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Kommunikazumutung – Timo Brunke

 

Timo Brunke

Timo Brunke

„Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“

Nach einem mal hinreißenden, mal nachdenklichen, immer intensiven Auftritt kam eine sichtlich begeisterte Dame aus dem Publikum mit genau dieser Frage zu Timo Brunke: „Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“

Timo Brunke ist Sprechdichter, Performance Poet und Literaturdidaktiker. Er hat den Stuttgarter Slam in der Rosenau ins Leben gerufen und 2004 den 8. National Poetry Slam organisiert. Er hat für die Stuttgarter Zeitung gereimte Kolumnen geschrieben und ist seit vielen Jahren im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus mit seinen Literaturprogrammen unterwegs. Timo Brunke unterrichtet am Literaturhaus Stuttgart und an verschiedenen Schulen Sprache und Literatur, zuletzt ist im Ernst Klett-Verlag sein Buch ’10 Minuten Dings und andere Ideen zum Leben und Schreiben‘ erschienen.

„Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“ – „Na das, was Sie gerade gesehen haben“, war deshalb auch seine Antwort. Doch das konnte sie kaum glauben und viele andere auch nicht, denn diese Frage kommt immer wieder mal aus dem Publikum. Was erwarten sie wohl? Einen Brötchenbäcker, der abends noch ein paar Reime fürs Publikum schmiedet? Welches Bild entsteht im Lauf des Abends nach Liedern, Gedichten und Geschichten? All die ‚Tetraoden im Übermarkt‘, improvisierten Stanzen, Lautgedichte, Sprachspielereien, das kann doch nur eine brotlose Kunst sein? Doch das ist die gute Nachricht, dass Timo Brunke von seiner Kunst leben kann, dass es möglich ist, sich den Marktmechanismen so weit zu entziehen, dass es eine künstlerische Freiheit auf der Bühne gibt jenseits der üblichen und allzu leicht akzeptierten Verwertungsmaßstäbe.

Mehr über Timo Brunke gibt es hier zu hören, in unserem Radiofeature am 22. Januar 2014 um 21.05 bis 22 Uhr im Deutschlandfunk und danach unter demselben Link als Podcast. Eine Sendung mit Timo Brunke, Bas Böttcher, Roland Borgards und Thomas Richardt. Und hier ein erster Ausschnitt zum Reinhören:

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Improvisation….

2013-artsbirthday

Improvisiertes Live Hörspiel, art’s birthday 2013 im ZKM

… und Einladung zum Radiohören:

am 17. Dezember auf SWR2 um 22h03

‚Springt der Funke über? Kriterien und Regeln improvisierter Dichtung‘

Feature von Almut Schnerring und Sascha Verlan

Dass Dichtung auch ohne Korrekturen und einen längeren Werkprozess funktionieren kann, beweisen die Improvisationsdichter. Sie arbeiten nicht mit Buchstaben auf Papier, sie sprechen ihre Texte live. Damit verzichten sie bewusst auf die Möglichkeit, ihren Text durch Umstellen, Neuschreiben oder Verwerfen in eine endgültige Fassung zu bringen. Den Improvisationsdichtern geht es nicht um ein druckfertiges Manuskript, sondern um den direkten Kontakt mit dem Publikum – darum, in einem bestimmten Moment spontan den richtigen Ausdruck zu finden. Gelingt der Coup, nimmt das Publikum am Ende kein Buch mit nach Hause, sondern die Erinnerung an einen inspirierenden Abend.

Unter anderem mit:

–       Tobias Borke, Freestyle-Rapper aus Stuttgart

–       Timo Brunke, Performance-Poet aus Stuttgart

–       Sandra Masemann, Autorin und Trainerin aus Hannover

–       Selim Özdogan, Schriftsteller aus Köln

O-Ton 22 (Roland Borgards):  Improvisation zu dokumentieren ist sehr problematisch, das gilt für jede Form von Improvisation, weil Improvisation eine Augenblickstätigkeit ist, die nur solange dauert, wie der Augenblick selbst dauert. Das heißt, das Improvisatorische in einem solch emphatischen Sinne gesprochen verschwindet immer, bei jeder Aufzeichnung, das gilt nicht nur in dem Fall, dass das in Schrift übersetzt wird, das gilt auch schon für einen Mitschnitt, und das gilt auch für eine musikalische Improvisation, wenn man sie mitschneidet.

 O-Ton 23 (Selim Özdogan):  Der Unterschied zwischen einem literarischen Improvisieren und dem, was wir hier machen, ist für mich nicht weit. Jetzt sitzen wir hier bei mir auf dem Sofa, wir könnten das Gleiche auf der Bühne machen, und es wäre auch für andere Leute interessant. Und dann hätten wir schon diesen Raum, der sich öffnet. Und ganz letzten Endes, das hier wird ja ’n Feature, wir öffnen ja den Raum, also so, wir sind auf ’ne Art schon da, dass wir das gemeinhin nicht Literatur nennen, ja, ist mir bewusst, aber ich verstehe auch das als Literatur, als eine Unterhaltung durch Sprache und Klang.

Die Sendung hat eine Länge von 55 Minuten, wer am Termin selbst nicht dazukommt, kann sie sich ab Dienstag, 17.11. eine Woche lang im Netz anhören.

Und hier stelle ich einen erster Ausschnitt ein, sobald wir fertig sind mit der Produktion:

Ausschnitt hören

Ausschnitt hören

Viel Spaß bei einer Hör-Stunde rund ums Thema improvisierte Dichtung!