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rosa-hellblauer Alltag, Links und Termine

Da wir grade mehr Radio machen und Workshops geben, bleibt das Bloggen etwas auf der Strecke. Wer uns hier begleitet und neue Einträge vermisst, mag vielleicht in der Zwischenzeit diesen Links folgen und uns an anderer Stelle lesen bzw. hören:

www.equalcareday.de

www.equalcareday.de

Rund um den Equal Care Day (equalcareday.de) haben wir viele Interviews geführt, am 29.2. waren wir unter anderem beim WDR und danach im Hörfunkstudio für ein Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk. Es ging um die Frage, warum wir mehrheitlich immer noch davon ausgehen, Fürsorge und Empathie sei Frauen in die Wiege gelegt. Und selbst wenn viele anderer Meinung sind, so reichen wir dieses Klischee trotzdem an die nächste Generation weiter. –> podcast-link der SR-Sendung vom 29.2.2016

radiofrei

Am 4. April lief im Deutschlandradio Kultur ein Beitrag von Maike Strietholt „Kita-Werkbank für Mädchen? – Störenfriede gegen Rollenklischees“ in der Reihe ‚Zeitfragen‘, für den sie uns interviewt und unsere Antworten in einen 6-Minuten-Beitrag zusammengefasst hat. Uns gefällt er gut, denn damit ist wirklich in aller Kürze erklärt, was uns an der rosa-hellblauen Zweiteilung der Kinderwelt so stört und welche Folgen sie hat:

 

Rosa-Bann und Hellblau-Falle

Der rbb sendet am 5.April um 19 Uhr unser Feature über einen Jungen, der Nagellack und Prinzessinnenkostüme mag und noch so manches, das seine Umwelt „Mädchenzeug“ nennt. Seine

Eltern wehren sich gegen die geschlechtliche Zuschreibung von Interessen und wollen ihm Wahlfreiheit lassen, was im Alltag richtig schwierig ist.

Übrigens: Der Untertitel des rbb „Ein Junge hat Mädchenträume“ ist das Gegenteil dessen, was die Sendung, was wir mit all unserem Schreiben und Vortragen vermitteln wollen. Ein Junge KANN keine Mädchenträume haben (was auch immer das sein soll), sie sind, ganz einfach weil ER sie träumt per se Jungenträume. Es stattdessen am Inhalt festzumachen, ist genau die Art Zuschreibung, die ihm den Alltag so schwer und Kindern individuelles Entscheiden schier unmöglich macht.

 

Krimis

Nach einer langen Krimipause ohne Wallanders, Brunettis und wie sie alle heißen, habe ich auf Twitter eine Anfrage gepostet, mir doch Lesetipps zu schicken, allerdings mit einem konkreten Wunsch:

Die vielen Tipps, die ich dazu bekomme habe, sind bestimmt auch für andere interessant, voilà und klick: Bildschirmfoto 2016-04-04 um 19.07.32

Forbildungen

  • Und ich habe zugesagt, beim Herbsttreffen der Medienfrauen im November einen Workshop anzubieten. Die Einladung freut mich sehr, da ich die Veranstaltung auch aus Teilnehmerinnensicht spannend finde. Schade nur, dass ich am Samstag nicht gleichzeitig an einem der vielen anderen Angebote dort teilnehmen kann.

Presse

  • Vor kurzem hat mich Sarah Wiedenhöft von eltern.de interviewt, ich bin schon gespannt, was sie aus meinen vielen, langen Antworten zusammengebaut hat.
  • Und im nächsten Mum Magazin, das Mitte Mai erscheinen wird, gibt’s eine Pro-Contra Kolumne mit mir und Andrea Seifert (von meworkingmom.com) zur Frage „Alles Rosa oder Hellblau – Soll man Kinder geschlechtsspezifisch kleiden?“. Ihr könnt Euch denken, welche Seite ich dabei vertrete :-)

 

Alltag und so…

Wenn wir „Die Schnauze voll von Rosa“ haben, befassen wir uns mit anderen Themen: HipHop und Rap oder recherchieren für ein Radiofeature über falsche Erinnerungen >> zu unsrem Radio- und HipHop-Blog, und genauso wichtig: Präsentationtrainings oder Workshops zum Thema Stimme, Aussprache, Vorlesen >> TRAININGS

Natürlich begleitet uns die Rosa-Hellblau-Falle trotzdem. Unsere Älteste legte mir heute Mittag ihre Französischarbeit zum Unterschreiben hin und Zack:


Viele Grüße aus der Rosa-Hellblau-Falle

 

Christine Prayon: #WasAndersWäre

#WasAndersWäre

(Foto: Marc Hetterle)

(Foto: Marc Hetterle)

 

Christine Prayon ist Schauspielerin und Kabarettistin. Sie gehört zum Ensemble der ZDF-heute-Show, zur Comedystube in Tübingen und bespielt mit ihrem Soloprogramm die Kleinkunstbühnen im deutschsprachigen Raum. Hier antwortet sie auf die Fragen unseres Blogstöckchens #WasAnderswäre.

 

(Viele Menschen haben sich von unseren Fragen angesprochen gefühlt und darüber gebloggt; ihre Artikel sind *hier* verlinkt. Eine Übersicht über alle Gastbeiträge zum #WasAndersWäre-Projekt auf unserem Blog findet sich *hier*.)

 

  1. Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann/eine Frau wärst?

Ich müsste vielleicht nicht so oft unter Beweis stellen, dass ich was in der Birne habe. Vielleicht hätte ich auch für Einiges in meinem Leben nicht ganz so kämpfen müssen. Vielleicht hätte ich aber dafür einen ganz anderen Druck gehabt: Was weiß ich, wie sehr man sich als Mann genötigt fühlt, immer stark sein zu müssen. Jedenfalls denke ich, dass ich gelassener wäre, nicht so vorsichtig. Als Mann fühlt man sich bestimmt in mehrerlei Hinsicht nicht so oft bedroht wie als Frau.

(Foto: Matthes  Schrof)

(Foto: Matthes Schrof)

 

  1. Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau/ein Mann bist?

Ich bleibe sehr lange freundlich und diplomatisch, selbst wenn längst ein anderer Ton angebracht wäre. Oder anders gesagt: Ich erlaube es mir nicht, auch mal hin und wieder ein Arschloch zu sein. Ich staple tief. Und wenn ich tatsächlich mal laut werde oder unverblümt meine Meinung sage, bin ich mir sofort bewußt, dass das gesellschaftlich gesehen gerade eine Grenzüberschreitung ist, und dass mir das als Frau mit Sicherheit übel genommen wird, wohingegen man ein solches Verhalten beim Mann generell als ein Zeichen von Stärke, Macht, Durchsetzungsvermögen sieht und ihn dafür bewundert.

 

  1. Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann/eine Frau bist?

Manchmal breche ich gerne mit den ungeschriebenen Regeln. Ich finde es dann wunderbar, ungeschminkt und mit Turnschuhen und Pulli zu erscheinen, wenn eigentlich adrettes Aussehen erwartet wird. Oder gerade als Frau in einer Männerrunde einen guten Witz zu machen und schlagfertig zu sein, obwohl darauf ja eigentlich die Herren abonniert sind. Oder ganz einfach im Alltag, im Gespräch mit anderen, egal ob Mann oder Frau: Da widerstrebt es mir, die mir (tatsächlich oder gefühlt) zugedachte Rolle des braven Mädchens zu spielen. Ich rede mit Leuten z.B. sehr gerne gleich über Politik, über die Welt anstatt über meine Beziehungen oder meine Befindlichkeit zu sprechen. Ich meide die typischen „Frauenthemen“, weil sie mich meistens langweilen, vielleicht aber auch gerade, weil ich Frau bin.

 

  1. Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Ganz klar: Frauen sind nicht komisch. Das ist ein Klischee, mit dem ich Tag für Tag konfrontiert werde durch meine Arbeit. Die Beeinträchtigung liegt sicherlich darin, dass ich permanent das Gefühl habe, dieses Klischee widerlegen zu müssen, dass ich Witzigkeit und Intelligenz (denn Witz hat ja vor allem was mit Intelligenz zu tun) ständig unter Beweis stellen muss.

 

  1. Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen/Männer zu gehören.

So sehr das Klischee, Frauen seien nicht komisch, mich in meinem Beruf beeinträchtigt, so sehr kann es aber auch von Vorteil sein, als Frau und eben nicht als Mann Kabarett zu machen. (Diese Vorteile sehe ich wohlgemerkt nur in inhaltlicher Hinsicht, niemals in wirtschaftlicher – sei es, was die Zahl der Engagements, den Grad des Erfolgs oder die Höhe der Gage angeht.) Wenn ich nicht gerade über Männer, Schuhe und Bindegewebe spreche, breche ich als Kabarettistin ja schon die Erwartungshaltung der Zuschauer. Das ist im Kabarett schon mal per se nicht verkehrt. Auf der Bühne ist es ja meine Aufgabe, Klischees und Vorurteile aufzuzeigen, zu hinterfragen, auch zu bekämpfen. Da kann ich nicht zuletzt auch als Frau in eigener Sache noch so viele Dinge ansprechen und bestenfalls durch Witz entlarven. Was Gleichberechtigung angeht, ist ja in unserer Gesellschaft durchaus noch Spielraum. Deshalb empfinde ich es neben all den tatsächlich immer noch vorhandenen Vorurteilen und Benachteiligungen, mit denen ich auch in meinem Beruf konfrontiert werde, vielleicht sogar gerade deswegen mitunter als Vorteil, Frau zu sein und das direkt auf der Bühne ansprechen zu können. Da bietet sich mir die Möglichkeit des humorvollen Widerstands. Das kann befreiend wirken, für mich und im besten Falle auch für das Publikum.

 

  1. Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich wollte jetzt direkt antworten: „Na klar, wenn ich mich mit Leuten z.B. über nicht geschlechterspezifische Dinge, über Politik, übers Weltgeschehen o.a. unterhalte, dann spielt es keine Rolle.“ Aber in dem Moment, wo ich das formuliere, merke ich, dass es wahrscheinlich unterschwellig doch immer eine Rolle spielt. Selbst in solchen Gesprächen schießt mir oft – wenn auch nur kurz – durch den Kopf „Oh, hoffentlich nehmen die mich ernst, wenn ich als Frau das sage.“ Also, irgendwie ist diese Unsicherheit und dieses Sich behaupten müssen gegenüber Männern offensichtlich doch ganz tief drin. Es ist wirklich eine gute Frage, ob es irgendeinen Bereich gibt, in dem das keine Rolle spielt. Vielleicht in sehr existenziellen Situationen.

Ich will, dass das keine Rolle spielt in vielen Bereichen. Dafür arbeite ich. Das ist sozusagen mein täglich Brot. Ich stelle mir manchmal vor, wie angenehm es wäre – klingt jetzt pathetisch – wenn wir einfach als Menschen miteinander sprächen. Aber da gibt’s noch viel zu tun. Manchmal frage ich mich, warum es diese Rollenvorstellungen eigentlich gibt. Wem nützt es, dass wir alle so denken?

 
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Über Christine Prayon gibt es ein Radiofeature, das wir 2011 für den Deutschlandfunk produziert haben: „Christine Prayon & Freunde“:

 
 

Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen

Einladung zum Radiohören:

6. Dezember um 0:05 – 3:00 Uhr im Deutschlandradio Kultur

6./7. Dezember im Deutschlandfunk, 23:05 – 2:00 Uhr

und im Anschluss (vorauss. 2 Wochen lang) *hier* als podcast

Jakob spielt am liebsten mit dem Puppenhaus, er mag Haarspängchen und verkleidet sich gern mit Kleidern und Klackerschuhen. Aber nur zuhause, weil er im Kindergarten dafür schon ausgelacht wurde und auch von den Erwachsenen Kommentare kommen, die allenfalls auf den ersten Blick gut gemeint sind. Emma ist Verteidigerin im örtlichen Fußballverein

"Lego Friends" für Mädchen vs. "Lego City" für Jungs = Haare, Minirock + Freundinnen statt Berufe, Action und Abenteuer

„Lego Friends“ für Mädchen vs. „Lego City“ für Jungs = Haare, Minirock + Freundinnen statt Berufe, Action und Abenteuer

und grätscht die wild anstürmenden Jungs schon mal kompromisslos weg. Sie mag gerne weite, gemütliche Hosen in blau und grün. Aber in den Abteilungen für Mädchenkleidung gibt es überwiegend Stretch-Jeans und enge Slim-Schnitte in Pink.

Nagelscheren und Klebestifte, Pflaster und Schnuller, Fahrräder und Sandspielzeug, Smartphones, Bücher und Computerspiele … die gesamte Spiel- und Lebenswelt von Kindern wird heute in zwei Sphären aufgeteilt: für Jungen – für Mädchen, weiblich – männlich, hellblau – rosa. Bloß eine Phase, die sich wieder rauswächst? Wohl kaum, denn mit den Produkten und Spielangeboten werden immer auch Charaktereigenschaften und Interessen weiter gegeben … oder unterbunden. Das hellblaue Shampoo ist „für Siegertypen“, die pastell-rosafarbene Variante ist für Prinzessinnen und hilft, dass es beim Kämmen langer Haare nicht ziept. Der neue Pizzaburger ist für Männer, die keinen Appetit haben sondern Hunger. Und das neue Joghurt ist besonders mild und leicht bekömmlich, macht gar nicht dick und wird natürlich von einer Frau und für Frauen beworben. Jungs entdecken und erobern in ihren Spielen neue Welten, Mädchen spielen soziale Welt mit Haushalt, Kinderbetreuung und Körperpflege. Waren wir da nicht schonmal weiter?

Im aktuellen politischen Diskurs geht es darum, dass sich Väter mehr an der Betreuung, am Leben ihrer Kinder beteiligen mögen (Elternzeit, Familienarbeitszeit), dass sich Mädchen und Frauen mehr in naturwissenschaftlich-technischen Feldern engagieren und in Führungspositionen vorstoßen (MINT, Quote), um geschlechtergerechte Sprache, Alltagssexismus und wie sich die ungleiche Rollen- und Machtverteilung zwischen den Geschlechtern auflösen, zumindest abmildern ließe. In den Kinderzimmern ist davon nichts zu spüren, im Gegenteil. Hier werden Klischees und Rollenbilder weitergegeben, die wir eigentlich für längst überwunden hielten. Wenn Jakob sich liebevoll um seine Puppen kümmert, spielt er dann nicht heute schon, was ihn später einmal ausmachen kann, nämlich ein fürsorgender Erwachsener zu sein als Partner, Vater und als Sohn? Und wenn wir das als gesellschaftliches Ziel erachten, sollten wir ein solches Verhalten dann nicht ebenso unterstützen, wie wir das bei Mädchen tun? Oder ist die Sorge, Jakob könnte homosexuell sein, doch tiefer verwurzelt, als wir uns einzugestehen bereit sind? Sind wir letztlich immernoch überzeugt, dass empathisches Verhalten, Pflege und Betreuung minderwertige Interessen sind im Vergleich zum mathematisch-technischen Forscherdrang, zu BWL und Juristerei?

„Diese ganze Unterscheidung zwischen männlich / weiblich, das ist so ein Quatsch! Wenn man ’s wirklich darauf reduziert: Wer arbeit produktiv mit und wer zerstört mehr, als dass er positiv bewirkt? Wer verbreitet mehr Angst und Schrecken, als dass er an einer Gesellschaftsstruktur positiv mitarbeitet? Wer wirtschaftet in die eigene Tasche, statt mit der Allgemeinheit zu arbeiten? Da müsste die Unterscheidung liegen!“ Waldemar Kobus in: Die Rosa-Hellblau-Falle. Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen.

 

Die Rosa-Hellblau-Falle

Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen

von Almut Schnerring und Sascha Verlan

 Eine Sendung mit:

 

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Nachtrag:

Zum aktuellen (Ende Oktober) Stand der Produktion gibt’s hier einen kurzen Blogpost.

 

 

Sookee im Deutschlandfunk

„ich will mich nicht immer scheiße fühlen, wenn ihr scheiße verkauft“

Die Quing of Berlin, Sookee, Rapperin und Feministin

„Jedes Mal, wenn ich einen Artikel lese, der sich gegen HipHop, HipHop-Musiker oder HipHop-Hörer wendet, werde ich wütend, egal wie viel Richtiges in dem Artikel steht“, schreibt mir Nelson George, der einflussreiche HipHop- und Musikjournalist aus New York in seinem Buch ‚XXX. Drei Jahrzehnte HipHop‘ aus dem Herzen. „Die Angriffe […] sind in der Regel wohl formulierte Anklagen aus durchaus berechtigter Wut – aber nie aus Liebe.“

Selten zuvor hat jemand in Deutschland HipHop in einer Schärfe und Deutlichkeit kritisiert, wie das Sookee in ihrem neuen Album ‚Lila Samt‘ tut. – ‚Lila Samt‘ ist an sich schon eine Ansage, bezieht sie sich damit doch direkt auf ‚Blauer Samt‘, das erste Soloalbum der Heidelberger HipHop-Legende Torch (Advanced Chemistry) aus dem Jahr 2000. Und wie ‚Blauer Samt‘ ist auch ‚Lila Samt‘ ein Meilenstein in der Geschichte von Rap in Deutschland, doch dazu später mehr. – Sookee ist wütend, sehr wütend, doch ihre berechtigte Wut ist gepaart mit einer Liebe zu HipHop, die sie nur schwer auszuhalten vermag:

„Ich wünschte, ich hätte Cello gelernt oder irgendwas ganz anderes, aber HipHop ist nun mal leider meine große Leidenschaft. Ich bereue das manchmal, aber es ist das Feld, in dem ich mich einfach schon ganz lange bewege und das mir Spaß macht, das ich kulturell und ästhetisch einfach schätze. Aber natürlich große, große, große Probleme mit vielen Inhalten und Szene-Dominanzen hab. Das ist streckenweise sehr, sehr unschön. Und das ist eine blöde Position, weil einerseits feier ich so die Potenziale von HipHop und auch bestimmte Leute, die darin aktiv sind. Zum andern ist natürlich das Spannungsfeld, da drin meckern zu müssen und unglücklich zu sein über bestimmte Selbstverständlichkeiten. Das zehrt halt schon.“

Anfang des Jahres habe ich Sookee für ein Interview in Berlin getroffen. Teile daraus sind in unseren Kurzbeitrag für den Deutschlandfunk eingeflossen: *Beitrag hören*

(Download-Link auf der Seite des Deutschlandfunk)

 radiohoeren

 

Kommunikations-Seminare „extra für Frauen“

Einladung zum Radiohören: Podcast der SWR2-Wissen Sendung „Rhetorik für Frauen. Was bringen Kommunikationstrainings

„Starke Frauen reden Klartext.“

„Sagen Sie, was Sie meinen – erreichen Sie, was Sie wollen!“

So oder ähnlich lauten die Titel von Ratgebern, die Frauen bei der erfolgreichen Kommunikation im Job unterstützen sollen. Zugleich bieten immer mehr Rhetoriktrainer*innen Kurse speziell für weibliche Berufstätige an. Denn frauentypische Sprechweisen und Körperhaltungen gelten als Karrierebremse: lächelnd geneigter Kopf, hohe Stimme, Konjunktive statt klarer Ansage. In den Workshops sollen Frauen lernen, die eigenen Kommunikationsmuster zu durchbrechen und bei Bedarf eine „Sprache der Macht“ einzusetzen. Aber können solche Bücher und Trainings wirklich Rollenstereotype aufweichen und das Verstehen verbessern? Oder zementieren sie eher Klischees? Wie wäre es stattdessen mit einer wertschätzenden Kommunikation unabhängig vom Geschlecht und ganz gleich, wer mit wem spricht.

Ein Radiofeature mit

– Peter Modler, Unternehmensberater und Leiter der Arroganz-Trainings® für weibliche Führungskräfte

– Cornelia Topf. Buchautorin und Kommunikationstrainerin

– Lann Hornscheidt. Professx für Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien, Humboldt-Universität Berlin

 

Zu den Seiten des SWR mit dem Link zum mp3-Download geht es *hier*

 

 

Din 824C – Falten, aber richtig

Einladung zum Radiohören! Auf SWR2 am 6. Juli um 14:05 – 15 Uhr

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Geschlechterdifferenz auf dem Klo des Deutschlandfunk

 

Für ein Interview über unser Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle“ war ich heute im Deutschlandfunk. Es war ein Live-Gespräch mit Radio Bremen, dorthin wurde ich vom Studio aus verbunden und hatte 4 Minuten Zeit zu erklären, was wir auf 250 Seiten über Rollenklischees und Geschlechtergerechtigkeit geschrieben haben. Hans-Heinrich Obuch hat mir den Klappentext meines Buches vorgelesen, um dann ein Fragezeichen anzuhängen: Ist ihr Buch ein Aufruf zum Widerstand?

Interview anhören

Interview anhören

Das war so weit ganz ok, ich bin trotz Adrenalin einigermaßen flüssig los geworden, was mir dazu wichtig ist, noch war ja Zeit. Und dann kam schon bald die Frage, die ein gefühltes Minuten-Sendeloch nach sich zog, schade um jede Sekunde: „Wenn die Schubladen nicht immer wieder bedient würden, wäre das dann die heile Welt?“ Heile Welt? Die Utopie? Was wollte er wissen, wo führte das hin? Wollte er damit behaupten, sich als Erwachsene Gedanken über Geschlechterdifferenzen zu machen, um sie nicht an die nächste Generation weiterzugeben, sei belanglos im Verhältnis zur Weltwirtschaftskrise oder der Situation der Krim? Wie erkläre ich in 4 Minuten, dass Geschlechtergerechtigkeit kein Hobby ist, das ich mir aus dem Angebot von Italienischkurs, Yoga und Laienchor ausgesucht habe? Wie zwischen Nachrichten und dem nächsten Musiktitel kurz mal darlegen, dass es bei Rosa und Hellblau nicht um die Wahl einer Lieblingsfarbe geht, sondern dass Machtverhältnisse, Hierarchien, Einschränkungen damit verbunden sind und dass Interessen, Neigungen, Lebensläufe grundlegend davon beeinflusst sind?

Wie in jedem Interview bedauere ich nicht das, was ich geantwortet habe, sondern das, was ich nicht gesagt habe. Auf dem Weg zum Ausgang kam ich mal wieder an den ausführlich beschrifteten Toilettentüren des Deutschlandfunk vorbei, vielleicht hätte ich diese Infos dort in meine Antwort mit einbeziehen sollen. Denn vor allem der mittlere Teil ist ja der springende Punkt, den wir zwischen Topmodel-Serien, Transformer-Filmen, Prinzessinnen-Partys und Monster-Fighern und letztlich auch in der Diskussion um Putin und die Krim so leicht vergessen:

Tür zur Herrentoilette im Deutschlandfunk Köln

Tür zur Herrentoilette im Deutschlandfunk Köln

 

Das Pendant ist zwar kürzer, sagt in einem Satz aber dasselbe zum Thema „Wesensdefinition“.

Tür zur Damentoilette im Deutschlandfunk Köln

Tür zur Damentoilette im Deutschlandfunk Köln

Der Vollständigkeit halber hier auch im Bild:

 

 

 

 

 

 

 

Abschied nehmen von den Dingen…

… von der Not und der Kunst sich zu verkleinern.

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Typisch Mädchen? Typisch Junge?

Einladung zum Radiohören

Dass Rosa und Hellblau in unserer Kultur und Zeit eben nicht „nur“ Farben sind, sondern mit ihnen bestimmte Eigenschaften und Dinge assoziiert werden, das wird klar und auch spürbar beim Anblick der Kinderzimmer, die die Fotografin JeongMee Yoon seit 2005 in ihrem „Pink & Blue Project“ festhält. Was in den Fotos übertrieben scheint, findet sich aber auch im Alltag von Vorschulkindern hier und heute. Einmal den Blick geöffnet, einmal das Ohr gerichtet auf Kommentare, Zuordnungen, Bewertungen fällt auf, dass schon die Kleinsten lernen, wie ein „richtiges“ Mädchen zu sein hat und was einen „richtigen“ Jungen ausmacht“.

Zu diesem Thema haben wir ein Radiofeature (25 Minuten) produziert, das am Samstag, 1.2. ausgestrahlt wird wurde – hier geht es zum Audio und zu dem wir gerne einladen wollen:

1. Februar um 8:30 – 9:00 Uhr auf SWR2 und danach auch als Podcast:

Typisch Mädchen? Typisch Junge? –

Geschlechterstereotype im Vorschulalter“

 

Mädchen lieben rosa, und Jungs sind nun mal wild. Was soll man da schon machen als aufgeklärte Eltern? Hat sich an dieser strikten Rollenzuweisung eigentlich etwas Grundlegendes verändert in den letzten Jahrzehnten? In den 1970ern wollten viele Eltern es unbedingt vermeiden, ihre Kinder auf Geschlechterrollen festzulegen. Wie sieht das heute aus? Befinden wir uns auf einem stetig, wenn auch langsam aufsteigenden Weg hin zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung? Oder ist rosa vielleicht noch süßer geworden und himmelblau dem Nintendo-Schwarz gewichen? Eine Sendung über Tanzkurs und Fußballtraining, Puppen- und Bauecke, Röckchen und Camouflage-Pullis und über die Rollenvorstellungen in Kindertageseinrichtungen und Kinderzimmern.

Eine Sendung mit Sigrid Schmitz, Professorin für Gender Studies an der Universität Wien. Mit der Diplom-Pädagogin Susanne Wunderer aus Köln, und mit Erzieherinnen und Kindern der KiTa Sonnenblume in Burscheid-Hilgen.

Vielen Dank noch einmal an alle Mitwirkenden!

 Hier der Anfang des Radiofeatures zum Reinhören:

Ausschnitt zum Reinhören

„Typisch Mädchen? Typisch Junge?“ – Ausschnitt zum Reinhören

Kommunikazumutung – Timo Brunke

 

Timo Brunke

Timo Brunke

„Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“

Nach einem mal hinreißenden, mal nachdenklichen, immer intensiven Auftritt kam eine sichtlich begeisterte Dame aus dem Publikum mit genau dieser Frage zu Timo Brunke: „Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“

Timo Brunke ist Sprechdichter, Performance Poet und Literaturdidaktiker. Er hat den Stuttgarter Slam in der Rosenau ins Leben gerufen und 2004 den 8. National Poetry Slam organisiert. Er hat für die Stuttgarter Zeitung gereimte Kolumnen geschrieben und ist seit vielen Jahren im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus mit seinen Literaturprogrammen unterwegs. Timo Brunke unterrichtet am Literaturhaus Stuttgart und an verschiedenen Schulen Sprache und Literatur, zuletzt ist im Ernst Klett-Verlag sein Buch ’10 Minuten Dings und andere Ideen zum Leben und Schreiben‘ erschienen.

„Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“ – „Na das, was Sie gerade gesehen haben“, war deshalb auch seine Antwort. Doch das konnte sie kaum glauben und viele andere auch nicht, denn diese Frage kommt immer wieder mal aus dem Publikum. Was erwarten sie wohl? Einen Brötchenbäcker, der abends noch ein paar Reime fürs Publikum schmiedet? Welches Bild entsteht im Lauf des Abends nach Liedern, Gedichten und Geschichten? All die ‚Tetraoden im Übermarkt‘, improvisierten Stanzen, Lautgedichte, Sprachspielereien, das kann doch nur eine brotlose Kunst sein? Doch das ist die gute Nachricht, dass Timo Brunke von seiner Kunst leben kann, dass es möglich ist, sich den Marktmechanismen so weit zu entziehen, dass es eine künstlerische Freiheit auf der Bühne gibt jenseits der üblichen und allzu leicht akzeptierten Verwertungsmaßstäbe.

Mehr über Timo Brunke gibt es hier zu hören, in unserem Radiofeature am 22. Januar 2014 um 21.05 bis 22 Uhr im Deutschlandfunk und danach unter demselben Link als Podcast. Eine Sendung mit Timo Brunke, Bas Böttcher, Roland Borgards und Thomas Richardt. Und hier ein erster Ausschnitt zum Reinhören:

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