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Fragen zum Equal-Care-Day

Wer springt ein, wenn „Not am Mann“ ist?

Fragen zum Equal Care Day am 29.Februar

 

Ein Kind kommt auf die Welt.

Foto: StarMama

Foto: StarMama

Wer begleitet die Schwangere? Wer übernimmt die Erstversorgung des Neugeborenen? Wer kümmert sich um die junge Mutter? Wer hat die ersten Kleider besorgt? Wer achtet darauf, dass mit dem Stillen / Trinken alles klappt? Wer ruft zuerst an, wird angerufen? Wer kommt zu Besuch? Wer bietet Unterstützung an? Wer kocht in den ersten Tagen und später? Wer wäscht und putzt und kauft ein, wer sorgt dafür, dass die Mutter sich im Wochenbett erholen, um sich selbst kümmern kann? Auf wen kann sich die neue Familie in dieser Situation wirklich verlassen? Und wenn schon Geschwisterkinder da sind, wer hat sich um die gekümmert während der Geburt und in den Stunden, Tagen danach? Wo waren sie untergebracht? Und wenn nicht alles gut ging? Das Kind krank ist, vielleicht beHindert, die Mutter noch länger medizinisch versorgt werden muss? Wer wäscht, wer badet, wer wickelt? Wer kennt die aktuelle Windelgröße und weiß, wann neue gekauft werden müssen? Wer bringt das Kind ins Bett? Wer singt, wer liest vor? Wer wacht auf und wer steht nachts auf, wenn es weint? Wer bleibt zuhause, wenn das Kind krank ist? Wer weiß, wann die nächste Vorsorgeuntersuchung ansteht? Wer hat die Karten der Krankenversicherung im Geldbeutel, und wer geht zum Kinderarzt, zur Kinderärztin, ins Krankenhaus? Wer übernachtet dort auf der Liege? Wer weiß, wo das Nasenspray steht und welches Zäpfchen das richtige ist? Wer tröstet das Kind, wenn es sich weh getan hat, wenn es traurig ist? Wie wird getröstet, wenn es ein Junge, wenn es ein Mädchen ist? Wer wird liebevoll getröstet, und wem wird gesagt, er soll sich mal nicht so haben? Wer wird ermahnt, gut auf sich aufzupassen?

 

Babyschwimmen und Kinderturnen, Pekip und musikalische Früherziehung, Tageseltern, Kita, Baby-Sitter*in? Wer wählt aus, wer geht mit? Wer führt die Gespräche, macht Termine? Wer übernimmt die Eingewöhnung? Wer hat den Kinderanhänger am Fahrrad – und dann auch beim Familienausflug am Wochenende? Wer kümmert sich um die Verabredungen des Kindes? Wer telefoniert und vereinbart die Treffen? Wer bringt und holt ab? Wer geht mit auf den Spielplatz? Wer weiß, welcher Geburtstag ansteht, bereitet vor, bastelt Einladungen, besorgt die Geschenke? Wer weiß, welche Kleidergröße die Kinder haben? Breiter Fuß oder eher schmal? Wer kauft neue Hosen, und wer verkauft die alten auf dem Flohmarkt? Wer hat rechtzeitig neue Handschuhe gekauft, wenn es kalt wird? Wer packt für den Urlaub? Wer kümmert sich um die Haustiere, wenn es die Kinder vergessen? Wer geht mit zum Tierarzt? Wer geht mit zur Zahnärztin? Wer hat sich über die nächste Impfung informiert, wer weiß, wann sie ansteht? Wer weiß, wer noch kein Taschengeld bekommen hat? Wer kennt sich aus mit der Lineatur von Schulheften? Wer streicht die Schulbrote? Wer spült die Wasserflasche, die nach dem Wochenende noch in der Schultasche liegt? Wer weiß, wo der Turnbeutel liegt? Wer fragt Vokabeln ab? Wer erinnert ans Klavier Üben und schaut mit über die Schulter? Wer macht sich Gedanken übers Essen? Über die (eigene) Ernährung? Wer hält sich zurück, wer langt kräftig zu? Wer kocht? Wer sortiert die Wäsche? Und weiß, wann die Bettwäsche wieder gewechselt werden muss? Wer ist verantwortlich für welchen Bereich und wer muss mithelfen? Wie viel, bei welchen Tätigkeiten, mit welcher Selbstverständlichkeit? Wer kümmert sich um kleinere Geschwister? Von wem wird das ausdrücklich verlangt? Wer lernt, sich in andere hinein zu versetzen? Wer lernt, auf die Wünsche anderer zu achten? Wer lernt, seine eigenen Wünsche auch mal hinten anzustellen? Wessen Wünsche werden eher mal ignoriert?

 

Wer erklärt dem Kind die Welt, antwortet auf seine Fragen? Mit wem spricht es, wenn es Sorgen hat, wen fragt es, wenn es Rat braucht? Wie wird reagiert, wenn der Sohn Liebeskummer hat, und bei der Tochter? Und wenn die Eltern selbst Probleme haben, die auch die Kinder betreffen? Wie reden sie mit einer Tochter, wie mit einem Sohn? Wem fühlen Sie sich näher? Wie ist es bei Krankheit, Problemen in der Schule, Ärger, Sorgen in der Pubertät? Wer kennt die Freundinnen und Freunde? Wer fühlt sich verantwortlich? Wer ist ansprechbar, auch wenn der Zeitrahmen kaum Luft lässt? Wer redet mit den Lehrer*innen? Und zu welchen Anlässen? Wer geht auf die Elternabende? Wer lässt sich als Vertreter*in wählen? Und in den Gremien, wer übernimmt den Vorsitz? Und die Handy-Notfallnummer? Von der Mutter, vom Vater? Wer lässt alles stehen und liegen im Fall der Fälle?

Wer erlaubt sich, krank zu sein? Wer achtet auf sich selbst, auf genügend Schlaf, auf Ausgleich und Ruhephasen? Wer geht zur Vorsorge? Wer macht weiter, obwohl es weh tut? Wer redet über seine*ihre Bedürfnisse? Wer hält Monologe? Wer fragt, was die anderen brauchen? Was ihnen fehlt? Wer bestimmt in letzter Konsequenz? Auf welcher Grundlage?

 

Wer fährt zu den Großeltern? Wer sieht, was Opa fehlt? Wem vertraut er? Wer organisiert seinen runden Geburtstag? Wer begleitet Oma zum Arzt? Wen ruft sie an, wenn sie Hilfe braucht? Wer organisiert eine Pflegekraft und das Essen auf Rädern? Wer weiß, wie die Pflegekraft heißt? Ist es ein Mann oder eine Frau? Woher kommt sie? Wer stellt Fragen? Wer hört zu? Wer bleibt auf dem neusten Stand? Wer macht sich nachts Sorgen und kann nicht schlafen? Wer weiß, welches Medikament fehlt? Wer hilft beim Einzug ins Pflegeheim? Wer redet mit dem Pflegepersonal? Wer besucht, wer bringt was mit, sieht, was im Zimmer fehlt? Wer macht ein Spiel mit, wer singt, wer puzzelt, wer liest was vor? Wer füttert, wer wischt auf, wer wischt ab. Wer hilft beim an- und ausziehen? Wer bekommt die Vollmacht? Wer erbt? Wer bekommt die Unzufriedenheit zu spüren? Wer macht immer alles falsch? Wer steht über allem? Wer zahlt drauf? Und wenn jemand gestorben ist? Aus der Familie oder im Bekanntenkreis? Wer findet die passenden Worte? Wer druckst rum? Wer sucht den Kontakt zu den Hinterbliebenen? Wer zieht sich zurück?

Wer spricht ein Machtwort? Wer hält den Rücken frei?

 

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Was ist der Equal-Care-Day?

www.equalcareday.de

29.2. ist Equal-Care-Day

Happy Equal-Care-Day!

Alle Infos, Statements,… dazu unter

www.equalcareday.de

(Evtl. den Cache des eigenen Browsers löschen,

kann sein, dass die Umleitung dort noch gespeichert ist und wieder hierher zurückführt.)

 

Equal-Care-Day: er sieht den Dreck nicht, sie ist pingelig?

Bitte kein Heute-putzt-mal-der-Mann-Gedenktag!

Wir setzen uns dafür ein, den 29. Februar als Equal-Care-Day einzuführen, um an diesem zusätzlichen Tag im Schaltjahr auf die mangelnde Wertschätzung und ungerechte Verteilung von Care-Arbeit nicht nur, aber gerade auch in Deutschland aufmerksam zu machen. Die ungleich verteilte Hausarbeit, die ZEIT ONLINE anlässlich unserer Equal-Care-Day-Idee in den Fokus nimmt,  ist zwar Teil dieses Themenkomplexes, doch wir wünschen uns vor allem mehr Aufmerksamkeit für Care-Arbeit im Sinne von Fürsorge, beruflich wie privat, also Kinderbetreuung, Pflege von Alten, BeHinderten, Kranken und auch dem eigenen Körper, sich selbst gegenüber. Denn leider hat sich unsere Gesellschaft dahin entwickelt, dass die Arbeit mit und an Maschinen mehr Lohn und mehr Wertschätzung verdient, als jene, bei der Menschen im Mittelpunkt stehen. 

 Doch offensichtlich regt der Text von Tina Groll viele dazu an, sich übers Putzen, Waschen, Kühlschrank Füllen Gedanken zu machen. Und weil sich in den Kommentaren die #rosahellblaufalle öffnet, sich ein „Ihr Frauen“ vs. „Wir Männer“ und andersherum ausbreitet, wollen wir auch zu diesem Aspekt ein paar Zeilen schreiben. 


Geschlechterkampf ??

Wieso lassen sich so viele in der Diskussion um Zuständigkeiten und Rollenbilder auf ein Gegeneinander ein und unterstützen damit jene, die in unterschiedlichen Kontexten von „Geschlechterkampf“ schreiben? Wir leben in einer Zeit, in der jede dritte Ehe geschieden wird, homosexuellen Paaren die Fähigkeit abgesprochen wird, Kinder großzuziehen, und viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Eine Zeit, in der gleichzeitig Fernsehshows „Jungen gegen Mädchen. Der Kampf der Geschlechter“ konzipiert werden und der Kinofilm, der Star Wars von Platz eins der Kinocharts verdrängt hat, den Untertitel „Jungs gegen Mädchen“ trägt. Nicht zu sprechen vom Konzept des Gendermarketing, das seit gut 10 Jahren darauf setzt, uns weiszumachen, Frauen und Männer hätten von Grund auf unterschiedliche Interessen, bräuchten verschiedene Versionen von Chips, Bratwürstchen und Socken, von Fahrrädern, Armbanduhren und Nassrasierern. Eine Werbestrategie, die auf ein geschlechtergetrenntes Angebot setzt, als lebten Frauen und Männer in zwei grundsätzlich getrennten Welten. Welchen Nutzen haben wir dadurch? „Ist doch schön, dass es Unterschiede gibt“, argumentieren die Gegner*innen geschlechtergerechter Pädagogik und kaufen Bücher mit Mars und Venus oder Einparken und Zuhören im Titel. Comediens machen Witze über Seine Einsilbigkeit und Ihre Geschwätzigkeit und wir helfen mit, dass sie damit Turnhallen füllen. Welchen Nutzen sehen wir darin, in einen „Geschlechterkampf“ einzusteigen und dabei zu behaupten, alles wäre nur lustig gemeint, und sowieso gäbe es biologische Gründe für diese Unterschiede? Biologische Gründe für geschlechtergetrennte Deo- und Shampoo-Regale? Und worin bitte liegt der Nutzen bei rosa-geblümten und hellblauen Alternativen bei Putzmitteln für die Scheibenwischanlage? Womit wir zurück wären beim Streit ums Putzen. Nein, bei der Frage, ob das Putzen einen Streit wert ist. Denn die Frage „Wie könnten wir es gemeinsam besser hinbekommen?“, würde dem Thema gut tun. Stattdessen entscheidet sich die Mehrheit für Schuldzuweisungen, Herabsetzungen und Rechthabereien, dies und jenseits des Grabens, der tiefer wird, wenn wir uns nicht endlich unserer Gemeinsamkeiten bewusst werden.

„Frauen sind eben einfach pingeliger!“ ?

Die Entbrannten argumentieren vor allem um zwei Aspekte herum:

1) DIE Männer sähen den Dreck nicht vs. Frauen wären pingelig und bräuchten unnötig Zeit für etwas, das sich schneller erledigen ließe.

2) Frauen übernehmen zwar mehr, dafür arbeiten Männer an anderen Stellen mehr, die da wären: Rasenmähen, Ernährerrolle und Überstunden, Tagebau, Krieg und andere körperliche und seelische Lasten, für die Frau sich zu fein sei (inklusive Plädoyer für eine Quote bei der Müllabfuhr), weshalb Männer im Durchschnitt auch 5 Jahre kürzer leben als Frauen.

„Männer sterben überwiegend aus sozioökonomischen und psychosozialen Gründen 5 Jahre früher als Frauen. Wann wird endlich mal auf diese Ungleichheit hingewiesen?“

Und genau DAS ist der Punkt, deshalb wollen wir einen Equal-Care-Day einführen: Denn SIE ist nicht Schuld, dass sie den Dreck sieht, bevor ER darauf achtet. Es ist auch nicht SEINE Schuld, wenn er es wichtiger findet, die richtigen Getränke im Haus zu haben, wenn Freunde sich angekündigt haben. Sie ist nicht „selbst Schuld“, wenn sie länger braucht, kleinlich ist beim Aufräumen, noch schnell durchsaugt, bevor der Besuch kommt, während er keinen Anlass, keinen Fussel sieht. Auch ER ist nicht Schuld, wenn er der Ansicht ist, sie übertreibe, das Wohnzimmer sei aufgeräumt genug.

„Auch in meiner Ehe macht meine Frau einen Großteil der Hausarbeit – nicht, weil ich sie faschistoid unterdrücke oder heteronormativ-patriarchalisch in die soziokulturelle Schublade „Ehefrau“ einsortiere, sondern weil ich schlicht und einfach zu schlampig bin“ – Kommentar unter o.g. Zeitonline-Artikel

„Natürlich habe ich es viel leichter, das zu sagen, denn das Ergebnis meiner Haltung ist ja: ich muss nichts tun. Das ist ja wunderbar und gemütlich und bequem. Aber wieviel innere Freiheit kann ich mir gegen diese Gewohnheit erkämpfen, muss ich kämpfen oder geht’s nicht auch anders? Und in welchem Maße sollte die andere Seite, dass ich z.B. sage: >Hey, fege doch lieber, wenn die Gäste weg sind, dann lohnt es sich wenigsten, ne!< Ist das jetzt meine Schlampigkeit? Die mit mir als Person zu tun hat? Unabhängig von Geschlecht? Oder ist das auch so eine Nummer, die entsteht durch: >Naja, die Jungs räumen halt nicht auf, machen nicht sauber, die bringen halt Dreck<. Das ist schwer zu trennen. Wieso finde ich es nicht schlimm, dass es dreckig ist, wenn Besuch kommt? Ist das, weil ich es gelernt habe, dass ich das nicht schlimm finden muss, oder ist das, weil ich das aus welchen Gründen auch immer nicht … so wie ich das Bett auch nicht immer mache, wenn ich aufstehe …?“ Marcus im Interview für die Lange Nacht der Geschlechterrollen, Deutschlandfunk

Sie hat gelernt, sich zuständig zu fühlen. Sie hat gelernt, dass sie als Frau verantwortlich sei, sich um ein gemütliches, sauberes Wohnen zu kümmern. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie schon als Kind ihrer Mutter mehr helfen musste, als ihr Bruder. Und selbst wenn ihre Eltern ihr andere Rollenbilder vorgelebt haben, so hat sie im Lauf ihres Lebens hunderte Werbebotschaften über ihre Rolle als Frau gesehen. Darunter viele Werbespots und Anzeigen, die klar machen: Beim Staubsaugerkauf entscheidet er vielleicht noch mit (klar, erstens geht’s um Technik und zweitens ist es sein Geld?!), aber Putzen ist Frauensache …

…wohingegen es bei ihm auf ein paar Krümel nicht ankommt. Der Geizmarkt behauptet noch im Jahr 2015, Staubsauger seien ein passendes Geschenk zum Muttertag. Werbespots für Küchen oder Putzkram, in denen ein Mann auftritt machen klar: ihn fasziniert nicht das Essen in der Pfanne, sondern die Ultra-Laser-Herdtechnik: Platte heiß von 0 auf 100 in 30 Sekunden. Ein richtiger Mann braucht es unkompliziert und schnell, Salat ist nur Deko und auf Besteck würde er am Liebsten verzichten. Deshalb muss er in Spots auch häufig als Haushaltstrottel herhalten, dem sie aus der Putz-Pfütze hilft. Trotzdem entlassen wir sowohl Werbung als auch Väter aus der Verantwortung. Schuld sind die Mütter, schließlich sind sie es, die die nächste Generation Machos aufziehen.

Ungleiche Erwartungshaltung an Töchter und Söhne

Dabei werden bis heute Töchter mehr als Söhne dazu aufgefordert, mit anzufassen, wenn es darum geht, den Tisch abzuräumen, das Wohnzimmer zu saugen, dem kleinen Geschwister die Schuhe zu schnüren. Bis heute bekommen Söhne mehr Taschengeld als Töchter, das sie zudem noch aufbessern können, indem sie Rasenmähen, Straßen kehren oder Schnee schippen – Aufgaben, für die es extra Geld gibt und die Mädchen seltener zugetraut werden, obwohl sich unterschiedliche Muskelkraft doch erst ab der Pubertät bemerkbar macht.

Es liegt weder in Seiner noch in Ihrer persönlichen Verantwortung, dass Männer im Durchschnitt fünf Jahre früher sterben als Frauen, und doch wird dieser Missstand unter jedem Artikel wieder erneut aufgeführt, der in irgendeiner Form von einer Benachteiligung von Frauen spricht. Wir alle sind Teil eines Systems, das Kindern von klein auf beibringt, Jungs könnten ruhig etwas kräftiger mit anpacken, für sie sei es wichtig, sich mit anderen in Mutproben zu messen, und wenn sie sich weh tun, appellieren wir an ihren Stolz und ihre Männlichkeit, während Mädchen in vergleichbaren Situationen meist aufgefordert werden, das nächste Mal doch vorsichtiger zu sein, mehr auf den eigenen Körper achtzugeben, auf seine Unversehrtheit. Warum gilt nicht für beide gleichermaßen: Empathie lernen, Rücksicht nehmen auf sich und andere, nicht mehr, sondern weniger arbeiten, wenn ein Kind unterwegs ist, die eigene Ernährerrolle infrage stellen …

Wenn Er also andere Baustellen früher erkennt, und wenn Sie sich im Haushalt eher zuständig fühlt, dann ist das gelernt, es liegt nicht in ihrer „Natur“, sondern wir reproduzieren täglich das Klischee der weiblichen Fürsorge. Bis heute schafft es ein Politiker als Super-Papa in die Schlagzeilen, nur weil er sich fürs kranke Kind mal frei nimmt. Bei einer Politikerin, die Vollzeit arbeitet, wird angezweifelt, ob sie die Balance Job und Familie wohl hinbekommt.

 


Die Botschaft ist klar und wird so auch öffentlich in Worte gefasst: Mutti hat zu funktionieren, sie nimmt sich nicht frei:

Wer jetzt einwenden möchte, das System, die Gesellschaft, das sind doch wir selbst, deshalb sei schließlich jede*r für sich selbst verantwortlich, wieviel sie*er sich anpasst oder eben keine Rücksicht nimmt auf die Meinung der Nachbarn … und der Eltern … und Freund*innen … der Vorgesetzten….

Halbtagsjob für Ihn, damit er mehr Care-Arbeit übernehmen kann? Eine freie Entscheidung? Wohl kaum. Es ist eben nicht so, dass die Mehrheit ein zu geringes Selbstbewusstsein hat, um für sich selbst einzustehen. Und es ist auch nicht so, dass wir alle unzufrieden wären mit der Rollenaufteilung des Biedermeier. Aber wenn uns die jetzige Situation nicht gefällt, weil sie denjenigen, die anderes wünschen, als es die rosa-hellblau-Zuordnung vorsieht, ein überdurchschnittliches Engangement und Selbstbewusstein abverlangt, und wenn wir uns für die nächste Generation mehr Wahlfreiheit wünschen, dann müssen wir die Rahmenbedingungen ändern. Vor allem müssen wir aufhören, uns gegenseitig die Schuld zuzuschieben und es der*m anderen vorzuwerfen, wenn er oder sie Verhaltenweisen oder Entscheidungen an bestehende Rollenbilder angepasst hat.

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Wir sind dankbar für die viele, positive Resonanz auf unseren Vorschlag für dieses Anliegen einen Erinnerungstag einzuführen. Nach wie vor freuen wir uns über UnterstützerInnen, die auf diesen Tag hinweisen, den Hashtag #EqualCareDay teilen und unsere Idee weiterverbreiten.

–> Zur Inspiration hier ein paar Fragen.

#EqualCareDay

Wir schlagen vor: Einführung eines Equal Care Day

am 29. Februar 2016 !

Nachtrag am 29.2.2016:

Alles zum Equal-Care-Day findet sich ab jetzt unter

www.equalcareday.de

Um auf die mangelnde Wertschätzung von Fürsorgearbeit aufmerksam zu machen, den geringen Stellenwert, den das Sich-Kümmern um Kinder, das Pflegen von Kranken, Alten, BeHinderten in unserer Gesellschaft hat.

„Eine Gesellschaft, die Geldverdienen höher bewertet als Fürsorge,
ist blind für die Kosten, die durch Vernachlässigung entstehen.“
Anne-Marie Slaughter

Und um ein Bewusstsein zu schaffen für die unfaire Verteilung dieser Arbeit: 80% der Care-Arbeit wird von Frauen geleistet (Quelle: Bundesagentur für Arbeit), sowohl im professionellen Bereich und mehr noch im Privaten: 80%. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den 29.2., diesen zusätzlichen Tag im Schaltjahr als ‚Equal Care Day‘ (analog zum Equal Pay Day, s.u.) einzuführen, als Erinnerung daran, dass Männer in Deutschland über 4 Jahre brauchen, um die Care-Arbeit  zu leisten, die Frauen in einem Jahr, also bereits im Jahr 2012 geleistet haben.

klklammern
überarbeitet am 30.1.16

Seit 2008 wird in Deutschland am Equal Pay Day daran erinnert,

dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer – im Jahr 2014 waren das nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 21,6%. Frauen müssen also für den gleichen Jahreslohn 79 Tage länger arbeiten als Männer, eben bis zum 19. März 2016. Angenommen Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden.

Am 3. November 2015 hat Bundesministerin Manuela Schwesig das Motto für den Equal Pay Day am 19. März 2016 der Öffentlichkeit präsentiert: ‚Was ist meine Arbeit wert?‘ Diese Frage gilt eben ganz besonders auch für Care-Ressourcen. Die Antwort darauf darf nicht länger von geschlechtlichen, rassistischen oder klassenbezogenen Strukturen bestimmt werden!

 

Übrigens,

den PayGap und CareGap gibt es bereits im Kinderzimmer:

Jungen bekommen im Durchschnitt mehr Taschengeld als Mädchen (Beispiel aus Frankfurt), und Töchter müssen bis heute mehr im Haushalt helfen und sich um jüngere Geschwister kümmern, mehr als dies von Söhnen verlangt wird (Vorwerk Familienstudie 2010).

andrea-legofriendsAuch die Verknüpfung von Sexismus, Rassismus und Klassismus reichen wir auf ganz subtile Weise an die nächste Generation weiter. Beispiel: LegoFriends. Zu den Baukästen liefert Lego auch gleich die Biografien und Geschichten der fünf Mädchenfiguren mit: Von Lego lizenzierte Hefte über das Leben der Hauptfigur, ein Mädchen namens Olivia. Deren Freundin Andrea, die einzige nicht-weiße Spielfigur, möchte eines Tages Superstar werden. Doch dafür muss sie als Bedienung ihr Geld im ‚City Park Café‘ verdienen, wo sie Cupcakes und Hamburger zubereitet sowie „abwäscht und den Boden wischt“. (Quelle: faz, „In dieser Idylle ist morgen wie gestern“)

 

Wir freuen uns über Austausch und Unterstützung zu unserem Anliegen. Vielleicht können wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen – schickt uns Eure Ideen. Blogger*innen sind herzlich aufgerufen, diesem Tag einen eigenen Post zu widmen. >Hier< finden sich ein paar Fragen zur Inspiration. Als Hashtags schlagen wir vor:

#ECD2016

#EqualCareDay

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Links und Infos zum Thema Care-Gap / Care-Arbeit:

 

  • Winker, Gabriele. Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft, Bielefeld 2015.