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Gender Status Beliefs – #equalpayday

Gender Status Beliefs

Beitrag zum Equal Pay Day 2016, #EPD2016

Mit der Zweiteilung der Welt in männlich und weiblich, mit der Zweiteilung der Menschen in Männer und Frauen ist eine Hierarchisierung verknüpft, die Männern mehr Macht, mehr Status und mehr Autorität zugesteht. Sie ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft und hält sich hartnäckig, obwohl die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die aktuellen Lebensumstände das in keiner Weise rechtfertigen.

Laut der Soziologin Cecilia Ridgeway wird Männern ein grundsätzlich größeres Grundvertrauen in ihre berufliche Leistungsfähigkeit entgegengebracht als Frauen. Entsprechend werden die Leistungen von Männern auch anders wahrgenommen als die von Frauen. Ihnen wird weniger Leistungsbereitschaft und -fähigkeit zugetraut, weshalb sie diese immer wieder neu beweisen müssen. Auch werden Leistungen von Männern stärker beachtet als jene von Frauen. Experimente haben zum Beispiel ergeben: Anonyme Texte werden von der Mehrheit männlicher Professoren höher bewertet, wenn behauptet wird, der Autor sei ein Mann, während Arbeiten von Frauen bessere Bewertungen erhalten, wenn das Geschlecht unbekannt ist. Ein ähnliches Phänomen hat Auswirkungen auf die Besetzung politischer Ämter. Müssen sich Wähler_innen zwischen einem Mann und einer Frau entscheiden, tendieren sie eher zu einem vertrauenerweckenden Mann: »Wählerinnen bestätigten die kulturelle Erwartungshaltung, dass nur Frauen einen hohen Status verdienen, die gleichzeitig attraktiv und kompetent sind«, so Joan Y. Chiao, Professorin für Psychologie an der Northwestern University. (Vgl. auch das Heidi/Howard Roizen-Experiment).

Birgit Sauer, Politologin an der Universität Wien, die sich mit dem Thema Frauen in der Politik auseinandersetzt, ist auf ähnliche Ergeb- nisse gestoßen. »Wenn Personen mehr oder weniger direkt gewählt werden, werden immer Männer bevorzugt und Frauen benachteiligt«, so ihre Zusammenfassung mehrerer international vergleichender Studien. »Sowohl Frauen als auch Männer wählen lieber Männer in die Politik, schlicht deswegen, weil sie glauben, dass es Männer besser können. Politik wird als Männergeschäft verstanden, Frauen und Männer glauben, dass männliche Politiker besser mit Macht umgehen können. Ausnahmen gibt es vor allem in Krisenzeiten, dann werden häufig Frauen an die Macht gewählt«, sagt Birgit Sauer. So habe Angela Merkel es leichter gehabt, eine von Korruptionsfällen gebeutelte CDU zu übernehmen, denn eine Frau sei sauber und könne damit nichts zu tun haben. Doch genauso wenig wie Barack Obamas Wahl zum Präsidenten ein Zeichen für einen grundlegenden Wandel im alltäglichen Rassismus in den USA war, läutete die Tatsache, dass Deutschland in Angela Merkel zum ersten Mal eine Bundeskanzlerin hat, den Beginn der Gleichstellung in den Vorstandsetagen oder gar in Kindertagesstätten ein. Der ›Gender Status Belief‹ hat zur Folge, dass mehr Männer als Frauen politische Ämter besetzen. Männer sind die »Bestimmer«, wie Kinder sagen, denn wir als Bevölkerung wählen sie häufiger in Positionen, in Rollen und Funktionen, in denen Entscheidungen getroffen und die Regeln festgelegt werden, die unser Miteinander beeinflussen. Die Situations- und Trendanalyse der EU »Frauen und Männer in Entscheidungspositionen 2007« vergleicht in den drei Hauptbereichen Politik, Wirtschaft und öffentlicher Dienst das Verhältnis von Frauen und Männern beim Zustandekommen von Beschlüssen. Ob in nationalen Parlamenten, Regionalversammlungen, Regierungen, EU-Zentralbanken, obersten Gerichtshöfen oder wirtschaftlichen Führungspositionen, alle Gremien bestanden mehrheitlich oder ausschließlich aus Männern. Es sind dann also auch mehrheitlich Männer, die beschließen, dass Kindergartenkinder ihre Tage in Gruppen von über 25 Kindern verbringen, betont Melitta Walter. Diese männlich dominierten Gremien sind es, die »bestimmen, ob Väter Probleme am Arbeitsplatz bekommen, wenn sie den Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen wollen. Männer entscheiden überwiegend, wo unsere Steuergelder hinfließen, sie bestimmen, wie Städte und Siedlungsräume entwickelt werden, ob Kinderbetreuungseinrichtungen gebaut werden.«

Trotzdem würden auf dem Weg zu mehr Frauen in Entscheidungspositionen nur langsam Fortschritte erzielt, so die Zusammenfassung der Situationsanalyse der EU: Eine gesetzliche Geschlechterquote könnte zu einem schnelleren Wandel beitragen, »auch wenn der Einsatz derartiger positiver Aktionen nach wie vor umstritten ist«. Die Sprecherin des Deutschen Frauenrats, Ulrike Helwerth, ist überzeugt, viele Männer befürchteten bloß, bei einer tatsächlichen Gleichberechtigung Privilegien zu verlieren. Natürlich sieht, wer von Privilegien pro- fitiert, in aller Regel keinen Anlass, sie infrage zu stellen: Fast zwei Drittel aller Männer (64 %) sind einer Allensbach-Studie zufolge der Meinung, dass es mit der Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland mittlerweile reicht. 28 Prozent finden sogar, dass damit übertrie- ben wird. In der Sinus-Studie der Bundesregierung von 2007 über die Einstellungen 20-jähriger Frauen und Männer drückten junge Männer zwar ihre Sympathie für die Gleichberechtigung aus, doch sie kritisieren, dass Gleichstellung Frauenpolitik geblieben sei. Walter Hollstein, Soziologe und Gutachter des Europarats für Männerfragen, kritisiert, es gebe immer neue Fördermaßnahmen für Mädchen und Frauen, doch kaum welche für Jungen und Männer.

Männerpolitik wird überwiegend aus einer vermeintlichen Verlierersicht diskutiert. Die Jungen gelten als Bildungsverlierer, Männer seien beim Sorgerecht benachteiligt etc. Dabei ist es gerade männliches Festhalten an Privilegien beziehungsweise deren hartnäckige Leug- nung, die dazu führt, dass sie die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Aushandlungsprozess verlieren. Sie schwächen die Argumentation und Überzeugungskraft der Männer, wenn sie für ihre Söhne etwas erreichen wollen, gar Forderungen stellen. Wenn Männer mehrheitlich auf der gewohnten Machtverteilung beharren, fehlt ihnen schlicht die moralische Legitimation, Forderungen zu stellen, insbesondere an Frauen im Erziehungs-, Bildungs- und Pflegebereich.

Der Text ist ein Auszug aus Schnerring/Verlan. Die Rosa-Hellblau-Falle. Kunstmann, München 2014, S. 220 – 223

#EqualCareDay

Wir schlagen vor: Einführung eines Equal Care Day

am 29. Februar 2016 !

Nachtrag am 29.2.2016:

Alles zum Equal-Care-Day findet sich ab jetzt unter

www.equalcareday.de

Um auf die mangelnde Wertschätzung von Fürsorgearbeit aufmerksam zu machen, den geringen Stellenwert, den das Sich-Kümmern um Kinder, das Pflegen von Kranken, Alten, BeHinderten in unserer Gesellschaft hat.

„Eine Gesellschaft, die Geldverdienen höher bewertet als Fürsorge,
ist blind für die Kosten, die durch Vernachlässigung entstehen.“
Anne-Marie Slaughter

Und um ein Bewusstsein zu schaffen für die unfaire Verteilung dieser Arbeit: 80% der Care-Arbeit wird von Frauen geleistet (Quelle: Bundesagentur für Arbeit), sowohl im professionellen Bereich und mehr noch im Privaten: 80%. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den 29.2., diesen zusätzlichen Tag im Schaltjahr als ‚Equal Care Day‘ (analog zum Equal Pay Day, s.u.) einzuführen, als Erinnerung daran, dass Männer in Deutschland über 4 Jahre brauchen, um die Care-Arbeit  zu leisten, die Frauen in einem Jahr, also bereits im Jahr 2012 geleistet haben.

klklammern
überarbeitet am 30.1.16

Seit 2008 wird in Deutschland am Equal Pay Day daran erinnert,

dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer – im Jahr 2014 waren das nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 21,6%. Frauen müssen also für den gleichen Jahreslohn 79 Tage länger arbeiten als Männer, eben bis zum 19. März 2016. Angenommen Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden.

Am 3. November 2015 hat Bundesministerin Manuela Schwesig das Motto für den Equal Pay Day am 19. März 2016 der Öffentlichkeit präsentiert: ‚Was ist meine Arbeit wert?‘ Diese Frage gilt eben ganz besonders auch für Care-Ressourcen. Die Antwort darauf darf nicht länger von geschlechtlichen, rassistischen oder klassenbezogenen Strukturen bestimmt werden!

 

Übrigens,

den PayGap und CareGap gibt es bereits im Kinderzimmer:

Jungen bekommen im Durchschnitt mehr Taschengeld als Mädchen (Beispiel aus Frankfurt), und Töchter müssen bis heute mehr im Haushalt helfen und sich um jüngere Geschwister kümmern, mehr als dies von Söhnen verlangt wird (Vorwerk Familienstudie 2010).

andrea-legofriendsAuch die Verknüpfung von Sexismus, Rassismus und Klassismus reichen wir auf ganz subtile Weise an die nächste Generation weiter. Beispiel: LegoFriends. Zu den Baukästen liefert Lego auch gleich die Biografien und Geschichten der fünf Mädchenfiguren mit: Von Lego lizenzierte Hefte über das Leben der Hauptfigur, ein Mädchen namens Olivia. Deren Freundin Andrea, die einzige nicht-weiße Spielfigur, möchte eines Tages Superstar werden. Doch dafür muss sie als Bedienung ihr Geld im ‚City Park Café‘ verdienen, wo sie Cupcakes und Hamburger zubereitet sowie „abwäscht und den Boden wischt“. (Quelle: faz, „In dieser Idylle ist morgen wie gestern“)

 

Wir freuen uns über Austausch und Unterstützung zu unserem Anliegen. Vielleicht können wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen – schickt uns Eure Ideen. Blogger*innen sind herzlich aufgerufen, diesem Tag einen eigenen Post zu widmen. >Hier< finden sich ein paar Fragen zur Inspiration. Als Hashtags schlagen wir vor:

#ECD2016

#EqualCareDay

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Links und Infos zum Thema Care-Gap / Care-Arbeit:

 

  • Winker, Gabriele. Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft, Bielefeld 2015.

 

„Ein bisschen gleich ist nicht genug“

Der Gastbeitrag ist dieses Mal von Anke Domscheit-Berg. Sie ist Publizistin, Unternehmerin und Netzaktivistin mit den Schwerpunkten digitale Gesellschaft, Open Government und Geschlechtergerechtigkeit. 2015 erschien ihr zweites Buch: “Ein bisschen gleich ist nicht genug! Warum wir von Geschlechtergerechtigkeit noch weit entfernt sind”

Überall kriegt ein kleines Kind heute verklickert, was zu seinem Geschlecht gehört und was nicht. Und Kinder wollen Erwartungen erfüllen. Das heißt, sie wünschen sich tendenziell eher Dinge, von denen sie glauben, die passen zu ihnen und führen zu Akzeptanz in der Gruppe und nicht zu Ablehnung. Und Eltern wollen auch nicht nach Hause kommen mit einem Geschenk, bei dem das Kind eine lange Nase zieht und sagt: „Ich wollte was ganz Anderes haben.“ Das heißt, man erfüllt als Eltern Erwartungen, die Kinder haben, die sie aber von ihrer sozialen Umwelt quasi eingetrichtert bekamen. Und selbst, wenn man diese Effekte als Elternteile, Patentanten und -onkel oder Großeltern ignorieren will – wer in den Laden geht und versucht, heute etwas Anderes zu kaufen, der oder die hat es extrem schwer. Ich kann kaum Mädchenkleidung finden, die neutral ist, die kein schickimicki Gedöns drauf hat und nicht nach Prinzessin aussehen will. In der Spielzeugabteilung das Gleiche. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, aber es ist mit einem bestimmt fünf- bis zehnfachen Aufwand verbunden, alternative Dinge zu kaufen. Und diese beiden Effekte wirken wie eine Klammer: die eine Hälfte erzeugt die Nachfrage, die andere ist das extrem einseitige Angebot. Das ist ein sehr fataler Teufelskreislauf, der sich selbst verschärft.

 Außer Rosa noch nichts gesehen

 Als ich für meinen Sohn vor 14 Jahren einen Kinderwagen und Wickelutensilien gekauft habe, gab’s das vor allem in sehr praktischen Farben. Gerade Kinderwagen waren in der Regel irgendwie dunkelbunt, weil sie ja schnell dreckig werden. Es gab weder rosa Wickelsets noch rosa Kinderwagen. Wenn man heute in die gleiche Ladenabteilung geht, da findet sich das alles komplett gegendert: vom Windelset übers Fütterset bis zu diesen Bammelspielchen, die zum Spielen am Kinderwagen hängen. Und dann wird einem bei einem dreijährigen Mädchen erzählt, dass es Rosa halt schon immer gemocht hat, dabei hat es außer Rosa in seiner unmittelbaren Umgebung ja schon als Baby fast nichts Anderes gesehen! Vielleicht ein bisschen himmelblau am Himmel und ein bisschen grün an den Bäumen, aber alles was mit ihm selbst assoziiert wurde, war meistens irgendwie rosa. Und das hat für mich dann mit Freiheit oder Präferenzen gar nichts mehr zu tun, weil ein so geprägtes Kind gar nicht heraus finden kann, welche Farben ihm oder ihr gefallen.

 Ethischer Algorithmus

 Warum müssen Holzeisenbahnen mit Jungs assoziiert werden? Warum sollte ein kleines Mädchen damit nicht spielen? Es gibt keinen Grund dafür. Ich kann mir Gründe vorstellen, warum man Tampons unter „Frau“ einsortiert, aber zu Bauklötzchen und Holzeisenbahn fällt mir da kein Grund ein. Das ist doch eine unzulässige Einschränkung für Kinder! Da werden zum Beispiel in Online-Shops Filter eingebaut, wo gar keine hingehören. Da fängt für mich die Diskussion um die Ethik von Algorithmen an, denn diese Filter sind stark zu hinterfragen: an welchen Stellen machen sie Sinn beziehungsweise, wo schränken sie Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder ein? Diese stereotypen Zuschreibungen zeigen sich ja nicht nur im Spielzeugangebot, sondern in allem, was Kinder oder Heranwachsende umgibt, Erwachsene natürlich auch. Ob das Videospielzeuge sind oder Hollywood-Filme, Schulbücher oder Werbungen in Zeitschiften. Das ist eine massive Prägung, von der ich glaube, dass sie schlicht eine Folge des Kapitalismus ist, einer Marktgesellschaft, die einfach um jeden Preis versucht, immer noch mehr zu verkaufen, denn wir sind ja eine Gesellschaft, die davon ausgeht, dass Wirtschaft immer irgendwie wachsen muss – was schon aus vielen anderen Gründen ein bescheuertes Konzept ist.

 Corporate Social Responsibility

 Dabei können wir es uns gar nicht leisten, dass die Einen sich kaum mit Mathe befassen, weil ihnen eingeredet wird, sie seien dafür zu doof. Oder dass andere sich mit bestimmten sozialen Fragen weniger befassen, weil sie denken, „Pflegearbeit ist uncool“. Das ist nicht nachhaltig als Gesellschaft und es beschränkt individuelle Entfaltungsmöglichkeiten. Man redet ja oft von diesem hohen Begriff „Corporate Social Responsibility“, also der Verantwortung, die Unternehmen in der Gesellschaft haben. Meistens meint man damit, man ist ein bisschen umweltfreundlicher, sponsert einen lokalen Sportverein oder kauft vielleicht ein Kunstwerk von einem prekären Künstler an. Eigentlich müsste diese Verantwortung aber viel weiter gehen, denn Unternehmen prägen, sie gestalten die Gesellschaft mit. Deshalb sollte zur „Corporate Social Responsibility“ auch die Frage gehören: mache ich mit dem, was ich als Unternehmen produziere und wie ich darüber kommuniziere, die Gesellschaft besser oder mache ich sie schlechter? Und die meisten Unternehmen entscheiden sich aktiv dafür, sie schlechter zu machen, nur weil ihnen das mehr Profit bringt. Denn dieses Thema ist keines, bei dem man sagen kann: „Ich bleibe neutral“, das gibt es nicht, für eine Seite muss man sich entscheiden.

Anke Domscheit-Berg Foto: CC-BY Julia Tham (www.foto-tham.de)

Anke Domscheit-Berg
Foto: CC-BY Julia Tham (www.foto-tham.de)

 

 

6 Fragen an Anke Domscheit-Berg:

Für unser Radiofeature im Deutschlandfunk ‚Die Rosa-Hellblau-Falle. Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen‚ haben wir allen Teilnehmenden im Anschluss an die Interviews dieselben sechs Fragen gestellt und Ausschnitte davon ins Feature eingebaut. Die Antworten von Anke Domscheit-Berg auf die sechs Fragen hier in voller Länge:

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann wärst:

Also für mich wären extrem viele Dinge anders. Ich bin ja DDR-sozialisiert und groß geworden mit einer Vorstellung, dass zum Beispiel arbeiten und Kinder haben keinerlei Widerspruch ist. Als ich dann aber bei einem westdeutschen Unternehmen arbeitete und ein Kind hatte, dann war das auf ein Mal ein Problem. Meine Umwelt erwartete von mir, dass ich zu Hause bleibe, jedenfalls nicht mehr Unternehmensberaterin auf Projekten bin. Und der Vater meines Kindes hat bei der gleichen Firma, im gleichen Job gearbeitet, für den hat sich in dem Punkt nichts verändert. Und das war für mich deshalb so eine extrem überraschende Erkenntnis, weil das mit meiner DDR-Erfahrung überhaupt nicht zusammen ging, und ich kannte weder Begriffe wie „gläserne Decke“ noch wie „Rabenmutter“, die hatte ich weder gehört, noch habe ich das Konzept verstanden. Und das, glaube ich, hätte ich als Mann ja einfach gar nicht mitgekriegt, sondern dann hätte ich genau mein Leben so weiter gelebt wie der Vater meines Kindes, der Montag bis Freitag auf Dienstreise war, und am Wochenende war er halt dann mal da. Nie hat ihn einer gefragt: „Wer kümmert sich denn um Dein Kind“ oder „Wie machst Du das denn mit der Familie?“. Und vielleicht hätte ich das als Mann ja auch so gemacht und genau wie er schneller Karriere gemacht, mehr Geld verdient, mehr Rentenbeiträge eingezahlt und würde jetzt viel mehr Geld haben, selbst als Oma noch. Vielleicht (das hoffe ich natürlich) hätte ich mir die Arbeit auch mit der Mutter des Kindes geteilt – aber selbst dann wäre es nur noch die halbe Belastung gewesen im Vergleich zu dem, wie ich es als Frau erlebt habe.

 

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist?

Ich war ja 15 Jahre in der Industrie und auch in Führungspositionen, und das ist tatsächlich so, dass man als Frau eine extrem schwierige Gradwanderung zu bewältigen hat. Denn einerseits erwartet man von einer Führungsperson bestimmte Verhaltungsweisen, die in der Regel identisch sind, mit dem, was man von einem typischen männlichen Mann erwartet, die man aber nicht mit Weiblichkeit verbindet. Das heißt, ich verletze als Frau immer ein Stereotyp, entweder das, das man mit Managern assoziiert oder das, was man mit Weiblichkeit assoziiert. Ich kann mir jetzt aussuchen welches. Also entweder bin ich Weichei-Managerin und dann eigentlich nicht führungsstark oder aber bin ich halt so eine eiserne Lady und dann aber total unweiblich. Es gibt grenzenlos wissenschaftliche Forschung dazu, die aufzeigt, dass man, wenn man sich führungsstark verhält als Frau, einfach nicht gemocht wird. Man wird abgelehnt, von Kollegen, von Vorgesetzen, und persönliche, menschliche Ablehnung führt auch zu einer Einschränkung bei weiteren Karriereentwicklungen. Viele Frauen können diese Geschichten erzählen, dass sie entweder den „Mäuschen“-Vorwurf kriegen oder den „aggressiv und karrieregeil“-Vorwurf kriegen – dazwischen gibt’s fast nichts. Diese Art der Gratwanderung war mir oft durchaus bewusst, wenn ich genau überlegte, wie ich auftrete und welche Formulierungen ich benutze, um eine gewisse Balance zu erreichen, weder zu unweiblich noch zu dominant rüberzukommen. Das ist ein beschissenes Spiel, aber als Frau hat man oft keine andere Wahl. Ich habe Männer oft darum beneidet, diese Art von Rücksicht nicht üben zu müssen, da es bei ihnen keinen Widerspruch zwischen stereotyper Männlichkeit und Managementkompetenz gibt.

 

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du eine Frau bist:

Mir fallen ganz viele Dinge ein, aber es sind eigentlich eher traurige Dinge, weil es Freiheit einschränkende Dinge sind. Also ich würde nicht nachts durch irgendwelche Parks gehen, ich würde beliebige Umwege in Kauf nehmen oder Taxi-Geld verschwenden, auch wenn ich eigentlich prima hätte laufen können, ich würd’s einfach nicht tun aus Angst. Ich gehe durch bestimmte Unterführungen nicht. Ich gehe niemals mit lauten Kopfhörern mit Musik irgendwo im Dunkeln lang, weil ich dann nicht höre, wenn mir einer hinterher kommt. Ich habe dann immer die Lauscher ganz weit offen, um das mitzukriegen. Ich würde nicht (mehr) trampen. So gibt’s ganz, ganz viele Dinge. Ja, ich weiß, nicht alle Männer machen schlimme Sachen, ich weiß aber auch, dass zu viele Männer für zu viele Frauen gefährlich sind und dass ich versuchen muss, für mich das Risiko zu minimieren, auch wenn ich weiß, dass es nicht meine Schuld ist. Man sieht auch keinem Mann an, wie gefährlich er werden kann. Und ich habe selber schlechte Erfahrungen gesammelt diverser Art, das ist also eine ganz reale Gefahr, die ist nicht bloß Theorie, das wird durch gruselige Statistiken ja auch jedes Jahr neu bestätigt.

 

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Ich habe mehrere sehr unschöne Erfahrungen auch mit direkter Diskriminierung in unterschiedlichen Arbeitsplätzen gehabt, unter anderem auch als IT-Projektleiterin, wo mir immer wieder suggeriert wurde, teilweise auch von Kunden, IT-Leitern, die mich noch nicht kannten, die dann so Panik äußerten, wenn ich angekündigt wurde als neue Projektleiterin, und meinten: „Kann die das überhaupt? Das ist doch eine Frau.“ und „Da sind doch nur Jungs oder Männer im Team, und da geht’s um X-Millionen Euro IT-Einkauf im Jahr, da darf doch nichts schief gehen.“ Und nach ein paar Wochen mich testen, wo ich dann so fachliche Sachen gefragt wurde, wie in kleinen Prüfungen, hießt es dann halt irgendwann: „Joa, die kann das ja doch und alles wieder gut. Wir sind ja jetzt entspannt.“ Aber ich habe das die ganze Zeit gespürt! Auf jedem neuen Projekt kam immer dieses subtile: „die kann das eigentlich nicht; die gehört hier eigentlich nicht hin“. Und das hat mich in meiner Arbeit behindert, weil es mir Stress verursacht hat, es hat mich unter Druck gesetzt, mir Angst gemacht hat und hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich nach 15 Jahren IT-Industrie neben anderen Gründen gesagt habe: ich will mir das einfach nicht mehr antun.

Krass fand ich auch, als mein Kind 6 Monate alt war und ich wieder arbeiten wollte. Und da hörte ich wirklich dieses: „Was?! Du willst schon wieder arbeiten?! DAS ARME KIND! Wozu braucht eine Mutter denn Karriere, wenn sie ein Kind hat?“ Ich kriegte so etwas von Vorgesetzen ins Gesicht gesagt, aber auch Arbeitskollegen waren da recht unverblümt.

 

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen zu gehören:

Als ich mal ein halbes Jahr vorher Urlaub beantragt habe für den Geburtstag meines Sohnes, weil mir das wichtig war, sagte mir mein Chef: „Naja, so als Muttertier sei das ja ok, aber für ihn komme das nicht in Frage, er hätte 3 Kinder, da müsse er ja drei Mal im Jahr Urlaub nehmen, wo käme man denn da hin, ne?“ Wo ich noch dachte, okay, jetzt ist das Klischee zwar zu meinem Vorteil, aber was für eine arme Gesellschaft…

 

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Hm, diese Frage ist verdammt schwer. Ich wollte erst „Sport“ antworten, aber das stimmt ja nicht. Wer einmal 20 Sekunden über Männer- und Frauenfußball nachdenkt oder wie Frauen und Männer in Fitnesscentern unterschiedlich angeschaut werden, merkt schnell, dass auch da das Geschlecht eine Rolle spielt. Beim Filme schauen? Da fällt mir dann Game of Thrones ein, eine Serie, in der viele Vergewaltigungsszenen vorkommen, die vermutlich auch von Frauen anders rezipiert werden als von Männern. Vielleicht Spaghetti kochen… außer man stellt sich ein größeres Spaghetti-Kochen im Freundeskreis vor, wo nach dem Essen auf magische Weise eine Geschlechterteilung entsteht, bei der mehrheitlich oder ausschließlich Frauen den Tisch abräumen und Ordnung wieder herstellen… Für spezifische Situationen wäre das einfacher, bei uns zuhause hat das Geschlecht zum Beispiel auf Hausarbeit keine Auswirkungen, es hängt bei uns nur von zufälligen Anwesenheiten und Zeitverfügbarkeiten ab, wer die Spüle ausräumt, Müll wegbringt oder Essen kocht und das hält sich ungefähr die Waage. Mir fällt aber tatsächlich keine generische Situation ein, in der Geschlecht prinzipiell keine Rolle spielt. Leider, denn ich wünschte mir, diese Kategorie würde nicht in allen Bereichen so wichtig genommen.

 

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Anm. von Sascha und Almut:

Diese 6 Fragen wollen wir zum Anlass nehmen für ein Blogstöckchen:

Mehr dazu hier …

hart aber fair stellt Gleichstellungsbestrebungen infrage

Für gestern Abend hatte sich die Redaktion von „hart aber fair“ um Frank Plasberg entschieden, Gleichstellung und damit zusammenhängend, den PayGap zu diskutieren … und das Thema wiederholt auf vergleichsweise lächerliche Nebenaspekte zu reduzieren (Ampelmännchen, Unisex-Toiletten, Hirsche …). Der Moderator hat von Anfang an Stellung bezogen, seine Kommentare, die Zitate und Einspieler waren manipulativ. Dazu passend kamen drei Gäste zu Wort, die sich mit Fragen der Gleichstellung bisher wenig bis gar nicht befasst hatten (S. Thomalla hat vom generischen Maskulinum noch nie gehört und hält die Diskussion darum für Quatsch.), deren Alltagstheorien unwidersprochen blieben vom parteiischen Moderator (W. Kubicki beruft sich auf seine beiden Töchter, um zu belegen, dass es keine Ungleichbehandlung von Frauen und Männern im Berufsleben gibt.), die zudem offensichtlich falsch informiert sind über die Inhalte der Genderforschung und Ziele des Konzepts des Gender Mainstreaming (B. Kelle meint, Gleichstellungsbeauftragte förderten nur Frauen, Gender befasse sich nicht mit dem an Jungen vermittelten Männerbild). Die sachlichen Argumente kamen allein von Anne Wizorek und Anton Hofreiter, die andere Seite vertrat die Strategien Herablassung, Ahnungslosigkeit und Ins-Lächerliche-Ziehen.
Zurück bleibt Sprachlosigkeit darüber, dass in der ARD eine Sendung ausgestrahlt wird, die die Gleichstellungsdebatte negativ beeinflusst (Facebook- und Twitterkommentare belegen, dass Plasbergs Botschaft vom Genderwahn ankam), obwohl es den ganzen Abend überhaupt nicht um Gleichstellung ging. Was hat sich die Redaktion dabei gedacht? Toppen hohe Einschaltqoten jedes Argument? Oder gab es darüberhinaus ein überlegtes, inhaltliches Ziel dieser Sendung?

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Nachtrag am 2.4.15:

Der deutsche Frauenrat berichtet von einer Programmbeschwerde der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros/ Gleichstellungsstellen NRW gegen die Sendung vom 2.3.15.

Darin heißt es unter anderem:

Die Sendung von Herrn Plasberg hat u.E. gegen die Programmgrundsätze („Wertende und analysierende Einzelbeiträge haben dem Gebot journalistischer Fairness zu entsprechen“) des WDR verstoßen.
Wollen Sie auf diese Art und Weise mehr Frauen und junge Menschen für den WDR begeistern? Als Gebührenzahlerinnen verlangen wir Auskunft darüber, ob diese Art der Sendungsgestaltung prägend für den WDR werden soll.

Den genauen Wortlaut des Briefes an den WDR, an Tom Buhrow kann man >hier< nachlesen.

 

hart aber fair Programmankündigung ARD

hart aber fair Programmankündigung ARD

Tchibo, Babywalz und die MINT-Berufe

In seinem aktuellen Katalog bietet das Versandhaus Walz Kinderzimmermöbel „Für echte Rennfahrer“ und „Für echte Mäuschen“ an. Auf Twitter hatten wir uns mit @babywalz-news über diese Wortwahl ausgetauscht und parallel dazu eine Presseanfrage geschickt, auf die wir zunächst nur einen Einzeiler zur Antwort erhielten. Letzte Woche kam dann überraschend ein Anruf von Geschäftsführer Mike Weccardt, der um ein persönliches Gespräch bat.

Babywalz online Katalog, Screenshot

Babywalz online Katalog, Screenshot

Dass Gendermarketing die Welt klischeehaft in männlich und weiblich einteilt, um mit zwei getrennten Zielgruppen den Umsatz zu steigern, haben wir auf diesen Seiten schon mehrfach kritisiert. Besonders ärgern wir uns dann, wenn Gendermarketing vorgibt, Zukunftsträume von Kindern spielerisch umzusetzen und auf diesem Weg alle Projekte verhöhnt, mit denen Mädchen und Frauen für MINT-Berufe gewonnen werden sollen und Jungen wie Männer für den Care-Bereich. Das hat zur Folge, dass Mädchen und Jungen, wenn sie in die weiterführende Schule gehen und in der fünften Klasse zum ersten Mal am jährlichen Girls‘ beziehungsweise Boys‘ Day teilnehmen, schon tausende von Werbebotschaften in Geschäften, auf Plakaten, in Spots und auf Verpackungen gesehen haben, die ihnen stereotyp vermitteln, dass Jungen Sieger sind und später mal Rennfahrer, Feuerwehrmann oder Mathematiker werden und dass im Gegensatz dazu Mädchen süße Mäuschen sind, ihr Berufsziel reduziert sich dann in aller Regel auf, ja: Prinzessin!

Sieger-Prinzessinnen

GenderSuppe

Der folgende Spot macht uns besonders sprachlos: Muttern weiß Bescheid – Vater? Abwesend. Sohn wird Mathematiker, Naturwissenschaftler, Forscher, Bergsteiger… – Tochter? Ballerina. Echt klasse, hippe Idee einer Werbeagentur, deren MitarbeiterInnen sich bestimmt für fortschrittlich, aufgeklärt und gleichberechtigt halten. Und die nächste Generation? Oooch, nach uns die Sintflut!

 

Bettwäsche-tchibo

Auch Tchibo reitet auf dieser Welle, die Bettwäsche für Astronauten und Prinzessinnen ist nur eines von vielen Beispielen. Nun hat das Unternehmen immerhin auf die Kritik von Pinstinks hin seine Haltung zum Thema Gendermarketing veröffentlicht. Zwei Produktmanagerinnen, Ricarda und Anina, antworten auf harmlose Fragen und wischen alle Kritik vom Tisch: „Warum sollen Kinder die rosa Phase nicht einfach durchmachen dürfen?“ Botschaft: Wir übertreiben alle maßlos, und das Unternehmen meint ’s doch nur gut. Dass Tchibo mit seinem rosa Sortiment ausschließlich Mädchen anspricht und weniger Produkte, sondern vor allem Rollenklischees von Häuslichkeit und Schönheit vermittelt, kommt nicht zur Sprache. Auch nicht, warum Autos und Flaschenöffner für „echte Männer“ beworben werden. Die Reaktion von Pinksstinks fällt deshalb auch entsprechend aus. Kurzum: wie erwartet sieht Tchibo die Verantwortung bei den Käufer*innen, und die Antwort, die wir schon nicht mehr hören mögen, lautet auch hier wieder: „Der Markt liefert nur, was der Kunde will“.

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Tchibo, Screenshot

Liebe Freunde und Rechtfertigerinnen des Gendermarketing: Der Markt ist kein seelenloses Etwas, der Markt besteht aus vielen, in unserem Fall zudem kleinen Wesen, die ein grundgesetzlich verbrieftes Recht haben auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Aussagen wie die von Tchibo („Das Gesellschafts-Selbstbild von Mädchen heute ist: Schönsein. Es gibt eine große Fixierung auf das Äußere, die Haare müssen lang sein, der ganze Look feminin. Topmodels und Superstars sind die Vorbilder, nicht Astrophysikerinnen.“) bewirken und bezwecken das Gegenteil. Und auch auf der anderen Seite gibt es keine unpersönliche Marketingstrategie, sondern jeder Werbespot, jede Anzeige, jedes Bild und jeder Text, jedes Produktdesign und jede Verpackung wurde von Menschen erdacht, entwickelt, umgesetzt, überprüft und dann zu Markte getragen. Verantwortung lässt sich also nicht so einfach und beliebig delegieren. Schon gar nicht, wenn man auf die 30 Milliarden Euro (€ 30.000.000.000 !) blickt, die die Werbewirtschaft laut eigenen Angaben in Deutschland Jahr für Jahr umsetzt, Tendenz steigend.

Seine Rechtfertigung bezieht das Gendermarketing aus der Marktforschung: „Studien haben ergeben, dass…“. Doch anstatt Umfragen als „Studien“ aufzuwerten und damit Wissenschaftlichkeit zu implizieren, wie wäre es stattdessen mit etwas Grundlagenforschung zu den Themen „Minimalgruppenparadigma“, „Fremdgruppenhomogenitätseffekt“ und „Stereotype Threat“. Und dann können wir gerne noch einmal darüber sprechen, wie Kinder durch Gendermarketing in ihrer Wahlfreiheit beeinflusst werden. Und was das tatsächliche Ziel der einzelnen Unternehmen ist, dass sie diese Wahlfreiheit auf Klischees beschränken.

Die Spielwarenmesse, die aktuell in Nürnberg läuft, trägt jedenfalls wenig Ermutigendes bei: Auch Ravensburger hat jetzt rosa Highheels im Programm, als Puzzlespiel. GNTM-Kandidatin Rebecca Mir findet: „Für kleine Mädchen ist das ein kindliches Herantasten an die echten High Heels!“ Model ist inzwischen übrigens unter den Top 5 der Traumberufe von Mädchen. Das war beileibe nicht immer so.

Wir finden es grundsätzlich gut, wenn sich ein Dialog entwickelt, allein deshalb hat uns der Anruf von Mike Weccardt von BabyWalz gefreut. Wirklich überrascht hat uns, dass er sich wünschte, die Doppelseite des Katalogs für Mäuschen und Rennfahrer wäre anders getextet worden, weil er als Manager, Mensch und Vater polarisierendes Gendermarketing nicht gutheißen kann. Da war keine oberflächliche Rechtfertigung, wie sie Tchibo in seinem Fake-Interview betreibt und wir sie bisher ausnahmslos von Marketingleuten zu hören bekommen haben, sondern leise Töne und die Bitte, weiter im Gespräch zu bleiben, auch weiter zu kritisieren, wenn es nötig ist. Wir fangen jetzt mal an mit diesem Lob, und hoffen, dass unsere und die Kritik anderer etwas bewirkt. Nils Pickert von Pinkstinks berichtete im letzten Sommer von guten Gesprächen mit Jako-o darüber, „firmeninterne Leitlinien zu entwickeln, die gegen Sexismen und Ausgrenzung wirken“. Wir hoffen, dass es bald mehr Unternehmen geben wird, die bereit sind, soziale Verantwortung zu übernehmen und anzuerkennen, dass ihre Werbekampagnen mit vorgestrigen Rollenbildern und Berufszielen das Weltbild unserer Kinder mit beeinflussen. Die Verantwortung dafür einseitig den Eltern zuzuschieben ist unredlich. Deshalb hätten wir natürlich gut gefunden, Babywalz hätte sich nicht nur im privaten Gespräch, sondern öffentlich zur Mäusschen- und Rennfahrer-Seite geäußert. Vor allem aber sind wir gespannt, ob die Marketingabteilung in Zukunft tatsächlich sensibler agieren wird, wie sie es ankündigt, und ob hier tatsächlich ein Unternehmen auf die Strategie der rosa-hellblauen Klischees verzichtet.  Zu hoffen wäre es.