Tag Archives: Radiofeature

rosa-hellblauer Alltag, Links und Termine

Da wir grade mehr Radio machen und Workshops geben, bleibt das Bloggen etwas auf der Strecke. Wer uns hier begleitet und neue Einträge vermisst, mag vielleicht in der Zwischenzeit diesen Links folgen und uns an anderer Stelle lesen bzw. hören:

www.equalcareday.de

www.equalcareday.de

Rund um den Equal Care Day (equalcareday.de) haben wir viele Interviews geführt, am 29.2. waren wir unter anderem beim WDR und danach im Hörfunkstudio für ein Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk. Es ging um die Frage, warum wir mehrheitlich immer noch davon ausgehen, Fürsorge und Empathie sei Frauen in die Wiege gelegt. Und selbst wenn viele anderer Meinung sind, so reichen wir dieses Klischee trotzdem an die nächste Generation weiter. –> podcast-link der SR-Sendung vom 29.2.2016

radiofrei

Am 4. April lief im Deutschlandradio Kultur ein Beitrag von Maike Strietholt „Kita-Werkbank für Mädchen? – Störenfriede gegen Rollenklischees“ in der Reihe ‚Zeitfragen‘, für den sie uns interviewt und unsere Antworten in einen 6-Minuten-Beitrag zusammengefasst hat. Uns gefällt er gut, denn damit ist wirklich in aller Kürze erklärt, was uns an der rosa-hellblauen Zweiteilung der Kinderwelt so stört und welche Folgen sie hat:

 

Rosa-Bann und Hellblau-Falle

Der rbb sendet am 5.April um 19 Uhr unser Feature über einen Jungen, der Nagellack und Prinzessinnenkostüme mag und noch so manches, das seine Umwelt „Mädchenzeug“ nennt. Seine

Eltern wehren sich gegen die geschlechtliche Zuschreibung von Interessen und wollen ihm Wahlfreiheit lassen, was im Alltag richtig schwierig ist.

Übrigens: Der Untertitel des rbb „Ein Junge hat Mädchenträume“ ist das Gegenteil dessen, was die Sendung, was wir mit all unserem Schreiben und Vortragen vermitteln wollen. Ein Junge KANN keine Mädchenträume haben (was auch immer das sein soll), sie sind, ganz einfach weil ER sie träumt per se Jungenträume. Es stattdessen am Inhalt festzumachen, ist genau die Art Zuschreibung, die ihm den Alltag so schwer und Kindern individuelles Entscheiden schier unmöglich macht.

 

Krimis

Nach einer langen Krimipause ohne Wallanders, Brunettis und wie sie alle heißen, habe ich auf Twitter eine Anfrage gepostet, mir doch Lesetipps zu schicken, allerdings mit einem konkreten Wunsch:

Die vielen Tipps, die ich dazu bekomme habe, sind bestimmt auch für andere interessant, voilà und klick: Bildschirmfoto 2016-04-04 um 19.07.32

Forbildungen

  • Und ich habe zugesagt, beim Herbsttreffen der Medienfrauen im November einen Workshop anzubieten. Die Einladung freut mich sehr, da ich die Veranstaltung auch aus Teilnehmerinnensicht spannend finde. Schade nur, dass ich am Samstag nicht gleichzeitig an einem der vielen anderen Angebote dort teilnehmen kann.

Presse

  • Vor kurzem hat mich Sarah Wiedenhöft von eltern.de interviewt, ich bin schon gespannt, was sie aus meinen vielen, langen Antworten zusammengebaut hat.
  • Und im nächsten Mum Magazin, das Mitte Mai erscheinen wird, gibt’s eine Pro-Contra Kolumne mit mir und Andrea Seifert (von meworkingmom.com) zur Frage „Alles Rosa oder Hellblau – Soll man Kinder geschlechtsspezifisch kleiden?“. Ihr könnt Euch denken, welche Seite ich dabei vertrete :-)

 

Alltag und so…

Wenn wir „Die Schnauze voll von Rosa“ haben, befassen wir uns mit anderen Themen: HipHop und Rap oder recherchieren für ein Radiofeature über falsche Erinnerungen >> zu unsrem Radio- und HipHop-Blog, und genauso wichtig: Präsentationtrainings oder Workshops zum Thema Stimme, Aussprache, Vorlesen >> TRAININGS

Natürlich begleitet uns die Rosa-Hellblau-Falle trotzdem. Unsere Älteste legte mir heute Mittag ihre Französischarbeit zum Unterschreiben hin und Zack:


Viele Grüße aus der Rosa-Hellblau-Falle

 

Rosa-Bann und Hellblau-Falle

Die Feen- und Glitzerwelt eines kleinen Jungen

Radiofeature um 10:05 – 10:30 Uhr

(Link zum Feature in der Mediathek)

Live-Diskussion mit Hörerinnen und Hörern: 19.20 bis 20 Uhr

(Link zum Nachhören)

Puppen und Prinzessinnen, Glitzer und Nagellack, die Sprache der Werbung, Produkt- und Verpackungsdesign vermittelt deutlich, dass all diese Dinge Mädchen vorbehalten sind, für Jungen tabu. Interessiert sich ein kleiner Junge doch dafür, dann erfährt er schiefe Blicke, verletzende Kommentare und Unsicherheit bei Eltern, Erziehern und Lehrerinnen.
Bei der Recherche für unser Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees“ haben wir eine junge Familie kennengelernt und begleitet. Deren fünfjähriger Sohn ist fasziniert von einem Lebensbereich, aus dem er sich zugleich ausgeschlossen fühlt. Wie gehen die Eltern damit um?

 

 

 

Rückblick und Wiedereinstieg

Schöne Sommergrüße aus der Wort & Klang Küche!

Hier in NRW gehen die Ferien schon zu Ende und wir jonglieren die Übergangsphase: die Eltern müssen wieder arbeiten, die Kinder haben noch frei (ok, vor 1 Woche begonnen, heute erst gepostet). Da ist es sehr praktisch und zugleich ein organisatorisches Unding, dass wir das Büro im Haus haben. Wenn wir das Abendessen ans Rheinufer verlegen, Feuer machen und grillen, die Kinder länger aufbleiben dürfen, dann fällt dafür die abendliche Bürozeit weg, die uns sonst im Alltag oft rettet, wenn eine Deadline naht. Und wenn der Eiswagen sich schon mittags um zwölf mit dem „Für Elise“-Motiv ankündigt, weiß ich, ich kann den Stift weglegen, denn gleich kommt eins der Kinder ins Büro gerannt und braucht dringend Kleingeld, und überhaupt will ich auch ein Eis …

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Links: Lidl-Plakat in Schottland fotografiert, Rechts: deutscher Prospekt

Die Rosa-Hellblau-Falle ließ uns natürlich auch im Urlaub nicht los: auch in Schottland sortiert z.B. Lidl sein Angebot nach Farben und Motiven, aber immerhin steht daneben, alles sei „for kids“. Im Unterschied zu Deutschland, wo im selben Zeitraum dieselben Shirts an „süße Kätzchen“ und „starke Helden“ verkauft wurden. Warum?

Okay, vielleicht hat meine Ferienlektüre (–> 3 Buchtipps) mit dazu beigetragen, dass uns das Thema auch in der schottischen Einöde von Wanderstiefeln und Regenjacken begleitet hat.

 

Felix übt einparken…

Im Briefkasten lag nach dem Urlaub das neue Geolino. Auf der Rückseite übt Papa einparken mit Felix: „Gut gemacht, Papa! – Typisch Felix“ – Damit wir nicht auf die Idee kommen, Papa übe mit der Tochter? (Oder weil Mutter und Tochter erstens gar nicht üben müssen, um gut einzuparken und zweitens schon gar keine Einparkhilfe brauchen, die hier beworben wird? :-) Klischees auf der Rückseite einer Kinderzeitschrift, typische Rosa-Hellblau-Falle des Alltags. Die unauffällige Variante, kaum jemand wird sich daran stören, und doch wundern wir uns über das hartnäckige Vorurteil, Frauen könnten nicht einparken. Tatsache ist ja: Frauen können nur dann nicht einparken, wenn sie meinen, sie könnten es nicht. Klassischer Fall des Stereotype Threat: Vorurteile beeinflussen unser Verhalten. Und wenn wir sie ihm Unterbewusstsein mit uns tragen, wir ihnen aber nicht entsprechen wollen, dann kostet das Energie und wir machen fehler. Es ist also völlig unnötig, Kinder auf diese Weise fehl zu „informieren“, und so der nächsten Generation unsere hierarchischen Klischees mit auf den Weg zu geben. Auch wenn es von den MacherInnen (so vermute ich, weil Déjà-vu) lustig gemeint war. IMG_0329    

#rosahellblaufalle

Wieder in Bonn und mit Zugriff auf Facebook entdeckten wir das Foto von Luisa auf den Seiten von Wer braucht Feminismus. Sie sagt „Ich brauche Feminismus, weil kein Kind in der #RosahellblauFalle feststecken soll“. Wir haben uns gefreut, unseren Hashtag hier wiederzusehen und sind absolut Luisas Meinung. Die Kommentare unter ihrem Bild machen dagegen wieder deutlich, wie schnell Menschen bereit sind, etwas abzulehnen, ohne sich mit den Hintergründen auseinandergesetzt zu haben oder, wie in diesem Fall, allein aufgrund eines Wortes, eines Hashtags, nach dessen Bedeutung sie sich nicht weiter erkundigt haben. Schade. luisa   Ähnliches haben wir in Wolfsburg erlebt, als wir im Juli im Elternforum der Autostadt einen Vortag zur Rosa-Hellblau-Falle hielten. Ein Vater fand unsere Haltung völlig übertrieben, die Welt sei besser, als wir sie darstellten, er habe schließlich drei Söhne und könne absolut nicht nachempfinden, was wir da erzählten. Sein Motto: „Das Problem, das Ihr beschreibt, kenne ich aus meinem Alltag nicht, also ist es auch keins.“ Am selben Abend im Hotel sind wir durch die Fernsehkanäle gezappt. Zuhause haben wir keinen Fernseher, und Hotelübernachtungen sind immer wieder eine klasse Gelegenheit, sich die Bestätigung dafür zu holen. Auf Kika lief was mit Mädchen und Pferden. Eine war zickig, da haben sie die anderen aus ihrem Kreis ausgeschlossen und waren auch zickig. Oder so. Fortsetzung folgt. Aber ohne uns. tv   Anderswo in Deutschland hat ein Kind ein klasse Taufgeschenk bekommen, inklusive Rosa-Hellblau-Falle für die Eltern. Da freuen wir uns gleich mit :)

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Die nächste Radiosendung

Nachdem wir jetzt zu unseren geregelten Bürozeiten zurückgekehrt sind, ist neben anderen Projekten die Produktion unserer nächsten Radiosendung dran: „Im Rosa-Bann“. Der Sendetermin auf SWR2 ist am 1.Oktober 2015 und es geht darin um eine Familie mit zwei Kindern. Sie sprechen über ihre Erfahrungen, die sie im Kindergarten gemacht haben, als ihr Sohn für seine Lieblingsfarbe Rosa ausgelacht wurde, oder als eine eigene Mädchenecke eingerichtet wurde (zum Schutz vor den wilden Jungs!), so dass ihr Sohn von da an keinen Zugang mehr zum Puppenhaus hatte.

 

Interviewpartner*in gesucht

Hier noch ein Aufruf mit der Bitte um Weiterleitung. Wir suchen noch Gesprächspartner*innen für ein Radiofeature und sind dankbar für Kontakte. (Klick auf den Brief führt zum pdf-Download):

Hier nochmal der Text mit den genauen Infos auf unserem Radioblog.

Oder gerne auch als Retweet auf Twitter oder via Facebook:

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Slam

Den Abschluss dieser Sammlung macht das Video eines grandiosen Slam-Auftritts, mit dem wir gerne wieder in den Alltag einsteigen. Wir wünschen allen weiterhin einen schönen Sommer, mit oder ohne Ferien, so oder so mit möglichst wenigen rosa-hellblauen Zuschreibungen:

 

 

Wander-Bingo für Kinder

P.S.

Ein Mitgebsel zum Schluss, völlig ohne Rosa-Hellblau: Ein selbstgemachtes „Wander-Bingo“, das wir jetzt schon im vierten Jahr bei Wanderungen mit Kindern nutzen. Bleistifte mitnehmen und jedem Kind einen A6 Zettel geben: Alle Dinge, die es unterwegs sieht, darf es auf dem Blatt einkreisen. (Wir machen öfter Wanderungen mit mehreren Familien, und die Kinder finden sich dann schnell zu zweit, zu dritt zusammen und sind plötzlich mit offeneren Augen unterwegs.) Wer Lust hat, das auszuprobieren: ein Klick aufs Bild führt zur jpg-Version zum Ausdrucken. Viel Spaß!

WanderBingo

12von12 im August

#12von12Dieser 12. des Monats fällt auf den ersten Schultag nach den Sommerferien in NRW.

 

In den letzten Wochen hatten wir viele berufliche Dinge unterwegs oder auf dem Balkon erledigt, noch mehr Jonglage mit den Kindern als sowieso schon, mehr Hin und Her zwischen Ausflügen, Manuskripte lesen, Kochen, Googeln, Schwimmen, Schreiben… , haben Bürozeiten entsprechend verändert, viel in den Abend verlegt – ohne Schulkinder käme ich nie auf die Idee, vor 8 Uhr am Schreibtisch zu sitzen. Ab heute bleibt mir wieder nichts anderes übrig :-(

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Sieht schön aus der Himmel, so früh am Morgen, fühlt sich aber so falsch an, dass ich gerne darauf verzichten würde und den Anblick gegen den des Abendhimmel eintauschen möchte. Aber gut.

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Erste Tat im Büro: Schreibtisch aufräumen. Ich fände es ja logischer, das zu Beginn der Ferien zu machen. Reinen Tisch und heute Neustart in den Arbeitsalltag. Aber da kam wohl anderes dazwischen. Hier also der seltene Anblick meines leeren Schreibtisches. Ich weiß nicht, wann er zuletzt so aussah – zu lange her.

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Die Post bringt eine Karte für K1 und einen Brief an mein männliches Ich – gibts öfter bei meinem Vornamen. Nur meine Kinder finden das immer wieder aufs Neue unglaublich: Almut ein männlicher Vorname? Im Gegensatz zu irritierten AnruferInnen, die wundern sich andersherum: „Ach, Sie sind es selbst? Ich dachte, wegen des Namens… Stille…“.

Außerdem im Kasten das Buch von Anna Mateur „Weh Wehchen Atlas„, das mich eine Weile davon abhält, zum Schreibtisch zurückzukehren. Ein Bilderbuch für Erwachsene, das sich mit gruseligen Zeichnungs-Collagen mit Perfektionismus, Schönheit und deren Herbei-Operation befasst. Ich habe Anna Mateur letztes Jahr in Dresden gesehen und fand ihre Lieder schon toll, dass sie ihre Kritik auch in erschreckende Illustrationen packt, war mir neu. Lustig ist das nicht. Also schon ein bisschen, weil sie derart übertreibt und Körperteile beschneidet, rasiert, umordnet, ersetzt. „Mir war auch nicht bewusst gewesen, dass es allein durch die Fülle der Oberlippe zu Problemen mit der Nasenatmung kommen könnte. … Letztendlich habe ich die Nase ganz entfernen lassen.“

Hier eine der harmloseren Seiten zwischen all den einzelnen Körperteilen:

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Gegen später verlege ich mein Büro wieder auf den Balkon. Redaktionssitzung mit Senfbrot und Chips:

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Am Nachmittag fahre ich mit dem Rad am Rhein entlang zur Musikschule, um die Kinder dort zu treffen.

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Es wird ein Familientreffen daraus und wir gehen gleich noch ein Eis essen. Ganz zufällig :) habe ich eine Picknickdecke dabei.

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An einem Baum in der Nähe sind viele kleine gefaltete Kraniche auf Schnüre gespannt. Eine schöne Idee. Und so lese ich zum ersten Mal die Aufschrift des Gedenksteins dort und erfahre außerdem, dass letzte Woche, am 6. August der 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs der USA auf Hiroshima war.

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Die Bedeutung der Kraniche kannte ich, seit wir ein Feature für den SWR und Deutschlandfunk übers Falten gemacht hatten (Din 824 – C. Falten, aber richtig), hier werde ich wieder daran erinnert:

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Sadako Sasaki war 2 Jahre alt zum Zeitpunkt des Bombenabwurfs und wuchs als scheinbar gesundes Mädchen auf. Mit 10 Jahren erkrankte sie an Leukämie und hörte von einer alten japanischen Legende: Wer tausend Origami-Kraniche falte, bekäme von den Göttern einen Wunsch erfüllt. Im Krankenhaus faltete sie über tausend Kraniche, Freunde und Familie halfen ihr, und ihre Lebensgeschichte hat weltweit Anteilnahme bekommen und wurde nach ihrem Tod weiterverbreitet. Origami-Kraniche wurden so zu einem Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstands gegen den Atomkrieg.

 

10von12

Auf der Heimfahrt noch Grünzeug für unsere Kaninchen einsammeln. Ich glaube, damit bin ich nicht allein, HasenbesitzerInnen kennen den Impuls, sich bei jedem Löwenzahnbüschel zu bücken. Selbst im Urlaub, weit weg von den Kaninchen, oder wenn ich beruflich unterwegs bin und in einer anderen Stadt mit meinem Rollköfferchen an einem Park mit großen Löwenzahnblättern vorbeikomme, muss ich mich bremsen und mich erinnern, dass es Quatsch ist, die Blätter im Zug nachhause zu transportieren :-)

 

11von12

Angekommen steige ich über den Haufen, der vor unsererem Haus liegt. Als ich ihn gestern entdeckte, habe ich ihn ignoriert, wollte nicht wahrhaben, dass es Hundebesitzer gibt, die so was fett vor der Haustür anderer Menschen liegen lassen. Heute mache ich ein Foto davon. Wozu weiß ich auch nicht. Ich sollte eine Tüte holen. Bäähhh! Echt blöd sowas. Dabei wohne ich noch nicht mal in Berlin! Vielleicht lösche ich das auch wieder, wer will das schon auf seinem Blog haben. Und es gibt wirklich Schlimmeres, um sich aufzuregen, aber trotzdem: So eine Sch…!

 

12von1212von12

Spät am Abend schreibe ich noch einen Aufruf, weil wir für unsere nächste Radiosendung noch eine/n GesprächspartnerIn suchen und ich das morgen online stellen möchte. Es wird wieder spät, dabei wollte ich doch noch…  Das Déjà-Vu berufstätiger Eltern.

Das waren meine 12 von 12 im August.

Vielen Dank fürs Dabeibleiben :)

 

*Hier* gibt es mehr #12von12 August-Beiträge.

 

Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen

Einladung zum Radiohören:

6. Dezember um 0:05 – 3:00 Uhr im Deutschlandradio Kultur

6./7. Dezember im Deutschlandfunk, 23:05 – 2:00 Uhr

und im Anschluss (vorauss. 2 Wochen lang) *hier* als podcast

Jakob spielt am liebsten mit dem Puppenhaus, er mag Haarspängchen und verkleidet sich gern mit Kleidern und Klackerschuhen. Aber nur zuhause, weil er im Kindergarten dafür schon ausgelacht wurde und auch von den Erwachsenen Kommentare kommen, die allenfalls auf den ersten Blick gut gemeint sind. Emma ist Verteidigerin im örtlichen Fußballverein

"Lego Friends" für Mädchen vs. "Lego City" für Jungs = Haare, Minirock + Freundinnen statt Berufe, Action und Abenteuer

„Lego Friends“ für Mädchen vs. „Lego City“ für Jungs = Haare, Minirock + Freundinnen statt Berufe, Action und Abenteuer

und grätscht die wild anstürmenden Jungs schon mal kompromisslos weg. Sie mag gerne weite, gemütliche Hosen in blau und grün. Aber in den Abteilungen für Mädchenkleidung gibt es überwiegend Stretch-Jeans und enge Slim-Schnitte in Pink.

Nagelscheren und Klebestifte, Pflaster und Schnuller, Fahrräder und Sandspielzeug, Smartphones, Bücher und Computerspiele … die gesamte Spiel- und Lebenswelt von Kindern wird heute in zwei Sphären aufgeteilt: für Jungen – für Mädchen, weiblich – männlich, hellblau – rosa. Bloß eine Phase, die sich wieder rauswächst? Wohl kaum, denn mit den Produkten und Spielangeboten werden immer auch Charaktereigenschaften und Interessen weiter gegeben … oder unterbunden. Das hellblaue Shampoo ist „für Siegertypen“, die pastell-rosafarbene Variante ist für Prinzessinnen und hilft, dass es beim Kämmen langer Haare nicht ziept. Der neue Pizzaburger ist für Männer, die keinen Appetit haben sondern Hunger. Und das neue Joghurt ist besonders mild und leicht bekömmlich, macht gar nicht dick und wird natürlich von einer Frau und für Frauen beworben. Jungs entdecken und erobern in ihren Spielen neue Welten, Mädchen spielen soziale Welt mit Haushalt, Kinderbetreuung und Körperpflege. Waren wir da nicht schonmal weiter?

Im aktuellen politischen Diskurs geht es darum, dass sich Väter mehr an der Betreuung, am Leben ihrer Kinder beteiligen mögen (Elternzeit, Familienarbeitszeit), dass sich Mädchen und Frauen mehr in naturwissenschaftlich-technischen Feldern engagieren und in Führungspositionen vorstoßen (MINT, Quote), um geschlechtergerechte Sprache, Alltagssexismus und wie sich die ungleiche Rollen- und Machtverteilung zwischen den Geschlechtern auflösen, zumindest abmildern ließe. In den Kinderzimmern ist davon nichts zu spüren, im Gegenteil. Hier werden Klischees und Rollenbilder weitergegeben, die wir eigentlich für längst überwunden hielten. Wenn Jakob sich liebevoll um seine Puppen kümmert, spielt er dann nicht heute schon, was ihn später einmal ausmachen kann, nämlich ein fürsorgender Erwachsener zu sein als Partner, Vater und als Sohn? Und wenn wir das als gesellschaftliches Ziel erachten, sollten wir ein solches Verhalten dann nicht ebenso unterstützen, wie wir das bei Mädchen tun? Oder ist die Sorge, Jakob könnte homosexuell sein, doch tiefer verwurzelt, als wir uns einzugestehen bereit sind? Sind wir letztlich immernoch überzeugt, dass empathisches Verhalten, Pflege und Betreuung minderwertige Interessen sind im Vergleich zum mathematisch-technischen Forscherdrang, zu BWL und Juristerei?

„Diese ganze Unterscheidung zwischen männlich / weiblich, das ist so ein Quatsch! Wenn man ’s wirklich darauf reduziert: Wer arbeit produktiv mit und wer zerstört mehr, als dass er positiv bewirkt? Wer verbreitet mehr Angst und Schrecken, als dass er an einer Gesellschaftsstruktur positiv mitarbeitet? Wer wirtschaftet in die eigene Tasche, statt mit der Allgemeinheit zu arbeiten? Da müsste die Unterscheidung liegen!“ Waldemar Kobus in: Die Rosa-Hellblau-Falle. Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen.

 

Die Rosa-Hellblau-Falle

Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen

von Almut Schnerring und Sascha Verlan

 Eine Sendung mit:

 

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Nachtrag:

Zum aktuellen (Ende Oktober) Stand der Produktion gibt’s hier einen kurzen Blogpost.

 

 

Flattr zur Rettung des Radiopuzzles

Seit diesem Monat gehören auch wir zu den Flattr-Freund*innen.

Gelesen hatte ich schon viel darüber, aber da ich es bisher unter dem reinen Kosten-Nutzen Aufwand betrachtet hatte, kam es nicht weiter in Frage. Und auch Sebastian Heiser von der taz schrieb nichts Gutes darüber: „Auf taz.de ist Flattr kein Button, mit dem unsere Leser den besten Journalismus unterstützen, sondern es ist ein Button für Häme und Schadenfreude“. Also was sollten wir damit.

Als ich jetzt von Sandra Müller, unterstützt von Nele Heise via Twitter einen Schubs bekam, habe ich nochmal nachgelesen, was andere so sagen, wie sie die Idee einsetzen, warum sie dabei bleiben. Und schon öfter habe ich interessante Artikel im Netz gelesen und mir überlegt, wieviel Recherchearbeit wohl dahinter gesteckt haben muss, habe gestaunt über Blogger*innen, die viel Zeit ins Schreiben stecken und hätte meine Wertschätzung gerne lohnender zum Ausdruck gebracht als durch eine Tweetempfehlung. Ob Flattr da der passende Weg ist, ist umstritten, und was Christoph Amthor darüber schreibt, gibt mir zu denken. Doch die Idee von Tobias Baier, Flattr-Einnahmen nicht als willkommenes Zubrot zu sehen, sondern für eine ganz bestimmte Aktion einzusetzen, fand ich gut, und sie scheint ja auch funktioniert zu haben.

Trotzdem und deshalb habe ich nun auch bei uns Buttons eingebaut, hier unter den Share-Buttons, klar, aber vor allem auf der Seite unseres QR-Radiofeatures „Kulturelle Störgeräusche. Wer hat das Sagen im öffentlichen Raum„.

Das Motto des QR-Radio-Projektes ist: „Verschenke ein Radiofeature“ – feel free to ad. Der QR-Code bietet die Möglichkeit, codedas Feature an passender Stelle im öffentlichen Raum anderen zur Verfügung zu stellen. Und wir hoffen natürlich, dass auf diesem Weg viele Menschen auf die Sendung stoßen und sich von ihr durch die Straßen führen lassen. Und wer daran besonderen Gefallen gefunden hat, kann sich, wie bisher auch schon, den QR-Code selbst ausdrucken und das Featuregeschenk so weiterreichen. Doch jetzt gibt es eben darüberhinaus noch die Möglichkeit, uns zu flattern :)

Als Neueinsteiger*in haben wir ja noch so gar keine Vorstellung, wo uns das hinführen kann, ob das bei einem symbolischen Schulterklopfer bleibt. Sollten sich aber viele über das Feature freuen, dann wollen wir uns davon keine Gummibärchen kaufen, sondern das Geld in zwei wartende Projekte stecken:

Wohin fließt der Flattr?

 

Foto: resolution ©Franz Pfluegl via fotolia.com #551433

Foto: resolution ©Franz Pfluegl via fotolia.com #551433

1) in die Rettung des Radiopuzzles:  Für Deutschlandradio Kultur haben wir 2009 ein interaktives und nonlineares Feature über das Puzzeln in allen seinen Bedeutungen produziert: „Puzzle im Kopf. Oder die Rästel unserer Wahrnehmung„. Umgesetzt ist die Idee mit dem Korsakow System von Florian Thalhofer. Sie lässt sich hier ansatzweise erkennen: www.radiopuzzle.de, doch leider funktioniert inzwischen die damals verwendete Methode, Bild und Ton zu kombinieren, nicht mehr, die einzelnen Clips werden nicht bis zum Ende gespielt und brechen einfach ab. Das Feature besteht aus 81 Puzzleteilen, die jedes einzeln repariert werden müssen. Wir freuen uns deshalb über Unterstützung, damit die Idee nicht verloren geht, ein Feature von den Hörer*innen selbst und individuell zusammenpuzzlen zu lassen, die es so bis zu dem Zeitpunkt nicht gab.

2) in ein zweites QR-Radio-Projekt: Für die Idee, ein Feature im öffentlichen Raum zu verorten, hatten wir uns mehrere Themen überlegt, eines davon hat der SWR mit dem oben beschriebenen QR-Feature umgesetzt. Doch das soll erst der Anfang sein, für das zweite Feature haben wir schon Aufnahmen gemacht, die Idee steht – auch wenn wir inhaltlich hier noch nichts verraten wollen. Eine Redaktion beim öffentlich-rechtlichen gibt es auch schon, doch die ist nur an der reinen, klassischen Audio-Version interessiert. Das genügt uns aber nicht, wir finden die Verknüpfung im Raum ganz wesentlich, die Zeiten des Wohnzimmerradios sind vorbei.

Flattr-Beiträge fließen also in die Umsetzung des Features für Internet und öffentlichen Raum, und wir freuen uns über Unterstützung, damit das Feature raus aus der Schublade kommt!

 

 

Improvisation….

2013-artsbirthday

Improvisiertes Live Hörspiel, art’s birthday 2013 im ZKM

… und Einladung zum Radiohören:

am 17. Dezember auf SWR2 um 22h03

‚Springt der Funke über? Kriterien und Regeln improvisierter Dichtung‘

Feature von Almut Schnerring und Sascha Verlan

Dass Dichtung auch ohne Korrekturen und einen längeren Werkprozess funktionieren kann, beweisen die Improvisationsdichter. Sie arbeiten nicht mit Buchstaben auf Papier, sie sprechen ihre Texte live. Damit verzichten sie bewusst auf die Möglichkeit, ihren Text durch Umstellen, Neuschreiben oder Verwerfen in eine endgültige Fassung zu bringen. Den Improvisationsdichtern geht es nicht um ein druckfertiges Manuskript, sondern um den direkten Kontakt mit dem Publikum – darum, in einem bestimmten Moment spontan den richtigen Ausdruck zu finden. Gelingt der Coup, nimmt das Publikum am Ende kein Buch mit nach Hause, sondern die Erinnerung an einen inspirierenden Abend.

Unter anderem mit:

–       Tobias Borke, Freestyle-Rapper aus Stuttgart

–       Timo Brunke, Performance-Poet aus Stuttgart

–       Sandra Masemann, Autorin und Trainerin aus Hannover

–       Selim Özdogan, Schriftsteller aus Köln

O-Ton 22 (Roland Borgards):  Improvisation zu dokumentieren ist sehr problematisch, das gilt für jede Form von Improvisation, weil Improvisation eine Augenblickstätigkeit ist, die nur solange dauert, wie der Augenblick selbst dauert. Das heißt, das Improvisatorische in einem solch emphatischen Sinne gesprochen verschwindet immer, bei jeder Aufzeichnung, das gilt nicht nur in dem Fall, dass das in Schrift übersetzt wird, das gilt auch schon für einen Mitschnitt, und das gilt auch für eine musikalische Improvisation, wenn man sie mitschneidet.

 O-Ton 23 (Selim Özdogan):  Der Unterschied zwischen einem literarischen Improvisieren und dem, was wir hier machen, ist für mich nicht weit. Jetzt sitzen wir hier bei mir auf dem Sofa, wir könnten das Gleiche auf der Bühne machen, und es wäre auch für andere Leute interessant. Und dann hätten wir schon diesen Raum, der sich öffnet. Und ganz letzten Endes, das hier wird ja ’n Feature, wir öffnen ja den Raum, also so, wir sind auf ’ne Art schon da, dass wir das gemeinhin nicht Literatur nennen, ja, ist mir bewusst, aber ich verstehe auch das als Literatur, als eine Unterhaltung durch Sprache und Klang.

Die Sendung hat eine Länge von 55 Minuten, wer am Termin selbst nicht dazukommt, kann sie sich ab Dienstag, 17.11. eine Woche lang im Netz anhören.

Und hier stelle ich einen erster Ausschnitt ein, sobald wir fertig sind mit der Produktion:

Ausschnitt hören

Ausschnitt hören

Viel Spaß bei einer Hör-Stunde rund ums Thema improvisierte Dichtung!