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Wie Gendermarketing den Alltag von Kindern verändert

Ich habe gestern direkt hintereinander Tweets von ‪@dasnuf‬ und ‪von @soeesa‬ gelesen und daraufhin einen längeren Thread auf Twitter gepostet. Den möchte ich hier noch einmal zusammenfassen und ergänzen, ohne Abkürzungen und 140 Zeichen-Begrenzung (und vielleicht etwas weniger zornig, weil eine Nacht vergangen ist 😉 ).

Mein erster Gedanke: Irgendwann muss sich der Zusammenhang doch mal rumsprechen zwischen den Botschaften des Gendermarketing und dem Rollenverhalten von Kindern (bzw. ihren Eltern).

Zwar haben die drei Tweets auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun und doch gibt es einen klare Verknüpfung: Gendermarketing setzt auf Geschlechtertrennung und unterschiedliche „Markierung“ von Jungen und Mädchen (schöner: „Zielgruppendifferenzierung„) und verbreitet deshalb stereotype Botschaften übers Mann- und Frau-Sein und deren Unterschiede.

 

Und Eltern widerum ist es ein Anliegen, dass sich ihre Kinder „richtig“ entwickeln, dass sie nicht ausgegrenzt werden und ihren Weg gehen. Auch wenn die Vorstellungen darüber, wie dieser Weg aussehen sollte, sehr unterschiedlich sind, haben sie schon lange bevor sie Eltern wurden internalisiert, was Mann-Sein und Frau-Sein im Hier und Heute bedeutet.

 

Da liegt es doch auf der Hand, dass es Auswirkungen hat, wenn man jahrelang in Gendermarketing investiert, es gutheißt und seine einengenden Rollenbilder verharmlost. Da ist es doch klar, dass das unser aller Vorstellungen von männlich und weiblich beeinflusst. Ich behaupte ja nicht, dass die Marketingbranche alleine für den Backlash hin zu tradionellen Rollenbildern verantwortlich ist, aber wir haben seit Veröffentlichung der Rosa-Hellblau-Falle in all unseren Interviews, in all den Artikeln und Social-Media-Diskussionen noch von keinem Unternehmen gehört oder gelesen, das die Verantwortung nicht auf Eltern abwälzt, Motto: „Wir verstärken keine Klischees, wir reagieren nur auf die Wünsche der Kundschaft“ – oft gehört.

Tatsache ist aber doch: Seit rund 10 Jahren unterstützt Gendermarketing das Bedürfnis von Jungen und Mädchen sich voneinander abzugrenzen. Und je höher diese Grenze zwischen niedlichen Prinzessinnen und coolen Helden, zwischen rosa und hellblau gezogen wird, umso wichtiger wird das DoingGender für Kinder, umso wichtiger wird es für das einzelne, sich mit denselben Attributen wie die Peergroup als „echtes Mädchen“, als „richtiger Junge“ zu kennzeichnen. Kinder im Vor- und Grundschulalter wollen selbstverständlich zu ihrer Gruppe dazugehören, sich nicht durch „untypische“ Interessen abgrenzen.

 

Aber im Austausch mit anderen Eltern, mit ErzieherInnen und GrundschulpädagogInnen fragen ich mich: welches Mädchen kommt noch an Rosa, Ponys oder Prinzessinnen vorbei, ohne Kommentare zu ernten, dass es „anders“ sei. Welcher Junge darf mit Puppen spielen, zum Ballet gehen oder einen pinken Schulranzen tragen, ohne dass sich wer Sorgen macht, er könnte schwul werden! (Jetzt rufen vielleicht manche Eltern „hier!“, und übersehen in dem Moment, wieviel Krfat und wieviel Selbstbewusstsein das ihrem Kind in seinem Alltag, im Austausch mit anderen, abverlangt!) Und dazu tragen die Befürworter der Gendermarketing jeden Tag kräftig bei, indem sie auf Geschlechtertrennung setzen, sie verstärken, sie fördern und fordern und uns das alles als „natürlich“ verkaufen.

Was tun? Sich dagegen aussprechen!

Es gab noch keine Generation vor uns, die derart medial mit trennenden Botschaften zugeschüttet wurde, niemand unter uns Erwachsenen kann ahnen, welche Auswirkungen das in 20 Jahren haben wird!

Wenn wir also den GenderCareGap, den #PensionGap, Alltagssexismus und Diskriminierung (aufgrund von Geschlecht) angehen wollen, dann sollten wir uns

a) komplett gegen Gendermarketing aussprechen und

b) dringend ein Bewusstsein dafür entwickeln, wo wir uns davon haben schon beeinflussen lassen, so dass wir den Quatsch nicht munter an Kinder weiterreichen, ohne es zu merken.

Tatsächlich wird im Umgang mit Kindern das  Geschlecht allzu häufig „dramatisiert“, also überbetont und zum Thema gemacht in Situationen, in denen es keine Rolle spielen müsste (z.B. nur 2 Schultüten-Bastelsets zur Wahl, in rosa-hellblau oder durch Motive geschlechtlich gelabelt, anstatt eines bunten Angebots) – und hier ist Gendermarketing Vorbild und Förderer – und in anderen Momenten wird es ignoriert, obwohl wichtig wäre, den eigenen Blick auf die so unterschiedliche Erwartungshaltung gegenüber Jungen und Mädchen zu schärfen (z.B. unterschiedliches Bewegungsangebot: Jungen wird häufiger vorgeschlagen, sich „auszupowern“, Mädchen werden eher zum ruhig Sein angehalten)

 

Wer tatsächlich glaubt, er/sie reiche selbst keine Klischees weiter und sei frei von geschlechtlichen Zuordnungen im Kontakt mit Kindern, beweist damit das Gegenteil. Tut mir leid, dass so ausweglos zu formulieren, aber erst wenn wir erkennen, wie tief die Zuordnungen in unserer Kultur und in jedem einzelnen verankert sind, erst dann kann es gelingen, das eigene Handeln und Sprechen zu hinterfragen und öfter anders zu entscheiden. Schließlich sind wir ja selbst damit aufgewachsen, haben sie verinnerlicht und können sie deshalb nicht einfach abwerfen.

Doch leider ist die Mehrheit (lt. Umfragen) überzeugt, Kinder „gleich“ zu behandeln und findet Gendermarketing sei harmlos ¯\_(ツ)_/¯ (siehe das rosa-hellblaue Bullshitbingo). Ich unterstelle sicher keinen bösen Willen, aber ich wünschte, es gäbe mehr Aufklärung über die Wirkmechanismen stereotyper Botschaften im Alltag von Kindern und mehr Hilfen dabei, ein Bewusstein für die o.g. Zusammenhänge zu entwickeln.

 

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Fleischeslust, Grillklischees und Geschlechterhierarchie

Gerade mal 11:30 Uhr und schon den Tiefpunkt der RosaHellblauFalle erreicht:

Die Grill-Kampagne von Edeka fanden wir schon reif für den Goldenen Zaunpfahl, als Männer und Frauen noch gemeinsam grillen durften. Zwar wurde auch da schon das Grillgut nach Geschlecht getrennt, aber immerhin lagen Zucchini, Fisch und Fleisch noch gemeinsam auf dem Rost.

Gestern hat der Laden nun mit Hilfe der Werbeagentur Jung von Matt ein paar Klischees nachgelegt und einen neuen Spot auf youtube hochgeladen. Ich mag ihn hier nicht einbauen, 3 Screenshots sollen genügen zur „Flamme, die aus Knaben Männer macht“:

Nein, dieser Spot ist nicht „nur lustig“. Seine Geschichte basiert darauf, dass „Ein Puppenfest, ein Barbie-Q“ lächerliches, verweichlichtes Chichi sei, dass Frauen* (und andere spießige Weicheier), die Gemüse und Dips beim Grillessen mögen, von den Horden aus dem Wald in die Flucht geschlagen werden müssen. Übrig bleibt nur der standhafte Mann.

Und wo bin ich in diesem Bild,

meine Kinder, mein Mann, mein Grillfeuer?

Vom Abschlussbild und dem Braten im Feuer beim Gelage im Wald mal abgesehen: Feuer steht in diesem Spot nur in Verbindung mit Krieg, Angriff, Verjagen derer, die es anders und damit falsch machen. Es gibt kein gleichwertiges Nebeneinander, stattdessen Verhöhnung der Spießer mit ihren Lampions und Champignons. Weil der weiße, alte Mann nichts von Deko hält, muss sie niedergetrampelt werden. Ungewohnte Essensgewohnheiten genügen also, um einen Krieg zu beginnen. Analogien zur eigenen Nachbarschaft natürlich ausgeschlossen.

Durch die Nähe zum Hollywood-Actionfilm hat die Angriffsszene, bei der eine aggressive, bewaffnete Horde in breiter Front den Gartenzaun niedermäht, mehr von Napoleons Kriegen, von Hetzjagd, Kolonialismus und Freibeutern, die ein Dorf überfallen.

Augenzwinkern? Humorvoll? Ihr möchtet nicht diskriminieren?

Sexismus wird durch den Effekt (von Sprache, Handlungen, eines Spots…) reproduziert, die Intention („lustig gemeint“, „gut gemeint“…) ändert daran nichts. Und es ist der Empfänger / die Zuschauerin, die über den Inhalt einer Botschaft entscheidet, nicht der Sender (Kommunikationstheorie nach Watzlawick) oder das Unternehmen und seine Werbeagentur.

Es hinterlässt mich ratlos, dass viele Menschen in Deutschland nicht nur damit einverstanden sind, dass Werbung so viel Geld und Wissen in die Reproduktion von Geschlechterhierarchie steckt, sondern diese auch noch bei jeder Gelegenheit in Kommentarspalten rechtfertigt. Warum und wofür investieren so viele Menschen Lebenszeit in das Verbreiten von Rollenklischees, anstatt ihre Fähigkeiten für mehr Wahlfreiheit, Toleranz und gleichwertiges Miteinander einzusetzen? Wo könnten wir heute schon sein, wenn die vielen, kleinen rosa-hellblauen Momente des Alltags als solche erkannt und angegangen würden? Stattdessen werden sie kleingeredet, verharmlost, das Gegenüber und seine Kritik als humorlos weggewischt, denn der Umsatz toppt jedes ungute Gefühl.

Und Kinder und ihre Wahrnehmung? Die Tatsache, dass sie erst im Lauf der Grundschulzeit Ironie verstehen lernen? Weggewischt. Ist ja nicht die Zielgruppe. Und überhaupt: „Wir“ geben ja keine Rollenklischees an Kinder weiter. I wo denn, die entscheiden sich ganz frei.

#not

 

Studien zur Wirkung von Gendermarketing

Die beiden am häufigsten gelesenen Artikel hier sind zur Zeit unsere „Antworten auf das Bullshitbingo des Gendermarketing“ und die Zusammenfassung „Warum Gendermarketing einen Negativpreis verdient„. Darin sind eine ganze Reihe von Studien versammelt.

Es gibt ja gar keine Belege dafür, dass Gendermarketing (Kinder) einengt, nur ihr habt da ein Problem mit.

Naja… 🤔

Manche hätten unsere Antworten gern mal eben in 140 Zeichen, und wenn wir die nicht liefern, fehlten uns offenbar die Argumente. Ja, da müssen wir passen und tun es gern ;-)

Die meisten finden sich ja in unserem Buch: „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees“ (Kunstmann 2014), und wer weiterlesen und mehr erfahren möchte, hier haben wir weitere Untersuchungen zum Thema verlinkt:

Aber meiner Tochter / meinem Sohn hat mein (gegendertes) Geschenk gefallen, also ist Gendermarketing gut

Da steht doch gar nicht drauf, dass es nur für Mädchen oder Jungen ist!

 

  • Pink gives girls permission: Exploring the roles of explicit gender labels and gender-typed colors on preschool children’s toy preferences. Erica S. Weisgram, Megan Fulcher, Lisa M. Dinella.:
  • Children engage in gender-typed toy play to a greater extent than in non-gender-typed toy play leading to different developmental trajectories for boys and girls. The present studies examine the characteristics of toys and how they differentially affect boys‘ and girls‘ interests, stereotypes, and judgments of the toys.

Pretty in Pink: The early development of gender-stereotyped colour preferences. Vanessa LoBue and Judy DeLoache. Eine Studie mit Kindern zwischen 7 Monaten und 5 Jahren:

Each child was tasked with choosing between two similar objects, one of which was pink, the other blue. It was around the age of two that girls began to select the pink toy more often than the blue one; at two and a half, the preference for pink became even more pronounced. Boys developed an aversion to the pink toy along the same timeline. (Alice Robb in der NY Times: How gender-specific toys can negatively impact a child’s development )

 

  • Are gendered toys harming childhood development? Research has found that dividing children’s toys based on gender can have lasting developmental implications“, Artikel von Olga Oksman im Guardian zu Untersuchungen von Christia Spears Brown.
  • For example, in one experiment, researchers took toys that kids had not seen before and put them in stereotypical girl boxes or stereotypical boy boxes and gave them to a group of children. Girls played with the toys in the girl boxes and boys gravitated to the toys in the boy boxes. Both genders focused on the toys in the boxes meant for their gender and did not pay much attention to toys marked for the opposite gender.

 

to be continued…

Blick hinter die Kulissen

Was hier aktuell passiert…

Da wir hier seit der Verleihung des Goldenen Zaunpfahls nichts mehr geschrieben haben, wollen wir kurz vorstellen, an welchen Projekten wir grade arbeiten. Unfertiges also, ein Blick hinter die Kulissen :)

>> Ganz aktuell, damit können wir jetzt einfach nicht mehr hinterm Berg halten 😊 überlegen wir, eine Art Qualitätssiegel zu erfinden, das analog zu Siegeln für Lebensmittel („Glutenfrei“) oder Textilien („frei von Schadstoffen“) Produkte, z.B. Spielzeug, Bücher, Computerspiele, auszeichnet, die „frei von Rollenklischees“ sind. Aktueller Stand:Siegel #klischeefreiWer uns auf Twitter folgt, weiß das schon, denn hier habe ich die unausgegorene Idee gepostet und sofort viel Rückenwind bekommen. Ein ganz herzlicher Dank 😊🎉 geht an dieser Stelle an @mimimibe, 🍰💐der sich sofort an die Gestaltung gemacht hat, von ihm ist dieser Entwurf, der vielleicht gar keiner ist, sondern das fertige Qualitäts-Siegel sein wird. Wir finden es jedenfalls total schick und wollen mehr aus der Idee machen. Mal schauen, wie es damit weitergeht.

Radiosendungen in der Mache…

>>Außerdem haben wir in den letzten Wochen ein Radiofeature vorbereitet, in dem es um Geschlechterrollenbilder vor der Geburt geht. Wir haben nach einer Mutter/ einem Paar gesucht, die das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes wissen möchte und eine, die das vor der Geburt überhaupt nicht interessiert, es auch nicht gesagt bekommen möchte. Dafür habe ich @mayamitKind getroffen und gemeinsam mit ihrer Partnerin ein interessantes Gespräch geführt. Yasmin habe ich getroffen, sie hat von ihrem Wunsch nach einem Mädchen erzählt, das sich beim Ultraschall als Junge entpuppte. Ich habe außerdem mit @zesyra gesprochen über Wünsche und Erwartungen an das Ungeborene, und habe die Kölner Gynäkologin Maria Beckermann interviewt. Das Feature wird am 2.Mai im Kulturradio rbb ausgestrahlt:

„Was wird es denn?!

Schon vor der Geburt eines Kindes greifen die Rollenklischees“

2. Mai 2017, 19:04 – 19:30, kulturradio rbb

(zur Vorschau auf den rbb-Seiten, bzw. zum Podcast nach dem Sendetermin)

photo credit: #smo Project 365: Day 16 via photopin (license)

 

>> Während der Recherche hat uns Lisa vom Blog Stadt-Land-Mama angeschrieben, was wir denn von dem Wunsch hielten, ein Kind nur dann zu bekommen, wenn man sein Geschlecht wünschen dürfte. Hier unsere Antworten auf ihre Fragen.

5. Mai im Deutschlandfunk

>> Und ein zweites Feature entsteht grade:

„10 Dinge, die an Mädchen nerven

Geschlechterklischees in der YouTube-Szene“

5. Mai, 20:10 – 21:00, Deutschlandfunk

(zur Vorschau auf den DLF-Seiten, bzw. zum Podcast nach Sendetermin)

Dafür war ich in einer Bonner Realschule und habe Schülerinnen und Schüler einer 9.Klasse interviewt. Ich habe mit Tarik über seine Genderkrise gesprochen und Marie Meimberg interviewt. Wir waren viel auf Youtube unterwegs, um uns all die Kanäle anzuschauen, die Kinder so zwischen 10 und 15 grade „liken“. Dabei habe ich mir angehört, was Jungs angeblich an Mädchen mögen, was sie nie tun sollten, was Mädchen dafür unbedingt wissen müssen, und wie Frauen… Dabei bin ich auf die Gruppe „Girrrl Voice Heroes Duisburg“ gestoßen mit ihrem Video „Wer glaubst du, dass du bist?!“, ein paar der Mädchen habe ich in Duisburg getroffen, auch sie kommen in der Sendung zu Wort. Das Manuskript ist fertig, es hätte noch mehr interessante Stimmen gegeben, Positivbeispiele zwischen all den Klischeebotschaften. LuLikes oder Lisa Sophie aka ItsColeslaw zum Beispiel, ihren Kanal habe ich jetzt meinen Kindern ans Herz gelegt, als Alternative zu Bibi & Co … ;)

Und noch mehr Radio…

>> Und wer jetzt denkt, die machen ja nur noch rosa-hellblaue Radiosendungen, mag ja vielleicht den Podcast zu unserem Feature für den SWR über den Dichter Lars Ruppel anhören:

 Weckworte für Demenzkranke.

Der Poetry Slammer und Kabarettist Lars Ruppel unterwegs in Pflegeheimen

 

>> Oder unser Feature, das Anfang des Monats beim Deutschlandfunk lief:

 R.E.S.P.E.K.T. 2.0 – Von Wertschätzung in einer globalisierten Welt 

Mehr zu unseren Radiosendungen jenseits der Rosa-Hellblau-Falle veröffentlichen wir auf unserem Radio-Blog: kulturelle-störgeräusche.de, und mehr zu unserem Dasein als Trainerin und Fortbildner posten wir hier: training-bonn.de, gestern zum Beispiel war ich auf dem LiteraturCamp Bonn und habe >hier< zusammengefasst, was ich dort mitnehmen durfte.

Viel Spaß beim Lesen und Hören! :)

 

Der Goldene Zaunpfahl geht an…

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan auf der Bühne vor Leinwand mit GoldenerZaunpfahl-Logo

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan (Foto: @monoxyd)

Wir sind überrascht, glücklich und dankbar, dass der Goldene Zaunpfahl auf ein so großes Interesse gestoßen ist, unsere Idee, die negativen Auswirkungen des Gendermarketing einmal in einem größeren Rahmen zu thematisieren (>> Linkliste Medienecho). Vor allem deshalb ist es ja ein Negativpreis, weil das Bewusstsein über den nachweisbar negativen Einfluss, über das Ausmaß und die Allgegenwart von einengenden Rollenklischees leider nicht sehr verbreitet ist. Sonst würde es zur Routine von Medienmenschen, ErzieherInnen und LehrerInnen, in Verlagsredaktionen oder Marketingabteilungen gehören, darüber zu sprechen, sich fortzubilden und im Arbeitsalltag darauf zu achten, sie zu vermeiden.

Wir verstehen, dass manche in einem Negativpreis zuerst die Anprangerung sehen. Das ist bedauerlich, denn unser eigentliches Anliegen ist es, einen gesellschaftlichen Dialog zu initiieren über die gemeinsame Verantwortung von Unternehmen und Konsument*innen, Kindern eine freie Entfaltung zu ermöglichen ohne einengende Rollenvorgaben.

Natürlich hätten wir lieber einen Positivpreis verliehen, aber Werbekampagnen auszuzeichen, die auf Diskriminierung verzichten, das schien uns leider (noch) wenig hilfreich. Solange so viele Menschen davon überzeugt sind, dass Gendermarketing Kindern die freie Wahl ließe, wird der Goldene Zaunpfahl ein Negativpreis bleiben müssen. Aber mancher Spot ist genau deshalb eine Erwähnung wert, weil er das Problem der Diskriminierung thematisiert und das bewusst macht, auf was wir auch mit den Goldenen Zaunpfahl hinaus wollen. (Drei Beispiele hat Tarik gestern Abend vorgestellt: H&Ms Schönheits-Vielfalt, Telekoms Familienbild und Audi Spaniens Spielzeugkombination)

Wir wollen uns also herzlich für eine bunte Veranstaltung gestern Abend bedanken, die ohne die viele Unterstützung und euren Zuspruch eine kleine Online-Aktion geblieben wäre.

Deshalb ein dickes Dankeschön an alle Beteiligten!

Vorneweg an alle, die seit Dezember 2016 unserem Aufruf gefolgt sind, und Beispiele für absurdes Gendermarkting eingesandt haben (Hier ist das weiterhin möglich, denn wie’s aussieht, ist nach der Preisverleihung vor der Preisverleihung ;-) ).

Vielen Dank an unsere tolle Jury, Nora, Ferda, Petra, Tarik, Margarete, Anke und Daniel!

An die musikalische Unterstützung durch Suli Puschban, Yansn & Torkel T. und Form.

Und an das nette Team des HAU, das hinter den Kulissen und mit der Bereitstellung seiner schönen Räume ganz wesentlich zum Gelingen des Abends beigetragen hat.

An Maurizio, der das Motiv und den Goldener-Zaunpfahl-Aufkleber für uns entworfen hat.

Und nicht zuletzt an alle, die gestern vor Ort dabei waren und mit uns gefeiert haben!

 

Reaktionen der Hersteller

(zur Vorstellung der 5 Nominierten)

Der Preis ging in diesem Jahr an die Pons GmbH / Klett Lerntraining für die beiden Leserlern Bücher für Mädchen bzw. Jungs:

Aus der Laudatio von Ferda Ataman:

Die Bücher, die als Leselernhilfe daherkommen, sind also nicht nur rosa-hellblau gelabelt. Sie vermitteln klischeehafte Inhalte und schließen Mädchen aus dem Abenteuer-Weltall-Bereich aus. Und sie geben Jungs keine Chance, sich für Tiere und Back-Partys zu interessieren. Auf die wirklich peinlichen – übrigens zeitlos peinlichen Illustrationen – will ich mal nicht weiter eingehen. Aber seien Sie sich sicher, Sie unterstützen die transportierten Rollenklischees konsequent.

Um es noch mal klarzustellen: Nirgends in diesen Büchern werden die gängigen Klischees auch nur ansatzweise gebrochen oder hinterfragt. Sie werden einfach nur bedient.

Okay, vielleicht bis auf die rosa Auspuffwolken…

[…] Dabei gab es Zeiten, da waren quietschrosane Prinzessinnen-Köder und alle-jungs-sind-tapfere-Helden-Botschaften in der Kinderliteratur verpönt. Wir waren schon weiter und wir möchten dahin zurück.

Das plötzliche und sehr kurzfristige Interesse am Goldenen Zaunpfahl mag dazu geführt haben, dass einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Presseabteilungen der nominierten Unternehmen sich adhoc und möglicherweise unvorbereitet äußern mussten. Um genau das zu vermeiden, hatten wir die Unternehmen lange vor der Preisverleihung angeschrieben und auf die Nominierung hingewiesen, verbunden mit einer Einladung zum Dialog und zur Veranstaltung nach Berlin. Mit der Ausnahme RaethGloben – ist es Zufall, dass das kleinste der nominierten Unternehmen reagiert hat im Gegensatz zu den großen Konzernen? – haben wir keine Rückmeldung bekommen. Schade. Manche Medien wollten für ihren Bericht über die Preisverleihung nicht auf ein Statement der Nominierten verzichten und haben deshalb nachgefragt:

Folgemilch für Ballerinas und Mathematiker:

„Wir können die Kritik nicht nachvollziehen, Aptamil steht für ein modernes Rollen- und Familienverständnis.“ (Milupa auf Spiegel Online)

Geschichten zum Lesenlernen mit Polizisten und Handrührern:

Bei Pons / Klett Lerntraining hat Spiegel online erfahren, dass es sich bei den Preisträger-Büchern explizit nicht um Schulbücher handle, sondern um Bücher für den Nachmittag. (sic!)

„Weder Diskriminierung noch die Vermittlung stereotyper Lebensweisen spiegelt die Absicht des Verlags wider. Sollten diese beiden Bücher den Anschein erweckt haben, so ist dies überaus bedauerlich.“

Bei Raethgloben wurde auf der Seite des pinken Globus ergänzt:

Aus aktuellen Gründen: Gern dürfen Sie diese Farbvariante auch für Ihren Sohn erwerben oder die blaue Variante für Ihre Tochter.

Sie kocht, er telefoniert:

„Das nominierte Bild ist nicht repräsentativ für das bewusst genderneutrale Marketing von jako-o.“ Jako-o erklärt Spiegel online außerdem, das Problem läge wohl weniger in der Darstellung sondern im Auge des Betrachters.

 

Auf die jeweils klischeehafte Darstellung gehen weder jako-o, Pons/Klett noch Milupa ein. Stattdessen verweisen sie auf andere, weniger klischeehafte Artikel im eigenen Angebot, was uns ratlos macht, was genau ändert das an der Botschaft der Ausgewählten?

 

Antje Schrupp fasst auf zeit.de unser Anliegen prima zusammen: „Gegen den Geschlechterblödsinn„, alles gesagt. Zum Nachlesen auch für jene, die uns grade lange Mails und unfreundliche Kommentare schreiben und uns erklären wollen, wie Werbung und Kapitalismus funktionieren – ganz offensichtlich ohne gestern Abend dabei gewesen zu sein oder erstmal nachgelesen zu haben, worin genau unsere Kritik liegt.

Gleichgültigkeit ist unangebracht. Wer so argumentiert, überschätzt nämlich grandios die Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins, sich gegen ständige subtile Beeinflussung abzuschotten. Gendermarketing wirkt. Zum Beispiel, indem es uns dauernd daran erinnert, dass wir ein Geschlecht haben. Menschen sind ja vielerlei, sie gehören zu allen möglichen Kategorien und Gruppierungen, sie haben Haut- und Haarfarben, Körpergrößen, Berufe, Interessen, Sprachen, Nationalitäten, Herkunftsregionen und so weiter. Aber die meisten davon haben wir nicht ständig im Kopf. Wir würden etwa nicht auf die Idee kommen, Kugelschreiber für Leute über 1,70 Meter Körpergröße und solche für Leute unter 1,70 zu bewerben. Oder unterschiedliche Buggys je nachdem, ob das Kind braune oder rote Haare hat.

 

 

 

 

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan

 

 

Warum Gendermarketing einen Negativpreis verdient

„Es sind doch nur Farben!?“

von Almut Schnerring & Sascha Verlan

Ladies-Chips und Marzipan für echte Kerle. Herrenschokolade und Kekse für Mädels, Scheibenreiniger, Mineralwasser, Kalender und Papiertaschentücher … längst hat das Gendermarketing alle Lebensbereiche durchdrungen und verbreitet munter seine fragwürdige Botschaft, Frauen und Männer hätten allein aufgrund ihres Geschlechts ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Deshalb brauchen sie angeblich auch eine unterschiedliche Ansprache, selbst wenn es um Bonbons, Bastelkleber oder Bratwürstchen geht. Im April 2006 fand dazu in Berlin der erste internationale Gendermarketing Kongress statt unter dem Motto: „Was Frauen wollen“. Und seitdem breitet sich die Zweiteilung der Welt in coole Abenteurer und schlanke Prinzessinnen aus bis in die Kinderzimmer von Neugeborenen hinein, mal subtil, mal brachial.

„Guten Morgen Blaue, guten Morgen Rote!“

Ebenfalls 2006 veröffentlichten Meagan Patterson und Rebecca Bigler von der University of Texas die Ergebnisse ihrer Studie mit Vorschulkindern, in der sie nachweisen konnten, dass bereits die willkürliche Einteilung in zwei Gruppen Einfluss hat auf Interessen und Verhalten der Betroffenen. Die Kinder wurden dafür in eine blaue und eine rote Gruppe eingeteilt. Drei Wochen lang trugen die einen ein rotes T-Shirt, die anderen ein blaues. Blaue und Rote wurden gleichmäßig auf zwei Räume verteilt, sodass sich in beiden Räumen Kinder in roten und in blauen Shirts aufhielten. Im einen Raum wurden die Farben nicht weiter erwähnt, im anderen dagegen sprachen die ErzieherInnen die beiden Kategorien immer wieder an: „Guten Morgen Blaue, guten Morgen Rote.“ Sie verteilten blaue und rote Schildchen, die Kinder sollten sich morgens in zwei Reihen nach Rot und Blau getrennt aufstellen und so weiter. Als die Kinder beider Räume danach zu mehreren Themen befragt wurden, zeigte sich, dass sie lieber mit Kindern derselben Farbgruppe spielen wollten und auch Spielsachen lieber mochten, die die Kinder der eigenen Gruppe bevorzugten. Und bei den Kindern aus dem Raum, in dem die ErzieherInnen die Farbunterschiede regelmäßig betont hatten, waren diese neuen Vorlieben noch sehr viel stärker ausgeprägt.

Diese Gruppeneinteilung, wie sie für die Studie extra initiiert wurde, lässt sich seit ein paar Jahren in vielen Kindertagesstätten beobachten. Besonders anschaulich in jenen, in denen der Förderverein rote und blaue T-Shirts mit dem Namen der Kita drucken lässt, um sie beim Sommerfest an die Eltern zu verkaufen.


Ersetzt man nun rote und blaue Shirts gegen rosa und schwarze Spielzeugschachteln, gegen pinke und blaue Müsliverpackungen, dann zeigt sich, dass Kinder (und auch Erwachsene) jeden Tag aufs Neue zu Teilnehmenden der oben genannten Studie werden, allerdings ohne zeitliche Begrenzung und Auflösung.

Wir und die Anderen: Eigengruppe – Fremdgruppe

Welche Auswirkungen es auf ein einzelnes Individuum hat, wenn er oder sie in eine Gruppe eingeordnet wird, ist in unterschiedlichsten Studien und Settings nachgewiesen worden, seit Henri Tajfel und John Turner in den 1970er Jahren ihre ‚Theorie der sozialen Identität‘ entwickelt haben. Selbst wenn Gruppen willkürlich gebildet werden, aufgrund von T-Shirt-Farben oder Münzwurf: die Trennung in Zwei sorgt zuverlässig dafür, dass sich innerhalb der eigenen Gruppe ein Wir-Gefühl entwickelt, und das Bedürfnis entsteht, sich von den Anderen, der ‚Fremdgruppe‘, abzugrenzen. Die eigene Gruppe wird bevorzugt, Nichtmitglieder werden benachteiligt, und noch weitreichender: die eigene Meinung, die eigenen Vorlieben und Interessen werden dem Gruppenkonsens angepasst. Unser Selbstwertgefühl speist sich eben nicht nur aus dem, was wir selbst leisten, sondern auch aus der Gruppe, mit der wir uns identifizieren. Schwierig nur, wenn sich das Gruppenlabel auf Kopf oder Zahl, rechts- oder linksrheinisch, rosa oder hellblau reduziert, wenn also die Abgrenzung von den Anderen gar nicht in den eigenen Interessen begründet ist.

Bereits in den 1980er Jahren, also lange bevor in den USA Gendermarketing als Werbestrategie entwickelt wurde, haben die PsychologInnen Marilyn Bradford und Richard Endsley belegen können, dass Vorschulkinder dreimal so lange mit einem Ball oder mit einem Xylophon spielen, wenn ihnen zuvor gesagt wurde, es sei ein Spielzeug für ihr eigenes Geschlecht. Und umgekehrt verlieren sie sehr viel schneller das Interesse, wenn sie erfahren, es sei eigentlich für das andere Geschlecht gemacht. Das kann so weit gehen, dass Kinder ein gerade noch interessantes Spielzeug plötzlich ignorierten, sobald ihnen ein Label verraten hatte, dass es für die jeweils andere Gruppe gedacht war, der sogenannte Hot Potato-Effekt. Also nicht das Ding an sich, sondern seine Zuordnung zum einen oder anderen Geschlecht verändert das Spielen, verlagert Interessen und hat damit Einfluss auf die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ein Mensch im Laufe seiner oder ihrer Sozialisation erwirbt. Dabei reicht es schon, wenn an sich neutrale Spielsachen in zwei Kisten verteilt werden mit der Aufschrift „für Jungen“ und „für Mädchen“. Während in der Kontrollgruppe alle Kinder mit allen Spielsachen spielten, interessierten sich in der anderen Gruppe plötzlich die Mädchen für ‚ihre Spielsachen‘, und die Jungen für die Spielsachen aus der „Jungen-Kiste“. Dabei zeigte sich auch, dass Mädchen (beziehungsweise Jungen) beispielweise in Geschicklichkeitsspielen jeweils dann erfolgreicher waren, wenn ihnen zuvor gesagt wurde, das Spiel sei für ihr Geschlecht entwickelt worden.

Gendermarketing und die Theorie der sozialen Identität

Zurück zu Feentrank und Piratenkeksen, Monsterfightern und Glitzerponys: Gendermarketing teilt Kinder in zwei Gruppen und zwingt sie immer wieder, sich zu positionieren: beim Anziehen, beim Essen, beim Schulranzenkauf, beim Lesen oder Rechnen. Es zwingt sie damit auch, sich zu distanzieren von dem, was die jeweils andere Gruppe spielt, isst, mag und denkt. Damit ist in den vergangenen Jahren ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang gesetzt worden: je mehr gegenderte Produkte auf den Markt kamen, desto größer wurde auch das Bedürfnis, sich abzugrenzen und durch ebensolche Produkte die eigene Gruppenzugehörigkeit zu betonen. Das schlägt sich in den Verkaufszahlen gegenderter Produkte nieder, was die Unternehmen wiederum dazu bewegt, noch mehr auf Geschlechtertrennung zu setzen: coole, technikbegeisterte Helden in Blau, niedliche, tierliebende Puppenmuttis in Pink. Von der Chancengleichheit, die in der Erwachsenenwelt angestrebt wird, ist hier nichts mehr zu spüren.

Bildquelle: aus einem Spielwarenkatalog von jako-o, 2016

Ob die Verfechter des Gendermarketing und die Entscheidungsträgerinnen in den Unternehmen die Ergebnisse der Minimalgruppenforschung nun unwissentlich oder bereitwillig in Kauf nehmen, ihr Einfluss auf Kinder, auf ihr Rollenverständnis und ihre Definition von männlich und weiblich ist immens. Wer nun entgegnen möchte, dass es sich bei der Unterscheidung nach Geschlecht im Gegensatz zu Münzwurf und Shirt-Farbe um ein vermeintlich objektives, biologisch begründbares Unterscheidungsmerkmal handele, übersieht, dass das nichts an den sozialpsychologischen Wirkmechanismen ändert, es führt nur dazu, dass sie schwerer zu erkennen und zu belegen sind. Das macht es den Unternehmen so einfach, ihre Verantwortung auf Eltern abzuwälzen und jede Kritik mit dem Argument „Umsatzsteigerung“ als weltfremd abzutun. Damit verhöhnen sie alle, die sich in Gleichstellungsprojekten engagieren wie beispielsweise dem Girls‘ und Boys‘ Day oder die sich für eine gerechtere Aufteilung von Familienarbeit einsetzen. Es überdeckt den wirtschaftspolitischen Wunsch, Mädchen und junge Frauen für die MINT-Berufe zu gewinnen mit einer Ladung rosa Glitzer. Die Leidtragenden sind Mädchen und Jungen, denen die Erwachsenen eine Welt präsentieren, die sie zuvor in rosa und hellblau vorsortiert haben, echte Wahlfreiheit aber sieht anders aus.

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Almut Schnerring und Sascha Verlan haben gemeinsam mit Anke Domscheit-Berg den ‚Goldenen Zaunpfahl‘ initiiert: Negativpreis für absurde Auswüchse des Gendermarketing, der 2017 zum ersten Mal verliehen wird (Zur Einladung). ‚Der Goldene Zaunpfahl‘ will einen Dialog anregen über Vielfalt und Identität, über Zugehörigkeit und Normierung. Er will die Rollenvorgaben und Wirkmechanismen von Werbung und Produktdesign offen legen und die Marketingbranche mit ihrem jährlichen Gesamtumsatz von 30 Milliarden Euro an ihre gesellschaftliche Verantwortung erinnern.

Almut Schnerring und Sascha Verlan bieten

Vorträge und Workshops zum Thema Gendermarketing und über andere Botschaften vom „echten Kerl“ und der „richtigen“ Frau,

über Rollenklischees im Alltag und wie man ihnen entkommt.

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Einladung Der Goldene Zaunpfahl 2017

Öffentliche Preisverleihung, Pressekonferenz und Gala

3. März 2017, Beginn 18:00 Uhr

HAU1 Hebbel am Ufer, 10963 Berlin, Stresemannstraße 29

Im November 2016 haben Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan ihre Protestaktion gestartet: der goldene Zaunpfahl – Negativpreis für die absurdesten Auswüchse des Gendermarketing. Margarete Stokowski, Nora Gomringer, Daniel Bröckerhoff, Tarik Tesfu, Ferda Ataman, Petra Lucht und Anke Domscheit-Berg haben als Jury aus den vielen Einsendungen den ersten Platz bestimmt, welches Produkt, welche Kampagne, welches Unternehmen den Wink mit dem Goldenen Zaunpfahl am nötigsten hat.

Marzipan für echte Kerle, Gurken für Mädels, Prinzessinnenshampoo in Pink und in Hellblau für Ritter … Tee, Stifte, Textaufgaben, Gummistiefel und Sehtests, alles wird neuerdings in zwei Varianten angeboten. Gendermarketing nennt sich diese Strategie, die uns eine Welt verkaufen möchte, in der Farben, Interessen, Verhaltensweisen und Eigenschaften streng nach

Invitation in english

Geschlecht getrennt werden. Die Unternehmen mimen Unschuld und gemeinsam mit vielen Verbraucherinnen und Journalisten unterschätzen sie den Einfluss von Werbung und Produktdesign auf unser aller Rollenverständnis von richtigen Frauen und echten Männern, von Jungen und Mädchen.

Am 3. März 2017 wird im Rahmen einer Pressekonferenz und Gala zum ersten Mal der Goldene Zaunpfahl verliehen … ob auch die Nominierten zur Preisverleihung erscheinen werden? Die Jury wird ihre Auswahl begründen, die Laudatio sowie ein dialogischer Vortrag zu Gendermarketing, Minimalgruppenforschung und Stereotypbedrohung werden die psychologischen und sozialen Zusammenhänge beleuchten und deutlich machen, wie sehr Unternehmen und EntscheidungsträgerInnen des Marketing die Entwicklung der Gesellschaft mit beeinflussen, dass sie selbst Verantwortung tragen, die sich nicht einfach auf abstrakte Kaufinteressen und ökonomische Mechanismen abwälzen lässt.

suli puschban

Programm:

  • Einlass 17:30 Uhr
  • Beginn 18:00 Uhr
  • Musik:  Suli Puschban („Ich hab die Schnauze voll von Rosa“)
  • Beiträge rund um Gendermarketing, Information zur Wirkung und Forschungslage („Sind doch nur Farben?“)
  • Vorstellung der Nominierten
  • Laudatio
  • Preisverleihung

    yansn

  • Musik: Form und Yansn vom Berliner HipHop-Label Springstoff
  • Zeit für Fragen und Austausch
  • Im Anschluss getogether in der Bar des HAU1

 

Mit freundlicher Unterstützung des HAU Hebbel am Ufer

form

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weitere Informationen:

 

 

HAU Hebbel am Ufer

Golden Fencepost Awards 2017

Golden Fencepost Awards
Negative Prize for Absurd Gender Marketing

March 3, 2017, 6:00 p.m.

HAU1 Hebbel am Ufer, 10963 Berlin, Stresemannstraße 29

Marzipan for real men, pickles for girls, shampoo in pink for princesses and in baby blue for knights … tea, pens, word problems, rubber boots and eyesight tests, lately everything comes in two variants. This strategy is called gender marketing, a strategy that seeks to sell us a world in which colours, interests, behaviours and personal qualities are strictly separated according to gender.

In November 2016 Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring and Sascha Verlan started their protest action against the proliferation of gender marketing with a public call. Every day since then they have been receiving new suggestions for which product, which campaign, which business is most in need of getting the Golden Fencepost. Any criticism is predictably met with the same old attempts to play things down: “Women were also involved in designing the campaign, so it can’t be sexist”, “It’s just funny/ironic”, “People don’t have to buy it”, “We’re only reacting to our customer’s wishes.” That may very well be the intention, but what’s more important is what consumers and customers get from it, especially children. And there the research is pretty unambiguous: What children see in advertising limits how they understand roles, how they relate to their own bodies, and what their interests and desires are. Many of the achievements of the equal rights movement are being endangered by businesses in the interests of profit, lack of knowledge, or even wilful ignorance.

Margarete Stokowski, Nora Gomringer, Daniel Bröckerhoff, Tarik Tesfu, Ferda Ataman, Petra Lucht and Anke Domscheit-Berg will serve as the jury, and will select the first place among the many submissions. On March 3, 2017 they will award the Golden Fencepost for the very first time … we wonder if any of the nominees will turn up for the award ceremony? The jury will explain their choice, the laudation and a lecture in dialogue form on gendermarketing, ‚minimal group paradigm‘ and the ’stereotype threat‘ will illuminate the psychological and social contexts and make it clear to businesses that they influence the development of society, that they themselves bear some responsibility, and that they cannot simply shift the blame to abstract commercial interests and economic mechanisms.

The Golden Fencepost Initiative will be supported musically by Suli Puschban („Ich hab die Schnauze voll von Rosa“), and by Form and Yansn from the Berlin hip hop label Springstoff.

 

where: HAU1 Hebbel am Ufer, 10963 Berlin, Stresemannstraße 29

when: March 3, 2017, 6:00 p.m.

initiators: Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan

contact:

 

more information:

 

 

Save the date: 3.3. in Berlin!

Jetzt dürfen wirs sagen, es ist amtlich, freut Euch mit uns und haltet Euch den Freitag Abend, 3.März frei:

Der Goldene Zaunpfahl wird in Berlin im HAU Hebbel am Ufer verliehen!

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Beginn: 18 Uhr

öffentlich, freier Eintritt

Heute früh war Anke dort und hat vor Ort alles besprochen und festgemacht. Vielen Dank an das Team des HAU Hebbel am Ufer!

Jetzt geht es an die Programmplanung, und auch da wird es Überraschungen geben. Wir freuen uns, wenn Ihr dabei seid. Einladung folgt.

Viele Grüße!

die Initiator*innen,

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan

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–> Vorstellung der Jury 2017

–> Der Goldene Zaunpfahl, Negativpreis für Gendermarketing

–> Übersicht über die rund 50 Einreichungen

tba:

–> Die Nominierten

Twittergewitter

Vor kurzem habe unbedachtes Ich auf Twitter jemandem geantwortet und nicht auf das Datum seines Ausgangstweets geachtet. Antwort: „du hast Twitter voll verstanden, hm?“ Asche auf mein Haupt, gilt es unter manchen Twitter-Usern ja als verpönt, auf alte Tweets zu reagieren. Schade eigentlich. Denn im rosa-hellblauen Kontext hat so mancher Post einen zweiten Blick verdient. Diese hier zum Beispiel:

[Eine Art Suchspiel zwischen Voll-rein-in-die-#rosahellblaufalle und Yeah-Juhuu-Raus-aus-der-Falle!, dazwischen Ironie. Viel Spaß damit!]

Vielen Dank an all die Twitterer*innen (#SCNR ;) die hier versammelt und verlinkt sind!

 

 

 

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