Zensur und Vorwürfe zurselben

Wir sind hier im Netz wie die meisten anderen auch als private Einzelpersonen unterwegs. Auch wenn unsere Themen einen starken beruflichen Bezug haben, wir sind kein Unternehmen, keine Institution, wir sind schon gar kein Konzern oder eine staatliche Behörde.

Wenn Facebook Fotos stillender Mütter löscht, weil das Unternehmen solche Bilder bis 2014 für obszön hielt, dann ist Widerstand und auch der Begriff ‚Zensur‘ angebracht. Wenn gar staatliche Institutionen versuchen, Inhalte und Netzwerke zu blocken oder zu manipulieren – und das geschieht längst nicht nur in totalitären Systemen -, dann können wir gerne von Zensur sprechen. Wenn wir hier oder andere Blog-Betreiber*innen aber Kommentare nicht freischalten oder später nach einigem Nachdenken wieder löschen, dann ist der Begriff nicht angebracht, einfach weil uns die Macht fehlt, eine Zensur wirklich durchzusetzen. Was bei uns nicht veröffentlicht wird, ist ja deshalb nicht verschwunden aus der Welt, sondern kann einfach an anderer Stelle geäußert werden.

Wir sind auch nicht bereit, Abhandlungen von mehreren 1000 Zeichen in unserem Kommentarbereich zu lesen und zu erwidern, die schon im ersten Absatz erkennen lassen, dass der/die VerfasserIn sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht hat, unser Anliegen zu verstehen und dafür ein paar Zeilen auf diesem Blog zu lesen.

Dieser Blog ist für uns wie ein Ausstellungsraum, in dem wir Gedanken und Ideen präsentieren, in dem wir gerne mit anderen Interessierten ins Gespräch kommen, dafür ist die Kommentarfunktion. Aber es bleibt unser Ausstellungsraum mit Betonung auf ‚unser‘. Wir bestimmen, was ausgestellt wird und was nicht. Wir haben keinen Bildungsauftrag, wir sind auch gar nicht in der Pflicht, einen Sachverhalt umfassend und von allen Seiten her zu beleuchten oder jede erdenkliche Gegenstimme zu Wort kommen zu lassen. Es ist und bleibt unser Raum.

Wenn wir aber schon von Zensur sprechen, dann lasst uns auch über die Macht der Kommentare sprechen, nämlich von (erzwungener) Selbstzensur. Wie viele schreiben nicht (mehr) im Netz, weil sie sich den abfälligen, verletztenden, beiläufig hingerotzten Kommentaren nicht (länger) aussetzen wollen oder können, die zuverlässig dann kommen, sobald frau sich gedanklich und im Lebensentwurf außerhalb des immer engeren Mainstream bewegt, wenn man  einer gesellschaftlichen Minderheit angehört. Reden wir doch über erzwungene Selbstzensur und wie wir ein Kommunikationsklima im Netz erreichen können, ein respektvolles Miteinander, das möglichst viele Menschen Ernst nimmt und teilhaben lässt, das niemanden ausgrenzt!

 

gez. Almut Schnerring und Sascha Verlan