und Stereotype, die einmal mehr reproduziert werden, um sie dann zu hinterfragen, zu widerlegen, zu problematisieren, sich drüber lustig zu machen, eine Ja-aber-Spirale, die nicht weiter führen kann. Das ist das Dilemma von Comedy und Kabarett, Humor und Battle Rap: Klischees werden reproduziert und überhöht, das bringt Lacher und Aufmerksamkeit. Dass sie eigentlich reproduziert werden, um zu … was auch immer … hat in der Erinnerung kaum noch Relevanz, das ist Intellekt und Überbau. Die Klischees aber, die wirken auf der unbewussten, emotionalen Ebene und schränken unsere Wahlfreiheit ein, auch wenn wir das nur in den seltensten Fällen merken. Und weil Katrin Bauerfeind sich in vielen Situationen, in ihrer Kindheit anders wahrgenommen hat, möchte ich ihr gerne die sechs Fragen unseres Projekts „Was Anders Wäre“ stellen:

#WasAndersWäre

– Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann/eine Frau wärst?

– Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau/ein Mann bist?

– Was tust du nicht / welche Dinge unterlässt du lieber, weil du ein Mann/eine Frau bist?

– Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

– Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen/Männer zu gehören.

– Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

 

Außerdem stimmt es ja gar nicht, dass die erzählten Geschichten Männern nie passieren würden. Das eine oder andere ist mir genau so auch schon passiert. Die Sache mit der Angst zum Beispiel nachts in einem fremden Haus. Andere Geschichten hätte ich durchaus erleben können, kann ich mir zumindest vorstellen. Ja, ich habe, hätte sie anders erlebt. Anders, weil ich ein Mann bin? Oder anders, weil ich nicht Katrin Bauerfeind bin? Und in vieles kann ich mich hineinfühlen, echt, voll empathisch und so. Und ich lese Bücher! Gekauft habe ich ‚Hinten sind Rezepte drin‘ allerdings tatsächlich nicht. Es kam als Rezensionsexemplar vom Fischer-Verlag frei Haus. Damit ich drüber schreibe. Oder wollten die womöglich, dass meine Frau drüber schreibt? Als Vertreterin der Zielgruppe, weil sie das besser nachvollziehen kann, nachempfinden, gut finden? Egal, ich kümmere mich jetzt erst einmal um meine drei Kinder, neuer Vater, toller Hecht und keines ist krank. Ich bin noch viel superer Papa als Sigmar Gabriel, und die 5000,- Euro – Belohnung habe ich trotzdem nicht bekommen.

Verdammt, in dem Buch hinten sind gar keine Rezepte drin, das ist ja nur eine Verkaufsmasche. Und was gibt es jetzt zu essen?

 

PS: Gerne möchte ich das Buch weiterreichen, weil ich es ja auch nur als Sprungbrett für meine eigenen Gedanken genutzt habe. Und auch wenn ich vielleicht nicht wirklich einladend darüber geschrieben habe, ich habe so viel ausgelassen, vielleicht sogar die besten Seiten. Aus einer anderen Perspektive betrachtet, zu einer anderen Zeit, in einer anderen Grundstimmung wäre alles ganz anders gekommen. Vielleicht möchte jemensch anderes darüber schreiben? Meldet Euch, dann schicken wir ’s raus.

 

 

 

 

 

Fragen zum Equal-Care-Day

Wer springt ein, wenn „Not am Mann“ ist?

Fragen zum Equal Care Day am 29.Februar

 

Ein Kind kommt auf die Welt.

Foto: StarMama

Foto: StarMama

Wer begleitet die Schwangere? Wer übernimmt die Erstversorgung des Neugeborenen? Wer kümmert sich um die junge Mutter? Wer hat die ersten Kleider besorgt? Wer achtet darauf, dass mit dem Stillen / Trinken alles klappt? Wer ruft zuerst an, wird angerufen? Wer kommt zu Besuch? Wer bietet Unterstützung an? Wer kocht in den ersten Tagen und später? Wer wäscht und putzt und kauft ein, wer sorgt dafür, dass die Mutter sich im Wochenbett erholen, um sich selbst kümmern kann? Auf wen kann sich die neue Familie in dieser Situation wirklich verlassen? Und wenn schon Geschwisterkinder da sind, wer hat sich um die gekümmert während der Geburt und in den Stunden, Tagen danach? Wo waren sie untergebracht? Und wenn nicht alles gut ging? Das Kind krank ist, vielleicht beHindert, die Mutter noch länger medizinisch versorgt werden muss? Wer wäscht, wer badet, wer wickelt? Wer kennt die aktuelle Windelgröße und weiß, wann neue gekauft werden müssen? Wer bringt das Kind ins Bett? Wer singt, wer liest vor? Wer wacht auf und wer steht nachts auf, wenn es weint? Wer bleibt zuhause, wenn das Kind krank ist? Wer weiß, wann die nächste Vorsorgeuntersuchung ansteht? Wer hat die Karten der Krankenversicherung im Geldbeutel, und wer geht zum Kinderarzt, zur Kinderärztin, ins Krankenhaus? Wer übernachtet dort auf der Liege? Wer weiß, wo das Nasenspray steht und welches Zäpfchen das richtige ist? Wer tröstet das Kind, wenn es sich weh getan hat, wenn es traurig ist? Wie wird getröstet, wenn es ein Junge, wenn es ein Mädchen ist? Wer wird liebevoll getröstet, und wem wird gesagt, er soll sich mal nicht so haben? Wer wird ermahnt, gut auf sich aufzupassen?

 

Babyschwimmen und Kinderturnen, Pekip und musikalische Früherziehung, Tageseltern, Kita, Baby-Sitter*in? Wer wählt aus, wer geht mit? Wer führt die Gespräche, macht Termine? Wer übernimmt die Eingewöhnung? Wer hat den Kinderanhänger am Fahrrad – und dann auch beim Familienausflug am Wochenende? Wer kümmert sich um die Verabredungen des Kindes? Wer telefoniert und vereinbart die Treffen? Wer bringt und holt ab? Wer geht mit auf den Spielplatz? Wer weiß, welcher Geburtstag ansteht, bereitet vor, bastelt Einladungen, besorgt die Geschenke? Wer weiß, welche Kleidergröße die Kinder haben? Breiter Fuß oder eher schmal? Wer kauft neue Hosen, und wer verkauft die alten auf dem Flohmarkt? Wer hat rechtzeitig neue Handschuhe gekauft, wenn es kalt wird? Wer packt für den Urlaub? Wer kümmert sich um die Haustiere, wenn es die Kinder vergessen? Wer geht mit zum Tierarzt? Wer geht mit zur Zahnärztin? Wer hat sich über die nächste Impfung informiert, wer weiß, wann sie ansteht? Wer weiß, wer noch kein Taschengeld bekommen hat? Wer kennt sich aus mit der Lineatur von Schulheften? Wer streicht die Schulbrote? Wer spült die Wasserflasche, die nach dem Wochenende noch in der Schultasche liegt? Wer weiß, wo der Turnbeutel liegt? Wer fragt Vokabeln ab? Wer erinnert ans Klavier Üben und schaut mit über die Schulter? Wer macht sich Gedanken übers Essen? Über die (eigene) Ernährung? Wer hält sich zurück, wer langt kräftig zu? Wer kocht? Wer sortiert die Wäsche? Und weiß, wann die Bettwäsche wieder gewechselt werden muss? Wer ist verantwortlich für welchen Bereich und wer muss mithelfen? Wie viel, bei welchen Tätigkeiten, mit welcher Selbstverständlichkeit? Wer kümmert sich um kleinere Geschwister? Von wem wird das ausdrücklich verlangt? Wer lernt, sich in andere hinein zu versetzen? Wer lernt, auf die Wünsche anderer zu achten? Wer lernt, seine eigenen Wünsche auch mal hinten anzustellen? Wessen Wünsche werden eher mal ignoriert?

 

Wer erklärt dem Kind die Welt, antwortet auf seine Fragen? Mit wem spricht es, wenn es Sorgen hat, wen fragt es, wenn es Rat braucht? Wie wird reagiert, wenn der Sohn Liebeskummer hat, und bei der Tochter? Und wenn die Eltern selbst Probleme haben, die auch die Kinder betreffen? Wie reden sie mit einer Tochter, wie mit einem Sohn? Wem fühlen Sie sich näher? Wie ist es bei Krankheit, Problemen in der Schule, Ärger, Sorgen in der Pubertät? Wer kennt die Freundinnen und Freunde? Wer fühlt sich verantwortlich? Wer ist ansprechbar, auch wenn der Zeitrahmen kaum Luft lässt? Wer redet mit den Lehrer*innen? Und zu welchen Anlässen? Wer geht auf die Elternabende? Wer lässt sich als Vertreter*in wählen? Und in den Gremien, wer übernimmt den Vorsitz? Und die Handy-Notfallnummer? Von der Mutter, vom Vater? Wer lässt alles stehen und liegen im Fall der Fälle?

Wer erlaubt sich, krank zu sein? Wer achtet auf sich selbst, auf genügend Schlaf, auf Ausgleich und Ruhephasen? Wer geht zur Vorsorge? Wer macht weiter, obwohl es weh tut? Wer redet über seine*ihre Bedürfnisse? Wer hält Monologe? Wer fragt, was die anderen brauchen? Was ihnen fehlt? Wer bestimmt in letzter Konsequenz? Auf welcher Grundlage?

 

Wer fährt zu den Großeltern? Wer sieht, was Opa fehlt? Wem vertraut er? Wer organisiert seinen runden Geburtstag? Wer begleitet Oma zum Arzt? Wen ruft sie an, wenn sie Hilfe braucht? Wer organisiert eine Pflegekraft und das Essen auf Rädern? Wer weiß, wie die Pflegekraft heißt? Ist es ein Mann oder eine Frau? Woher kommt sie? Wer stellt Fragen? Wer hört zu? Wer bleibt auf dem neusten Stand? Wer macht sich nachts Sorgen und kann nicht schlafen? Wer weiß, welches Medikament fehlt? Wer hilft beim Einzug ins Pflegeheim? Wer redet mit dem Pflegepersonal? Wer besucht, wer bringt was mit, sieht, was im Zimmer fehlt? Wer macht ein Spiel mit, wer singt, wer puzzelt, wer liest was vor? Wer füttert, wer wischt auf, wer wischt ab. Wer hilft beim an- und ausziehen? Wer bekommt die Vollmacht? Wer erbt? Wer bekommt die Unzufriedenheit zu spüren? Wer macht immer alles falsch? Wer steht über allem? Wer zahlt drauf? Und wenn jemand gestorben ist? Aus der Familie oder im Bekanntenkreis? Wer findet die passenden Worte? Wer druckst rum? Wer sucht den Kontakt zu den Hinterbliebenen? Wer zieht sich zurück?

Wer spricht ein Machtwort? Wer hält den Rücken frei?

 

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Was ist der Equal-Care-Day?

www.equalcareday.de

Equal-Care-Day: er sieht den Dreck nicht, sie ist pingelig?

Bitte kein Heute-putzt-mal-der-Mann-Gedenktag!

Wir setzen uns dafür ein, den 29. Februar als Equal-Care-Day einzuführen, um an diesem zusätzlichen Tag im Schaltjahr auf die mangelnde Wertschätzung und ungerechte Verteilung von Care-Arbeit nicht nur, aber gerade auch in Deutschland aufmerksam zu machen. Die ungleich verteilte Hausarbeit, die ZEIT ONLINE anlässlich unserer Equal-Care-Day-Idee in den Fokus nimmt,  ist zwar Teil dieses Themenkomplexes, doch wir wünschen uns vor allem mehr Aufmerksamkeit für Care-Arbeit im Sinne von Fürsorge, beruflich wie privat, also Kinderbetreuung, Pflege von Alten, BeHinderten, Kranken und auch dem eigenen Körper, sich selbst gegenüber. Denn leider hat sich unsere Gesellschaft dahin entwickelt, dass die Arbeit mit und an Maschinen mehr Lohn und mehr Wertschätzung verdient, als jene, bei der Menschen im Mittelpunkt stehen. 

 Doch offensichtlich regt der Text von Tina Groll viele dazu an, sich übers Putzen, Waschen, Kühlschrank Füllen Gedanken zu machen. Und weil sich in den Kommentaren die #rosahellblaufalle öffnet, sich ein „Ihr Frauen“ vs. „Wir Männer“ und andersherum ausbreitet, wollen wir auch zu diesem Aspekt ein paar Zeilen schreiben. 


Geschlechterkampf ??

Wieso lassen sich so viele in der Diskussion um Zuständigkeiten und Rollenbilder auf ein Gegeneinander ein und unterstützen damit jene, die in unterschiedlichen Kontexten von „Geschlechterkampf“ schreiben? Wir leben in einer Zeit, in der jede dritte Ehe geschieden wird, homosexuellen Paaren die Fähigkeit abgesprochen wird, Kinder großzuziehen, und viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Eine Zeit, in der gleichzeitig Fernsehshows „Jungen gegen Mädchen. Der Kampf der Geschlechter“ konzipiert werden und der Kinofilm, der Star Wars von Platz eins der Kinocharts verdrängt hat, den Untertitel „Jungs gegen Mädchen“ trägt. Nicht zu sprechen vom Konzept des Gendermarketing, das seit gut 10 Jahren darauf setzt, uns weiszumachen, Frauen und Männer hätten von Grund auf unterschiedliche Interessen, bräuchten verschiedene Versionen von Chips, Bratwürstchen und Socken, von Fahrrädern, Armbanduhren und Nassrasierern. Eine Werbestrategie, die auf ein geschlechtergetrenntes Angebot setzt, als lebten Frauen und Männer in zwei grundsätzlich getrennten Welten. Welchen Nutzen haben wir dadurch? „Ist doch schön, dass es Unterschiede gibt“, argumentieren die Gegner*innen geschlechtergerechter Pädagogik und kaufen Bücher mit Mars und Venus oder Einparken und Zuhören im Titel. Comediens machen Witze über Seine Einsilbigkeit und Ihre Geschwätzigkeit und wir helfen mit, dass sie damit Turnhallen füllen. Welchen Nutzen sehen wir darin, in einen „Geschlechterkampf“ einzusteigen und dabei zu behaupten, alles wäre nur lustig gemeint, und sowieso gäbe es biologische Gründe für diese Unterschiede? Biologische Gründe für geschlechtergetrennte Deo- und Shampoo-Regale? Und worin bitte liegt der Nutzen bei rosa-geblümten und hellblauen Alternativen bei Putzmitteln für die Scheibenwischanlage? Womit wir zurück wären beim Streit ums Putzen. Nein, bei der Frage, ob das Putzen einen Streit wert ist. Denn die Frage „Wie könnten wir es gemeinsam besser hinbekommen?“, würde dem Thema gut tun. Stattdessen entscheidet sich die Mehrheit für Schuldzuweisungen, Herabsetzungen und Rechthabereien, dies und jenseits des Grabens, der tiefer wird, wenn wir uns nicht endlich unserer Gemeinsamkeiten bewusst werden.

„Frauen sind eben einfach pingeliger!“ ?

Die Entbrannten argumentieren vor allem um zwei Aspekte herum:

1) DIE Männer sähen den Dreck nicht vs. Frauen wären pingelig und bräuchten unnötig Zeit für etwas, das sich schneller erledigen ließe.

2) Frauen übernehmen zwar mehr, dafür arbeiten Männer an anderen Stellen mehr, die da wären: Rasenmähen, Ernährerrolle und Überstunden, Tagebau, Krieg und andere körperliche und seelische Lasten, für die Frau sich zu fein sei (inklusive Plädoyer für eine Quote bei der Müllabfuhr), weshalb Männer im Durchschnitt auch 5 Jahre kürzer leben als Frauen.

„Männer sterben überwiegend aus sozioökonomischen und psychosozialen Gründen 5 Jahre früher als Frauen. Wann wird endlich mal auf diese Ungleichheit hingewiesen?“

Und genau DAS ist der Punkt, deshalb wollen wir einen Equal-Care-Day einführen: Denn SIE ist nicht Schuld, dass sie den Dreck sieht, bevor ER darauf achtet. Es ist auch nicht SEINE Schuld, wenn er es wichtiger findet, die richtigen Getränke im Haus zu haben, wenn Freunde sich angekündigt haben. Sie ist nicht „selbst Schuld“, wenn sie länger braucht, kleinlich ist beim Aufräumen, noch schnell durchsaugt, bevor der Besuch kommt, während er keinen Anlass, keinen Fussel sieht. Auch ER ist nicht Schuld, wenn er der Ansicht ist, sie übertreibe, das Wohnzimmer sei aufgeräumt genug.

„Auch in meiner Ehe macht meine Frau einen Großteil der Hausarbeit – nicht, weil ich sie faschistoid unterdrücke oder heteronormativ-patriarchalisch in die soziokulturelle Schublade „Ehefrau“ einsortiere, sondern weil ich schlicht und einfach zu schlampig bin“ – Kommentar unter o.g. Zeitonline-Artikel

„Natürlich habe ich es viel leichter, das zu sagen, denn das Ergebnis meiner Haltung ist ja: ich muss nichts tun. Das ist ja wunderbar und gemütlich und bequem. Aber wieviel innere Freiheit kann ich mir gegen diese Gewohnheit erkämpfen, muss ich kämpfen oder geht’s nicht auch anders? Und in welchem Maße sollte die andere Seite, dass ich z.B. sage: >Hey, fege doch lieber, wenn die Gäste weg sind, dann lohnt es sich wenigsten, ne!< Ist das jetzt meine Schlampigkeit? Die mit mir als Person zu tun hat? Unabhängig von Geschlecht? Oder ist das auch so eine Nummer, die entsteht durch: >Naja, die Jungs räumen halt nicht auf, machen nicht sauber, die bringen halt Dreck<. Das ist schwer zu trennen. Wieso finde ich es nicht schlimm, dass es dreckig ist, wenn Besuch kommt? Ist das, weil ich es gelernt habe, dass ich das nicht schlimm finden muss, oder ist das, weil ich das aus welchen Gründen auch immer nicht … so wie ich das Bett auch nicht immer mache, wenn ich aufstehe …?“ Marcus im Interview für die Lange Nacht der Geschlechterrollen, Deutschlandfunk

Sie hat gelernt, sich zuständig zu fühlen. Sie hat gelernt, dass sie als Frau verantwortlich sei, sich um ein gemütliches, sauberes Wohnen zu kümmern. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie schon als Kind ihrer Mutter mehr helfen musste, als ihr Bruder. Und selbst wenn ihre Eltern ihr andere Rollenbilder vorgelebt haben, so hat sie im Lauf ihres Lebens hunderte Werbebotschaften über ihre Rolle als Frau gesehen. Darunter viele Werbespots und Anzeigen, die klar machen: Beim Staubsaugerkauf entscheidet er vielleicht noch mit (klar, erstens geht’s um Technik und zweitens ist es sein Geld?!), aber Putzen ist Frauensache …

…wohingegen es bei ihm auf ein paar Krümel nicht ankommt. Der Geizmarkt behauptet noch im Jahr 2015, Staubsauger seien ein passendes Geschenk zum Muttertag. Werbespots für Küchen oder Putzkram, in denen ein Mann auftritt machen klar: ihn fasziniert nicht das Essen in der Pfanne, sondern die Ultra-Laser-Herdtechnik: Platte heiß von 0 auf 100 in 30 Sekunden. Ein richtiger Mann braucht es unkompliziert und schnell, Salat ist nur Deko und auf Besteck würde er am Liebsten verzichten. Deshalb muss er in Spots auch häufig als Haushaltstrottel herhalten, dem sie aus der Putz-Pfütze hilft. Trotzdem entlassen wir sowohl Werbung als auch Väter aus der Verantwortung. Schuld sind die Mütter, schließlich sind sie es, die die nächste Generation Machos aufziehen.

Ungleiche Erwartungshaltung an Töchter und Söhne

Dabei werden bis heute Töchter mehr als Söhne dazu aufgefordert, mit anzufassen, wenn es darum geht, den Tisch abzuräumen, das Wohnzimmer zu saugen, dem kleinen Geschwister die Schuhe zu schnüren. Bis heute bekommen Söhne mehr Taschengeld als Töchter, das sie zudem noch aufbessern können, indem sie Rasenmähen, Straßen kehren oder Schnee schippen – Aufgaben, für die es extra Geld gibt und die Mädchen seltener zugetraut werden, obwohl sich unterschiedliche Muskelkraft doch erst ab der Pubertät bemerkbar macht.

Es liegt weder in Seiner noch in Ihrer persönlichen Verantwortung, dass Männer im Durchschnitt fünf Jahre früher sterben als Frauen, und doch wird dieser Missstand unter jedem Artikel wieder erneut aufgeführt, der in irgendeiner Form von einer Benachteiligung von Frauen spricht. Wir alle sind Teil eines Systems, das Kindern von klein auf beibringt, Jungs könnten ruhig etwas kräftiger mit anpacken, für sie sei es wichtig, sich mit anderen in Mutproben zu messen, und wenn sie sich weh tun, appellieren wir an ihren Stolz und ihre Männlichkeit, während Mädchen in vergleichbaren Situationen meist aufgefordert werden, das nächste Mal doch vorsichtiger zu sein, mehr auf den eigenen Körper achtzugeben, auf seine Unversehrtheit. Warum gilt nicht für beide gleichermaßen: Empathie lernen, Rücksicht nehmen auf sich und andere, nicht mehr, sondern weniger arbeiten, wenn ein Kind unterwegs ist, die eigene Ernährerrolle infrage stellen …

Wenn Er also andere Baustellen früher erkennt, und wenn Sie sich im Haushalt eher zuständig fühlt, dann ist das gelernt, es liegt nicht in ihrer „Natur“, sondern wir reproduzieren täglich das Klischee der weiblichen Fürsorge. Bis heute schafft es ein Politiker als Super-Papa in die Schlagzeilen, nur weil er sich fürs kranke Kind mal frei nimmt. Bei einer Politikerin, die Vollzeit arbeitet, wird angezweifelt, ob sie die Balance Job und Familie wohl hinbekommt.

 


Die Botschaft ist klar und wird so auch öffentlich in Worte gefasst: Mutti hat zu funktionieren, sie nimmt sich nicht frei:

Wer jetzt einwenden möchte, das System, die Gesellschaft, das sind doch wir selbst, deshalb sei schließlich jede*r für sich selbst verantwortlich, wieviel sie*er sich anpasst oder eben keine Rücksicht nimmt auf die Meinung der Nachbarn … und der Eltern … und Freund*innen … der Vorgesetzten….

Halbtagsjob für Ihn, damit er mehr Care-Arbeit übernehmen kann? Eine freie Entscheidung? Wohl kaum. Es ist eben nicht so, dass die Mehrheit ein zu geringes Selbstbewusstsein hat, um für sich selbst einzustehen. Und es ist auch nicht so, dass wir alle unzufrieden wären mit der Rollenaufteilung des Biedermeier. Aber wenn uns die jetzige Situation nicht gefällt, weil sie denjenigen, die anderes wünschen, als es die rosa-hellblau-Zuordnung vorsieht, ein überdurchschnittliches Engangement und Selbstbewusstein abverlangt, und wenn wir uns für die nächste Generation mehr Wahlfreiheit wünschen, dann müssen wir die Rahmenbedingungen ändern. Vor allem müssen wir aufhören, uns gegenseitig die Schuld zuzuschieben und es der*m anderen vorzuwerfen, wenn er oder sie Verhaltenweisen oder Entscheidungen an bestehende Rollenbilder angepasst hat.

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Wir sind dankbar für die viele, positive Resonanz auf unseren Vorschlag für dieses Anliegen einen Erinnerungstag einzuführen. Nach wie vor freuen wir uns über UnterstützerInnen, die auf diesen Tag hinweisen, den Hashtag #EqualCareDay teilen und unsere Idee weiterverbreiten.

–> Zur Inspiration hier ein paar Fragen.

Vorbereitungen zum Equal-Care-Day

Der 29. Februar 2016 rückt näher – wir sind dabei, unsere Idee weiterzuverbreiten: wir wollen diesen zusätzlichen Tag im Schaltjahr als Equal-Care-Day einführen (–> mehr zur Idee). Deshalb sind wir in Kontakt mit vielen Gleichgesinnten und freuen uns über die positive Resonanz – viel mehr wird aber noch nicht verraten…

Vorweg ein herzliches Danke an Renate Alf. Sie unterstützt unsere Initiative und stellt diesen Cartoon zur Verfügung:

RenateAlf-Care

P.S. Wir hoffen auf weitere Unterstützung und Aufmerksamkeit für diesen Tag. Wer sich von der Idee angesprochen fühlt und mit einsteigen möchte, bitte gerne mit uns Kontakt aufnehmen, wir freuen uns über MitstreiterInnen.

#EqualCareDay

Wir schlagen vor: Einführung eines Equal Care Day

am 29. Februar 2016 !

Nachtrag am 29.2.2016:

Alles zum Equal-Care-Day findet sich ab jetzt unter

www.equalcareday.de

Um auf die mangelnde Wertschätzung von Fürsorgearbeit aufmerksam zu machen, den geringen Stellenwert, den das Sich-Kümmern um Kinder, das Pflegen von Kranken, Alten, BeHinderten in unserer Gesellschaft hat.

„Eine Gesellschaft, die Geldverdienen höher bewertet als Fürsorge,
ist blind für die Kosten, die durch Vernachlässigung entstehen.“
Anne-Marie Slaughter

Und um ein Bewusstsein zu schaffen für die unfaire Verteilung dieser Arbeit: 80% der Care-Arbeit wird von Frauen geleistet (Quelle: Bundesagentur für Arbeit), sowohl im professionellen Bereich und mehr noch im Privaten: 80%. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den 29.2., diesen zusätzlichen Tag im Schaltjahr als ‚Equal Care Day‘ (analog zum Equal Pay Day, s.u.) einzuführen, als Erinnerung daran, dass Männer in Deutschland über 4 Jahre brauchen, um die Care-Arbeit  zu leisten, die Frauen in einem Jahr, also bereits im Jahr 2012 geleistet haben.

klklammern
überarbeitet am 30.1.16

Seit 2008 wird in Deutschland am Equal Pay Day daran erinnert,

dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer – im Jahr 2014 waren das nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 21,6%. Frauen müssen also für den gleichen Jahreslohn 79 Tage länger arbeiten als Männer, eben bis zum 19. März 2016. Angenommen Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden.

Am 3. November 2015 hat Bundesministerin Manuela Schwesig das Motto für den Equal Pay Day am 19. März 2016 der Öffentlichkeit präsentiert: ‚Was ist meine Arbeit wert?‘ Diese Frage gilt eben ganz besonders auch für Care-Ressourcen. Die Antwort darauf darf nicht länger von geschlechtlichen, rassistischen oder klassenbezogenen Strukturen bestimmt werden!

 

Übrigens,

den PayGap und CareGap gibt es bereits im Kinderzimmer:

Jungen bekommen im Durchschnitt mehr Taschengeld als Mädchen (Beispiel aus Frankfurt), und Töchter müssen bis heute mehr im Haushalt helfen und sich um jüngere Geschwister kümmern, mehr als dies von Söhnen verlangt wird (Vorwerk Familienstudie 2010).

andrea-legofriendsAuch die Verknüpfung von Sexismus, Rassismus und Klassismus reichen wir auf ganz subtile Weise an die nächste Generation weiter. Beispiel: LegoFriends. Zu den Baukästen liefert Lego auch gleich die Biografien und Geschichten der fünf Mädchenfiguren mit: Von Lego lizenzierte Hefte über das Leben der Hauptfigur, ein Mädchen namens Olivia. Deren Freundin Andrea, die einzige nicht-weiße Spielfigur, möchte eines Tages Superstar werden. Doch dafür muss sie als Bedienung ihr Geld im ‚City Park Café‘ verdienen, wo sie Cupcakes und Hamburger zubereitet sowie „abwäscht und den Boden wischt“. (Quelle: faz, „In dieser Idylle ist morgen wie gestern“)

 

Wir freuen uns über Austausch und Unterstützung zu unserem Anliegen. Vielleicht können wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen – schickt uns Eure Ideen. Blogger*innen sind herzlich aufgerufen, diesem Tag einen eigenen Post zu widmen. >Hier< finden sich ein paar Fragen zur Inspiration. Als Hashtags schlagen wir vor:

#ECD2016

#EqualCareDay

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Links und Infos zum Thema Care-Gap / Care-Arbeit:

 

  • Winker, Gabriele. Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft, Bielefeld 2015.

 

Rosa-Bann und Hellblau-Falle

Die Feen- und Glitzerwelt eines kleinen Jungen

Radiofeature um 10:05 – 10:30 Uhr

(Link zum Feature in der Mediathek)

Live-Diskussion mit Hörerinnen und Hörern: 19.20 bis 20 Uhr

(Link zum Nachhören)

Puppen und Prinzessinnen, Glitzer und Nagellack, die Sprache der Werbung, Produkt- und Verpackungsdesign vermittelt deutlich, dass all diese Dinge Mädchen vorbehalten sind, für Jungen tabu. Interessiert sich ein kleiner Junge doch dafür, dann erfährt er schiefe Blicke, verletzende Kommentare und Unsicherheit bei Eltern, Erziehern und Lehrerinnen.
Bei der Recherche für unser Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees“ haben wir eine junge Familie kennengelernt und begleitet. Deren fünfjähriger Sohn ist fasziniert von einem Lebensbereich, aus dem er sich zugleich ausgeschlossen fühlt. Wie gehen die Eltern damit um?

 

 

 

Rückblick und Wiedereinstieg

Schöne Sommergrüße aus der Wort & Klang Küche!

Hier in NRW gehen die Ferien schon zu Ende und wir jonglieren die Übergangsphase: die Eltern müssen wieder arbeiten, die Kinder haben noch frei (ok, vor 1 Woche begonnen, heute erst gepostet). Da ist es sehr praktisch und zugleich ein organisatorisches Unding, dass wir das Büro im Haus haben. Wenn wir das Abendessen ans Rheinufer verlegen, Feuer machen und grillen, die Kinder länger aufbleiben dürfen, dann fällt dafür die abendliche Bürozeit weg, die uns sonst im Alltag oft rettet, wenn eine Deadline naht. Und wenn der Eiswagen sich schon mittags um zwölf mit dem „Für Elise“-Motiv ankündigt, weiß ich, ich kann den Stift weglegen, denn gleich kommt eins der Kinder ins Büro gerannt und braucht dringend Kleingeld, und überhaupt will ich auch ein Eis …

Bildschirmfoto 2015-08-17 um 12.30.16

Links: Lidl-Plakat in Schottland fotografiert, Rechts: deutscher Prospekt

Die Rosa-Hellblau-Falle ließ uns natürlich auch im Urlaub nicht los: auch in Schottland sortiert z.B. Lidl sein Angebot nach Farben und Motiven, aber immerhin steht daneben, alles sei „for kids“. Im Unterschied zu Deutschland, wo im selben Zeitraum dieselben Shirts an „süße Kätzchen“ und „starke Helden“ verkauft wurden. Warum?

Okay, vielleicht hat meine Ferienlektüre (–> 3 Buchtipps) mit dazu beigetragen, dass uns das Thema auch in der schottischen Einöde von Wanderstiefeln und Regenjacken begleitet hat.

 

Felix übt einparken…

Im Briefkasten lag nach dem Urlaub das neue Geolino. Auf der Rückseite übt Papa einparken mit Felix: „Gut gemacht, Papa! – Typisch Felix“ – Damit wir nicht auf die Idee kommen, Papa übe mit der Tochter? (Oder weil Mutter und Tochter erstens gar nicht üben müssen, um gut einzuparken und zweitens schon gar keine Einparkhilfe brauchen, die hier beworben wird? :-) Klischees auf der Rückseite einer Kinderzeitschrift, typische Rosa-Hellblau-Falle des Alltags. Die unauffällige Variante, kaum jemand wird sich daran stören, und doch wundern wir uns über das hartnäckige Vorurteil, Frauen könnten nicht einparken. Tatsache ist ja: Frauen können nur dann nicht einparken, wenn sie meinen, sie könnten es nicht. Klassischer Fall des Stereotype Threat: Vorurteile beeinflussen unser Verhalten. Und wenn wir sie ihm Unterbewusstsein mit uns tragen, wir ihnen aber nicht entsprechen wollen, dann kostet das Energie und wir machen fehler. Es ist also völlig unnötig, Kinder auf diese Weise fehl zu „informieren“, und so der nächsten Generation unsere hierarchischen Klischees mit auf den Weg zu geben. Auch wenn es von den MacherInnen (so vermute ich, weil Déjà-vu) lustig gemeint war. IMG_0329    

#rosahellblaufalle

Wieder in Bonn und mit Zugriff auf Facebook entdeckten wir das Foto von Luisa auf den Seiten von Wer braucht Feminismus. Sie sagt „Ich brauche Feminismus, weil kein Kind in der #RosahellblauFalle feststecken soll“. Wir haben uns gefreut, unseren Hashtag hier wiederzusehen und sind absolut Luisas Meinung. Die Kommentare unter ihrem Bild machen dagegen wieder deutlich, wie schnell Menschen bereit sind, etwas abzulehnen, ohne sich mit den Hintergründen auseinandergesetzt zu haben oder, wie in diesem Fall, allein aufgrund eines Wortes, eines Hashtags, nach dessen Bedeutung sie sich nicht weiter erkundigt haben. Schade. luisa   Ähnliches haben wir in Wolfsburg erlebt, als wir im Juli im Elternforum der Autostadt einen Vortag zur Rosa-Hellblau-Falle hielten. Ein Vater fand unsere Haltung völlig übertrieben, die Welt sei besser, als wir sie darstellten, er habe schließlich drei Söhne und könne absolut nicht nachempfinden, was wir da erzählten. Sein Motto: „Das Problem, das Ihr beschreibt, kenne ich aus meinem Alltag nicht, also ist es auch keins.“ Am selben Abend im Hotel sind wir durch die Fernsehkanäle gezappt. Zuhause haben wir keinen Fernseher, und Hotelübernachtungen sind immer wieder eine klasse Gelegenheit, sich die Bestätigung dafür zu holen. Auf Kika lief was mit Mädchen und Pferden. Eine war zickig, da haben sie die anderen aus ihrem Kreis ausgeschlossen und waren auch zickig. Oder so. Fortsetzung folgt. Aber ohne uns. tv   Anderswo in Deutschland hat ein Kind ein klasse Taufgeschenk bekommen, inklusive Rosa-Hellblau-Falle für die Eltern. Da freuen wir uns gleich mit :)

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Die nächste Radiosendung

Nachdem wir jetzt zu unseren geregelten Bürozeiten zurückgekehrt sind, ist neben anderen Projekten die Produktion unserer nächsten Radiosendung dran: „Im Rosa-Bann“. Der Sendetermin auf SWR2 ist am 1.Oktober 2015 und es geht darin um eine Familie mit zwei Kindern. Sie sprechen über ihre Erfahrungen, die sie im Kindergarten gemacht haben, als ihr Sohn für seine Lieblingsfarbe Rosa ausgelacht wurde, oder als eine eigene Mädchenecke eingerichtet wurde (zum Schutz vor den wilden Jungs!), so dass ihr Sohn von da an keinen Zugang mehr zum Puppenhaus hatte.

 

Interviewpartner*in gesucht

Hier noch ein Aufruf mit der Bitte um Weiterleitung. Wir suchen noch Gesprächspartner*innen für ein Radiofeature und sind dankbar für Kontakte. (Klick auf den Brief führt zum pdf-Download):

Hier nochmal der Text mit den genauen Infos auf unserem Radioblog.

Oder gerne auch als Retweet auf Twitter oder via Facebook:

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Slam

Den Abschluss dieser Sammlung macht das Video eines grandiosen Slam-Auftritts, mit dem wir gerne wieder in den Alltag einsteigen. Wir wünschen allen weiterhin einen schönen Sommer, mit oder ohne Ferien, so oder so mit möglichst wenigen rosa-hellblauen Zuschreibungen:

 

 

Wander-Bingo für Kinder

P.S.

Ein Mitgebsel zum Schluss, völlig ohne Rosa-Hellblau: Ein selbstgemachtes „Wander-Bingo“, das wir jetzt schon im vierten Jahr bei Wanderungen mit Kindern nutzen. Bleistifte mitnehmen und jedem Kind einen A6 Zettel geben: Alle Dinge, die es unterwegs sieht, darf es auf dem Blatt einkreisen. (Wir machen öfter Wanderungen mit mehreren Familien, und die Kinder finden sich dann schnell zu zweit, zu dritt zusammen und sind plötzlich mit offeneren Augen unterwegs.) Wer Lust hat, das auszuprobieren: ein Klick aufs Bild führt zur jpg-Version zum Ausdrucken. Viel Spaß!

WanderBingo