Tag Archives: Rosa-Hellblau-Falle

Twittergewitter

Vor kurzem habe unbedachtes Ich auf Twitter jemandem geantwortet und nicht auf das Datum seines Ausgangstweets geachtet. Antwort: „du hast Twitter voll verstanden, hm?“ Asche auf mein Haupt, gilt es unter manchen Twitter-Usern ja als verpönt, auf alte Tweets zu reagieren. Schade eigentlich. Denn im rosa-hellblauen Kontext hat so mancher Post einen zweiten Blick verdient. Diese hier zum Beispiel:

[Eine Art Suchspiel zwischen Voll-rein-in-die-#rosahellblaufalle und Yeah-Juhuu-Raus-aus-der-Falle!, dazwischen Ironie. Viel Spaß damit!]

Vielen Dank an all die Twitterer*innen (#SCNR ;) die hier versammelt und verlinkt sind!

 

 

 

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Rückblick und Wiedereinstieg

Schöne Sommergrüße aus der Wort & Klang Küche!

Hier in NRW gehen die Ferien schon zu Ende und wir jonglieren die Übergangsphase: die Eltern müssen wieder arbeiten, die Kinder haben noch frei (ok, vor 1 Woche begonnen, heute erst gepostet). Da ist es sehr praktisch und zugleich ein organisatorisches Unding, dass wir das Büro im Haus haben. Wenn wir das Abendessen ans Rheinufer verlegen, Feuer machen und grillen, die Kinder länger aufbleiben dürfen, dann fällt dafür die abendliche Bürozeit weg, die uns sonst im Alltag oft rettet, wenn eine Deadline naht. Und wenn der Eiswagen sich schon mittags um zwölf mit dem „Für Elise“-Motiv ankündigt, weiß ich, ich kann den Stift weglegen, denn gleich kommt eins der Kinder ins Büro gerannt und braucht dringend Kleingeld, und überhaupt will ich auch ein Eis …

Bildschirmfoto 2015-08-17 um 12.30.16

Links: Lidl-Plakat in Schottland fotografiert, Rechts: deutscher Prospekt

Die Rosa-Hellblau-Falle ließ uns natürlich auch im Urlaub nicht los: auch in Schottland sortiert z.B. Lidl sein Angebot nach Farben und Motiven, aber immerhin steht daneben, alles sei „for kids“. Im Unterschied zu Deutschland, wo im selben Zeitraum dieselben Shirts an „süße Kätzchen“ und „starke Helden“ verkauft wurden. Warum?

Okay, vielleicht hat meine Ferienlektüre (–> 3 Buchtipps) mit dazu beigetragen, dass uns das Thema auch in der schottischen Einöde von Wanderstiefeln und Regenjacken begleitet hat.

 

Felix übt einparken…

Im Briefkasten lag nach dem Urlaub das neue Geolino. Auf der Rückseite übt Papa einparken mit Felix: „Gut gemacht, Papa! – Typisch Felix“ – Damit wir nicht auf die Idee kommen, Papa übe mit der Tochter? (Oder weil Mutter und Tochter erstens gar nicht üben müssen, um gut einzuparken und zweitens schon gar keine Einparkhilfe brauchen, die hier beworben wird? :-) Klischees auf der Rückseite einer Kinderzeitschrift, typische Rosa-Hellblau-Falle des Alltags. Die unauffällige Variante, kaum jemand wird sich daran stören, und doch wundern wir uns über das hartnäckige Vorurteil, Frauen könnten nicht einparken. Tatsache ist ja: Frauen können nur dann nicht einparken, wenn sie meinen, sie könnten es nicht. Klassischer Fall des Stereotype Threat: Vorurteile beeinflussen unser Verhalten. Und wenn wir sie ihm Unterbewusstsein mit uns tragen, wir ihnen aber nicht entsprechen wollen, dann kostet das Energie und wir machen fehler. Es ist also völlig unnötig, Kinder auf diese Weise fehl zu „informieren“, und so der nächsten Generation unsere hierarchischen Klischees mit auf den Weg zu geben. Auch wenn es von den MacherInnen (so vermute ich, weil Déjà-vu) lustig gemeint war. IMG_0329    

#rosahellblaufalle

Wieder in Bonn und mit Zugriff auf Facebook entdeckten wir das Foto von Luisa auf den Seiten von Wer braucht Feminismus. Sie sagt „Ich brauche Feminismus, weil kein Kind in der #RosahellblauFalle feststecken soll“. Wir haben uns gefreut, unseren Hashtag hier wiederzusehen und sind absolut Luisas Meinung. Die Kommentare unter ihrem Bild machen dagegen wieder deutlich, wie schnell Menschen bereit sind, etwas abzulehnen, ohne sich mit den Hintergründen auseinandergesetzt zu haben oder, wie in diesem Fall, allein aufgrund eines Wortes, eines Hashtags, nach dessen Bedeutung sie sich nicht weiter erkundigt haben. Schade. luisa   Ähnliches haben wir in Wolfsburg erlebt, als wir im Juli im Elternforum der Autostadt einen Vortag zur Rosa-Hellblau-Falle hielten. Ein Vater fand unsere Haltung völlig übertrieben, die Welt sei besser, als wir sie darstellten, er habe schließlich drei Söhne und könne absolut nicht nachempfinden, was wir da erzählten. Sein Motto: „Das Problem, das Ihr beschreibt, kenne ich aus meinem Alltag nicht, also ist es auch keins.“ Am selben Abend im Hotel sind wir durch die Fernsehkanäle gezappt. Zuhause haben wir keinen Fernseher, und Hotelübernachtungen sind immer wieder eine klasse Gelegenheit, sich die Bestätigung dafür zu holen. Auf Kika lief was mit Mädchen und Pferden. Eine war zickig, da haben sie die anderen aus ihrem Kreis ausgeschlossen und waren auch zickig. Oder so. Fortsetzung folgt. Aber ohne uns. tv   Anderswo in Deutschland hat ein Kind ein klasse Taufgeschenk bekommen, inklusive Rosa-Hellblau-Falle für die Eltern. Da freuen wir uns gleich mit :)

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Die nächste Radiosendung

Nachdem wir jetzt zu unseren geregelten Bürozeiten zurückgekehrt sind, ist neben anderen Projekten die Produktion unserer nächsten Radiosendung dran: „Im Rosa-Bann“. Der Sendetermin auf SWR2 ist am 1.Oktober 2015 und es geht darin um eine Familie mit zwei Kindern. Sie sprechen über ihre Erfahrungen, die sie im Kindergarten gemacht haben, als ihr Sohn für seine Lieblingsfarbe Rosa ausgelacht wurde, oder als eine eigene Mädchenecke eingerichtet wurde (zum Schutz vor den wilden Jungs!), so dass ihr Sohn von da an keinen Zugang mehr zum Puppenhaus hatte.

 

Interviewpartner*in gesucht

Hier noch ein Aufruf mit der Bitte um Weiterleitung. Wir suchen noch Gesprächspartner*innen für ein Radiofeature und sind dankbar für Kontakte. (Klick auf den Brief führt zum pdf-Download):

Hier nochmal der Text mit den genauen Infos auf unserem Radioblog.

Oder gerne auch als Retweet auf Twitter oder via Facebook:

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Slam

Den Abschluss dieser Sammlung macht das Video eines grandiosen Slam-Auftritts, mit dem wir gerne wieder in den Alltag einsteigen. Wir wünschen allen weiterhin einen schönen Sommer, mit oder ohne Ferien, so oder so mit möglichst wenigen rosa-hellblauen Zuschreibungen:

 

 

Wander-Bingo für Kinder

P.S.

Ein Mitgebsel zum Schluss, völlig ohne Rosa-Hellblau: Ein selbstgemachtes „Wander-Bingo“, das wir jetzt schon im vierten Jahr bei Wanderungen mit Kindern nutzen. Bleistifte mitnehmen und jedem Kind einen A6 Zettel geben: Alle Dinge, die es unterwegs sieht, darf es auf dem Blatt einkreisen. (Wir machen öfter Wanderungen mit mehreren Familien, und die Kinder finden sich dann schnell zu zweit, zu dritt zusammen und sind plötzlich mit offeneren Augen unterwegs.) Wer Lust hat, das auszuprobieren: ein Klick aufs Bild führt zur jpg-Version zum Ausdrucken. Viel Spaß!

WanderBingo

Wie weit gehen?

servustv2Sascha bei ServusTV in Salzburg

Wir haben schon überlegt, ob ich das überhaupt machen soll, schließlich gehört Servus TV zur Red Bull Media House GmbH, und die stehen nicht gerade für ein modernes, fortschrittliches Männer- und Frauenbild. Aber gut, da ist eine Redaktion, die sich für unser Thema interessiert und uns unterstützen kann. Also bin ich nach Salzburg gefahren und habe mich zu Thomas Ohrner und Andrea Schlager an den Frühstückstisch gesetzt und über unser Buch gesprochen.

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Unter den anderen Themen, um die es in der Sendung ging, waren zwei, die nun nicht gerade den passenden Rahmen bildeten für unser Thema: das Erzbergrodeo, „das härteste Motorrad-Offroad-Einzelrennen der Welt“, und ein Geburtstag: 100 Jahre BH … das hab ich am Rande mitbekommen, war aber zu aufgeregt und habe nicht realisiert, dass diese Kombination nicht wirklich gut ist, um über Rollenklischees zu sprechen. Was ich nicht wusste: Thomas Ohrner und Andrea Schlager haben vor meinem letzten Interviewabschnitt heiteres Dekolleté-Raten gespielt. Die drängenden Fragen waren Körbchengröße und Besitzerin.

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Jetzt freuen wir uns ja wirklich über jede Gelegenheit, unser Thema und Buch vorzustellen und damit auf all die Einschränkungen aufmerksam machen zu können, mit denen unsere Kinder konfrontiert sind. Aber war das wirklich eine gute Idee? Erst Fremdschämen mit Thomas Ohrner und dann locker-lustig über Rollenklischees plaudern? Gehört das zum Geschäft? Oder sollten wir beim nächsten Mal nach einem Ablaufplan fragen und in so einem Fall dann kurzfristig absagen? Oder trotzdem hingehen und das Ganze dann zum Thema machen? Keine gute Miene mehr zum bösen Spiel? Wieviel Medientraining braucht es, um in einem Live-Interview die Situation zu erfassen, die Rollenverteilung der Moderatoren zu thematisieren: sie hat Dekolleté-Fotos für ihn vorbereitet und freut sich, immer freundlich lachend, über seine männliche Unwissenheit in Sachen BH-Größen. Er tippt auf Brüste und kommentiert deren Größe. Um dann im Anschluss im Gespräch mit mir zu fragen, warum wir die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau denn in Frage stellten, die Rollen seien schließlich schon in der Steinzeit verteilt gewesen.

Da wäre es passend gewesen, klar zu machen (höflich-freundlich, versteht sich, immer auf Unterhaltung bedacht, um nicht als Spaßverderber und Mießmacher ungehört zu bleiben), dass ich es bezweifle, dass Männer schon damals derart despektierlich und abschätzig über das Aussehen von Frauen gesprochen und geurteilt haben, wie es heute für manche Menschen normaler Alltag beziehungsweise Teil des lustig- („Komm, war doch nur ironisch gemeint“) geschlechtshierarchischen Medienprogramms zu sein scheint. Mir jedenfalls war das in diesem Moment nicht möglich. Schade eigentlich!