Archive | Gendermarketing RSS feed for this section

Schnauze voll von Rosa? – Suli Puschban

IMG_1535

Interview mit Suli Puschban

Mit dem Refrain von „Ich hab die Schnauze voll von rosa“ laufen unsere Kinder schon eine ganze Weile durch die Gegend, der Ohrwurm wird immer mal wieder aktualisiert, und es genügt, dass eins das Wort „Schnauze“ in den Mund nimmt, garantiert greift es das nächste auf und schon schreien wieder alle drei im Chor durchs Haus: „Ich mach jetzt was ich will!“. Und weil der Text so gut zu unserem Anliegen rund um Rollenklischees und zur rosa-Hellblau-Falle passt, haben wir Suli ein paar Fragen dazu gestellt.

Suli Puschban ist…

…“Wienerin in Berlin, Liedermacherin, Kinderliedermacherin und Kabarettistin, sie schreibt und performt ihre Lieder, spielt solo und mit ihrer ‚Kapelle der guten Hoffnung‘, liebt die Berge, verehrt das Meer, ist Poetin, Feministin und feinsinnig rockenende Rotzgöre.“

Gab es einen konkreten Anlass für den Songtext?

>> Angesichts des derzeitigen Rollbacks, dass die Geschlechterrollen wieder vermehrt in rosa und hellblau und allem, was sonst noch dazu gehört, zementiert werden und der Tatsache, dass Lilifee und andere Figuren von Merchandise-Imperien flankiert werden, unter denen Eltern stöhnend leiden, musste ich irgendwann einfach mal einen Anti-rosa-Songschreiben. Der erhobene Zeigefinger interessiert mich nun herzlich wenig, und es geht mir auch nicht um die Farbe, sondern die Haltung dahinter. Mädchen und Frauen müssen sich nicht den stereotypen Bildern beugen, sondern können sein und werden, was sie wollen: Astronautinnen, Musikerinnen, Wissenschaftlerinnen. Der Song enthält also auch noch etwas Kapitalismuskritik als Subtext. Wenn man bedenkt, was Frauen teilweise an Geld ausgeben (müssen), um den vermeintlichen Anforderungen der Rolle als Frau gerecht zu werden!

SuliPuschban

Wieso hast Du die Schnauze voll von rosa?

>> Vielleicht sollte ich vorweg sagen, dasss Mädchen und Frauen, die ROSA heißen, sich bitte nicht auf den Schlips getreten fühlen sollen. Manche schreiben ‚rosa‘ im Song auch vorne mit Großbuchstaben, was die Vermutung nahe legt, dass es sich um einen Namen handeln könnte. Aber nein, es ist die Farbe! Und dieses ‚rosa‘ steht für Einschränkung: Frauen, die auf hohen Schuhen balancieren, zugekleistert mit Make-Up, eingelullt in der heteronormativen Überzeugung, dass der sie rettende Prinz bestimmt auftauchen wird, rufen sie mit hoher Stimme: „Hilfe! Hilfe“

Hast Du ein bestimmtes Erlebnis in dem Zusammenhang , das dich genervt hat?

>> Mein ganz Leben ist ein solcher Moment: ich war ein burschikoses Mädchen, ich bin aufgewachsen mit dem Satz: „Was willst du denn, Junge?“, und mit Kommentaren und abblocken, wenn ich eine Toilette aufsuche. Ich hatte immer kurze Haare, trug Turnschuhe, Jeans und entzog mich der Norm. Das wurde stets kommentiert. Heute noch fragen mich Kinder oft: „Bist du ein Junge oder ein Mädchen?“ Kurze Haare und mein non-konformes Verhalten stiften da manchmal Verwirrung. Macht nix! Ich war schon als Kind ein Lausbub!

Wo trittst Du auf, wann singst Du den Song?

>> Ich spiele den Song auf allen meinen Konzerten, die ich solo oder mit meiner Kapelle der guten Hoffnung spiele. Aber auch bei Workshops in Schulen oder Fortbildungen für Lehrerinnen und Erzieherinnen. Alle lieben dieses Lied.

 

Auch vor Leuten, die sehr auf Rosa stehen? Oder laden die Dich erst gar nicht ein?

>> Ich hatte noch nie negative Reaktionen auf das Lied. Es gibt auch Mädchen, die komplett rosa tragen und singend und tanzend ausrasten zu dem Song. Einmal standen zwei Freundinnnen vor der Bühne, die waren so 10 Jahre und die eine sagte: „Ich hasse rosa!“, und die andere rief ganz stolz: „Ich nicht!“

Mir geht es darum, den Kindern zu vermitteln, dass alles geht, dass sie sein dürfen, wie sie wollen, dass in dieser Welt „Platz für uns alle“ ist, so wie es mein anderer Song ROSA PARKS BIST DU einfordert. Wenn andere kommen, Fremde, Flüchtlinge, Menschen, die anders sind als wir, dann sollten wir keine Zäune bauen, sondern zusammenrutschen.

IMG_1538

Gab’s eine konkreten Moment, von dem Du erzählen magst?

>> Also ich liebe diesen Moment, wenn der Refrain einsetzt. Die Blicke, die Überraschung ist einfach zum Schreien schön. Manchmal sitzen Jungs im Publikum und ich sage meist vor dem Song: „Neulich hab ich Lilifee getroffen …“ Dann kommt schonmal ein: „Och nee …“ Aber dann gebe ich den Rat, erst abzuwarten bis zum Liedende und dann zu urteilen. Danach ist die Begeisterung immer groß, und auch Jungs singen begeistert mit.

Manchmal klopfen mir junge Mütter auf die Schulter und sagen: „Endlich, danke!!!“ Sie sind oft genervt von der rosa Klamottenfront, die ihnen beim Einkaufen gegenübersteht. Mädchen- und Jungs- Kleidung, ist doch Quatsch eigentlich. Manche Väter kaufen eins der T-Shirts mit dem „Ich hab die Schnauze voll von rosa“-Aufdruck für sich selbst.

Neulich kam ein kleines Mädchen und wollte wissen, ob ich Lilifee wirklich getroffen hätte. „So wirklich, wie es sie gibt!“, habe ich geantwortet, und sie hat wissend gelächelt.

 

Ist ‚Ich hab die Schnauze voll von rosa‘ überhaupt ein Kinderlied?

>> Eine gute Frage. Was ist ein Kinderlied? Was macht ein Lied zum Kinderlied? Ich glaube, dass es Kindern gefällt, dass sie sich damit identifizieren können oder dass es einfach nur witzig ist und zum Mitsingen einlädt. Das schafft meine Lilifee!

 

Vielen Dank an Suli Puschban mit Grüßen aus der Rosa-Hellblau-Falle :)

 

 

Der unterschätzte Kleinkram

Die größte Aufmerksamkeit im Themenkreis Rosa-Hellblau-Falle bekommen Nachrichten über sexistische Produkte, deren Geht-ja-sowas-von-gar-nicht-Level für ganz viele sehr hoch liegt. Aktuelles Beispiel aus meiner Timeline ist die Stellenanzeige einer Metzgerei mit einer Frau im Bikini, die eine (Rinder-?)Keule auf der Schulter trägt. – Nein, kommt nicht infrage, dass ich den Tweet hier einbette, ich finde gruselig genug, dass grade das Posten dieser sexistische Anzeige mir bald 200 Retweets beschert hat. Ein Trauerspiel, wenn ich bedenke, wieviele tolle, wertvolle, aussagekräfige, informative… Tweets ich doch sonst immer… ODER?!! Aber das ist trotzdem kein Beweis für ‚Sex sells‘, nur für höhere Aufmerksamkeit. Die führt nämlich noch lange nicht zum Kauf, sondern sorgt im Gegenteil dafür, dass Leute das Produkt selbst gar nicht wahrnehmen (Die Studie dazu und ein Artikel über dieselbe). Ob die Metzgerin nun durch die Anzeige eine neue Fleischfachverkäuferin gefunden hat, ist damit ja noch nicht raus.

Zurück zum unterschätzen Kleinkram. Heute früh ist @luebue über einen solchen gestolpert und hat ihn nicht unterschätzt, sondern in die Tonne gekloppt:

Genau das sind diese Zuschreibungen im Alltag von Kindern, die wir mit „Rosa-Hellblau-Falle“ meinen. Die sind klein und rutschen uns ganz oft durch im Alltag. Sie kommen nicht Schweinekeule schwingend daher und kündigen sich groß als Sexismus an, sondern reihen sich ein in die Menge der Botschaften, die wir und mehr noch unsere Kinder Tag für Tag aufnehmen darüber, wie mann so tickt und was frau so mag. Und am Ende des Tages finde ich die sehr viel übler, als eine einzelne Stellenanzeige. Deshalb habe ich den Käsetweet mit einem ? versehen und weiterverbreitet.

Nun habe ich auf Twitter seit der Schweinekeulen-Anzeige bestimmt 30 neue Follower. Sind sie alle über diesen Post zu mir gekommen? Dann hat das bestimmt bei manchen falsche Erwartungen geweckt.

Und genau darüber lässt sich streiten. Beziehungsweise prima diskutieren. Auch für den Fall, dass @LesTramms gar nichts von der Schweinekeule weiß und aus ganz anderen Gründen mehr erwartet hatte. Ich finde Käse mit der Aufschrift ‚Lieblingszicke‘ in der Brotdose meiner Kinder nicht banal. Denn ich weiß, dass sie im Lauf des Tages noch sehr viele solcher nach Geschlecht sortierten Botschaften aufschnappen werden. Wir essen zwar keine Herrenkonfiture mit Whiskey zum Frühstück (sonst auch nicht :), ich kaufe kein Feenmüsli und auch unsere Schuhe sind frei von Piraten und Prinzessinnen.

Aber an der Bushaltestelle, an der sie vorbeikommen, hängt eigentlich immer irgendein Plakat mit der Botschaft von einem „echten Kerl“ oder einer Bikinischönheit oder von Vätern und Salat und anderen Geschlechterklischees. Auch auf die Auswahl der Übungsblätter in der Schule habe ich keinen Einfluss. Und auf die Botschaften in der Bäckerei auch nicht.

Kinder bekommen den ganzen Tag über jede Menge, für sich gesehen banale Botschaften mit auf den Weg. Aber in der Summe formt sich so ihr Bild von Mann und Frau und davon, wie wir Erwachsenen, die wir Käse verpacken, Plakate gestalten, Schulbücher machen, Brötchen verkaufen… sie uns vorstellen. Nun kann ich mich entweder zurücklehnen und sagen: „Kann ich nicht ändern. So ist das eben, da müssen sie reinwachsen, früh übt sich [was ein ganzer Kerl werden möchte]!“ oder ich versuche wenigstens hier zuhause die eine oder andere Keule auszusortieren. Ich habe mich entschieden, (Käse-)Botschaften, mit deren Inhalt ich nicht einverstanden bin, nicht auch noch an meine Kinder weiterzureichen, denn ich bin nicht der Meinung, Mädchen seien nun mal ab und an zickig und Jungs liebten eben Hackfleisch-Plätzchen. Ja, das ist anstrengend und an schlechten Tagen nenne ich mich Sisyphus, aber hey, das bisschen Fels! ;-)

tumblr_o15uviwfHa1teuelqo1_1280

 

-> Und hier gehts zum Blogpost von @luebue in Sachen Zickenkäse; der ist wohl zeitgleich entstanden :)

Ich bin pessimistisch

Gibt es wirklich eine individuelle Wahlfreiheit jenseits von rosa und hellblau?

Alu vom grossekoepfe-Blog beschreibt in Ihren „Gedanken über gendergerechte Erziehung“ mit vielen Beispielen, wie sie im Alltag Wert darauf legt, ihren Kindern Spielzeug, Farben, Interessen nicht nur aus der Jungs- oder Mädchenschublade anzubieten, sondern dass ihre Kinder beide Welten zur Auswahl bekommen und selbst entscheiden können.

Auch wenn es nicht immer einfach ist, mit dieser Grundhaltung lebe auch ich am besten, und ich wünsche mir, meine Kinder mögen so selbstbewusst sein (oder  noch werden), dass sie „für sich“ selbst entscheiden können. Leider wird der elterliche Part mit dem „Entkräften“ immer schwieriger, je älter sie werden, je mehr Schubladen-Botschaften sie von außen erfahren. Sie sind jetzt 10, 12 und 14 Jahre alt, und die engen Regeln in Werbung, Schulbüchern, TV-Serien etc, wie Mädchen/Jungs zu sein haben, sind derart allgegenwärtig, manchmal fürchte ich, ich komme mit dem Starkmachen einfach nicht mehr hinterher. In manchen Bereichen gelingt es, in anderen muss ich leider zuschauen, dass sich eins gegen das eigene Fühlen/ den eigenen Geschmack/ die grade noch formulierte Position etc. entscheidet. Einfach deshalb, weil das, was die Freunde/Innen sagen, zunehmend mehr zählt, als das, was wir Eltern beim gemeinsamen Mittagessen grade noch über „freie Wahl“, „für alle da“, „Deine Entscheidung“, „ruhig mal >Nein< sagen“, „trotzdem Deine Freundin“ erklärt oder vorgelebt haben.

Ich finde auch, man kann Kindern ruhig Dinge zutrauen, die jenseits der rosa-hellblauen-Geschlechtergrenze verlaufen. Es gibt aus meiner Sicht überhaupt keinen Grund, den eigenen Sohn nicht im Kleid in die Kita zu lassen, wenn er das am Morgen selbst so entschieden hat. Auch dann, wenn er Gegenwind bekommen sollte, Kommentare, Hänseleien (Ist nicht geschehen, im Gegenteil, er wurde direkt ins Vater-Mutter-Kind-Spiel integriert), so bin ich überzeugt, es geht ihm besser, wenn er diese Reaktionen im schlechten Fall lieber selbst erfährt und mit meiner Hilfe lernen kann, damit umzugehen, als wenn ich die gemeinste Reaktion von allen vorwegnehme, nämlich ihm etwas verbiete, das ihm grade noch Freude bereitete. In vorauseilendem Gehorsam irgendwelchen gesellschaftlichen Regeln und Geschlechterklischees zuliebe? Warum sollte ich mir diese Regeln zu eigen machen? Ihm selbst den „So bist du falsch“ -Stempel verpassen, bevor die anderen die Gelegenheit dazu bekommen? Wie käme ich dazu? Deshalb habe ich mich über das Comic von Erzaehlmirnix gefreut, bringt es doch dieses Thema genau auf den Punkt:

Ich bin also durchaus dafür, Kindern Dinge zuzutrauen. Ich biete ihnen ungerührt Hosen aus egal welcher Abteilung an, Hauptsache sie passen. Ob Kleidung, Spielzeug, Sportarten, Musikinstrumente, Ferienkurse: ich meide überwiegend Angebote, die das eine oder andere Geschlecht von vorneherein ausschließen, ich mache nicht mit beim biologistischen Vorsortieren nur aufgrund des Geschlechts. Und wo es keine neutrale Variante gibt, versuche ich immer aus beiden Welten anzubieten. Doch was tun, wenn die Kinder selbst das Risiko, als „untypisch“ oder gar „falsch“ zu gelten, irgendwann nicht mehr eingehen wollen?

Ich bin pessimistisch und eine Gegnerin von Gendermarketing geworden, weil ich bei meinen eigenen Kinder beobachte, wie wichtig es für sie geworden ist, dem Urteil der eigenen Freunde/Innen stand halten zu können. Mit jedem Jahr in der weiterführenden Schule wird es noch wichtiger, dass die Kleidung, die Hobbies, die Musik, die Tasche, die Frisur dem entspricht, was „richtig“ ist. Optimistische Eltern mögen auf ihre Kinder blicken und sagen, mein Kind wählt das „Richtige“ für sich, ganz individuell, seinem/ihrem eigenen Wesen entsprechend. Ich schaue auf meine Kinder und sehe, dass sie zwar prima dazugehören, sie haben viele Freunde/Innen, werden mit als erstes ins Team gewählt, sind auf viele Geburtstage eingeladen. Toll. Und doch wünsche ich mir öfter mal ein Dagegenhalten, ein Ausscheren, ein Durchsetzen der Meinung, die sie grade unter der Tür noch vertreten haben. Damit das nicht missverstanden wird: Es geht mir nicht ums Anderssein aus Prinzip, ums Anecken als Wert an sich, sondern um die Momente, in denen der grade noch dagewesene Wunsch leise wieder verschwindet, weil er alleine steht. Und dann, angekommen in der Gruppe der Gleichgesinnten, sagen wir überzeugt: „Ich habe das ganz alleine >für mich< entschieden. Dass die anderen auch so wollen? Ja, da kann ich ja nichts dafür.“

Ich, die Spielverderberin in der Runde der Individualisten fragt sich deshalb: Was genau bedeutet denn „für mich“ entscheiden? Wo endet der individuelle Wunsch und wo geht er über in den Gruppenkonsens? Wie war das bei der Berufswahl, bei der Wohnzimmereinrichtung, wie ist das mit meinen Interessen? Ich nähe jetzt noch meinen neuen Rock fertig. Nähe ich Kleider, weil ich das „für mich“ als Freizeitbeschäftigung gewählt habe? Oder nähe ich, weil  …

Twitter-Gewitter (4) ganz in rosa

Wer hat Angst vor Rosa – Lila – Pink?

 

Wir wünschen ein schönes, buntes Jahresende

und alles Gute für 2016!

*ja, auch hier sind wieder total uralte Tweets mit dabei. Sie sind aber schön, passen zum Thema und sind inhaltlich (leider) bisher nicht veraltet. Beschwerden diesbezüglich werden jedoch gerne entgegengenommen und für Sie entsorgt ;)

 

 

 

 

   

 

 

 

Immer wieder staunen wir über den Nachdruck, mit dem die Behauptung „Rosa ist eben eine Mädchenfarbe“ in den Raum gestellt wird. Gerne mit wissenschaftlichem Nachweis: „also die Tochter meiner Nachbarin, die mochte von Anfang an Rosa, die konnte noch nicht mal laufen. Also, was soll da anerzogen sein?“ Dieses logische Gerüst hält auch dann stand, wenn ein Junge ganz offensichtlich Rosa mag – dem haben es die Eltern offenbar aufgezwungen, plötzlich ist „anerzogen“ doch eine Option.

 

Hat ein Kind eine rosa Brotdose und mag sie eines Tages nicht mehr, ist klar, dass die Mutter ihm die Farbe aufgedrängt haben muss. Dass er sie sich vielleicht selbst ausgesucht oder von der Schwester übernommen hat – undenkbar! Dass Jungen und Mädchen ganz unabhängig von ihrem Geschlecht die Farbe Rosa mögen oder eine andere bevorzugen könnten – abwegig! Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Mehr als schade!

 

Doch zum Glück geht es auch anders :)

 

Sohn Monets im rosa Kleid auf seinem Pferde-Dreirad, 1872.

Sohn Monets im rosa Kleid auf seinem Pferde-Dreirad, 1872.

 

 

 

———————-

In diesem Sinne wünschen wir allen gutes Gelingen beim Umschiffen der Rosa-Hellblau-Falle. Unser erster Termin im kommenden Jahr ist in Heilbronn, Anfang Februar sind wir in Salzburg und für April planen wir eine (Süd-)Bayern-Tour. Wer uns empfehlen möchte, findet oben im Menupunkt >Fortbildungen/Infoabend< mehr Informationen.

Mit dabei ab jetzt: Das rosa-hellblau-Team, Geschenk von @leanderbela :)

lego

Zu mädchenhaft? Twittergewitter!

Den Freund*innen des Gendermarketing, v.a. wenn sie selbst Kinder haben, sei diese Sammlung gewidmet. Eltern und ErzieherInnen, die davon überzeugt sind, Kinder „neutral“ zu behandeln, nehmen bestimmt auch die eine oder andere Anregung mit ;-)

Sie sei auch jenen gewidmet, die für eine spezielle, „artgerechte Haltung“ von Jungs plädieren (als wären sie Hühner. Anm d. Verf.) und Glaubenssätze nach dem Motto „Boys will be boys“ vertreten, anstatt unser verallgemeinerndes, einengendes Bild vom „echten Mann“ infrage zu stellen.

Die Häufung dürfte deutlich machen, wie oft Kinder als „falsch“ abstempelt werden, wenn sie sich anders entscheiden, als es die Rosa-Hellblau-Falle der Erwachsenenwelt für sie vorgesehen hat.

Als Ergänzung: vor kurzem gab’s *hier* die Sammlung rund um das rosa Ü-Ei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  ———————  

In diesem Sinne,

 

mit herzlichen Grüßen aus der #RosaHellblauFalle :-)

 

Ü-Ei – Twittergewitter

Das Ü-Ei, genauer: das rosa Überraschungsei birgt Diskussionsstoff, wie kaum ein Ding sonst in der Gendermarketingdebatte. Wir dachten ja, der Streit darum hätte sich längst gelegt oder sei überholt von anderen rosa-hellblauen Lebensmitteln, wie Pombären, Senf, Chips oder Hähnchenschnitzel. Es gibt ja inzwischen kein Produkt mehr ohne Einteilung in Rosa und Hellblau – falls doch, wurde garantiert schon darüber nachgedacht, ob nicht auch dort durch Zweiteilung der Umsatz gesteigert werden könnte. Sich mit den Pro und Cons rosageblümter Ü-Eier zu beschäftigen sei „Luxusfeminismus“ der Reichen. Dabei funktioniert das Ü-Ei ja nur als Platzhalter für jede andere Ware, die mit extra Label „für Mädchen“ beworben wird. Das „Mädchen-Ei“ kam 2012 auf den Markt und im Vergleich zu anderen Werbeideen des Gendermarketing erhielt es überdurchschnittlich große Aufmerksamkeit. Und bis heute ist es der Klassiker des Gendermarketing und löst immer wieder Eltern-Kind-Szenen an der Kasse aus. Deshalb lohnt sich so ein Twitter-Sammelpost nach 3 Jahren rosa Ei-Angebot doch.

 

Ferrero selbst argumentierte in seiner Presseerklärung folgendermaßen:

Üeiklein„Erkenntnisse der Markforschung inspirierten Kinder Überraschung dazu. Die besagen, dass sich Mädchen heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken lassen. Pink und Ponyhof ist ihnen genau so wichtig, wie Fußball und Frauenpower. Eigene Erhebungen haben diesen Trend bestätigt. Ob Blumen-Ringe oder bunte Armbänder mit Tiermotiven – das Basissortiment des Mädchen-Eies hält genauso klassische „Mädchensachen“ bereit, wie auch aktivierende Spielzeuge zum Werfen, Spielen und Malen, Puzzeln und Basteln. Genau die Vielfalt also, die sich die Mädchen von heute wünschen. Und genau die Bandbreite, die Mädchen mädchengerecht anspricht und deren Individualität fördert.“



Kurz:

Wir haben herausgefunden, dass Mädchen Vielfalt wünschen und sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Deshalb bieten wir ihnen Schmuck und Tiermotive und stecken sie in eine Schublade.

winx Ist es nicht trotzdem harmlos? Das „normale“ Ü-Ei ist ja weiterhin für alle da? Rosa Eier beinhalten Blümchenschmuck, dünne Püppchen und kleine Tiere. „Würde ein Junge […] einen solchen Inhalt bekommen, wäre er wahrscheinlich enttäuscht“ erklärt Ferrero Menschen, die sich gegen die Mädchen-Version aussprechen und steckt Jungs somit in die andere Schublade.

„Kann doch jeder selbst entscheiden, wer’s nicht mag, muss es ja nicht kaufen“ – das häufigste Pro-Argument. Wer so denkt, hat vielleicht Kinder nicht im Blick gehabt? Und nicht bedacht, dass sie keine pubertierenden Jugendlichen sind, für die Abgrenzung und Anderssein eine Rolle spielen mag. Kinder wollen dazugehören, sie haben beim Schokoladekauf kein Interesse daran, sich über irgendwelche Grenzen hinwegzusetzen: „Ich gehe in die zweite Klasse, bekomme 1,-€ Taschengeld die Woche und, hey, dafür kaufe ich mir jetzt ein Mädchen-Ei, der Papa wird schon sehn!“ ??
Bildschirmfoto 2015-10-20 um 09.19.52


Das Label „Für Mädchen“ ist also nichts, was ein Kind einfach irgnorieren könnte, dafür sorgen spätestens die umstehenden Erwachsenen. Abgesehen davon ist auch bewusstes Dagegen-Handeln eine Reaktion auf bestehende Regeln, also keine freie Entscheidung. Deshalb sprechen zwei wesentliche Gründe gegen das „für Mädchen“-Label: ein rosa Etikett schließt 1. Jungs aus (Antje Schrupp hat dazu schon ausführlicher geschrieben) und 2. weist es Mädchen Themenbereiche zu (Schönheit, Mode, kleine Tiere…), die immer wieder klischeehaft als Mädcheninteressen reproduziert werden. Auch auf Twitter zeigt sich, dass das Ei polarisiert. Die einen finden’s prima zu wissen, dass die Chancen auf eine Ponyfigur damit größer sind – nicht mehr, nicht weniger. Doch manche werden aggressiv, wagt jemand, das Maketingkonzept infrage zu stellen:

Über Logos, Etiketten und Labels, über Zugehörigkeit und Fremdgruppenhomogenitätseffekt werden ganze Bücher geschrieben, über die (unterbewusste) Wirkung von Werbung auf unser Handeln und Denken, über Zuschreibungen, Klischees und Vorurteile… Toll, wieviele Themen in so einem kleinen Ei stecken ;) Und dann wieder sind 140 Zeichen doch ausreichend, um zu zeigen: Das rosa Ü-Ei (als Vertreter des Gendermarketing insgesamt) ist blöd. Es steckt Kinder in Schubladen und schränkt sie ein. Übertrieben? Verfolgungswahn? Liest sich nicht so:

 

 

Bild-Quelle

Fazit aus all diesen Einkaufsszenen: Mädchen können in aller Regel beide Varianten kaufen, Eltern kommen damit klar, Kinder auch. Aber Jungs dürfen nur selten ein rosa Mädchen-Ei kaufen, weil sich sehr viele Eltern vom rosa Label in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen und die Einschränkung an ihre Kinder weitergeben. Botschaft für viele Kinder: „Wenn du das magst, bist du irgenwie falsch.“ Etwas wortreicher und emotionaler erklärt das coldmirror in ihrem Video mit Kissen :)


—————

Schreibt uns Eure Meinung zum und Erlebnisse mit Gendermarketing, wie geht Ihr mit dem rosa-hellblauen Angebot um, v.a. im Alltag mit Kindern?

Buch-Rückseite-Nuf

Rückblick und Wiedereinstieg

Schöne Sommergrüße aus der Wort & Klang Küche!

Hier in NRW gehen die Ferien schon zu Ende und wir jonglieren die Übergangsphase: die Eltern müssen wieder arbeiten, die Kinder haben noch frei (ok, vor 1 Woche begonnen, heute erst gepostet). Da ist es sehr praktisch und zugleich ein organisatorisches Unding, dass wir das Büro im Haus haben. Wenn wir das Abendessen ans Rheinufer verlegen, Feuer machen und grillen, die Kinder länger aufbleiben dürfen, dann fällt dafür die abendliche Bürozeit weg, die uns sonst im Alltag oft rettet, wenn eine Deadline naht. Und wenn der Eiswagen sich schon mittags um zwölf mit dem „Für Elise“-Motiv ankündigt, weiß ich, ich kann den Stift weglegen, denn gleich kommt eins der Kinder ins Büro gerannt und braucht dringend Kleingeld, und überhaupt will ich auch ein Eis …

Bildschirmfoto 2015-08-17 um 12.30.16

Links: Lidl-Plakat in Schottland fotografiert, Rechts: deutscher Prospekt

Die Rosa-Hellblau-Falle ließ uns natürlich auch im Urlaub nicht los: auch in Schottland sortiert z.B. Lidl sein Angebot nach Farben und Motiven, aber immerhin steht daneben, alles sei „for kids“. Im Unterschied zu Deutschland, wo im selben Zeitraum dieselben Shirts an „süße Kätzchen“ und „starke Helden“ verkauft wurden. Warum?

Okay, vielleicht hat meine Ferienlektüre (–> 3 Buchtipps) mit dazu beigetragen, dass uns das Thema auch in der schottischen Einöde von Wanderstiefeln und Regenjacken begleitet hat.

 

Felix übt einparken…

Im Briefkasten lag nach dem Urlaub das neue Geolino. Auf der Rückseite übt Papa einparken mit Felix: „Gut gemacht, Papa! – Typisch Felix“ – Damit wir nicht auf die Idee kommen, Papa übe mit der Tochter? (Oder weil Mutter und Tochter erstens gar nicht üben müssen, um gut einzuparken und zweitens schon gar keine Einparkhilfe brauchen, die hier beworben wird? :-) Klischees auf der Rückseite einer Kinderzeitschrift, typische Rosa-Hellblau-Falle des Alltags. Die unauffällige Variante, kaum jemand wird sich daran stören, und doch wundern wir uns über das hartnäckige Vorurteil, Frauen könnten nicht einparken. Tatsache ist ja: Frauen können nur dann nicht einparken, wenn sie meinen, sie könnten es nicht. Klassischer Fall des Stereotype Threat: Vorurteile beeinflussen unser Verhalten. Und wenn wir sie ihm Unterbewusstsein mit uns tragen, wir ihnen aber nicht entsprechen wollen, dann kostet das Energie und wir machen fehler. Es ist also völlig unnötig, Kinder auf diese Weise fehl zu „informieren“, und so der nächsten Generation unsere hierarchischen Klischees mit auf den Weg zu geben. Auch wenn es von den MacherInnen (so vermute ich, weil Déjà-vu) lustig gemeint war. IMG_0329    

#rosahellblaufalle

Wieder in Bonn und mit Zugriff auf Facebook entdeckten wir das Foto von Luisa auf den Seiten von Wer braucht Feminismus. Sie sagt „Ich brauche Feminismus, weil kein Kind in der #RosahellblauFalle feststecken soll“. Wir haben uns gefreut, unseren Hashtag hier wiederzusehen und sind absolut Luisas Meinung. Die Kommentare unter ihrem Bild machen dagegen wieder deutlich, wie schnell Menschen bereit sind, etwas abzulehnen, ohne sich mit den Hintergründen auseinandergesetzt zu haben oder, wie in diesem Fall, allein aufgrund eines Wortes, eines Hashtags, nach dessen Bedeutung sie sich nicht weiter erkundigt haben. Schade. luisa   Ähnliches haben wir in Wolfsburg erlebt, als wir im Juli im Elternforum der Autostadt einen Vortag zur Rosa-Hellblau-Falle hielten. Ein Vater fand unsere Haltung völlig übertrieben, die Welt sei besser, als wir sie darstellten, er habe schließlich drei Söhne und könne absolut nicht nachempfinden, was wir da erzählten. Sein Motto: „Das Problem, das Ihr beschreibt, kenne ich aus meinem Alltag nicht, also ist es auch keins.“ Am selben Abend im Hotel sind wir durch die Fernsehkanäle gezappt. Zuhause haben wir keinen Fernseher, und Hotelübernachtungen sind immer wieder eine klasse Gelegenheit, sich die Bestätigung dafür zu holen. Auf Kika lief was mit Mädchen und Pferden. Eine war zickig, da haben sie die anderen aus ihrem Kreis ausgeschlossen und waren auch zickig. Oder so. Fortsetzung folgt. Aber ohne uns. tv   Anderswo in Deutschland hat ein Kind ein klasse Taufgeschenk bekommen, inklusive Rosa-Hellblau-Falle für die Eltern. Da freuen wir uns gleich mit :)

CLWOttYWUAA3Pd5

Die nächste Radiosendung

Nachdem wir jetzt zu unseren geregelten Bürozeiten zurückgekehrt sind, ist neben anderen Projekten die Produktion unserer nächsten Radiosendung dran: „Im Rosa-Bann“. Der Sendetermin auf SWR2 ist am 1.Oktober 2015 und es geht darin um eine Familie mit zwei Kindern. Sie sprechen über ihre Erfahrungen, die sie im Kindergarten gemacht haben, als ihr Sohn für seine Lieblingsfarbe Rosa ausgelacht wurde, oder als eine eigene Mädchenecke eingerichtet wurde (zum Schutz vor den wilden Jungs!), so dass ihr Sohn von da an keinen Zugang mehr zum Puppenhaus hatte.

 

Interviewpartner*in gesucht

Hier noch ein Aufruf mit der Bitte um Weiterleitung. Wir suchen noch Gesprächspartner*innen für ein Radiofeature und sind dankbar für Kontakte. (Klick auf den Brief führt zum pdf-Download):

Hier nochmal der Text mit den genauen Infos auf unserem Radioblog.

Oder gerne auch als Retweet auf Twitter oder via Facebook:

 ———————–

Slam

Den Abschluss dieser Sammlung macht das Video eines grandiosen Slam-Auftritts, mit dem wir gerne wieder in den Alltag einsteigen. Wir wünschen allen weiterhin einen schönen Sommer, mit oder ohne Ferien, so oder so mit möglichst wenigen rosa-hellblauen Zuschreibungen:

 

 

Wander-Bingo für Kinder

P.S.

Ein Mitgebsel zum Schluss, völlig ohne Rosa-Hellblau: Ein selbstgemachtes „Wander-Bingo“, das wir jetzt schon im vierten Jahr bei Wanderungen mit Kindern nutzen. Bleistifte mitnehmen und jedem Kind einen A6 Zettel geben: Alle Dinge, die es unterwegs sieht, darf es auf dem Blatt einkreisen. (Wir machen öfter Wanderungen mit mehreren Familien, und die Kinder finden sich dann schnell zu zweit, zu dritt zusammen und sind plötzlich mit offeneren Augen unterwegs.) Wer Lust hat, das auszuprobieren: ein Klick aufs Bild führt zur jpg-Version zum Ausdrucken. Viel Spaß!

WanderBingo

Das Rollenangebot des Gendermarketing

„Es sind doch nur Farben!“

Wirklich?

 

Berufsangebote für Jungen:GenderSuppe

  • Bergsteiger
  • Mathematiker
  • Wissenschaftler
  • Feuerwehrmann
  • Rennfahrer
  • Handwerker
  • Pirat
  • Fußballer
  • Sieger

 

Bettwäsche-tchibound für Mädchen:

  • Ballerina
  • Fee
  • Prinzessin
  • Prinzessin
  • Prinzessin
  • Prinzessin
  • Prinzessin

 

 

Bildschirmfoto 2015-01-16 um 18.49.35 Bildschirmfoto 2015-01-16 um 18.49.22

enhanced-buzz-15915-1390594577-0

ikea03

ikea01

BadezusatzPiratenFee

shampoo2

Mit ca. 10, 11 Jahren nehmen Kinder zum ersten Mal am Girls‘ Day bzw. Boy’s Day teil…

Viel Freude bei der Berufswahl!

„Ein bisschen gleich ist nicht genug“

Der Gastbeitrag ist dieses Mal von Anke Domscheit-Berg. Sie ist Publizistin, Unternehmerin und Netzaktivistin mit den Schwerpunkten digitale Gesellschaft, Open Government und Geschlechtergerechtigkeit. 2015 erschien ihr zweites Buch: “Ein bisschen gleich ist nicht genug! Warum wir von Geschlechtergerechtigkeit noch weit entfernt sind”

Überall kriegt ein kleines Kind heute verklickert, was zu seinem Geschlecht gehört und was nicht. Und Kinder wollen Erwartungen erfüllen. Das heißt, sie wünschen sich tendenziell eher Dinge, von denen sie glauben, die passen zu ihnen und führen zu Akzeptanz in der Gruppe und nicht zu Ablehnung. Und Eltern wollen auch nicht nach Hause kommen mit einem Geschenk, bei dem das Kind eine lange Nase zieht und sagt: „Ich wollte was ganz Anderes haben.“ Das heißt, man erfüllt als Eltern Erwartungen, die Kinder haben, die sie aber von ihrer sozialen Umwelt quasi eingetrichtert bekamen. Und selbst, wenn man diese Effekte als Elternteile, Patentanten und -onkel oder Großeltern ignorieren will – wer in den Laden geht und versucht, heute etwas Anderes zu kaufen, der oder die hat es extrem schwer. Ich kann kaum Mädchenkleidung finden, die neutral ist, die kein schickimicki Gedöns drauf hat und nicht nach Prinzessin aussehen will. In der Spielzeugabteilung das Gleiche. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, aber es ist mit einem bestimmt fünf- bis zehnfachen Aufwand verbunden, alternative Dinge zu kaufen. Und diese beiden Effekte wirken wie eine Klammer: die eine Hälfte erzeugt die Nachfrage, die andere ist das extrem einseitige Angebot. Das ist ein sehr fataler Teufelskreislauf, der sich selbst verschärft.

 Außer Rosa noch nichts gesehen

 Als ich für meinen Sohn vor 14 Jahren einen Kinderwagen und Wickelutensilien gekauft habe, gab’s das vor allem in sehr praktischen Farben. Gerade Kinderwagen waren in der Regel irgendwie dunkelbunt, weil sie ja schnell dreckig werden. Es gab weder rosa Wickelsets noch rosa Kinderwagen. Wenn man heute in die gleiche Ladenabteilung geht, da findet sich das alles komplett gegendert: vom Windelset übers Fütterset bis zu diesen Bammelspielchen, die zum Spielen am Kinderwagen hängen. Und dann wird einem bei einem dreijährigen Mädchen erzählt, dass es Rosa halt schon immer gemocht hat, dabei hat es außer Rosa in seiner unmittelbaren Umgebung ja schon als Baby fast nichts Anderes gesehen! Vielleicht ein bisschen himmelblau am Himmel und ein bisschen grün an den Bäumen, aber alles was mit ihm selbst assoziiert wurde, war meistens irgendwie rosa. Und das hat für mich dann mit Freiheit oder Präferenzen gar nichts mehr zu tun, weil ein so geprägtes Kind gar nicht heraus finden kann, welche Farben ihm oder ihr gefallen.

 Ethischer Algorithmus

 Warum müssen Holzeisenbahnen mit Jungs assoziiert werden? Warum sollte ein kleines Mädchen damit nicht spielen? Es gibt keinen Grund dafür. Ich kann mir Gründe vorstellen, warum man Tampons unter „Frau“ einsortiert, aber zu Bauklötzchen und Holzeisenbahn fällt mir da kein Grund ein. Das ist doch eine unzulässige Einschränkung für Kinder! Da werden zum Beispiel in Online-Shops Filter eingebaut, wo gar keine hingehören. Da fängt für mich die Diskussion um die Ethik von Algorithmen an, denn diese Filter sind stark zu hinterfragen: an welchen Stellen machen sie Sinn beziehungsweise, wo schränken sie Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder ein? Diese stereotypen Zuschreibungen zeigen sich ja nicht nur im Spielzeugangebot, sondern in allem, was Kinder oder Heranwachsende umgibt, Erwachsene natürlich auch. Ob das Videospielzeuge sind oder Hollywood-Filme, Schulbücher oder Werbungen in Zeitschiften. Das ist eine massive Prägung, von der ich glaube, dass sie schlicht eine Folge des Kapitalismus ist, einer Marktgesellschaft, die einfach um jeden Preis versucht, immer noch mehr zu verkaufen, denn wir sind ja eine Gesellschaft, die davon ausgeht, dass Wirtschaft immer irgendwie wachsen muss – was schon aus vielen anderen Gründen ein bescheuertes Konzept ist.

 Corporate Social Responsibility

 Dabei können wir es uns gar nicht leisten, dass die Einen sich kaum mit Mathe befassen, weil ihnen eingeredet wird, sie seien dafür zu doof. Oder dass andere sich mit bestimmten sozialen Fragen weniger befassen, weil sie denken, „Pflegearbeit ist uncool“. Das ist nicht nachhaltig als Gesellschaft und es beschränkt individuelle Entfaltungsmöglichkeiten. Man redet ja oft von diesem hohen Begriff „Corporate Social Responsibility“, also der Verantwortung, die Unternehmen in der Gesellschaft haben. Meistens meint man damit, man ist ein bisschen umweltfreundlicher, sponsert einen lokalen Sportverein oder kauft vielleicht ein Kunstwerk von einem prekären Künstler an. Eigentlich müsste diese Verantwortung aber viel weiter gehen, denn Unternehmen prägen, sie gestalten die Gesellschaft mit. Deshalb sollte zur „Corporate Social Responsibility“ auch die Frage gehören: mache ich mit dem, was ich als Unternehmen produziere und wie ich darüber kommuniziere, die Gesellschaft besser oder mache ich sie schlechter? Und die meisten Unternehmen entscheiden sich aktiv dafür, sie schlechter zu machen, nur weil ihnen das mehr Profit bringt. Denn dieses Thema ist keines, bei dem man sagen kann: „Ich bleibe neutral“, das gibt es nicht, für eine Seite muss man sich entscheiden.

Anke Domscheit-Berg Foto: CC-BY Julia Tham (www.foto-tham.de)

Anke Domscheit-Berg
Foto: CC-BY Julia Tham (www.foto-tham.de)

 

 

6 Fragen an Anke Domscheit-Berg:

Für unser Radiofeature im Deutschlandfunk ‚Die Rosa-Hellblau-Falle. Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen‚ haben wir allen Teilnehmenden im Anschluss an die Interviews dieselben sechs Fragen gestellt und Ausschnitte davon ins Feature eingebaut. Die Antworten von Anke Domscheit-Berg auf die sechs Fragen hier in voller Länge:

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann wärst:

Also für mich wären extrem viele Dinge anders. Ich bin ja DDR-sozialisiert und groß geworden mit einer Vorstellung, dass zum Beispiel arbeiten und Kinder haben keinerlei Widerspruch ist. Als ich dann aber bei einem westdeutschen Unternehmen arbeitete und ein Kind hatte, dann war das auf ein Mal ein Problem. Meine Umwelt erwartete von mir, dass ich zu Hause bleibe, jedenfalls nicht mehr Unternehmensberaterin auf Projekten bin. Und der Vater meines Kindes hat bei der gleichen Firma, im gleichen Job gearbeitet, für den hat sich in dem Punkt nichts verändert. Und das war für mich deshalb so eine extrem überraschende Erkenntnis, weil das mit meiner DDR-Erfahrung überhaupt nicht zusammen ging, und ich kannte weder Begriffe wie „gläserne Decke“ noch wie „Rabenmutter“, die hatte ich weder gehört, noch habe ich das Konzept verstanden. Und das, glaube ich, hätte ich als Mann ja einfach gar nicht mitgekriegt, sondern dann hätte ich genau mein Leben so weiter gelebt wie der Vater meines Kindes, der Montag bis Freitag auf Dienstreise war, und am Wochenende war er halt dann mal da. Nie hat ihn einer gefragt: „Wer kümmert sich denn um Dein Kind“ oder „Wie machst Du das denn mit der Familie?“. Und vielleicht hätte ich das als Mann ja auch so gemacht und genau wie er schneller Karriere gemacht, mehr Geld verdient, mehr Rentenbeiträge eingezahlt und würde jetzt viel mehr Geld haben, selbst als Oma noch. Vielleicht (das hoffe ich natürlich) hätte ich mir die Arbeit auch mit der Mutter des Kindes geteilt – aber selbst dann wäre es nur noch die halbe Belastung gewesen im Vergleich zu dem, wie ich es als Frau erlebt habe.

 

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist?

Ich war ja 15 Jahre in der Industrie und auch in Führungspositionen, und das ist tatsächlich so, dass man als Frau eine extrem schwierige Gradwanderung zu bewältigen hat. Denn einerseits erwartet man von einer Führungsperson bestimmte Verhaltungsweisen, die in der Regel identisch sind, mit dem, was man von einem typischen männlichen Mann erwartet, die man aber nicht mit Weiblichkeit verbindet. Das heißt, ich verletze als Frau immer ein Stereotyp, entweder das, das man mit Managern assoziiert oder das, was man mit Weiblichkeit assoziiert. Ich kann mir jetzt aussuchen welches. Also entweder bin ich Weichei-Managerin und dann eigentlich nicht führungsstark oder aber bin ich halt so eine eiserne Lady und dann aber total unweiblich. Es gibt grenzenlos wissenschaftliche Forschung dazu, die aufzeigt, dass man, wenn man sich führungsstark verhält als Frau, einfach nicht gemocht wird. Man wird abgelehnt, von Kollegen, von Vorgesetzen, und persönliche, menschliche Ablehnung führt auch zu einer Einschränkung bei weiteren Karriereentwicklungen. Viele Frauen können diese Geschichten erzählen, dass sie entweder den „Mäuschen“-Vorwurf kriegen oder den „aggressiv und karrieregeil“-Vorwurf kriegen – dazwischen gibt’s fast nichts. Diese Art der Gratwanderung war mir oft durchaus bewusst, wenn ich genau überlegte, wie ich auftrete und welche Formulierungen ich benutze, um eine gewisse Balance zu erreichen, weder zu unweiblich noch zu dominant rüberzukommen. Das ist ein beschissenes Spiel, aber als Frau hat man oft keine andere Wahl. Ich habe Männer oft darum beneidet, diese Art von Rücksicht nicht üben zu müssen, da es bei ihnen keinen Widerspruch zwischen stereotyper Männlichkeit und Managementkompetenz gibt.

 

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du eine Frau bist:

Mir fallen ganz viele Dinge ein, aber es sind eigentlich eher traurige Dinge, weil es Freiheit einschränkende Dinge sind. Also ich würde nicht nachts durch irgendwelche Parks gehen, ich würde beliebige Umwege in Kauf nehmen oder Taxi-Geld verschwenden, auch wenn ich eigentlich prima hätte laufen können, ich würd’s einfach nicht tun aus Angst. Ich gehe durch bestimmte Unterführungen nicht. Ich gehe niemals mit lauten Kopfhörern mit Musik irgendwo im Dunkeln lang, weil ich dann nicht höre, wenn mir einer hinterher kommt. Ich habe dann immer die Lauscher ganz weit offen, um das mitzukriegen. Ich würde nicht (mehr) trampen. So gibt’s ganz, ganz viele Dinge. Ja, ich weiß, nicht alle Männer machen schlimme Sachen, ich weiß aber auch, dass zu viele Männer für zu viele Frauen gefährlich sind und dass ich versuchen muss, für mich das Risiko zu minimieren, auch wenn ich weiß, dass es nicht meine Schuld ist. Man sieht auch keinem Mann an, wie gefährlich er werden kann. Und ich habe selber schlechte Erfahrungen gesammelt diverser Art, das ist also eine ganz reale Gefahr, die ist nicht bloß Theorie, das wird durch gruselige Statistiken ja auch jedes Jahr neu bestätigt.

 

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Ich habe mehrere sehr unschöne Erfahrungen auch mit direkter Diskriminierung in unterschiedlichen Arbeitsplätzen gehabt, unter anderem auch als IT-Projektleiterin, wo mir immer wieder suggeriert wurde, teilweise auch von Kunden, IT-Leitern, die mich noch nicht kannten, die dann so Panik äußerten, wenn ich angekündigt wurde als neue Projektleiterin, und meinten: „Kann die das überhaupt? Das ist doch eine Frau.“ und „Da sind doch nur Jungs oder Männer im Team, und da geht’s um X-Millionen Euro IT-Einkauf im Jahr, da darf doch nichts schief gehen.“ Und nach ein paar Wochen mich testen, wo ich dann so fachliche Sachen gefragt wurde, wie in kleinen Prüfungen, hießt es dann halt irgendwann: „Joa, die kann das ja doch und alles wieder gut. Wir sind ja jetzt entspannt.“ Aber ich habe das die ganze Zeit gespürt! Auf jedem neuen Projekt kam immer dieses subtile: „die kann das eigentlich nicht; die gehört hier eigentlich nicht hin“. Und das hat mich in meiner Arbeit behindert, weil es mir Stress verursacht hat, es hat mich unter Druck gesetzt, mir Angst gemacht hat und hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich nach 15 Jahren IT-Industrie neben anderen Gründen gesagt habe: ich will mir das einfach nicht mehr antun.

Krass fand ich auch, als mein Kind 6 Monate alt war und ich wieder arbeiten wollte. Und da hörte ich wirklich dieses: „Was?! Du willst schon wieder arbeiten?! DAS ARME KIND! Wozu braucht eine Mutter denn Karriere, wenn sie ein Kind hat?“ Ich kriegte so etwas von Vorgesetzen ins Gesicht gesagt, aber auch Arbeitskollegen waren da recht unverblümt.

 

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen zu gehören:

Als ich mal ein halbes Jahr vorher Urlaub beantragt habe für den Geburtstag meines Sohnes, weil mir das wichtig war, sagte mir mein Chef: „Naja, so als Muttertier sei das ja ok, aber für ihn komme das nicht in Frage, er hätte 3 Kinder, da müsse er ja drei Mal im Jahr Urlaub nehmen, wo käme man denn da hin, ne?“ Wo ich noch dachte, okay, jetzt ist das Klischee zwar zu meinem Vorteil, aber was für eine arme Gesellschaft…

 

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Hm, diese Frage ist verdammt schwer. Ich wollte erst „Sport“ antworten, aber das stimmt ja nicht. Wer einmal 20 Sekunden über Männer- und Frauenfußball nachdenkt oder wie Frauen und Männer in Fitnesscentern unterschiedlich angeschaut werden, merkt schnell, dass auch da das Geschlecht eine Rolle spielt. Beim Filme schauen? Da fällt mir dann Game of Thrones ein, eine Serie, in der viele Vergewaltigungsszenen vorkommen, die vermutlich auch von Frauen anders rezipiert werden als von Männern. Vielleicht Spaghetti kochen… außer man stellt sich ein größeres Spaghetti-Kochen im Freundeskreis vor, wo nach dem Essen auf magische Weise eine Geschlechterteilung entsteht, bei der mehrheitlich oder ausschließlich Frauen den Tisch abräumen und Ordnung wieder herstellen… Für spezifische Situationen wäre das einfacher, bei uns zuhause hat das Geschlecht zum Beispiel auf Hausarbeit keine Auswirkungen, es hängt bei uns nur von zufälligen Anwesenheiten und Zeitverfügbarkeiten ab, wer die Spüle ausräumt, Müll wegbringt oder Essen kocht und das hält sich ungefähr die Waage. Mir fällt aber tatsächlich keine generische Situation ein, in der Geschlecht prinzipiell keine Rolle spielt. Leider, denn ich wünschte mir, diese Kategorie würde nicht in allen Bereichen so wichtig genommen.

 

——————–

 

Anm. von Sascha und Almut:

Diese 6 Fragen wollen wir zum Anlass nehmen für ein Blogstöckchen:

Mehr dazu hier …

IIiiihh, Mädchen!

„Lass doch die Kinder selbst entscheiden“ ist ein beliebtes Argument, wenn wir das Konzept des Gendermarketing kritisieren. Was wir für eine naive Herangehensweise halten vor dem Hintergrund, dass allein die deutschen Firmen insgesamt mehr als 60 Millionen Euro jedes Jahr in ihr Marketing investieren. Das würden sie sicher nicht, blieben wir Kundinnen und Kunden davon unbeeinflusst. Zwischen 3.000 und 5.000 Werbebotschaften drängen sich tagtäglich in unser Bewusstsein, eine fortwährende Bilder- und Informationsflut, die nur dem einen Zweck dient, Wünsche und vermeintliche Bedürfnisse zu wecken und unsere (Konsum-)Entscheidungen zu beeinflussen: Bereits Kleinkinder können 300 bis 400 Markenlogos zielsicher zuordnen.

Die Botschaft des Gendermarketing (Männer und Frauen unterscheiden sich angeblich grundsätzlich, Jungen und Mädchen hätten völlig unterschiedliche Bedürfnisse…) erreichen also auch Kinder. Unsere These deshalb: Gendermarketing trägt zu einer stärkeren Geschlechtertrennung bei, es führt die nächste Generation zu weniger Miteinander im Alltag, zu weniger gegenseitem Verstehen, zu mehr Grabenkämpfen.

Übertrieben? Schwarzmalerei?

In unseren Interviews für die Rosa-Hellblau-Falle haben wir von mehreren Marketingvertretern erfahren, dass sie sich für ihre Werbung und Verpackungsdesigns auf Umfragen stützen, denen zufolge Produkte, die sich an beide Geschlechter richten, am besten mit Mädchen und Jungen bebildert werden. Klingt soweit ganz logisch. Und Produkte, die mit Abbildungen von Jungen beworben werden, werden durchaus auch von und für Mädchen gekauft. Richtet sich ein Produkt jedoch an Jungen, dann sollten keine Mädchen darauf abgebildet sein, denn dann sagen Jungen angeblich: „Iiiih, da sind Mädchen drauf“ bzw. Eltern und Großeltern vermuten das, und entscheiden sich in aller Regel gegen den Kauf. Diese Aussage und die Tatsache, dass „Du Mädchen“ sogar als Schimpfwort unter Kindern funktioniert, verbirgt eine so intolerante Haltung, dass wir nicht glauben können, dass sich ihr kaum jemand öffentlich entgegenstellt. Das Gegenteil ist der Fall:

DSCN5650

Auf den Verpackungskisten von Spielzeug, das die Hersteller in der hellblauen Kategorie sehen, z.B. Experimentierkästen (sofern sie sich nicht in der Pink-Edition extra an Mädchen richten) oder Bausätze, wie die der Reihe Lego City, sind Jungs abgebildet, die mit dem jeweiligen Inhalt der Verpackung beschäftigt sind, Mädchen finden sich darauf keine.

 

Mehr noch: Weibliche Charaktere werden auf einer ganzen Reihe von Merchandising-Produkten (Bettwäsche, Taschen, Spielzeug…) einfach weggelassen. Aktuelles Beispiel ist die Superheldengruppe Big Hero 6 aus dem Disney-Film Baymax: die beiden weiblichen Figuren, Honey Lemon und GoGo Tomago, kommen einfach nicht mit auf Kinder-Shirts. Eine Mutter aus Washington, die sich darüber beim Hersteller beschwerte, bekam die Antwort:Big-Hero-6-550x296

Since this is geared toward boys, we chose to focus either on the main characters (in this case Baymax and Hiro), or on just the boy characters.  We have found boys do not want girl characters on their things (eeeww girls! Yuck! Haha).

„Wir haben herausgefunden, dass Jungen keine Mädchen-Charaktere auf ihren Sachen wollen – iiih, Mädchen! Igitt! Haha“

Wie bitte ???

a) Wollen wir die Aussage infrage stellen: wie war wohl das Setting der Umfrage, die zu diesem Ergebnis führte?
b) Und sollte tatsächlich die Mehrheit der Jungen so denken, dann stellt sich die Frage nach den Verursachern, die in der Erwachsenenwelt zu finden sein sollten.
Diese hat die dringende Aufgabe, eine solche Haltung nicht weiter zu fördern, sondern mit allen Mitteln Kinder darin zu unterstützen, aus dieser Denkfalle herauszukommen! Wie soll Miteinander funktionieren, wenn die eine Hälfte von der anderen sagt: „IIiiih, will ich nichts mit zu tun haben“, „Iiih, bloß kein Rosa, das ist ne Mädchenfarbe“, „Hihihi, der Jasper spielt mit Puppen, das ist doch was für Mädchen“?

Damit kein Misverständnis entsteht: es mag sein, dass es in manchen Entwicklungsphasen Abgrenzung braucht. Zur Findung der Geschlechtsidentität gehört dazu, manches Klischee zu übertreiben. Aber Abgrenzung darf nicht Wertschätzung des Anderen ausschließen, Abgrenzung sollte nicht durch Abwertung geschehen. Diesen Unterschied sollten wir Kindern vermitteln. Weibliche Figuren aus einer Geschichte zu streichen, ist dafür sicher nicht der richtige Weg.