Tag Archives: Rollenklischees

Blick hinter die Kulissen

Was hier aktuell passiert…

Da wir hier seit der Verleihung des Goldenen Zaunpfahls nichts mehr geschrieben haben, wollen wir kurz vorstellen, an welchen Projekten wir grade arbeiten. Unfertiges also, ein Blick hinter die Kulissen :)

>> Ganz aktuell, damit können wir jetzt einfach nicht mehr hinterm Berg halten 😊 überlegen wir, eine Art Qualitätssiegel zu erfinden, das analog zu Siegeln für Lebensmittel („Glutenfrei“) oder Textilien („frei von Schadstoffen“) Produkte, z.B. Spielzeug, Bücher, Computerspiele, auszeichnet, die „frei von Rollenklischees“ sind. Aktueller Stand:Siegel #klischeefreiWer uns auf Twitter folgt, weiß das schon, denn hier habe ich die unausgegorene Idee gepostet und sofort viel Rückenwind bekommen. Ein ganz herzlicher Dank 😊🎉 geht an dieser Stelle an @mimimibe, 🍰💐der sich sofort an die Gestaltung gemacht hat, von ihm ist dieser Entwurf, der vielleicht gar keiner ist, sondern das fertige Qualitäts-Siegel sein wird. Wir finden es jedenfalls total schick und wollen mehr aus der Idee machen. Mal schauen, wie es damit weitergeht.

Radiosendungen in der Mache…

>>Außerdem haben wir in den letzten Wochen ein Radiofeature vorbereitet, in dem es um Geschlechterrollenbilder vor der Geburt geht. Wir haben nach einer Mutter/ einem Paar gesucht, die das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes wissen möchte und eine, die das vor der Geburt überhaupt nicht interessiert, es auch nicht gesagt bekommen möchte. Dafür habe ich @mayamitKind getroffen und gemeinsam mit ihrer Partnerin ein interessantes Gespräch geführt. Yasmin habe ich getroffen, sie hat von ihrem Wunsch nach einem Mädchen erzählt, das sich beim Ultraschall als Junge entpuppte. Ich habe außerdem mit @zesyra gesprochen über Wünsche und Erwartungen an das Ungeborene, und habe die Kölner Gynäkologin Maria Beckermann interviewt. Das Feature wird am 2.Mai im Kulturradio rbb ausgestrahlt:

„Was wird es denn?!

Schon vor der Geburt eines Kindes greifen die Rollenklischees“

2. Mai 2017, 19:04 – 19:30, kulturradio rbb

(zur Vorschau auf den rbb-Seiten, bzw. zum Podcast nach dem Sendetermin)

photo credit: #smo Project 365: Day 16 via photopin (license)

 

>> Während der Recherche hat uns Lisa vom Blog Stadt-Land-Mama angeschrieben, was wir denn von dem Wunsch hielten, ein Kind nur dann zu bekommen, wenn man sein Geschlecht wünschen dürfte. Hier unsere Antworten auf ihre Fragen.

5. Mai im Deutschlandfunk

>> Und ein zweites Feature entsteht grade:

„10 Dinge, die an Mädchen nerven

Geschlechterklischees in der YouTube-Szene“

5. Mai, 20:10 – 21:00, Deutschlandfunk

(zur Vorschau auf den DLF-Seiten, bzw. zum Podcast nach Sendetermin)

Dafür war ich in einer Bonner Realschule und habe Schülerinnen und Schüler einer 9.Klasse interviewt. Ich habe mit Tarik über seine Genderkrise gesprochen und Marie Meimberg interviewt. Wir waren viel auf Youtube unterwegs, um uns all die Kanäle anzuschauen, die Kinder so zwischen 10 und 15 grade „liken“. Dabei habe ich mir angehört, was Jungs angeblich an Mädchen mögen, was sie nie tun sollten, was Mädchen dafür unbedingt wissen müssen, und wie Frauen… Dabei bin ich auf die Gruppe „Girrrl Voice Heroes Duisburg“ gestoßen mit ihrem Video „Wer glaubst du, dass du bist?!“, ein paar der Mädchen habe ich in Duisburg getroffen, auch sie kommen in der Sendung zu Wort. Das Manuskript ist fertig, es hätte noch mehr interessante Stimmen gegeben, Positivbeispiele zwischen all den Klischeebotschaften. LuLikes oder Lisa Sophie aka ItsColeslaw zum Beispiel, ihren Kanal habe ich jetzt meinen Kindern ans Herz gelegt, als Alternative zu Bibi & Co … ;)

Und noch mehr Radio…

>> Und wer jetzt denkt, die machen ja nur noch rosa-hellblaue Radiosendungen, mag ja vielleicht den Podcast zu unserem Feature für den SWR über den Dichter Lars Ruppel anhören:

 Weckworte für Demenzkranke.

Der Poetry Slammer und Kabarettist Lars Ruppel unterwegs in Pflegeheimen

 

>> Oder unser Feature, das Anfang des Monats beim Deutschlandfunk lief:

 R.E.S.P.E.K.T. 2.0 – Von Wertschätzung in einer globalisierten Welt 

Mehr zu unseren Radiosendungen jenseits der Rosa-Hellblau-Falle veröffentlichen wir auf unserem Radio-Blog: kulturelle-störgeräusche.de, und mehr zu unserem Dasein als Trainerin und Fortbildner posten wir hier: training-bonn.de, gestern zum Beispiel war ich auf dem LiteraturCamp Bonn und habe >hier< zusammengefasst, was ich dort mitnehmen durfte.

Viel Spaß beim Lesen und Hören! :)

 

Der unterschätzte Kleinkram

Die größte Aufmerksamkeit im Themenkreis Rosa-Hellblau-Falle bekommen Nachrichten über sexistische Produkte, deren Geht-ja-sowas-von-gar-nicht-Level für ganz viele sehr hoch liegt. Aktuelles Beispiel aus meiner Timeline ist die Stellenanzeige einer Metzgerei mit einer Frau im Bikini, die eine (Rinder-?)Keule auf der Schulter trägt. – Nein, kommt nicht infrage, dass ich den Tweet hier einbette, ich finde gruselig genug, dass grade das Posten dieser sexistische Anzeige mir bald 200 Retweets beschert hat. Ein Trauerspiel, wenn ich bedenke, wieviele tolle, wertvolle, aussagekräfige, informative… Tweets ich doch sonst immer… ODER?!! Aber das ist trotzdem kein Beweis für ‚Sex sells‘, nur für höhere Aufmerksamkeit. Die führt nämlich noch lange nicht zum Kauf, sondern sorgt im Gegenteil dafür, dass Leute das Produkt selbst gar nicht wahrnehmen (Die Studie dazu und ein Artikel über dieselbe). Ob die Metzgerin nun durch die Anzeige eine neue Fleischfachverkäuferin gefunden hat, ist damit ja noch nicht raus.

Zurück zum unterschätzen Kleinkram. Heute früh ist @luebue über einen solchen gestolpert und hat ihn nicht unterschätzt, sondern in die Tonne gekloppt:

Genau das sind diese Zuschreibungen im Alltag von Kindern, die wir mit „Rosa-Hellblau-Falle“ meinen. Die sind klein und rutschen uns ganz oft durch im Alltag. Sie kommen nicht Schweinekeule schwingend daher und kündigen sich groß als Sexismus an, sondern reihen sich ein in die Menge der Botschaften, die wir und mehr noch unsere Kinder Tag für Tag aufnehmen darüber, wie mann so tickt und was frau so mag. Und am Ende des Tages finde ich die sehr viel übler, als eine einzelne Stellenanzeige. Deshalb habe ich den Käsetweet mit einem ? versehen und weiterverbreitet.

Nun habe ich auf Twitter seit der Schweinekeulen-Anzeige bestimmt 30 neue Follower. Sind sie alle über diesen Post zu mir gekommen? Dann hat das bestimmt bei manchen falsche Erwartungen geweckt.

Und genau darüber lässt sich streiten. Beziehungsweise prima diskutieren. Auch für den Fall, dass @LesTramms gar nichts von der Schweinekeule weiß und aus ganz anderen Gründen mehr erwartet hatte. Ich finde Käse mit der Aufschrift ‚Lieblingszicke‘ in der Brotdose meiner Kinder nicht banal. Denn ich weiß, dass sie im Lauf des Tages noch sehr viele solcher nach Geschlecht sortierten Botschaften aufschnappen werden. Wir essen zwar keine Herrenkonfiture mit Whiskey zum Frühstück (sonst auch nicht :), ich kaufe kein Feenmüsli und auch unsere Schuhe sind frei von Piraten und Prinzessinnen.

Aber an der Bushaltestelle, an der sie vorbeikommen, hängt eigentlich immer irgendein Plakat mit der Botschaft von einem „echten Kerl“ oder einer Bikinischönheit oder von Vätern und Salat und anderen Geschlechterklischees. Auch auf die Auswahl der Übungsblätter in der Schule habe ich keinen Einfluss. Und auf die Botschaften in der Bäckerei auch nicht.

Kinder bekommen den ganzen Tag über jede Menge, für sich gesehen banale Botschaften mit auf den Weg. Aber in der Summe formt sich so ihr Bild von Mann und Frau und davon, wie wir Erwachsenen, die wir Käse verpacken, Plakate gestalten, Schulbücher machen, Brötchen verkaufen… sie uns vorstellen. Nun kann ich mich entweder zurücklehnen und sagen: „Kann ich nicht ändern. So ist das eben, da müssen sie reinwachsen, früh übt sich [was ein ganzer Kerl werden möchte]!“ oder ich versuche wenigstens hier zuhause die eine oder andere Keule auszusortieren. Ich habe mich entschieden, (Käse-)Botschaften, mit deren Inhalt ich nicht einverstanden bin, nicht auch noch an meine Kinder weiterzureichen, denn ich bin nicht der Meinung, Mädchen seien nun mal ab und an zickig und Jungs liebten eben Hackfleisch-Plätzchen. Ja, das ist anstrengend und an schlechten Tagen nenne ich mich Sisyphus, aber hey, das bisschen Fels! ;-)

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-> Und hier gehts zum Blogpost von @luebue in Sachen Zickenkäse; der ist wohl zeitgleich entstanden :)

Geschichten, die Männern nie passieren würden

Ein paar Gedanken zu „Hinten sind Rezepte drin. Geschichten, die Männern nie passieren würden“, Buch von Katrin Bauerfeind

Männer und Bücher…

…überhaupt Männer und Sprache, das sei so eine Sache, obwohl die überwiegende Mehrheit der anerkannten, preisgekrönten und u1_978-3-596-03396-6.41829083erfolgreichen Schriftsteller*innen bis heute Männer sind. Und folgenschwer handeln die meisten Bücher deshalb von Protagonisten, also wirklichen Männern und nicht nur generischen Maskulina. Trotzdem hält sich das Klischee beharrlich, Männer und Sprachen, Kommunikation, Ausdruck von Gefühlen gar … Ich muss mich deshalb gleich schon mal entschuldigen für diesen Text hier, also als Mann meine ich, weil ich ganz deutlich die Stereotypbedrohung im Nacken spüre, und das ist eine denkbar schlechte Muse. Sie kuckt mir über die Schulter, prüft kritisch jeden Buchstaben, jedes Wort, jeden Absatz. Ist das auch alles gut so, korrekt geschrieben und treffend im Ausdruck? Kann er das auch wirklich? Kriegt er das hin? Das setzt mich unter Druck, ich bin im Fehlervermeidungsmodus, und deshalb alles andere als souverän und kreativ schon gleich gar nicht. Weil ich dem Klischee nicht entsprechen will, will beweisen, dass ich das sehr wohl kann, Bücher lesen, mit Sprache umgehen, meinen Gefühlen Ausdruck verleihen, das ist mir wichtig, und so ein Klischee soll mich da nicht zurückhalten. Und trotzdem beeinflusst es mich, unbewusst, es zieht Energie und Aufmerksamkeit ab von der eigentlichen Aufgabe, nämlich hier einen guten Text zu Papier zu bringen, eine Beschreibung, wie es mir als Mann geht, wenn ich Katrin Bauerfeinds Buch lese „Vom Wahnsinn, eine Frau zu sein“, ihre „Geschichten, die Männern nie passieren würden“. Und ganz besonders bei einem Buch, das mich mit diesem Klappentext zum Lesen einlädt: „Kann ich emanzipiert sein und trotzdem ohne Unterwäsche in die Stadt? Bin ich schon eine moderne Frau, nur weil ich nicht kochen kann? […] Wenn Sie solche Fragen mögen, werden Sie mit diesem Buch viel Spaß haben. Wenn nicht, sind Sie vermutlich ein Mann, dann ist es eh wurscht, weil Männer keine Bücher kaufen, geschweige denn lesen.“

Empathie und die sog. Stereotypbedrohung

Wenn Männer vor einem Test, in dem es darum geht, Portraitfotos mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken bestimmte Gefühle zuzuordnen, wenn ihnen vor dem Test gesagt wird, dass es sich um einen Empathie-Test handelt, bei dem Männer in der Regel schlechter abschneiden als Frauen, dann – selffullfilling prophecy – sind ihre Ergebnisse auch deutlich schlechter, schließlich haben sie ja oft genug schon gehört und verinnerlicht: Männer und Gefühle, naja, Sie wissen schon… Und die Werbung packt da gerne noch einen drauf: „Auch Männer haben Gefühle: Durst.“ Lustig, nicht? Erwachsene erkennen die Ironie, im Gegensatz zu Kindern, die solche Sprüche noch sehr lange als Wahrheit mit auf den Weg nehmen. Aber auch Erwachsene beeinflussen diese Botschaften, zu oft werden wir damit konfrontiert in Situationen, die wir gar nicht bewusst wahrnehmen.

Zurück zum Empathie-Test. Fällt der Hinweis aufs Geschlecht weg, wird für jede richtige Antwort gar eine Belohnung in Aussicht gestellt, schneiden Männer genauso gut ab wie Frauen (Klein + Hodges: „When it pays to understand„). Kein Unterschied also in der grundsätzlichen Empathiefähigkeit der Geschlechter. Dasselbe Ergebnis bei Tests, die den Vorurteilen um Frauen und Technik, Informatik und Mathematik nachgingen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden, sobald die Macht der Klischees, sobald der Stereotype Threat ausgeschaltet, ausgetrickst ist. Ach, wie gut könnte dieser Text erst sein, wenn mir die Stereotypbedrohung gerade nicht im Nacken säße?

Katrin Bauerfeind – weiblicher als sie tatsächlich ist?

Katrin Bauerfeind schreibt nun Geschichten, die Männern nie passieren würden. Die sind witzig, das ist pointiert, gut geschrieben, kurzweilig und mit viel Hintersinn. Auf der Oberfläche aber handeln ihre Geschichten von Klischees, von den Männern an sich und wie die Frauen nun mal so sind. Das ist einigermaßen paradox, weil Katrin Bauernfeind am Anfang des Buches ihr kindliches Erleben ganz anders schildert. Sie erinnert sich, dass sie ein untypisches Mädchen war. Wie kam es, dass sie sich heute doch von all diesen weiblichen Klischees beeinträchtigt fühlt? Wann kamen die Klischees in ihr Leben, haben sie verändert? Warum hat sie sich dann ganz anders entwickelt? Wie kam es, dass sie so viel weiblicher wurde, als sie doch angeblich eigentlich ist? Als sie hätte sein müssen? Oder ist sie gar nicht? Bin ich klischeehaft männlicher, als ich es in meinem tiefsten Innern eigentlich bin, wäre? Und was ist das überhaupt, der innere Kern? Gibt es den und wenn ja wo genau?

Am Ende bleiben Klischees und Stereotype, die einmal mehr reproduziert werden, um sie dann zu hinterfragen, zu widerlegen, zu problematisieren, sich drüber lustig zu machen, eine Ja-aber-Spirale, die nicht weiter führen kann. Das ist das Dilemma von Comedy und Kabarett, Humor und Battle Rap: Klischees werden reproduziert und überhöht, das bringt Lacher und Aufmerksamkeit. Dass sie eigentlich reproduziert werden, um zu … was auch immer … hat in der Erinnerung kaum noch Relevanz, das ist Intellekt und Überbau. Die Klischees aber, die wirken auf der unbewussten, emotionalen Ebene und schränken unsere Wahlfreiheit ein, auch wenn wir das nur in den seltensten Fällen merken. Und weil Katrin Bauerfeind sich in vielen Situationen, in ihrer Kindheit anders wahrgenommen hat, möchte ich ihr gerne die sechs Fragen unseres Projekts „Was Anders Wäre“ stellen:

#WasAndersWäre

– Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann/eine Frau wärst?

– Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau/ein Mann bist?

– Was tust du nicht / welche Dinge unterlässt du lieber, weil du ein Mann/eine Frau bist?

– Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

– Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen/Männer zu gehören.

– Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

 

Außerdem stimmt es ja gar nicht, dass die erzählten Geschichten Männern nie passieren würden. Das eine oder andere ist mir genau so auch schon passiert. Die Sache mit der Angst zum Beispiel nachts in einem fremden Haus. Andere Geschichten hätte ich durchaus erleben können, kann ich mir zumindest vorstellen. Ja, ich habe, hätte sie anders erlebt. Anders, weil ich ein Mann bin? Oder anders, weil ich nicht Katrin Bauerfeind bin? Und in vieles kann ich mich hineinfühlen, echt, voll empathisch und so. Und ich lese Bücher! Gekauft habe ich ‚Hinten sind Rezepte drin‘ allerdings tatsächlich nicht. Es kam als Rezensionsexemplar vom Fischer-Verlag frei Haus. Damit ich drüber schreibe. Oder wollten die womöglich, dass meine Frau drüber schreibt? Als Vertreterin der Zielgruppe, weil sie das besser nachvollziehen kann, nachempfinden, gut finden? Egal, ich kümmere mich jetzt erst einmal um meine drei Kinder, neuer Vater, toller Hecht und keines ist krank. Ich bin noch viel superer Papa als Sigmar Gabriel, und die 5000,- Euro – Belohnung habe ich trotzdem nicht bekommen.

Verdammt, in dem Buch hinten sind gar keine Rezepte drin, das ist ja nur eine Verkaufsmasche. Und was gibt es jetzt zu essen?

 

PS: Gerne möchte ich das Buch weiterreichen, weil ich es ja auch nur als Sprungbrett für meine eigenen Gedanken genutzt habe. Und auch wenn ich vielleicht nicht wirklich einladend darüber geschrieben habe, ich habe so viel ausgelassen, vielleicht sogar die besten Seiten. Aus einer anderen Perspektive betrachtet, zu einer anderen Zeit, in einer anderen Grundstimmung wäre alles ganz anders gekommen. Vielleicht möchte jemensch anderes darüber schreiben? Meldet Euch, dann schicken wir ’s raus.

 

 

 

 

 

Christine Prayon: #WasAndersWäre

#WasAndersWäre

(Foto: Marc Hetterle)

(Foto: Marc Hetterle)

 

Christine Prayon ist Schauspielerin und Kabarettistin. Sie gehört zum Ensemble der ZDF-heute-Show, zur Comedystube in Tübingen und bespielt mit ihrem Soloprogramm die Kleinkunstbühnen im deutschsprachigen Raum. Hier antwortet sie auf die Fragen unseres Blogstöckchens #WasAnderswäre.

 

(Viele Menschen haben sich von unseren Fragen angesprochen gefühlt und darüber gebloggt; ihre Artikel sind *hier* verlinkt. Eine Übersicht über alle Gastbeiträge zum #WasAndersWäre-Projekt auf unserem Blog findet sich *hier*.)

 

  1. Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann/eine Frau wärst?

Ich müsste vielleicht nicht so oft unter Beweis stellen, dass ich was in der Birne habe. Vielleicht hätte ich auch für Einiges in meinem Leben nicht ganz so kämpfen müssen. Vielleicht hätte ich aber dafür einen ganz anderen Druck gehabt: Was weiß ich, wie sehr man sich als Mann genötigt fühlt, immer stark sein zu müssen. Jedenfalls denke ich, dass ich gelassener wäre, nicht so vorsichtig. Als Mann fühlt man sich bestimmt in mehrerlei Hinsicht nicht so oft bedroht wie als Frau.

(Foto: Matthes  Schrof)

(Foto: Matthes Schrof)

 

  1. Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau/ein Mann bist?

Ich bleibe sehr lange freundlich und diplomatisch, selbst wenn längst ein anderer Ton angebracht wäre. Oder anders gesagt: Ich erlaube es mir nicht, auch mal hin und wieder ein Arschloch zu sein. Ich staple tief. Und wenn ich tatsächlich mal laut werde oder unverblümt meine Meinung sage, bin ich mir sofort bewußt, dass das gesellschaftlich gesehen gerade eine Grenzüberschreitung ist, und dass mir das als Frau mit Sicherheit übel genommen wird, wohingegen man ein solches Verhalten beim Mann generell als ein Zeichen von Stärke, Macht, Durchsetzungsvermögen sieht und ihn dafür bewundert.

 

  1. Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann/eine Frau bist?

Manchmal breche ich gerne mit den ungeschriebenen Regeln. Ich finde es dann wunderbar, ungeschminkt und mit Turnschuhen und Pulli zu erscheinen, wenn eigentlich adrettes Aussehen erwartet wird. Oder gerade als Frau in einer Männerrunde einen guten Witz zu machen und schlagfertig zu sein, obwohl darauf ja eigentlich die Herren abonniert sind. Oder ganz einfach im Alltag, im Gespräch mit anderen, egal ob Mann oder Frau: Da widerstrebt es mir, die mir (tatsächlich oder gefühlt) zugedachte Rolle des braven Mädchens zu spielen. Ich rede mit Leuten z.B. sehr gerne gleich über Politik, über die Welt anstatt über meine Beziehungen oder meine Befindlichkeit zu sprechen. Ich meide die typischen „Frauenthemen“, weil sie mich meistens langweilen, vielleicht aber auch gerade, weil ich Frau bin.

 

  1. Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Ganz klar: Frauen sind nicht komisch. Das ist ein Klischee, mit dem ich Tag für Tag konfrontiert werde durch meine Arbeit. Die Beeinträchtigung liegt sicherlich darin, dass ich permanent das Gefühl habe, dieses Klischee widerlegen zu müssen, dass ich Witzigkeit und Intelligenz (denn Witz hat ja vor allem was mit Intelligenz zu tun) ständig unter Beweis stellen muss.

 

  1. Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen/Männer zu gehören.

So sehr das Klischee, Frauen seien nicht komisch, mich in meinem Beruf beeinträchtigt, so sehr kann es aber auch von Vorteil sein, als Frau und eben nicht als Mann Kabarett zu machen. (Diese Vorteile sehe ich wohlgemerkt nur in inhaltlicher Hinsicht, niemals in wirtschaftlicher – sei es, was die Zahl der Engagements, den Grad des Erfolgs oder die Höhe der Gage angeht.) Wenn ich nicht gerade über Männer, Schuhe und Bindegewebe spreche, breche ich als Kabarettistin ja schon die Erwartungshaltung der Zuschauer. Das ist im Kabarett schon mal per se nicht verkehrt. Auf der Bühne ist es ja meine Aufgabe, Klischees und Vorurteile aufzuzeigen, zu hinterfragen, auch zu bekämpfen. Da kann ich nicht zuletzt auch als Frau in eigener Sache noch so viele Dinge ansprechen und bestenfalls durch Witz entlarven. Was Gleichberechtigung angeht, ist ja in unserer Gesellschaft durchaus noch Spielraum. Deshalb empfinde ich es neben all den tatsächlich immer noch vorhandenen Vorurteilen und Benachteiligungen, mit denen ich auch in meinem Beruf konfrontiert werde, vielleicht sogar gerade deswegen mitunter als Vorteil, Frau zu sein und das direkt auf der Bühne ansprechen zu können. Da bietet sich mir die Möglichkeit des humorvollen Widerstands. Das kann befreiend wirken, für mich und im besten Falle auch für das Publikum.

 

  1. Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich wollte jetzt direkt antworten: „Na klar, wenn ich mich mit Leuten z.B. über nicht geschlechterspezifische Dinge, über Politik, übers Weltgeschehen o.a. unterhalte, dann spielt es keine Rolle.“ Aber in dem Moment, wo ich das formuliere, merke ich, dass es wahrscheinlich unterschwellig doch immer eine Rolle spielt. Selbst in solchen Gesprächen schießt mir oft – wenn auch nur kurz – durch den Kopf „Oh, hoffentlich nehmen die mich ernst, wenn ich als Frau das sage.“ Also, irgendwie ist diese Unsicherheit und dieses Sich behaupten müssen gegenüber Männern offensichtlich doch ganz tief drin. Es ist wirklich eine gute Frage, ob es irgendeinen Bereich gibt, in dem das keine Rolle spielt. Vielleicht in sehr existenziellen Situationen.

Ich will, dass das keine Rolle spielt in vielen Bereichen. Dafür arbeite ich. Das ist sozusagen mein täglich Brot. Ich stelle mir manchmal vor, wie angenehm es wäre – klingt jetzt pathetisch – wenn wir einfach als Menschen miteinander sprächen. Aber da gibt’s noch viel zu tun. Manchmal frage ich mich, warum es diese Rollenvorstellungen eigentlich gibt. Wem nützt es, dass wir alle so denken?

 
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Über Christine Prayon gibt es ein Radiofeature, das wir 2011 für den Deutschlandfunk produziert haben: „Christine Prayon & Freunde“:

 
 

#WasAndersWäre – Saschas Antworten

#WasAndersWäre

Sascha Verlan

Wir hatten uns diese Fragen ausgedacht, um die vielen, so unterschiedlichen Menschen, die wir für unser Buch und die ‚Lange Nacht der Geschlechterrollen‚ interviewt haben, auf einer gemeinsamen Gedankenebene zusammen zu führen. Auf dem Weg zum ersten Interview war ich alles andere als überzeugt … ob das wirklich gute Fragen sind? Würden sie sich in der Kürze eines Interviews sinnvoll beantworten lassen, oder bekommen wir doch nur Allgemeinplätze zu hören? Und da die meisten unserer Gesprächspartner*innen tagtäglich mit Genderfragen befasst sind: sind die Fragen überraschend und originell genug, dass da spannende, inspirierte Antworten kommen? Und ich musste mich tatsächlich erst selbst an diese Fragen gewöhnen, den richtigen Tonfall finden, die passende, der Situation angemessene Haltung. Die Fragen sind mit den Interviews gewachsen, ihre Relevanz wurde erst mit der Zeit deutlich.

Erst jetzt, nachdem wir die Fragen schriftlich in die Runde geschickt hatten, ist mir bewusst geworden, dass ich sie mir selbst noch gar nicht ehrlich beantwortet habe. Vielleicht war das notwendig, um in all den Interviews unvoreingenommen, persönlich beteiligt sein zu können, jedes Mal aufs Neue mitdenken, überrascht sein, empathisch, überwältigt auch von der ungefilterten Ehrlichkeit … auf jeden Fall ist jetzt die Zeit:

 

Was wäre anders in Deinem Leben, in Deinem Alltag, wenn Du eine Frau wärst?

Ich weiß nicht, ob ich als Frau auch drei Kinder bekommen hätte. Ich habe abgesehen vom Zivildienst und ein paar kleineren Jobs während des Studiums nie in einem festen Angestelltenverhältnis gearbeitet, war immer freiberuflich und wollte nie etwas anderes. Ich fürchte, dass ich als Mann so aufgewachsen bin und sozialisiert wurde, dass Kinder in meinen beruflichen Plänen einfach keine Rolle gespielt haben, dass ich sie einfach nicht mitbedacht habe, als ich mich für diesen Weg entschied. Kinder zu bekommen, bedeutete für mich als Mann nicht diesen gravierenden Einschnitt. Der kam erst, als ich wirklich zur Hälfte für sie zuständig war, als mich die Elternschaftsstrafe ereilte, kinderlose Kollegen und Kolleginnen all die spannenden Projekte machen, für die mir die Zeit, mehr noch die Kraft fehlt. Im Rückblick denke ich, dass mir damals die Konsequenzen meiner Entscheidungen einfach egal waren, und wahrscheinlich hätte ich mir bei der Entscheidung für Kinder diese Scheiß-drauf-Haltung als Frau nicht bewahren können – wenn sie mir nicht schon viel früher abtrainiert worden wäre.

 

Was tust Du nur deshalb, weil Du ein Mann bist?

Ich rede wenig, schweige eher, und überlege oft viel zulange, ob und was ich sagen könnte. Ich mag keinen Small-Talk, weil ich das belanglos finde, vor allem aber weil ich mich in solchen Situationen fehl am Platz fühle, also unsicher und gehemmt. Ich hab das einfach nicht gelernt, nie lernen müssen. In unserer Familie hat meine Mutter das Reden für mich und für meinen Vater übernommen. Ich bin immer so durchgekommen.

 

Was tust Du nicht, welche Dinge lässt Du lieber, weil Du ein Mann ist?

Die Frage bedeutet für mich: würde ich gerne etwas anders machen in meinem Leben und tue es nicht, weil es dem verbreiteten Männerbild widersprechen würde. Alles okay soweit. Aber ich gehe definitiv selten zum Arzt, und bisher ging ja alles gut :-) Ich lasse mir definitiv nur selten helfen bei was auch immer, frage ungern um Hilfe, nach dem richtigen Weg, im Zweifelsfall weiß ich ohnehin alles selbst am besten, auch wenn es nachweislich nicht stimmt. Ich externalisiere gerne meine Probleme, meist sind die anderen schuld, wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte. Ich weiß nicht, was davon individuell ist, es entspricht aber schon sehr dem männlichen Klischee.

 

Durch welches Klischee fühlst Du Dich persönlich beeinträchtigt?

Wir hatten für unsere jüngste Tochter einen Kita-Platz bis 14:00 Uhr. Und während morgens und am späten Nachmittag auch einige Väter in der Kita zu sehen waren, die ihre Kinder brachten und abholten, war ich um 14:00 Uhr dort der einzige Mann. Also war ich auch zuständig für die nachmittäglichen Verabredungen. Ich erinnere mich ungern an die Situationen an der Haustüre, wenn mancher Mutter klar wurde, dass meine Frau nicht da ist, dass sie Lili, Marlene, Tom, Jonas nun in meine Obhut übergeben würde. Da war ein kurzes Zurückzucken, ein Flackern im Blick, und auch beim zweiten und dritten Mal noch ein Unbehagen zu spüren, das ich verletzend empfand. Vielleicht war das auch nur mein eigener Film, meine eigene Unsicherheit und Prägung durch ‚Es geschah am helllichten Tag‘, vielleicht auch nicht. Es hat auf jeden Fall meine Freiheit und vor allem meine Unbefangenheit (im Umgang mit den Besuchsfreund*innen meiner Kinder, als sie noch klein waren) eingeschränkt.

 

Erzähle von einer Situation, in der Du bemerkt hast, dass es ein Vorteil ist, zur Gruppe der Männer zu gehören?

Ich war es, der unseren Sohn in die Kita brachte, als er eine Zeit lang Spaß daran hatte, Röcke und Kleider zu tragen. Uns war klar, dass die Scheu der Mütter und Erzieherinnen größer sein würde, mich damit zu konfrontieren oder die Entscheidung infrage zu stellen. Vielleicht, weil ich auch davor schon eher weniger Gespräche mit den vielen Frauen dort geführt hatte, weil ich unnahbarer wirke, eher eine Mir-doch-egal-Haltung ausstrahle. Und so war es dann auch. Unser Sohn konnte unbehelligt im Kleid in die Kita gehen und übernahm dort mit Freude beim Mutter-Vater-Kind-Spiel die Rolle der Mutter. An Tagen, an denen meine Frau ihn brachte, erzählte sie von Kommentaren anderer Eltern, die bei mir nie fielen oder die ich unbewusst ignoriert hatte.

Ein zweites Beispiel ist die (geschäftliche) Verbrüderung unter Männern. Ich weiß, wie dieses Wir-Männer-unter-uns-Spiel läuft, auch wenn es mir nicht gefällt. Da werden ein paar Namen in den Raum geworfen, die Reaktionen abgecheckt und wenn die richtigen Schlagwörter als Antwort kommen, ist der Auftrag unter Dach und Fach. Da braucht es keine tiefere inhaltliche Auseinandersetzung, stattdessen ein bisschen Namedropping, ein kräftiger Händedruck und die Sache läuft. Über Inhalte wird dann später am konkreten Projekt diskutiert.

 

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich würde jetzt gerne sagen, dass das Geschlecht in Interviewsituationen keine Rolle spielt, wenn es nur um die Sache geht, um die Geschichte und Gedanken der Person, die mir da gegenüber sitzt. Aber bloß weil ich mich in diesen Situationen als das Medium, also geschlechtslos fühle, heißt das nicht, dass Geschlecht gerade keine Rolle spielt. Dass das Geschlecht gerade auch im Interview eine Rolle spielt, wurde mir vor allem in den Interviews zur ‚Rosa-Hellblau-Falle‘ bewusst. In den Gesprächen mit Frauen hatte ich stets das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen müsste, beweisen, dass ich auf der richtigen Seite stehe, soweit mir das als Mann eben möglich ist. Und in den Gesprächen mit einigen Männern musste ich diese Verbrüderungsversuche abwehren, weil ich eben nicht der Meinung war, dass die Marketingindustrie nur auf die Wünsche und Strömungen der Gesellschaft reagiert, sondern diese Wünsche und Bedürfnisse aktiv steuert. Nein, mir fällt keine Situation ein, in der Geschlecht keine Rolle spielt.

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Wer mit machen möchte,  >hier< gehts zum Blogstöckchen-Artikel

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Schulaktion: Klischees auf Postkarten

„Du hast nur einen Kopf. Nutze ihn.“

Wie eine offizielle Kampagne die Gleichstellungsbemühungen an Schulen torpediert

 

männlichesGehirnKlischeeDas jugendlich-männliche Denken kreist um Sex und Zocken, Fußball, Autos und Abhängen, im jugendlich-weiblichen Gehirn dominieren dagegen die Areale für Beauty und Styling, Sex und Selfies. Diese klischeehaft-sexistische Zweiteilung stammt nicht etwa von Mario Barth, juliensblog auf Youtube oder King Orgasmus One,  sondern sie ist auf zwei Postkarten verewigt, die aktuell an 200 Schulen in Nordrhein-Westfalen verteilt werden.

 

Das eigentliche Ziel der Kampagne ist, auf den von der Unfallkasse NRW und der Hannelore Kohl-Stiftung initiierten Wettbewerb aufmerksam zu machen, eine Aktion, die Schülerinnen und Schüler überzeugen möchte, Fahrradhelme zu tragen. Das Motto auf der Rückseite der Postkarten lautet entsprechend: „Du hast nur einen Kopf. Nutze ihn.“

Das hätte sich die „Deutsche Schulmarketing Agentur youngstar„, die mit der Postkartenaktion betraut ist, besser zu Herzen genommen, denn dort weiß man: „Mit lustigen Sprüchen heizen Sie die Kommunikation auf dem Schulhof an und machen sich spielerisch und ohne großen Aufwand zum Gesprächsthema Nummer 1.“ Was im Fall der Postkarten vom Klischee im Gehirn kaum in ihrem Interesse liegen dürfte, denn Bildungsministerin Sylvia Löhrmann hat die Schirmherrschaft übernommen und unterstützt damit den Wettbewerb. Sie steht an der Spitze eines Ministeriums, das dafür verantwortlich ist, dass Gleichstellung im Schulalltag umgesetzt wird und zum Ziel hat, „eine Chancengleichheit für Frauen und Männer im Sinne einer echten Wahlfreiheit für eine gleichwertige freie Lebensgestaltung zu realisieren und Benachteiligungen erst gar nicht entstehen zu lassen.“ In der Pflicht zur Umsetzung seien alle, die in Politik und Verwaltung verantwortlich agieren. Wenig verwunderlich also, dass man dort nicht einig ist mit dem Motiv, das Klischees in Schulhöfen weiterverbreitet. Barbara Löcherbach, Pressesprecherin des Bildungsministeriums hat erst durch Nachfrage davon erfahren und hält es für „nicht gelungen“. „Nur lustig gemeint“ sei es, verteidigt Nil Yurdatap, Pressesprecherin der Unfallkasse NRW die Gehirn-Postkarten. Ein Spiel mit den Geschlechterrollen, das die Schüler und Schülerinnen sofort durchschauen. Wirklich? „Sex und Fußball“, ist da nicht doch was Wahres dran?“

weiblichesGehirnKlischeeKlischees aufzufahren, um sie dann im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern wieder mühsam aus der Welt und den Gehirnen zu schaffen, wäre allein schon ein zweifelhafter Ansatz, um in eine Unterrichtsreihe über Geschlechterrollen einzusteigen. Doch hier ist kein Gespräch geplant, in dem Vorurteile infrage gestellt werden könnten, sondern es geht um Verkehrssicherheit. Die Rollenklischees in Rosa und Hellblau bzw. Grün werden beiläufig vermittelt und deshalb unbewusst aufgenommen. Die vielfältigen Studien zur Stereotypbedrohung (‚stereotype threat‚) haben immer wieder gezeigt, dass genau diese Botschaften ihre Wirkung nicht verfehlen. Frauen, die im Vorfeld eines Mathematiktests auf ihr Frausein aufmerksam gemacht werden (und sei es nur, dass sie auf dem Testblatt ein Kreuzchen bei „weiblich“ setzen mussten), schneiden schlechter ab, als Frauen, die den Test ohne Hinweis auf ihr Geschlecht ablegen konnten. Weil schlechtere Kenntnisse in mathematisch-naturwissenschaftlichen Themengebieten nach wie vor zum weiblichen Rollenklischee gehören (Nicht zufällig hat eine aktuelle OECD-Studie ergeben, dass Mädchen sich trotz gleicher Fähigkeiten in Mathematik schlechter einschätzen und mehr Angst vor diesem Schulfach haben als Jungen.), sorgt schon allein der allgemeine Hinweis dafür, dass Frauen und Mädchen schlechter abschneiden. Das negative Vorurteil beeinflusst sie in ihren Leistungen, denn ein Teil ihrer Denkens ist permanent damit beschäftigt, die negativen und störenden Gedanken zu unterdrücken. „Nur lustig gemeint“ sei es, in Schulhöfen eine Postkarte vom weiblichen Gehirn und seinem Beauty-Zentrum an Schülerinnen, zu verteilen, die vielleicht im Anschluss eine Mathearbeit schreiben. Tatsächlich ist es eine sinnlose Ungleichbehandlung, die den sonstigen Bestrebungen von Schule zuwider läuft, die all die MINT-Kampagnen und die Ziele des Girls‘ Day verhöhnt, einfach so, beiläufig, ohne dem guten Zweck der eigentlichen Kampagne in irgendeiner Weise zu nützen.

Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen

Einladung zum Radiohören:

6. Dezember um 0:05 – 3:00 Uhr im Deutschlandradio Kultur

6./7. Dezember im Deutschlandfunk, 23:05 – 2:00 Uhr

und im Anschluss (vorauss. 2 Wochen lang) *hier* als podcast

Jakob spielt am liebsten mit dem Puppenhaus, er mag Haarspängchen und verkleidet sich gern mit Kleidern und Klackerschuhen. Aber nur zuhause, weil er im Kindergarten dafür schon ausgelacht wurde und auch von den Erwachsenen Kommentare kommen, die allenfalls auf den ersten Blick gut gemeint sind. Emma ist Verteidigerin im örtlichen Fußballverein

"Lego Friends" für Mädchen vs. "Lego City" für Jungs = Haare, Minirock + Freundinnen statt Berufe, Action und Abenteuer

„Lego Friends“ für Mädchen vs. „Lego City“ für Jungs = Haare, Minirock + Freundinnen statt Berufe, Action und Abenteuer

und grätscht die wild anstürmenden Jungs schon mal kompromisslos weg. Sie mag gerne weite, gemütliche Hosen in blau und grün. Aber in den Abteilungen für Mädchenkleidung gibt es überwiegend Stretch-Jeans und enge Slim-Schnitte in Pink.

Nagelscheren und Klebestifte, Pflaster und Schnuller, Fahrräder und Sandspielzeug, Smartphones, Bücher und Computerspiele … die gesamte Spiel- und Lebenswelt von Kindern wird heute in zwei Sphären aufgeteilt: für Jungen – für Mädchen, weiblich – männlich, hellblau – rosa. Bloß eine Phase, die sich wieder rauswächst? Wohl kaum, denn mit den Produkten und Spielangeboten werden immer auch Charaktereigenschaften und Interessen weiter gegeben … oder unterbunden. Das hellblaue Shampoo ist „für Siegertypen“, die pastell-rosafarbene Variante ist für Prinzessinnen und hilft, dass es beim Kämmen langer Haare nicht ziept. Der neue Pizzaburger ist für Männer, die keinen Appetit haben sondern Hunger. Und das neue Joghurt ist besonders mild und leicht bekömmlich, macht gar nicht dick und wird natürlich von einer Frau und für Frauen beworben. Jungs entdecken und erobern in ihren Spielen neue Welten, Mädchen spielen soziale Welt mit Haushalt, Kinderbetreuung und Körperpflege. Waren wir da nicht schonmal weiter?

Im aktuellen politischen Diskurs geht es darum, dass sich Väter mehr an der Betreuung, am Leben ihrer Kinder beteiligen mögen (Elternzeit, Familienarbeitszeit), dass sich Mädchen und Frauen mehr in naturwissenschaftlich-technischen Feldern engagieren und in Führungspositionen vorstoßen (MINT, Quote), um geschlechtergerechte Sprache, Alltagssexismus und wie sich die ungleiche Rollen- und Machtverteilung zwischen den Geschlechtern auflösen, zumindest abmildern ließe. In den Kinderzimmern ist davon nichts zu spüren, im Gegenteil. Hier werden Klischees und Rollenbilder weitergegeben, die wir eigentlich für längst überwunden hielten. Wenn Jakob sich liebevoll um seine Puppen kümmert, spielt er dann nicht heute schon, was ihn später einmal ausmachen kann, nämlich ein fürsorgender Erwachsener zu sein als Partner, Vater und als Sohn? Und wenn wir das als gesellschaftliches Ziel erachten, sollten wir ein solches Verhalten dann nicht ebenso unterstützen, wie wir das bei Mädchen tun? Oder ist die Sorge, Jakob könnte homosexuell sein, doch tiefer verwurzelt, als wir uns einzugestehen bereit sind? Sind wir letztlich immernoch überzeugt, dass empathisches Verhalten, Pflege und Betreuung minderwertige Interessen sind im Vergleich zum mathematisch-technischen Forscherdrang, zu BWL und Juristerei?

„Diese ganze Unterscheidung zwischen männlich / weiblich, das ist so ein Quatsch! Wenn man ’s wirklich darauf reduziert: Wer arbeit produktiv mit und wer zerstört mehr, als dass er positiv bewirkt? Wer verbreitet mehr Angst und Schrecken, als dass er an einer Gesellschaftsstruktur positiv mitarbeitet? Wer wirtschaftet in die eigene Tasche, statt mit der Allgemeinheit zu arbeiten? Da müsste die Unterscheidung liegen!“ Waldemar Kobus in: Die Rosa-Hellblau-Falle. Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen.

 

Die Rosa-Hellblau-Falle

Eine Lange Nacht der Geschlechterrollen

von Almut Schnerring und Sascha Verlan

 Eine Sendung mit:

 

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Nachtrag:

Zum aktuellen (Ende Oktober) Stand der Produktion gibt’s hier einen kurzen Blogpost.

 

 

Rollenklischees „für Väter und ihre Söhne“

Über die Seite und Tweets von @ichkaufdasnicht bin ich auf dieses tolle Produkt des Kosmos Verlages gestoßen:

„Der einzig wahre Chemie-Experimentierkasten für Väter und ihre Söhne“

Experimentierkasten-kosmos

Da gibt es an sich nichts groß darüber zu schreiben, reiht der sich doch ein in die Liste der Produkte, die gerade zunehmend auf den Markt geschmissen werden und Geschlechtertrennung betreiben, dass einem schwindlig wird, denn Gendermarketing ist offenbar der aktuelle Hit unter den Werber*innen: Klebestifte in rosa, extra für Mädchen. Schnuller in rosa für die „Drama Queen“ und das Pendant dazu für den „Bad Boy“ in Schwarz.

Feentraum-Tee in Rosa, Monster-Alarm-Tee in grün. Eine Spiele-App zum Beine Rasieren und Schnittwunden pflegen. Und eben habe ich noch einen Tweet über eine Kochzeitschrift gelesen, die sich Mutti nennt, darin ein Rezept für „Das Männerbaguette“: Nach Logik des Gendermarketing verkündet der Name einen Belag mit FLaAaaaiSCH! (- mein völlig sachlicher Artikel zu dem Thema ist in Vorbereitung fertig –> *klick*).

Aber erst jetzt sind die Dominosteine in meinem Kopf alle gefallen und mir fällt auf: Experimentierkästen von Kosmos? Das ist der Verlag, mit dem wir ein Interview über ‚Gendermarketing‘ gemacht haben. Unsere beiden Gesprächspartnerinnen des Verlags waren ganz begeistert von diesem Thema (damals ging es noch um eine Radiosendung) und freuten sich, dass daraus sogar ein Buch werden soll. Als das Manuskript der „Rosa-Hellblau-Falle“ dann vorlag, haben sie das Interview zurückgezogen. Sie sahen sich in der abgetippten Version nicht getroffen, so verkürzt wirke das banal und altbacken. Dem konnten wir nicht widersprechen.

Anlass für das Gespräch war eigentlich die Buchreihe „Die drei Ausrufezeichen“, Detektivbücher für Mädchen mit Titeln wie ‚Betrug beim Casting‘, ‚Gefährlicher Chat‘, ‚Gefahr im Fitness-Studio‘,

Foto: kosmos

Foto: kosmos

‚Popstar in Not‘, Gefahr im Reitstall‘, ‚Duell der Topmodels‘. Wir wollten wissen, warum es eine rosa Antwort brauchte auf „Die drei Fragezeichen“, eine Buchreihe mit langer Geschichte und großem Erfolg, in der die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews das Rätsel des Superpapageis, des Karpatenhunds oder des Phantomsees lösen. Und obwohl die Cover schwarz und nicht rosa waren, die drei Fragezeichen darauf keine Gesichter hatten, und obwohl es um drei Jungs ging, besaß ich als Kind einige Bände davon, die anderen holte ich mir aus der Bücherei. Heute stehen sie im Buchregal meiner eigenen Kinder, und ich kann nichts Positives daran erkennen, dass sie nun plötzlich als Jungsbücher gelten sollen.

Wo Bob, Peter und Justus als kluge Experten knifflige Fälle lösten – natürlich, beim Bechdel-Test sind sie durchgefallen, aber warum agieren stattdessen in den Geschichten mit den drei Ausrufezeichen keine taffen Frauen, sondern Mädchen, die Aerobic-Stunden nehmen, sich über Pferde und Schminke unterhalten und sich für ältere Jungs interessieren? Brüder, Väter und Kriminalkommissare springen ein, wenn die Drei mal Hilfe brauchen. Aber gut, lassen wir das mal so stehen, denn das Interview wurde ja zurückgezogen, also landen die Zitate in der Tonne, die verraten, dass Mädchen sich nun mal dafür interessieren und der Verlag ja nichts verstärkt, sondern die Leserinnen nur bei ihren Interessen abholt.

Das darf ich hier schreiben, denn auf diese Antwort hat der Kosmosverlag keinen Alleinanspruch, das sagen nämlich alle, die auf Gendermarketing setzen oder es rechtfertigen: Die Frauen/Männer, die Mädchen/Jungen „bei ihren Grundbedürfnissen abholen“. Als ob es ein Rosa-Gen gäbe, und eins für Pferdeinteressen (uuups, ich selbst habe wohl einen Gendefekt, was ein Glück!) und noch eins fürs Schminken… Und nein, niemand, den wir dazu befragt haben, kein Unternehmen hält sich für einflussreich genug, um Stereotype festzuschreiben. Nach dem Motto ‚Die anderen machen das ja auch‘. Das sagen meine Kinder auch immer, wenn sie verhindern wollen, für den letzten Unsinn alleine zur Verantwortung herangezogen zu werden.

Das Gespräch war trotzdem sehr erhellend, und die Informationen über die Vermarktung von Büchern und Experimentierkästen konnten wir für unser Buch trotzdem verwenden. Zum Beispiel, dass auf Produkten, die sich an Mädchen und Jungen richten, entweder beide Geschlechter abgebildet werden oder aber sicherheitshalber nur Jungs. Dagegen funktioniere ein Experimentierkasten, der für alle Kinder gedacht ist, nicht, wenn darauf nur Mädchen abgebildet sind. Die können sich zwar mit Jungs identifizieren, aber andersherum sagen dann die Jungs ‚Iiih, da ist ja ein Mädchen drauf, das will ich nicht haben‘. Eltern und Großeltern haben sich dann sowieso schon dagegen entschieden. Soviel zum Thema Hierarchie zwischen den Geschlechtern. Kein Wunder, dass „Du Mädchen“ ein Schimpfwort auf Schulhöfen ist. Aber da geht’s ja nuuur darum, dass sich Kinder eben vom anderen Geschlecht abgrenzen, das sei ganz normal in dem Alter. Ja, von wegen. Das kann als Argument erst gelten, wenn auch „Du Junge“ zum Schimpfwort taugt, tut es aber nicht.

Abgrenzung bedeutet immer auch Gleichmacherei dies und jenseits der willkürlich gesetzten Grenze. DIE Mädchen im allgemeinen mögen nun mal…, Und Jungs sind eben meistens…  – so so! Erwachsene, die Spielzeug herstellen, bewerben und verkaufen, sollten Kindern helfen, sie zu überwinden, ihre Wertung zu hinterfragen. Stattdessen sorgen die Befürworter*innen des Gendermarketing immer schön weiter dafür, dass Mädchen und Jungen in ihren Schubladen bleiben und sich vom anderen Geschlecht abgrenzen. Warum? Weil sich damit mehr Geld verdienen lässt. Seit es die Drei Ausrufezeichen gibt, sind die Verkaufszahlen beim Verlag insgesamt gestiegen.

Immerhin finde ich den Kasten ‚für Väter und ihre Söhne‘ nicht mehr auf den Kosmosseiten. Die letzten verbleibenden Exemplare werden noch in ein paar Läden verramscht, und das geschieht ihnen ganz recht.

 

 

Bechdel-Test und Smurfette-Prinzip

Emanzipation? Gleichberechtigung? Ach, da sind wir doch heute schon so viel weiter, oder nicht? Mädchen/Frauen können und dürfen doch heute im Prinzip in alle Bereiche, die früher nur Männern vorbehalten waren. Und das bisschen Gender Pay Gap…

Wirklich?

Es beginnt im Kleinen:

Nachdem ich gestern Abend eine ganze Reihe von Trailern der letzten Filmstarts im Internet angesehen habe, und keiner dabei war, der den Bechdel-Test bestanden hat, möchte ich ihn hier noch einmal vorstellen, in der Hoffnung, dass er sich weiter verbreitet und irgendwann auch die erreicht, die Drehbücher schreiben und Filme produzieren, die Serien einkaufen und Filme weiterempfehlen.

Der Bechdel-Test ist benannt nach der Cartoonistin Alison Bechdel; er taucht in ihrem Comicstrip ‚Dykes to Watch Out For‚ auf. Er belegt, dass Frauen in der Mehrzahl der Filme stereotype Nebenrollen besetzen und es kaum Filme mit starken Frauencharakteren gibt.

Er besteht aus nur drei Fragen:

1. Kommt in dem Film mehr als eine Frau vor und haben sie einen Namen ?

2. Sprechen die Frauen miteinander ?

3. Sprechen sie miteinander über etwas anderes als Männer ?

Vielleicht ist es nicht von selbst verständlich, deshalb betone ich: es geht hier um jede Art Film, für die wir uns Kinotickets kaufen, die wir im Fernsehen sehen, die wir im Internet gucken, oder vor die wir unsere Kinder setzen.

Und wenn jetzt eine/r sagt: Ja, aber beim Film ‚Hanni & Nanni‘ ist das doch anders, oder was ist denn mit Dem HighSchool-College-Freche Mädchen-Internat-WildeHühner-Film? – dann ist das keine gute Ausnahme von der Regel. Denn alles, was rosa verpackt ist und das Label ‚extra für Mädchen‘ trägt, ist doch wieder nur die Abweichung von der Norm: Es gibt deshalb Fußball und Frauenfußball, Zigaretten und Zigaretten extra für Frauen, es gibt Parkplätze und Frauenparkplätze, Werzeugkästen und extra pinkfarbene Tussi-Kästen, Ü-Eier und Ü-Eier extra mit rosa Mädchenköpfchen… – und solange es all diese Sondervarianten gibt, stimmt was nicht. Mehr noch: solange es für Jungen bzw. Männer verdächtig, wenn nicht peinlich ist, die rosa Variante zu mögen, stimmt noch viel weniger nicht! Aber das ist nochmal ein größeres Thema und braucht bei Gelegenheit einen eigenen Artikel.

Der Zusammenhang mit dem Smurfette-Prinzip ist also offensichtlich; Katha Pollitt schrieb 1991 in der New York Times darüber, und seither ist es nicht besser geworden: In vielen Filme gibt es nur eine weibliche Rolle in einer ganzen Reihe von männlichen Darstellern. Wie bei den Schlümpfen oder den Muppets gibt es in der Gruupe der männlichen Figuren verschiedene Typen und Charaktere: den Sportlichen, den Schusseligen, den Cleveren, den Starken etc…. Und zur Vervollständigung der Truppe braucht es noch die Ausnahme: die weibliche Variante, die Abweichung von der Norm. Ausführlicher im Video von Anita Sarkeesian.

Mit diesem Test, dem Bechdel-Test, ist also noch nicht gesagt, dass der Film keine stereotypen Rollenklischees weiterverbreitet, es geht nur um einen ersten Test, ob Frauen überhaupt eine Rolle spielen. Und leider bestehen den nur sehr wenige Filme. Es genügt eine beliebige Trailerseite aufzurufen.

Ich war auf filmtrailer.com und durch meinen Schnelltest am 17.März fällt durch:

  • Rio 2 – Dschungelfieber: Ein Vogel auf Reisen, juhuu, es ist ein Junge.
  • Need for Speed: Wettrennen mit schnellen Autos à la James Dean ‚Denn sie wissen nicht, was sie tun‘, wenig Unterschied in der Frauenrandrolle, nur tragen die Frauen in Need for Speed keine Pettycoats.
  • Devil’s Due
  • Doktorspiele:  Ach, keine Frau in der Hauptrolle? Bei dem Titel?
  • Spiderman – no comment
  • Dom Hemingway
  • Non-Stop
  • Endless Love
  • Snowspiercer
  • Antboy
  • Die Schadenfreundinnen – hier habe ich dann aufgehört. Viele, viele Frauen kommen darin vor, sie reden auch miteinander, aber alles dreht sich um einen Mann, viel mehr Thema haben sie nicht. typisch.

Eine Ausnahme könnte ‚Die Bücherdiebin‘ sein. Ich habe den Film nicht gesehen, die Hauptrolle spielt ein Mädchen im Dritten Reich. Im Trailer kommen sonst allerdings nur Männer vor. Spricht sie auch mal mit einer anderen Frau über etwas anderes als den Mann, den die Familie versteckt hält?

Anita Sarkeesian hat für ihr Video eine ganze Reihe von Filmen diesem Test unterzogen, das Ergebnis macht sprachlos:

 

Es gibt ein paar Ausnahmen, Filme, die durchfallen wie z.B. Gravity, weil hier nur eine Frau mitspielt, die trotzdem eine starke Rolle abbekommen hat. Aber hey, dass sie in Unterwäsche durchs Shuttle schwebt, das musste offenbar trotzdem sein.

Welche Filme gibt es denn, die den Test bestehen? Und ich meine nicht ‚Blau ist eine warme Farbe‘, auch keinen Indipendent, Kurzfilm oder sonst wie Außer-der-Reihe-Film, sondern die Kategorie, die es in meiner Stadtteilbücherei zu leihen gibt, die als Familienfilme vor Weihnachten beworben werden o.ä.

Ich wäre dankbar für eine Titelsammlung – gibt’s die schon irgendwo?

 

 

Typisch Mädchen? Typisch Junge?

Einladung zum Radiohören

Dass Rosa und Hellblau in unserer Kultur und Zeit eben nicht „nur“ Farben sind, sondern mit ihnen bestimmte Eigenschaften und Dinge assoziiert werden, das wird klar und auch spürbar beim Anblick der Kinderzimmer, die die Fotografin JeongMee Yoon seit 2005 in ihrem „Pink & Blue Project“ festhält. Was in den Fotos übertrieben scheint, findet sich aber auch im Alltag von Vorschulkindern hier und heute. Einmal den Blick geöffnet, einmal das Ohr gerichtet auf Kommentare, Zuordnungen, Bewertungen fällt auf, dass schon die Kleinsten lernen, wie ein „richtiges“ Mädchen zu sein hat und was einen „richtigen“ Jungen ausmacht“.

Zu diesem Thema haben wir ein Radiofeature (25 Minuten) produziert, das am Samstag, 1.2. ausgestrahlt wird wurde – hier geht es zum Audio und zu dem wir gerne einladen wollen:

1. Februar um 8:30 – 9:00 Uhr auf SWR2 und danach auch als Podcast:

Typisch Mädchen? Typisch Junge? –

Geschlechterstereotype im Vorschulalter“

 

Mädchen lieben rosa, und Jungs sind nun mal wild. Was soll man da schon machen als aufgeklärte Eltern? Hat sich an dieser strikten Rollenzuweisung eigentlich etwas Grundlegendes verändert in den letzten Jahrzehnten? In den 1970ern wollten viele Eltern es unbedingt vermeiden, ihre Kinder auf Geschlechterrollen festzulegen. Wie sieht das heute aus? Befinden wir uns auf einem stetig, wenn auch langsam aufsteigenden Weg hin zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung? Oder ist rosa vielleicht noch süßer geworden und himmelblau dem Nintendo-Schwarz gewichen? Eine Sendung über Tanzkurs und Fußballtraining, Puppen- und Bauecke, Röckchen und Camouflage-Pullis und über die Rollenvorstellungen in Kindertageseinrichtungen und Kinderzimmern.

Eine Sendung mit Sigrid Schmitz, Professorin für Gender Studies an der Universität Wien. Mit der Diplom-Pädagogin Susanne Wunderer aus Köln, und mit Erzieherinnen und Kindern der KiTa Sonnenblume in Burscheid-Hilgen.

Vielen Dank noch einmal an alle Mitwirkenden!

 Hier der Anfang des Radiofeatures zum Reinhören:

Ausschnitt zum Reinhören

„Typisch Mädchen? Typisch Junge?“ – Ausschnitt zum Reinhören