Rosa-Hellblau-Falle

Die-Rosa-Hellblau-Falle-BuchcoverDie Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees.

Schnerring, Almut; Verlan, Sascha. Verlag Antje Kunstmann, München 2014.  ISBN 978-3-88897-938-5

Ein Aufruf zum Widerstand. Wie lässt sich die Klischeefalle im Alltag umschiffen?

Wer im Kaufhaus in die Spielzeugabteilung hinauffährt, taucht in einer zweigeteilten Welt wieder auf. Ein ganzes Stockwerk ist unterteilt in zwei Zonen: Auf der einen Seite markieren blassrosa und pink, „was Mädchen mögen“. Auf der anderen Seite sind die Verpackungen vorwiegend schwarz und dunkelblau und kennzeichnen das Spielzeugreich der Jungen. Links sind die Regale gefüllt mit pastellfarbenen Pferden, glitzernden Feen, kuscheligen Kuscheltieren, Mini- Küchen und allem, worauf die Puppen nicht verzichten können.  Rechts blicken wilde Monster, Ritter und bewaffnete Science-Fiction-Kämpfer durch die Plastikfenster der Spielzeugschachteln, und es stapeln sich die Bausätze für Fahrzeuge und Maschinen. Auf einem ganzen Stockwerk spiegeln sich die traditionellen Rollenzuschreibungen wider, von denen wir glaubten, sie in den vergangenen Jahrzehnten überwunden zu haben.

Inhaltsverzeichnis 'Die Rosa-Hellblau-Falle'Viele Eltern sind von den allgegenwärtigen Geschlechterklischees genervt und nicht länger bereit, die Trennung der Kinderwelt in Rosa und Hellblau hinzunehmen. Nur lassen sie sich nicht so einfach ausblenden. Wer die Spielzeugabteilung erfolgreich umschifft hat, wird zwischen Schuhregalen wieder darauf aufmerksam gemacht. Wer beim Schulranzenkauf die Schmetterlinge und Roboter hinter sich gelassen hat, sieht sich im Sportverein beim „Prinzessinnen- Cup“ wieder damit konfrontiert. Wenn Kinder aber ständig von Klischees umgeben sind, können wir dann wirklich noch behaupten, sie hätten eine freie Wahl?

Wir haben eine KiTa besucht und uns mit Susanne Wunderer getroffen, die Fortbildungen zu gendersensibler rosa-hellblau-FallePädagogik in Kindertagesstätten durchführt. Mit Stevie Schmiedel vom Verein Pinkstinks haben wir über pinkfarbenes Spielzeug und sexualisierte Werbung gesprochen und mit dem Marketingchef der sisi-Werke über Sinn und Zweck des Elfentranks für Mädchen. Wir haben uns mit Lann Hornscheidt, Professx für Gender Studies und Sprachanalyse, unterhalten, um mehr zu erfahren über Sprache und Macht. Und Nils Pickert, Journalist, Teilzeitrockträger und Vollzeitfeminist, hat uns erzählt, warum seiner Meinung nach in unserer Gesellschaft Individualität großgeschrieben wird und trotzdem nicht jeder und jede sein darf, wie er oder sie möchte.

Lasst doch die Kinder in Ruhe, die komplizierten Regeln des Erwachsenenlebens kommen früh genug – Einwände, das Thema in den ersten Jahren noch ruhen zu lassen, gibt es genug. Doch wer geschlechterstereotypen Vorstellungen nichts entgegenzusetzen hat, bringt sie zwangsläufig immer wieder neu hervor. Diesen Kreislauf gilt es im Interesse unserer Kinder zu durchbrechen. Denn am Ende des Tages lässt sich alles auf einzelne Ereignisse zurückführen, in denen wir und andere Menschen Entscheidungen treffen, Aussagen machen und handeln. Manchmal genügt es, den Blickwinkel ein klein wenig zu verschieben.

 

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