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Der Goldene Zaunpfahl in den Medien

Die Verleihung des Goldenen Zaunpfahls, Negativpreis für absurdes Gendermarketing, fand am 3.März 2017 in Berlin statt

(>> mehr zu den Hintergründen)

 

 

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Der Goldene Zaunpfahl geht an…

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan auf der Bühne vor Leinwand mit GoldenerZaunpfahl-Logo

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan (Foto: @monoxyd)

Wir sind überrascht, glücklich und dankbar, dass der Goldene Zaunpfahl auf ein so großes Interesse gestoßen ist, unsere Idee, die negativen Auswirkungen des Gendermarketing einmal in einem größeren Rahmen zu thematisieren (>> Linkliste Medienecho). Vor allem deshalb ist es ja ein Negativpreis, weil das Bewusstsein über den nachweisbar negativen Einfluss, über das Ausmaß und die Allgegenwart von einengenden Rollenklischees leider nicht sehr verbreitet ist. Sonst würde es zur Routine von Medienmenschen, ErzieherInnen und LehrerInnen, in Verlagsredaktionen oder Marketingabteilungen gehören, darüber zu sprechen, sich fortzubilden und im Arbeitsalltag darauf zu achten, sie zu vermeiden.

Wir verstehen, dass manche in einem Negativpreis zuerst die Anprangerung sehen. Das ist bedauerlich, denn unser eigentliches Anliegen ist es, einen gesellschaftlichen Dialog zu initiieren über die gemeinsame Verantwortung von Unternehmen und Konsument*innen, Kindern eine freie Entfaltung zu ermöglichen ohne einengende Rollenvorgaben.

Natürlich hätten wir lieber einen Positivpreis verliehen, aber Werbekampagnen auszuzeichen, die auf Diskriminierung verzichten, das schien uns leider (noch) wenig hilfreich. Solange so viele Menschen davon überzeugt sind, dass Gendermarketing Kindern die freie Wahl ließe, wird der Goldene Zaunpfahl ein Negativpreis bleiben müssen. Aber mancher Spot ist genau deshalb eine Erwähnung wert, weil er das Problem der Diskriminierung thematisiert und das bewusst macht, auf was wir auch mit den Goldenen Zaunpfahl hinaus wollen. (Drei Beispiele hat Tarik gestern Abend vorgestellt: H&Ms Schönheits-Vielfalt, Telekoms Familienbild und Audi Spaniens Spielzeugkombination)

Wir wollen uns also herzlich für eine bunte Veranstaltung gestern Abend bedanken, die ohne die viele Unterstützung und euren Zuspruch eine kleine Online-Aktion geblieben wäre.

Deshalb ein dickes Dankeschön an alle Beteiligten!

Vorneweg an alle, die seit Dezember 2016 unserem Aufruf gefolgt sind, und Beispiele für absurdes Gendermarkting eingesandt haben (Hier ist das weiterhin möglich, denn wie’s aussieht, ist nach der Preisverleihung vor der Preisverleihung ;-) ).

Vielen Dank an unsere tolle Jury, Nora, Ferda, Petra, Tarik, Margarete, Anke und Daniel!

An die musikalische Unterstützung durch Suli Puschban, Yansn & Torkel T. und Form.

Und an das nette Team des HAU, das hinter den Kulissen und mit der Bereitstellung seiner schönen Räume ganz wesentlich zum Gelingen des Abends beigetragen hat.

An Maurizio, der das Motiv und den Goldener-Zaunpfahl-Aufkleber für uns entworfen hat.

Und nicht zuletzt an alle, die gestern vor Ort dabei waren und mit uns gefeiert haben!

 

Reaktionen der Hersteller

(zur Vorstellung der 5 Nominierten)

Der Preis ging in diesem Jahr an die Pons GmbH / Klett Lerntraining für die beiden Leserlern Bücher für Mädchen bzw. Jungs:

Aus der Laudatio von Ferda Ataman:

Die Bücher, die als Leselernhilfe daherkommen, sind also nicht nur rosa-hellblau gelabelt. Sie vermitteln klischeehafte Inhalte und schließen Mädchen aus dem Abenteuer-Weltall-Bereich aus. Und sie geben Jungs keine Chance, sich für Tiere und Back-Partys zu interessieren. Auf die wirklich peinlichen – übrigens zeitlos peinlichen Illustrationen – will ich mal nicht weiter eingehen. Aber seien Sie sich sicher, Sie unterstützen die transportierten Rollenklischees konsequent.

Um es noch mal klarzustellen: Nirgends in diesen Büchern werden die gängigen Klischees auch nur ansatzweise gebrochen oder hinterfragt. Sie werden einfach nur bedient.

Okay, vielleicht bis auf die rosa Auspuffwolken…

[…] Dabei gab es Zeiten, da waren quietschrosane Prinzessinnen-Köder und alle-jungs-sind-tapfere-Helden-Botschaften in der Kinderliteratur verpönt. Wir waren schon weiter und wir möchten dahin zurück.

Das plötzliche und sehr kurzfristige Interesse am Goldenen Zaunpfahl mag dazu geführt haben, dass einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Presseabteilungen der nominierten Unternehmen sich adhoc und möglicherweise unvorbereitet äußern mussten. Um genau das zu vermeiden, hatten wir die Unternehmen lange vor der Preisverleihung angeschrieben und auf die Nominierung hingewiesen, verbunden mit einer Einladung zum Dialog und zur Veranstaltung nach Berlin. Mit der Ausnahme RaethGloben – ist es Zufall, dass das kleinste der nominierten Unternehmen reagiert hat im Gegensatz zu den großen Konzernen? – haben wir keine Rückmeldung bekommen. Schade. Manche Medien wollten für ihren Bericht über die Preisverleihung nicht auf ein Statement der Nominierten verzichten und haben deshalb nachgefragt:

Folgemilch für Ballerinas und Mathematiker:

„Wir können die Kritik nicht nachvollziehen, Aptamil steht für ein modernes Rollen- und Familienverständnis.“ (Milupa auf Spiegel Online)

Geschichten zum Lesenlernen mit Polizisten und Handrührern:

Bei Pons / Klett Lerntraining hat Spiegel online erfahren, dass es sich bei den Preisträger-Büchern explizit nicht um Schulbücher handle, sondern um Bücher für den Nachmittag. (sic!)

„Weder Diskriminierung noch die Vermittlung stereotyper Lebensweisen spiegelt die Absicht des Verlags wider. Sollten diese beiden Bücher den Anschein erweckt haben, so ist dies überaus bedauerlich.“

Bei Raethgloben wurde auf der Seite des pinken Globus ergänzt:

Aus aktuellen Gründen: Gern dürfen Sie diese Farbvariante auch für Ihren Sohn erwerben oder die blaue Variante für Ihre Tochter.

Sie kocht, er telefoniert:

„Das nominierte Bild ist nicht repräsentativ für das bewusst genderneutrale Marketing von jako-o.“ Jako-o erklärt Spiegel online außerdem, das Problem läge wohl weniger in der Darstellung sondern im Auge des Betrachters.

 

Auf die jeweils klischeehafte Darstellung gehen weder jako-o, Pons/Klett noch Milupa ein. Stattdessen verweisen sie auf andere, weniger klischeehafte Artikel im eigenen Angebot, was uns ratlos macht, was genau ändert das an der Botschaft der Ausgewählten?

 

Antje Schrupp fasst auf zeit.de unser Anliegen prima zusammen: „Gegen den Geschlechterblödsinn„, alles gesagt. Zum Nachlesen auch für jene, die uns grade lange Mails und unfreundliche Kommentare schreiben und uns erklären wollen, wie Werbung und Kapitalismus funktionieren – ganz offensichtlich ohne gestern Abend dabei gewesen zu sein oder erstmal nachgelesen zu haben, worin genau unsere Kritik liegt.

Gleichgültigkeit ist unangebracht. Wer so argumentiert, überschätzt nämlich grandios die Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins, sich gegen ständige subtile Beeinflussung abzuschotten. Gendermarketing wirkt. Zum Beispiel, indem es uns dauernd daran erinnert, dass wir ein Geschlecht haben. Menschen sind ja vielerlei, sie gehören zu allen möglichen Kategorien und Gruppierungen, sie haben Haut- und Haarfarben, Körpergrößen, Berufe, Interessen, Sprachen, Nationalitäten, Herkunftsregionen und so weiter. Aber die meisten davon haben wir nicht ständig im Kopf. Wir würden etwa nicht auf die Idee kommen, Kugelschreiber für Leute über 1,70 Meter Körpergröße und solche für Leute unter 1,70 zu bewerben. Oder unterschiedliche Buggys je nachdem, ob das Kind braune oder rote Haare hat.

 

 

 

 

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan

 

 

Einladung Der Goldene Zaunpfahl 2017

Öffentliche Preisverleihung, Pressekonferenz und Gala

3. März 2017, Beginn 18:00 Uhr

HAU1 Hebbel am Ufer, 10963 Berlin, Stresemannstraße 29

Im November 2016 haben Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan ihre Protestaktion gestartet: der goldene Zaunpfahl – Negativpreis für die absurdesten Auswüchse des Gendermarketing. Margarete Stokowski, Nora Gomringer, Daniel Bröckerhoff, Tarik Tesfu, Ferda Ataman, Petra Lucht und Anke Domscheit-Berg haben als Jury aus den vielen Einsendungen den ersten Platz bestimmt, welches Produkt, welche Kampagne, welches Unternehmen den Wink mit dem Goldenen Zaunpfahl am nötigsten hat.

Marzipan für echte Kerle, Gurken für Mädels, Prinzessinnenshampoo in Pink und in Hellblau für Ritter … Tee, Stifte, Textaufgaben, Gummistiefel und Sehtests, alles wird neuerdings in zwei Varianten angeboten. Gendermarketing nennt sich diese Strategie, die uns eine Welt verkaufen möchte, in der Farben, Interessen, Verhaltensweisen und Eigenschaften streng nach

Invitation in english

Geschlecht getrennt werden. Die Unternehmen mimen Unschuld und gemeinsam mit vielen Verbraucherinnen und Journalisten unterschätzen sie den Einfluss von Werbung und Produktdesign auf unser aller Rollenverständnis von richtigen Frauen und echten Männern, von Jungen und Mädchen.

Am 3. März 2017 wird im Rahmen einer Pressekonferenz und Gala zum ersten Mal der Goldene Zaunpfahl verliehen … ob auch die Nominierten zur Preisverleihung erscheinen werden? Die Jury wird ihre Auswahl begründen, die Laudatio sowie ein dialogischer Vortrag zu Gendermarketing, Minimalgruppenforschung und Stereotypbedrohung werden die psychologischen und sozialen Zusammenhänge beleuchten und deutlich machen, wie sehr Unternehmen und EntscheidungsträgerInnen des Marketing die Entwicklung der Gesellschaft mit beeinflussen, dass sie selbst Verantwortung tragen, die sich nicht einfach auf abstrakte Kaufinteressen und ökonomische Mechanismen abwälzen lässt.

suli puschban

Programm:

  • Einlass 17:30 Uhr
  • Beginn 18:00 Uhr
  • Musik:  Suli Puschban („Ich hab die Schnauze voll von Rosa“)
  • Beiträge rund um Gendermarketing, Information zur Wirkung und Forschungslage („Sind doch nur Farben?“)
  • Vorstellung der Nominierten
  • Laudatio
  • Preisverleihung

    yansn

  • Musik: Form und Yansn vom Berliner HipHop-Label Springstoff
  • Zeit für Fragen und Austausch
  • Im Anschluss getogether in der Bar des HAU1

 

Mit freundlicher Unterstützung des HAU Hebbel am Ufer

form

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weitere Informationen:

 

 

HAU Hebbel am Ufer

Aufruf!

Der goldene Zaunpfahl

Preis für die absurdesten Auswüchse des Gendermarketing

Aufruf !

an Verbraucher*innen, Produkte und Werbekampagnen zur Nominierung einzureichen

Puschelige Glitzerkerzen extra für Mädchen? Stählerne Weihnachtskugeln nur für echte Kerle? Wir freuen uns auf die Adventszeit und sind schon ganz gespannt, was sich die Unterstützer*innen des Gendermarketing in diesem Jahr so ausdenken werden.

ÜeikleinRosa Überraschungseier und lila Legosteine waren ja erst der Anfang einer Strategie, die seit rund 10 Jahren neuen Aufschwung erfährt. Inzwischen gibt kaum einen Produktbereich, in dem Unternehmen nicht versuchen, ihren Umsatz mit Hilfe des Gendermarketing zu steigern. Und so erfreuen sie uns mit Männersalz und Frauensalz, rosa Smarties für Prinzessinnen, hellblaue für Ritter, Chips für den Mädelsabend, Würstchen für Männer, Socken nicht für Füße, sondern für Jungs, Klebeband je nach Geschlecht und Taschentücher in „mansize“ mit „strength you can trust“.

Das ist uns einen Preis wert!gurkenmadl

Halten Sie die Augen offen, lassen Sie sich nicht in Schubladen zwängen. Wir rufen Verbraucher*innen auf, Werbeplakate zu fotografieren, Screenshots, Werbeslogans und Produkte voll sinnlosem Gendermarketing für den Goldenen Zaunpfahl zu nominieren. Senden Sie Ihre Fotos und Links zu Produkten, die sinnlos dem einen oder anderen Geschlecht zugeordnet werden: http://rosa-hellblau.tumblr.com/submit

Im neuen Jahr, wenn das nagelneue Fahrrad gegen ein pinkes eingetauscht werden musste, und wenn manch wilder, eckiger Actionheld beim Einschlafen helfen soll, wählt unsere Jury aus den Einreichungen das Produkt, das den Wink mit dem Goldenen Zaunpfahl am nötigsten hat bzw. die Werbestrategie, die plump, altbacken und unreflektiert einengende Rollenbilder reproduziert.

(Die Preisverleihung wird am 3.März 2017 in Berlin stattfinden. Genauere Angaben dazu folgen)

 

Viele Grüße aus der Rosa-Hellblau-Falle,

die Initiator*innen,

Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring, Sascha Verlan

 

Mehr Informationen:

–> die Jurymitglieder

–> zur Pressemitteilung ‚Goldener Zaunpfahl 2017

–> zum Download der Pressemitteilung als pdf

–> mehr Hintergründe zum Zaunpfahlpreis

–> Infos zur Preisverleihung am 3. März 2017

Einreichungen

Absurde Auswüchse des Gendermarketing, die die Jury bei der Nominierung berücksichtigen soll,

>> können als Bilder oder Links hochgeladen bzw. eingetragen werden. Vielen Dank!

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*der Wink mit dem Zaunpfahl = sprichwörtliche Redensart,
die das überdeutliche, grobe oder plumpe Hinweisen 
auf einen Sachverhalt bezeichnet

a) Preis für Werbung, die plump, altbacken und unreflektiert, 
wie mit dem Zaunpfahl, einengende Rollenbilder präsentiert.

b) Preisverleihung als Hinweis, der Wink mit dem Zaunpfahl, 
die nominierte und ausgezeichnete Werbung und ihre 
Botschaft dringend zu überdenken.